Die drei Asse im Ärmel von Kristina Schröder

In den Medi­en wird Fam­i­lien­min­is­terin Schröder gerne als das naive Dumm­chen genom­men. Nachzule­sen ger­ade im Inter­view, das der SPIEGEL mit der Min­is­terin geführt hat. Ein Inter­view mit der­art niveaulosen Fra­gen habe ich schon lange nicht mehr gele­sen. Aber was will man auch von der BUNTEN unter den Medi­en, die sich Qual­ität­sjour­nal­is­mus nen­nen, erwarten?

Kristi­na Schröder zeigt in diesem Inter­view vor allem Schlagfer­tigkeit. Und diese zählt auch zu den drei Assen, die sie derzeit im Ärmel hat. Die drei Asse sind: 1. Ihr poli­tis­ches Geschick 2. Ihre Posi­tion als Vertreterin ein­er neuen Gen­er­a­tion 3. Die  derzeit­ige Konkur­ren­zlosigkeit ihres Typs

1. Ihr poli­tis­ches Geschick

Wie man im Inter­view sehr schön sehen kann, hat Kristi­na Schröder dur­chaus rhetorisch etwas auf dem Kas­ten. Die Retourkutsche auf die per­sön­liche Frage nach Kinder­wun­sch ist mehr als gelun­gen und darf als Watschn für die SPIEGEL-Redak­teure betra­chtet wer­den. SPIEGEL-Jour­nal­is­ten über­rascht man wohl am besten damit, dass man zeigt, nicht so zu sein, wie die Medi­en einen darstellt.

2. Vertreterin ein­er neuen Gen­er­a­tion

Schröder shat selb­st schon darauf ver­wiesen, Vertreterin ein­er anderen Gen­er­a­tion zu sein. Und dies stimmt bezüglich ihrer Vorgän­gerin von der Leyen als auch in bezug auf Alice Schwarz­er, mit der sie eine Fem­i­nis­mus-Diskus­sion am Laufen hat. Hier­bei kommt es auch darauf an, zu sehen, dass Schröder auch den Draht zu ihrer Gen­er­a­tion hat, was hier und da in ihren Äußerun­gen deut­lich wird. Dies ist bei von der Leyen, Schwarz­er, sowie der CDU ins­ge­samt ein großes Manko.

3. Die derzeit­ige Konkur­ren­zlosigkeit ihres Typs

Ich kenne einige intel­li­gente Frauen, die der Poli­tik gut tun wür­den, denen Poli­tik aber nicht zusagt. Insofern ist Schröder sicher­lich einen nicht alltäglichen Weg gegan­gen. Daneben hat sie sich eine einiger­maßen eigen­ständi­ge, mod­ern wirk­ende Posi­tion erhal­ten, die in ein­er kon­ser­v­a­tiv­en Partei ihres Gle­ichen sucht. Neben ihr sieht sog­ar die als oppo­si­tionelle Fam­i­lien­min­is­terin gehan­delte Manuela Schwe­sig alt­back­en aus. Das­selbe gilt für Alice Schwarz­er, gegen die Schröder überzeu­gend hält, dass Fem­i­nis­mus nur unter Berück­sich­ti­gung  Män­ner betr­e­f­fend­er Prob­lem­felder erfol­gre­ich sein sollte. So ist sie inzwis­chen inner­halb der CDU her­aus­ge­hoben und bedi­ent als Wäh­lerin­neniden­ti­fika­tion eine CDU-Lücke.

Die Frage ist, durch welche Strate­gie man mit diesen drei Assen das Spiel gewin­nt. Ich weiß noch nicht ein­mal genau, wieviel man als Fam­i­lien­min­is­terin über­haupt gewin­nen kann, schließlich hat von der Leyen ja in der Inter­net­zen­sur-Debat­te nur gezeigt, wie man den Kar­ren laut polternd gegen die Wand fährt. Erschw­erend kommt hinzu, dass Schröder mit ein paar schwarzen Petern zurecht kom­men muss: Sie ist nicht intellek­tuell und noch etwas naiv.

1. Nicht intellek­tuell

Diese Ein­schätzung klingt belei­di­gend. Als würde man sagen wollen, sie sei dumm oder geist­los, was bei­des nicht zutrifft. Aber Schröder ist eben nicht so intellek­tuell, wie sie sich sel­ber gern sähe. Das wurde deut­lich bei ihrem aber­ma­li­gen Ver­such, das The­ma Deutschen­feindlichkeit auf den Tisch zu brin­gen, der wohl als gescheit­ert ange­se­hen wer­den darf. Hier­bei hat­te sie ver­sucht, Deutschen­feindlichkeit als Ras­sis­mus zu tit­ulieren. Dies ist ein­fach­er Unsinn. Es gibt keine um sich greifende Ströh­mung in Deutsch­land, die bes­timmten Per­so­n­en­grup­pen genetis­che Fehlen­twick­lun­gen qua Deutsch­sein unter­stellt. Was Schröder meint ist Frem­den­feindlichkeit. Man muss ja nicht deutsch sein, um frem­den­feindlich zu sein. Durch ihre unglück­liche Begriff­sir­ri­ta­tion hat es Schröder nicht geschafft, das The­ma auf bre­it­er Ebene disku­tier­bar zu machen.

2. Etwas naiv

Die Medi­en­mei­n­ung, Schröder als kleines Dumm­chen abzustem­peln, wird von Schröder durch miss­lun­gene Ver­suche der Begriffs­bes­tim­mung (“Deutschfeindlichkeit”) begün­stigt, aber auch ungün­stige Fernse­hin­ter­views z.B. mit dem ZDF. Es war etwas naiv zu lauben, das ZDF würde Inter­view-Out­takes nicht ver­wen­den. Und dass ihr Ehe­mann sich vor laufend­er Kam­era als Souf­fleur betätigt, ist schon sehr albern. Das darf ihr in der Rolle, die sie gerne verkör­pern möchte, nicht unter­laufen.

Zum Glück sind diese schwarzen Peter nicht auss­chlaggebend über poli­tis­chen Erfolg. Man muss nur das Richtige damit anz­u­fan­gen wis­sen. Und ich bin mir sich­er, wir wer­den schon bald wieder von Kristi­na Schröder hören.

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Studie belegt CDU – Lüge über Kinderpornographie-Massenmarkt im Internet

Die gesamte kul­turelle Men­tal­ität bei uns, repräsen­tiert durch Bush oder durch Jung oder durch Schäu­ble, ist eingestellt auf eine ges­pal­tene Welt. Und wenn man sich den ersten Kreuz­zug mal anschaut, dann war das schon damals ganz genau­so.

Horst Eber­hard Richter im Inter­view mit der taz

Es ist schon woan­ders geschrieben wor­den, auf den Tick­ern der Nachricht­e­na­gen­turen ist das The­ma nicht, aber es sei nochmal erwäh­nt. Beim Ver­such, eine Inter­net­zen­sur in Deutsch­land zu etablieren, hat die CDU in Per­son von Frau von der Leyen bewußt gel­o­gen.

Man hat noch von ein­er unglück­lichen For­mulierung sprechen kön­nen, wenn man wie Frau von der Leyen meint, das Betra­cht­en kinder­pornographis­chen Mate­ri­als führe zum Wun­sch, selb­st Kinder zu miss­brauchen, während die Experten, auf die sie ver­weist, das Gegen­teil sagen.

Es ist aber auch fortwährend von einem kom­merziellen Massen­markt im Inter­net für Kinder­pornogra­phie gesprochen wor­den, weswe­gen eine Inter­net­zen­sur nötig sei.

Den gibt es nicht.

Die Behaup­tung, es gäbe einen kom­merziellen Massen­markt, ist eine dreiste Lüge der CDU, gemacht auf dem Rück­en tat­säch­lich­er Opfer sex­ueller Gewalt.

Den­noch ist immer wieder mit Nach­druck auf diesen erfun­de­nen Massen­markt ver­wiesen wor­den, weil sich das so leicht anbi­etet:

Und Deutsch­land ist eines der lukra­tivsten Län­der für diesen Markt, denn wir sind reich, wir haben Zeit, wir sind viele. […]

[An Franziska Heine gerichtet:] es ist inter­es­sant, dass Sie jet­zt leug­nen, dass es einen Massen­markt von Kinder­pornografie im Inter­net gibt.

Ursu­la von der Leyen im Inter­view mit DIE ZEIT

Für die CDU ist es offen­sichtlich ganz nor­mal, zur Durch­set­zung poli­tis­ch­er Vorhaben zu lügen. Das Ver­weisen auf eine ange­bliche Fak­ten­lage, die es nicht gibt, und der argu­men­ta­tive Druck auf andere, diese ange­bliche Fak­ten­lage zu leug­nen, ist nichts anderes als die Lüge in der Poli­tik.

Es mag nun ungerecht zu sein, die CDU für die Behaup­tun­gen und das Vorge­hen ein­er Einzelper­son in Haf­tung zu nehmen, aber die CDU hat diese Dar­legun­gen nie zurück­gewiesen, sich nie dis­tanziert, das Vorge­hen schlicht akzep­tiert. Die CDU ste­ht hin­ter dieser Lüge.

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Guten Morgen

morgenkaffee

Die Unternehmensgruppe REWE hat­te angekündigt, auf Dat­en des Unternehmens Easy­cash uz verzicht­en, das 50 Mil­lio­nen Dat­en von Kun­den divers­er Fir­men gespe­ichert hat. Dies ist aber offen­bar nicht der Fall.

Die Rheinis­che Post macht ihrem Klis­chee als CDU-Press­es­telle wieder ein­mal alle Ehre. Für die FDP ist dabei die Kri­tik an den Hartz-IV-Verän­derun­gen, die den Fam­i­lien monatlich 5€ mehr geben soll, eine Ver­sündi­gung an den Bil­dungschan­cen der Kinder. Schwierigkeit­en für eine zeit­na­he Umset­zung der geplanten Änderun­gen sieht man allerd­ings bei der Süd­deutschen Zeitung.

Ulrich Schmidt kon­sta­tiert in der NZZ: “Der extrem bre­ite poli­tis­che Kon­sens in Deutsch­land fördert Hys­ter­isierung, Tabuisierung und Ver­drän­gung zen­traler The­men.”

Und während ich mir die Frage stelle: Woran möchte man sich heute eigentlich noch ver­trauensvoll poli­tisch ori­en­tieren? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Was ich noch sagen wollte zur… Kinder-Stasikarte

Die Som­mer­pause ist been­det, es wird wieder gerüf­felt in der CDU. Erst rüf­felte CDU-Min­is­terin Schröder CDU-Min­is­terin von der Leyen und nun rüf­felt die zurück oder so. Rüf­feln — allein das Wort schon. Worum geht’s denn dieses Mal?

Fam­i­lien­min­is­terin Kristi­na Schröder hat über eine Bil­dungschip­karte gesagt, diese dürfe nicht der­art ver­wend­bar sein, dass man die Kinder auss­pi­onieren dürfe:

Die Chip­karte darf nicht dazu führen, dass wir kün­ftig Bewe­gung­spro­file von Kindern und Jugendlichen erstellen kön­nen oder staatliche Stellen präzise Infor­ma­tio­nen über deren Freizeitver­hal­ten sam­meln.

Daraufhin sagt die Erfind­erin dieser Chip­kartenidee, Bun­de­sar­beitsmin­is­terin von der Leyen:

Es würde doch nie­mand auf die abwegige Idee kom­men, diese Karten zu ver­teufeln mit dem Argu­ment, man könne damit her­aus­find­en, in welchem Vere­in ein Kind Fußball spielt oder welch­es seine Lieblings­bib­lio­thek ist.

Ein etwas selt­samer Satz, denn genau auf die “abwegige Idee” ist Fam­i­lien­min­is­terin Schröder ja ger­ade gekom­men. Was aber auch ver­wun­dert: Offen­bar wird es mit solchen Karten prob­lem­los möglich sein, der­ar­tige Erhe­bun­gen über das Ver­hal­ten der Kinder zu machen. Und eine Absicht­serk­lärung, dass die Karten der­art nicht gedacht wor­den sind, sieht auch anders aus. Stig­ma­tisierun­gen wären Tür und Tor geöffnet.

Allzu­lang muss man bei diesem CDU-The­ater aber auch nicht ver­weilen: Wed­er haben die Kom­munen, die das Bil­dungsange­bot durch die Chip­karte ermöglichen sollen, hier­für Kapaz­itäten, noch ist denkbar, wie allein eine Chip­karte genau die Kinder mit Bil­dungsange­boten erre­icht, die ein­er oft­mals im All­t­ag bil­dungsver­weigern­den Schicht ange­hören.

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Guten Morgen

morgenkaffee

Thomas Stadler wun­dert sich darüber, dass in den USA ein Doku­men­tarfilm über den Holo­caust nicht gezeigt wer­den darf wegen dis­turb­ing images of Holo­caust atroc­i­ties and graph­ic nudi­ty. Wenn man das Böse doch immer nur umge­hen kön­nte, indem man die Augen ver­schließt.

Passend zum Wech­sel von Stef­fen Seib­ert vom ZDF zur Bun­desregierung befasst sich Hans Leyen­deck­er bei der Süd­deutschen mit der­ar­ti­gen Wech­seln: Sor­gen Sie dafür, dass das aufhört.

Bei netzwertig.com veröf­fentlicht man einen Medi­enkom­pe­ten­zlehrplan.

In der Stuttgarter Zeitung gab es eine halb­seit­ige Anzeige des über Face­book ini­ti­ierten Stuttgarter Appells, das Geg­n­er und Befür­worter des Pro­jek­ts Stuttgart 21 zusam­men­führen soll.

Und während ich mir die Frage stelle: Wür­den wir nicht von viel mehr Sem­i­naren gehört haben, wenn Kom­pe­tenz lehrbar wäre? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Guten Morgen

morgenkaffee

Auch 24 Jahre nach der Ther­nobyl-Katas­tro­phe müssen die Schä­den noch beglichen wer­den. So zahlt Deutsch­land 424.650€ im Jahr — für radioak­tive Widlschweine.

Der katholis­che Moralthe­ologe Franz-Josef Bor­mann beschäftigt sich in der Frank­furter Rund­schau mit der Frage Was ist Wil­lens­frei­heit?, wenn auch nur, um sich selb­st auf die Schul­ter zu klopfen:

Die the­ol­o­gis­che Ethik hat daher stets Ein­spruch gegen die ver­schiede­nen Ver­drän­gungsmech­a­nis­men men­schlich­er Ver­ant­wor­tung erhoben und sich etwa durch die begrif­fliche Unter­schei­dung von moralisch „Bösem“ und außer­moralis­chem „Übel“ darum bemüht, den Raum der Frei­heit und Ver­ant­wor­tung des Men­schen real­is­tisch auszumessen. An der Dringlichkeit dieser Auf­gabe dürfte sich auch durch die Erken­nt­n­is­fortschritte der mod­er­nen Hirn­forschung wenig geän­dert haben.

Hans Leyen­deck­er nimmt den Fall Kachel­mann zum Anlass, über den eige­nen Beruf­s­stand zu reflek­tieren: Ein öffentlich­es Geschäft.

Und während ich mir die Frage stelle: Quieken radioak­tive Wild­schweine anders? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Guten Morgen

morgenkaffee

Das Mag­a­zin der Süd­deutschen Zeitung geht heute den Punks von gestern nach und kon­sta­tiert, dass Punk vielle­icht älter gewor­den, aber noch lange nicht tot ist.

Oskar Lafontaine meint im Inter­view mit Oliv­er Das Gup­ta, dass Rot-Grün beständig Sozialleis­tun­gen kürzen würde und dass die NRW-SPD mit der Anfein­dung der Linken einen Fehler bege­ht.

Markus bei bert­de­sign behan­delt die Real­ität zur Satire Clean­ter­net, die in Däne­mark wesentlich irri­tieren­der rüberkommt als jegliche Satire.

Der rome hat gut zu tun oder so. Auf jeden Fall Ahnung und Fach­wis­sen. Glaub ich.

Und während ich mir die Frage stelle: War man eigentlich nie cool ohne Punk gewe­sen zu sein? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Guten Morgen

morgenkaffee

In der Süd­deutschen Zeitung läutet die Let­zte-Wahlkampf-Skan­dale-vor-der-Wahl- Woche ein: Ein ominös­es Tele­fon beschäftigt Hans Leyen­deck­er und Johannes Nitschmann. Die NRW-CDU ste­ht in Ver­dacht den heuti­gen Wahlkampf­man­ag­er Boris Berg­er mit einem 1-Euro-Mer­cedes gelockt zu haben. Rüttgers weiß von nichts.

Zum Welt­tag des Buch­es haben Redak­teure bei der Süd­deutschen Zeitung ihre Top 100 zusam­mengestellt und kom­men­tiert.

Lin­da de Mol ver­schenkt Call­boys: Falk Mede­ja bere­ichtet bei Meine Güte, dass man in den Nieder­lan­den für ein Neu-Abo der Zeitung Lin­da zwei Stun­den Sex mit einem Call­boy gewin­nen kann. Bewor­ben wird die Aktion von Lin­da de Mol.

Und während ich mir die Frage stelle: Dür­fen sich da eigentlich nur Frauen ein Abo holen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Der Ausverkauf der FDP

Als im let­zten Jahr ein paar Leute mit Blogs, die die CDU bish­er nicht son­der­lich wahrgenom­men hat­te, den Auf­s­tand probten gegen die Inter­net­zen­sur, da meinte Ursu­la von der Leyen noch, dass das ja nur 134.000 Einzelmei­n­un­gen gewe­sen seien, die da gegen ihr Vorhaben votiert hat­ten. Die Mehrheit der Deutschen sei schließlich nicht auf die Straße gegan­gen.
Ganz so läs­sig sah man das ander­swo in der CDU offen­sichtlich nicht, da ist die Rede davon, man habe viel Lehrgeld bezahlen müssen. Stimmt schon irgend­wie: Wenn der­ar­tige Aktio­nen, die sich gegen Vorhaben der CDU wen­den, zum Trend wer­den, ver­liert man sicher­lich Wäh­ler. Aber lustiger­weise klingt die Äußerung so, als sei das mit dem Lehrgeldzahlen vor­bei.
Aber immer­hin hat sich dieser kri­tis­che Trend derzeit ein wenig auf FDP ver­schoben. Und dort weiss man sich eben­so wenig zu ori­en­tieren und zu wehren, wie die CDU zeit­ens der für sie fast über­flüs­si­gen Zen­sur­su­la-Debat­te.

Die FDP weist bei der Kri­tik an der Lob­by-Spenden­gala darauf hin, dass an jen­em Abend keine Spende über die anzeigen­verpflich­t­ende Summe von 50.000€ gegan­gen ist. Man muss eben nur wis­sen, wie man dem Gesetz ein Schnip­pchen schlägt.
Wer zuvor auf sein­er Inter­net­seite damit prahlt, dass es sich bei den dama­li­gen Spenden um ein Reko­rdergeb­nis gehan­delt hat, dem kön­nte es ja auch in den Sinn gekom­men sein, darauf zu acht­en, dass keine Einzel­spende zu hoch ist, solange die Gesamt­spende dieser Lob­by die Partei freude­taumeln lässt.
Freude­trunk­end ver­fasst man bei der FDP dann auch solche goldigen Sätze:

Ganz im Stile des Barack-Oba­ma-Wahlkampfes wur­den die Spender vom FDP-Bun­des­geschäfts­führer Hans-Jür­gen Beer­feltz mit ein­er Logen-Ein­ladung bei der „Schlager­nacht des Jahres“ in der O2-World belohnt.

Das stimmt natür­lich: Zum Stile des Oba­ma-Wahlkampfes gehörte es sicher­lich nicht, die Wäh­ler von den Ide­alen der sozialdemokratis­chen Partei und von einem Poli­tik­wech­sel zu überzeu­gen — die woll­ten über­teuerte Logenkarten für abge­halfterte Par­tyevents unters Volk brin­gen!
An der Ret­tung der lib­eralen Rep­u­ta­tion ver­suchen sich derzeit nur unbe­holfen wirk­ende Neue­in­steiger in der Bun­de­spoli­tik und Jour­nal­is­ten, denen eine kri­tis­che Selb­stre­flex­ion nie in den Sinn kom­men würde:
Der beken­nende FDP-Fan Ulf Poschardt hat in der Welt einen kom­plett parteinehmenden Kom­men­tar veröf­fentlicht, der die Kri­tik­er der FDP als naive Demokratie-Phan­tas­ten darstellt. Man müsse der Wirtschaft so helfen, wie es die FDP tue, dann wäre schliesslich allen geholfen.
Großar­tig unnaiv, nicht wahr? Dass ger­ade die klein- und mit­tel­ständis­chen Hote­liers sagen, die Mehrw­ert­s­teuer­ent­las­tung käme nur den großen Ket­ten zugute, weil für die Kleinen der höhere Bürokratieaufwand die ver­min­derte Mehrw­ert­s­teuer egal­isierte, überge­ht Poschardt dabei völ­lig, wie auch jede andere inhaltliche Analyse.
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Süd­deutsche Zeitung: Die Rabatt-Könige der FDP
Michael Spreng: FDP — Die Stern­schnup­pen-Partei

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Merkel ‘not amused’ über kritische Frage

Der für den Telegraaf schreibende freie Jour­nal­ist Rob Savel­berg hat seinen Artikel zur Pressekon­ferenz zum Ende der Koali­tionsver­hand­lun­gen veröf­fentlicht. Hier die Über­set­zung aus dem Nieder­ländis­chen:
http://www.telegraaf.nl/buitenland/5156227/__Luchtjes_aan__Mannschaft___.html?p=22,1
Etwas Faul an Merkels Mannschaft
Die deutsche Bun­deskan­z­lerin Angela Merkel war not amused als der Kor­re­spon­dent des Telegraaf, Rob Savel­berg, sie nach den Umstän­den der Beru­fung von Wolf­gang Schäu­ble zum Finanzmin­is­ter fragte.
Merkel machte gestern erle­ichtert ihr neues Kabi­nett bekan­nt. Ihre “Mannschaft” beste­ht aus ein­er mit­terecht­en Koali­tion von CDU/CSU und FDP, die unsere Ost­nach­baren aus dem wirtschaftlichen Morast ziehen muss. Aber es beste­hen Zweifel über die Ver­trauenswürdigkeit und Eig­nung einiger Min­is­ter Merkels.
Mit­ten in der größten finanziellen Krise seit 1929, zu einem Zeit­punkt, in dem die Staatss­chuld explodiert und ver­sagende Banken mit ein­er hal­ben Bil­lion Steuergeld gerettet wer­den müssen, ver­traut Merkel die Finanzen von 82 Mil­lio­nen Deutschen an einen kon­ser­v­a­tiv­en Parteigenossen, der an einem akuten Erin­nerungsver­lust litt.
Am 2. Dezem­ber 1999 erk­lärte Wolf­gang Schäu­ble, dass er den obskuren Waf­fen­händler Karl-Heinz Schreiber nur ein Mal in einem Hotel in Bonn gese­hen habe. Bei der Befra­gung im Deutschen Bun­destag “ver­gaß” Schäu­ble, dass er bei einem zweit­en Tre­f­fen mit dem Lob­by­is­ten nur einen Tag später im Büro, einen Briefum­schlag mit 100.000 DM bekam.
Das ille­gale Geschenk blieb monate­lang in ein­er Schublade liegen. Schlussendlich kostete die Schmiergeldaf­färe Altkan­zler Hel­mut Kohl und Kro­n­prinz Wolf­gang Schäu­ble den Kopf. Schreiber ist nach jahre­langer Flucht ger­ade an Deutsch­land aus­geliefert wor­den. Jet­zt darf es Schäu­ble (67) erneut pro­bieren. Merkel stam­melte gestern nach den Fra­gen des Telegraafs über die beschmutzte Ver­gan­gen­heit von Schäu­ble: “Er hat viel Erfahrung und unser voll­stes Ver­trauen.” Die Kan­z­lerin reagierte etwas von der Rolle durch die Kon­fronta­tion mit der Ver­gan­gen­heit, auch Koali­tion­spart­ner und neuer deutsch­er Vizekan­zler Gui­do West­er­welle schloss aus Verzwei­flung kurz die Augen.
Schäubles Ernen­nung ist nicht die einzige, die zu Stirn­run­zeln führte. Im Außen­min­is­teri­um bekommt es die Welt for­t­an mit West­er­welle, dem Vizekan­zler des größten EU-Lan­des zu tun. Der lib­erale Parteivor­sitzende der FDP spricht jedoch deren Sprachen nicht. Bei ein­er Pressekon­ferenz stellte ein BBC-Reporter ihm eine Frage auf englisch und West­er­welle zeigte Ner­ven. Auf dem Videokanal YouTube kann man sehen, wie West­er­welle sich mok­iert, in Deutsch­land müsse deutsch gesprochen wer­den. Daneben schaute man in Berlin sorgevoll auf die Reisen, die West­er­welle in die Ara­bis­che Welt machen wird. Zweifel­los wird er ab und zu seinen Lebenspart­ner mit­nehmen, aber es ist unklar, wie mus­lim­is­che Län­der auf die homo­sex­uelle Beziehung West­er­welles reagieren. In jedem Fall wer­den die Beziehun­gen zu den USA stark bleiben. Sowohl die FDP, die CDU und die bayrische Schwest­er­partei CSU beste­hen aus überzeugten Ver­bün­de­ten der transat­lantis­chen Beziehun­gen. Den­noch wird die zweite Regierung Merkels die Amerikan­er bit­ten, die let­zten Kern­waf­fen in Deutsch­land, Überbleib­sel des Kalten Krieges, vom Bun­des­ge­bi­et abzuziehen.
Weit­er­hin ist die deutsche Regierung das Resul­tat eines poli­tis­chen Stuhltanzes. Der stüm­per­hafte Vertei­di­gungsmin­is­ter Franz-Josef Jung, der nie ein­räumte, dass sich sein Land in Afghanistan im Krieg befind­et, darf sich jet­zt als Arbeitsmin­is­ter ver­suchen. Der ein­flussre­iche Wirtschaftsmin­is­ter, Karl-Theodor Graf zu Gutennberg, nimmt die Vertei­di­gung unter seine Fit­tiche.
Schäu­ble wird als Innen­min­is­ter durch Thomas Maiz­iére (CDU), einem engen Ver­traut­en Merkels, erset­zt. Die far­ben­fro­he Ursu­la von der Leyen, Mut­ter von 7 Kindern, bleibt als Fam­i­lien­min­is­terin Ansprech­part­ner­in von André Rou­voet. Eine weit­ere Über­raschung ist die Beru­fung des 36-jähri­gen FDP-ers Philipp Rösler, der als viet­name­sis­ches Kind durch eine deutsche Fam­i­lie adop­tiert wurde, zum Gesund­heitsmin­is­ter.
mehr:
Rob Savel­berg im Inter­view mit Welt Online:
Schäu­ble ist keine saubere Per­son.
Die Über­set­zung wurde von Rob Savel­berg autorisiert.
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Volk­er Pis­pers 1993 über Wolf­gang Schäu­ble

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