Giovanni di Lorenzos Altherrengespräche

Erst hat er ein Inter­view-Buch mit Hel­mut Schmidt veröf­fentlicht, nun kommt eins mit Ex-Bun­desvertei­di­gungsmin­is­ter Gut­ten­berg: Gio­van­ni di Loren­zo etabliert sich als erste Adresse für Poli­tik­erge­spräche auf Home­sto­ry-Niveau. Man weiß gar nicht, ob man das gut oder schlecht find­en sollte.

In der aktuellen Aus­gabe der ZEIT find­et sich ein dur­chaus imposantes mehr­seit­iges Inter­view di Loren­zos mit Gut­ten­berg [Zusam­men­fas­sung]. Es soll den Ex-Min­is­ter reha­bil­i­tieren, so lange noch etwas von seinem ein­sti­gen medi­alen Schein auf ihn fall­en kann. Das kann man zumin­d­est dem Inter­viewten ankrei­den. Beim Inter­view­er sieht das allerd­ings anders aus: Schon bei seinen Anmerkun­gen zu den Schmidt-Inter­views hob er immer wieder her­aus, was für ein Stil der ganzen Laberei innewohnte: Wie Hel­mut Schmidt durchs Haus kommt, wie er raucht, wie er Pausen macht. Di Loren­zos Auf­gabe bei diesen Inter­views ist nur eine: Die Rede unter­stützen­des Rezip­ieren. Es ist kein Stre­it­ge­spräch, kein Diskurs auf gle­ich­er Höhe, son­dern immer nur ein Ver­such auf die ver­meintliche Höhe zu sprin­gen. Es ist das Cof­fee & Cig­a­rettes des Feuil­leton, ein Alther­renge­spräch, dessen einzige Ambi­tion das Reflek­tier­twer­den ist. Irgend­wie ver­wun­der­lich, dass sich noch nie­mand bei der BUNTE beschw­ert hat, dass ihr Konzept so plump abgekupfert wird.

Das­selbe Strick­muster wen­det di Loren­zo bei Gut­ten­berg an: Den Pla­gia­tor reden lassen, ein paar Ein­wände, aber nicht zu viele, es soll ja kein Stre­it­ge­spräch wer­den. Di Loren­zo entwick­elt keine eigene Posi­tion, spielt zumin­d­est nicht den intellek­tuellen Gesprächs­ge­gen­part, und da stellt sich eigentlich schon die Frage: Was soll das Ganze? Kann die Loren­zo nicht anders? Hat er nur sein Blatt im Auge, das nun erste Adresse für Poli­tik­er­home­sto­ries von rechts wie links ist? Das wäre ohne Frage schon ein gewiss­es Pfund für die ZEIT.

Aber wenn man nun ein­mal das Inter­view mit Gut­ten­berg kri­tisch beäugt, kann man eben auch fest­stellen: Gut­ten­berg alleine kann das Gespräch nicht son­der­lich inter­es­sant gestal­ten: Plumpe Behaup­tun­gen, aber auch keine ern­sthaft bemerkenswerten Pro­voka­tio­nen. Keine rheotrische Finesse, nur ein Kon­tern-ins-Off auf Zwis­chenbe­merkun­gen von di Loren­zo. Keine Größe, keine poli­tis­che Stel­lung­nahme, die erhel­lend ist. Lang­weilig ist das Gerede.

Das Inter­view zeigt: Gut­ten­berg strahlt nicht. Zumin­d­est nicht ohne die Schein­wer­fer der Medi­en. Und vielle­icht sollte man di Loren­zo für diese Darstel­lung schon wieder dankbar sein.
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Eine Inter­viewan­frage des Deutsch­landra­dios über die Rolle der ZEIT beim Relaunch Gut­ten­bergs lehnte di Loren­zo nach Angaben des Deutsch­landra­dios ab. || Ulrich Horn sieht die Sache ähn­lich.

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Guttenbergs Gießkanne

Was hat die Union in let­zter Zeit nicht schon alles angestellt, um das Feuer, das der Gut­ten­berg-Skan­dal ent­facht hat, auszutreten: Da wurde über­hastet ver­sucht, die Inter­net­zen­sur in Deutsch­land einzuführen, da wur­den Mus­lime in Deutsch­land belei­digt, aber es half alles nichts, das The­ma Gut­ten­berg und sein Pla­giat ist nicht tot zu kriegen.

Ich habe schon Anfang März gesagt, dass Gut­ten­bergs Dok­torar­beit so etwas wie den Inbe­griff eines Pla­giats darstellt, und das scheint sich in der Tat zu etablieren. Wer immer an der Uni­ver­sität Arbeit­en auf Pla­giatismus unter­suchen muss, der kann anhand der Arbeit Gut­ten­bergs die Tricks ler­nen.

Inzwis­chen wer­den schon Namen für Gut­ten­bergs Arten zu plagi­ieren vergeben, z.B. Gut­ten­bergs Gießkanne. Gut­ten­berg hat offen­sichtlich dutzende Male Fußnoten aus ein­er Arbeit seines eige­nen Dok­tor­vaters über­nom­men. Auf der Seite Gut­ten­plag erk­lärt man dies so:

Mit dieser Meth­ode sug­geriert man dem Dok­tor­vater ohne viel Aufwand, dass man die rel­e­vante Lit­er­atur ken­nt.

Die Mitar­beit­er von Gut­ten­plag kön­nen sog­ar so weit gehen, dass  nachgewiesen wird, dass Gut­ten­berg im Orig­i­nal des Dok­tor­vaters namentlich falsch zitierte Autoren ein­fach über­nom­men hat, weil der Fehler des falschen Namens blieb.

Das hier doku­men­tierte Vorge­hen zeigt, dass an vie­len Stellen der Arbeit nicht ein­mal der Ver­such ein­er wis­senschaftlichen Auseinan­der­set­zung unter­nom­men wurde.

Mit der deutschen Wis­senschaft sollte sich Gut­ten­berg wohl kein zweites Mal anle­gen. Und sein Dok­tor­vater wird es nicht auf Google schieben kön­nen, dass ihm Pla­giate sein­er eige­nen Arbeit ent­gan­gen sind.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Gestern wurde gesucht, heute ist Ascher­mittwoch, da wird aufgeräumt, und das nicht zu knapp:

Ulrich Horn nimmt sich ener­gisch den Skan­dal um Gut­ten­berg sowie CDU und CSU im beson­deren zur Brust:

Der Gut­ten­berg-Skan­dal ver­langt nach Kon­se­quen­zen. Er hat dem Anse­hen der Poli­tik geschadet. Das Show-Geschäft ver­suchte, sich der Poli­tik zu bemächti­gen. Ob sich die repräsen­ta­tive Demokratie gegen diesen Angriff dauer­haft behaupten kann, ist noch nicht aus­gemacht. Gestützt auf seine Pop­u­lar­ität wollte Gut­ten­berg Maßstäbe ver­schieben und Regeln außer Kraft set­zen, um seine Ver­fehlun­gen zu kaschieren. Solche Attack­en dür­fen nicht gelin­gen. Damit sie scheit­ern, sind Poli­tik­er mit Rück­grat nötig. Der Fall Gut­ten­berg zeigt: Die Parteien müssen die Auswahl ihrer Man­dat­sträger verbessern, wenn sie Glaub­würdigkeit zurück­gewin­nen und ihren Gestal­tungsanspruch aufrechter­hal­ten wollen.

Rou­ven räumt mit dem Vorurteil auf, er könne gut mit Kindern umge­hen in Frühkindliche Autorerotik.

Denis räumt mit wichtigem Zeugs aus sein­er Schulzeit auf.

Und während ich mir die Frage stelle: Was oder wom­it kön­nte ich denn heute mal aufräu­men? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[ Foto: Luc van Gent ]

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Wie ist das eigentlich mit… der Bewertungsverteidigung einer Doktorarbeit?

Das ist wohl ein Novum im Wis­senschafts­be­trieb: Die öffentliche Vertei­di­gung der Akzep­tanz und Best­noten­be­w­er­tung ein­er Dok­torar­beit durch die uni­ver­sitären Betreuer. Lei­der ist sie nicht überzeu­gend.

Natür­lich ist es eine Frech­heit, was Karl-Theodor Gut­ten­berg den Prüfern sein­er Dok­torar­beit unterge­jubelt hat. Und es ist eine weit­ere Frech­heit, diesen jet­zt unter­jubeln zu wollen, es han­dle sich bei den Fehlern um einzelne Fußnoten, die fehlen, und zu behaupten, Gut­ten­berg sei der Überblick ver­loren gegan­gen. Eine ver­trauliche per­sön­liche Beziehung entlässt aber nicht das per­sön­liche kri­tis­che Arbeit­en im wis­senschaftlichen Bere­ich, ger­ade nicht bei Magna-cum-laude-Dok­torar­beit­en.

Wenn die zuständi­gen Pro­fes­soren Häber­le und Strinz ihre Bew­er­tung nun schon öffentlich vertei­di­gen, sei sie kri­tisch hin­ter­fragt:

- Einen hoher “Grad der Durch­dringung des The­mas in allen seinen Facetten” stelle mir als Grund­lage jed­er Dok­torar­beit vor. Eine Best­note in ein­er Dok­torar­beit muss anders begrün­det wer­den.
— Der Satz, dass das Kapi­tel über den Gottes­bezug eine damals aktuelle Diskus­sion des Ver­fas­sungsver­trags der EU aufnähme ist etwas zäh­neknirschig ob der schlicht­en Kopie des größten Teils dieses Kapi­tels, was aber nicht ent­deckt wer­den kon­nte, weil die Prüfer Google nicht ver­wen­det haben.
— Die Annahme allerd­ings, man hätte 2006 Google noch nicht zur Iden­ti­fizierung von Pla­giat­en nutzen kön­nen, ist schlicht falsch. Zudem wird durch diese Behaup­tung die Frage aufge­wor­fen: Haben die bei­den Bew­ert­er bis 2006 bei ihren Dok­toran­den über­haupt keine zeit­entsprechende Pla­giat­sprü­fung durchge­führt?

Wovor ret­tet denn nun diese Dok­torar­beits­be­w­er­tungsvertei­di­gung wen?

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Was ich noch sagen wollte… zur Christlich-Demagogischen Union

Aus kon­ser­v­a­tiv­en Kreisen kam nach dem Rück­tritt Gut­ten­bergs wieder­holt die Auf­forderung das The­ma Gut­ten­berg nun gut sein zu lassen. Aber genau das ist Teil der Anti-Aufk­lärung, die die Union weit­er­hin betreibt: Die polemis­che Abkan­zlung kri­tis­ch­er Analy­sen.

Andreas Fis­ch­er-Les­cano, der den Gut­ten­berg-Skan­dal ins Rollen brachte, hat eben diese Anti-Aufk­lärung im Sinn, wenn er in Anlehnung an Luh­mann eine eigene Kausal­ität im Süden kon­sta­tiert:

Der Vertei­di­gungsmin­is­ter gibt die Lin­ie der Argu­men­ta­tion vor, die Bayreuther Kom­mis­sion spin­nt sie dankbar weit­er. Die Wis­senschaftsin­sti­tu­tion befre­it den Poli­tik­er von ein­er lästi­gen Diskus­sion; der Poli­tik­er been­det eine für die Uni­ver­sität rep­u­ta­tion­ss­chädliche Diskus­sion.

Nach Luh­mann macht genau das die „Kausal­ität im Süden“ aus: Errun­gen­schaften des Rechtsstaats und der funk­tionalen Aus­d­if­feren­zierung wer­den kurzgeschlossen. Das Recht wird kreativ angepasst. Man könne, so Luh­mann, ger­ade im Süden beobacht­en, dass die Gewohn­heit, „in Net­zw­erken der Hil­fe, der Förderung und der erwart­baren Dankbarkeit zu denken, erhal­ten geblieben, aber von der gesellschaftlichen Strat­i­fika­tion auf die Organ­i­sa­tio­nen über­tra­gen wor­den ist“. Die „ansprech­baren“ Ressourcen wür­den aus den Kom­pe­ten­zen „abgezweigt“, die Posi­tio­nen in Organ­i­sa­tio­nen zur Ver­fü­gung stell­ten. Oft genüge das Pres­tige ein­er Posi­tion, um sich für etwas einzuset­zen, was mit den Auf­gaben des Amtes nichts zu tun hat.

Ich bin kein so großer Luh­mann-Fan, daher halte ich es lieber mit dem Begriff der Anti-Aufk­lärung als eine gegen die Aufk­lärung gerichtete Denkweise.

Im Gut­ten­berg-Skan­dal ist es Gut­ten­berg selb­st, der diese Anti-Aufk­lärung betreibt. Gut­ten­bergs rhetorisch­er Trick ist immer der­selbe: Er nimmt eine berechtigte Sachkri­tik und sagt dann, er habe darauf angemessen und durch­dacht reagiert. Das ist so wie bei einem Fußballer, der nur eine einzige Drib­blingsart beherrscht. Aber das reicht in der Union, denn dribbeln kann da kein ander­er. Wer jet­zt in Frage stellt, dass das angemessen oder durch­dacht ist, was Gut­ten­berg von sich gibt, gerät in die Gefahr, als übertreiben­der Nör­gler da zu ste­hen. Diesen Vorteil erre­det sich Gut­ten­berg.

Gut­ten­berg hat so beim soge­nan­nten Krisen­man­age­ment der Pla­giat­saf­färe schon in Kelkheim am 21.02.2011 stark die Presse ange­grif­f­en. Das geschah durch Ausspie­len der ange­sproch­enen Zuhör­er als Öffentlichkeit und den Medi­en als Haupt­statt­presse. Durch diese Gegenüber­stel­lung sagt er, dass die Medi­en gar nicht zur Öffentlichkeit gehören.

Auf der Spitze dieser Darstel­lung sagt Gut­ten­berg, dass die Zuhör­er bess­er ihm direkt lauschen, als das lesen, was Medi­en wie die FAZ über ihn schreiben. Grotesk wird die Aus­sage ger­ade dadurch, dass Gut­ten­berg die Ein­leitung sein­er Dok­torar­beit voll­ständig aus der FAZ kopiert hat. Der nack­te Kaiser merkt auf dem Höhep­unkt sein­er öffentlichen Bejubelung nicht, was für eine Witz­fig­ur er eigentlich abgibt.

Aber auch andere Poli­tik­er in der Union basteln fleißig an der Anti-Aufk­lärung:

Kristi­na Schröder hat in ihrer zu Recht kaum beachteten Dok­torar­beit den inter­es­san­ten Unter­schied zwis­chen CDUlern auf Bun­de­sebene und CDUlern an der Basis gemacht. Sie wollte wis­senschaftlich her­aus­find­en, wie man der­ar­tige Unter­schiede method­isch analysieren kann. Völ­lig ignori­ert hat Köh­ler dabei die Möglichkeit, dass CDU-Poli­tik­er auf Bun­de­sebene eben gar nicht nach wis­senschaftlich erfass­baren Kri­te­rien arbeit­en, son­dern ledliglich mach­to­ri­en­tiert. Aber es ist schon inter­es­sant, dass jemand von der Bun­de­sebene dieses mögliche Missver­hält­nis wis­senschaftlich adeln möchte.

Schließlich der CSU-Bun­desmin­is­ter­nach­fol­ger von Gut­ten­berg, Hans-Peter Friedrich. Dieser hat zu Amts­be­ginn den kaum ver­ständlichen Satz for­muliert:

Dass der Islam zu Deutsch­land gehört, ist eine Tat­sache, die sich auch aus der His­to­rie nir­gends bele­gen lässt.

Unterm Strich hat Friedrich etwas gesagt, was er nicht sagen wollte, näm­lich: Dass der Islam zu Deutsch­land gehört, ist eine Tat­sache. His­torische Belege fehlen, aber es ist eine Tat­sache.

Er wollte wohl eher sagen, dass es eine Behaup­tung ist, der his­torische Belege fehlen. Lei­der fehlen die aber gar nicht. Aber es geht ihm ja auch nicht um Aufk­lärung. Friedrich bedi­ent lediglich nation­al­is­tis­che Gefüh­le: Dazuge­hören und inte­gri­eren, d.h. alte Sit­ten aus­radieren, wenn sie nicht deutsch sind, weil sie nicht deutsch sind, egal wie gut begrün­det sie sein mögen. Wohl gemerkt: Für die Union heißt inte­gri­eren nicht par­tizip­ieren.

Teile von CDU und CSU sind also auf der Suche nach der eige­nen kon­ser­v­a­tiv­en Iden­tität im Nation­al­is­mus gelandet. Von hier aus her­zlichen Glück­wun­sch.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Die Pro-Gut­ten­berg-Demon­stra­tio­nen sind gestern dann doch eher mikrig aus­ge­fall­en. In Leipzig war keine Sau. Wenig­stens hat­te Hen­ryk M. Broder seinen Spaß.

Bei der NZZ wirft man einen nach­sichti­gen Blick auf die derzeit rekon­va­leszieren­den CDU und CSU.

Die Ein­nahme des Schmerzmit­tels Ibo­prophen kön­nte vor Parkin­son schützen.

Und während ich mir die Frage stelle: Hat die Union inzwis­chen einge­se­hen, dass eben keine Mehrheit der Deutschen Gut­ten­berg ern­sthaft zurück will? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[ Foto: Luc van Gent ]

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Hach, diese neue Einigkeit in CDU & CSU ist schon schön: Da faselt der neue CSU-Innen­min­is­ter was davon, dass es für ihn eine unbelegte Tat­sache, dass der Islam in Deutsch­land ver­wurzelt ist und die Bun­deskan­z­lerin sagt, den solle man mal labern lassen, sie habe ihn nicht als Pflanzen­beauf­tragten eingestellt oder so.

Von Gut­ten­berg wis­sen wir ja, dass er in inten­sivster Kleinar­beit seine Herzen­san­gele­gen­heit Bun­deswehrreform bis zu let­zt voran getrieben hat, so dass er ein gut bestelltes Haus übergeben kon­nte. Der Bun­deswehr hat das wohl so gut gefall­en, dass die erste Maß­nahme ist, den Erfind­er dieser Bun­desre­form an die frische Luft zu set­zen.

Beim Deutsch­land­funk lief gestern das Fea­ture von Gaby Weber über ihre Unter­suchun­gen zum Fall Adolf Eich­mann. Die Autorin hat nach langer Zeit endlich vom BND Zugang zu dama­li­gen Akten bekom­men.

Und während ich mir die Frage stelle: Hat solch ein hol­ter­dipolter CSU-Innen­min­is­ter eigentlich mehr Kred­it bei der Kan­z­lerin, weil sein Vorgänger schon so gegan­gen wer­den musste? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Erste Maßnahmen nach der Machtergreifung

Es sind jet­zt die ersten Maß­nah­men geleakt wor­den, wenn die ProGut­ten­berg-Face­book-Gruppe den Führer ihren Liebling zurück an die Macht bekommt: Die Chefredak­teure von ARD und ZDF wer­den gegen fol­gsamere Jour­nal­is­ten aus­ge­tauscht und der Dok­tor­vater von Gut­ten­berg kommt auf die Anklage­bank:

Wenn ich das richtig ver­standen habe, ist also Elmar Theveßen Gut­ten­bergs Ghost­writer. Wer hätte das gedacht .

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Wolf­gang Michal bedankt sich bei Gut­ten­berg, dass er dafür gesorgt habe, dass der klas­sis­che Jour­nal­is­mus die nichtk­las­sis­chjour­nal­is­tis­chen Inter­net­be­nutzer respek­tiere.

Hoch her ging es gestern im Fernse­hen zu Gut­ten­berg bei Hart aber fair und beim wieder etwas über­forderten Markus Lanz, was man jew­eils dort nachguck­en kann. Für Gut­ten­berg wird da gerne dessen ange­blich tadel­lose Leis­tung als Vertei­di­gungsmin­is­ter ins Spiel gebracht, auch wenn das Bun­deskan­zler­amt seine Bun­deswehrreform am lieb­sten in die Tonne klop­pen würde.

Die Katholis­che Kirche will Opfern katholis­ch­er Geistlich­er und Mitar­beit­er 5.000€ plus Ther­a­piekosten zahlen.

Friedrich Küp­pers­busch küm­mert sich bei Radio Bre­men diese­Woche um den Lügen­baron: [audio:http://httpmedia.radiobremen.de/mediabase/043959/043959_152139.mp3]

Und während ich mir die Frage stelle: Wer hat denn nun was vom abge­bliche neuen Respekt des unterge­hen­den klas­sis­chen Jour­nal­is­mus’? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[ Foto: Luc van Gent ]

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Guttenbergs Dolchstoßlegende

Die Union hat gestern gemeint, man solle derzeit im Fall Gut­ten­berg Ruhe einkehren lassen, aber angesichts des Umstands, dass Gut­ten­berg in diesem Schat­ten gestern eine solche Dolch­stoßle­gende vom Stapel gelassen hat, ignoriere ich diesen Wun­sch ein­mal.

Gut­ten­berg behan­delt in sein­er Rück­trittsrede (s.u.) grob vier Oberthe­men:

1. Den Schul­ter­schluss zu seinen Ver­bün­de­ten
(Merkel in [1] und [39], “die Mehrheit der deutschen Bevölkerung”, die vie­len Mit­gliedern der Union, See­hofer und den Sol­datin­nen und Sol­dat­en, “die mir bis heute den Rück­en stärk­ten” in [38], let­ztere auch in [22]),

2. Das Iden­ti­fizieren und Abkanzeln sein­er “Geg­n­er”
([6], [7], [9 “wenn es…” > soll es ja nicht], [30], [31], [32], [35] und [41]),

3. Die Sach­lage
([5], [10], [16], [22], [35]),

und alles über­strahlend

4. Die his­torische und charak­ter­liche Größe der eige­nen Per­son
([2], [4], [5], [7], [8], [11], [12], [13], [14], [18], [19], [20], [22], [23], [24], [25], [27], [28], [29], [32], [33], [34], [36], [42] und [43]).

Abge­se­hen von der Gewich­tung der einzel­nen Bere­iche fällt auf, dass der Sach­lage im Zusam­men­hang nie mehr als ein Satz gewid­met wird. Und diese Sätze ste­hen so weit voneinan­der ent­fer­nt, dass sie für einen Zuhör­er nicht in einem Zusam­men­hang ste­hen.

In der Selb­stin­sze­nierung dreht Gut­ten­berg seine Real­itäts­darstel­lung natür­lich auch so, als sei sein Han­deln eine Reak­tion auf die in Rede ste­hende Sach­lage. In [3] sagt er, er gehe nicht allein wegen seines Pla­giats. Aber schon in [10] ignori­ert er [3] und sagt, er gehe, weil er nicht mehr ver­ant­worten könne, dass es [9] auf dem Rück­en der Sol­dat­en in den Medi­en nur noch um seine Per­son gin­ge. Unser Held geht [31] als Opfer zer­störerisch­er medi­aler und poli­tis­ch­er Mech­a­nis­men, um andere zu schützen, um sich aufzuopfern, weil er sich [43] eh schon auf­geopfert hat. Wohlge­merkt: Schuld an [7] sind die Medi­en ([6] und [29]).

Gut­ten­bergs Dolch­stoßle­gende besagt, dass [30] die Medi­en den sich [43] im Kampf befind­en­den Gut­ten­berg von hin­ten mit einem eigentlich nahezu [21] ver­jährten The­ma auf Kosten [7] ver­wun­de­ter und getöteter Sol­dat­en so [43] moralisch entkräftet und [30] überthe­ma­tisiert hät­ten, dass ein Rück­tritt [43] per­sön­lich und [9] sach­lich unauswe­ich­lich war.

Klein­er geht’s nicht.

Zunächst: Gut­ten­berg hat in den let­zten Wochen wieder­holt abgestrit­ten, ein Pla­giat ange­fer­tigt zu haben. Insofern ist das in Rede ste­hende The­ma bren­nend aktuell. Diese Dolch­stoßle­gende ist aber ger­ade deswe­gen so per­fide, weil Gut­ten­berg sich selb­st so ins Blit­zlicht­ge­wit­ter gestürzt hat. Er ist ja nicht gezwun­gen wor­den, eine Kern­er-Sendung aus Afghanistan mitzu­mod­erieren oder vor Kam­eras der Klatsch­presse in Pose zu hüpfen. Und er selb­st ist es, der medi­ale und poli­tis­che Mech­a­nis­men betätigt, indem er ein­er­seits bis Mon­tag ver­sucht hat, das The­ma auszusitzen ohne die Kon­se­quen­zen, aus denen er nach eigen­er Insze­nierung [10] schließlich zurück­tritt, ziehen zu müssen, und ander­er­seits indem er auch im Abgang den Schul­ter­schluss zur “Bild”-“Zeitung” aus­führt und diese als erstes Medi­um informiert. So schmierig ist der let­zte Akt des Vertei­di­gungsmin­sters Gut­ten­berg.

Man kann nur hof­fen, dass ein paar Leute in der Union dankbar sind, was für ein Kelch da ger­ade an ihnen vor­bei gegan­gen ist.

Die Rück­trittserk­lärung Karl-Theodor Gut­ten­bergs als Vertei­di­gungsmin­is­ter am 01. März 2011

[1] Ich habe in einem sehr fre­und­schaftlichen Gespräch die Frau Bun­deskan­z­lerin informiert, dass ich mich von meinen poli­tis­chen Ämtern zurückziehen werde und um meine Ent­las­sung gebeten. [2] Es ist der schmer­zlich­ste Schritt meines Lebens. [3] Und ich gehe nicht alleine wegen mein­er so fehler­haften Dok­torar­beit, wiewohl ich ver­ste­he, dass dies für große Teile der Wis­senschaft ein Anlass wäre. [4] Der Grund liegt im Beson­deren in der Frage, ob ich den höch­sten Ansprüchen, die ich selb­st an meine Ver­ant­wor­tung anlege, noch nachkom­men kann.

[5] Ich trage bis zur Stunde Ver­ant­wor­tung in einem fordern­den Amt. [6] Ver­ant­wor­tung, die möglichst ungeteilte Konzen­tra­tion und fehler­freie Arbeit ver­langt — mit Blick auf die größte Bun­deswehrreform in der Geschichte, die ich angestoßen habe, und mit Blick auf eine gestärk­te Bun­deswehr mit großar­ti­gen Trup­pen im Ein­satz, die mir eng­stens ans Herz gewach­sen sind. [7] Wenn allerd­ings, wie in den let­zten Wochen geschehen, die öffentliche und medi­ale Betra­ch­tung fast auss­chließlich auf die Per­son Gut­ten­berg und seine Dis­ser­ta­tion statt beispiel­sweise auf den Tod und die Ver­wun­dung von 13 Sol­dat­en abzielt, so find­et eine drama­tis­che Ver­schiebung der Aufmerk­samkeit zulas­ten der mir Anver­traut­en statt.

[8] Unter umgekehrten Vorze­ichen gilt Gle­ich­es für den Umstand, dass wochen­lang meine Maß­nah­men bezüglich der “Gorch Fock” die welt­be­we­gen­den Ereignisse in Nordafri­ka zu über­lagern schienen. [9] Wenn es auf dem Rück­en der Sol­dat­en nur noch um meine Per­son gehen soll, kann ich dies nicht mehr ver­ant­worten. [10] Und deswe­gen ziehe ich, da das Amt, Bun­deswehr, die Wis­senschaft und die mich tra­gen­den Parteien Schaden zu nehmen dro­hen, die Kon­se­quenz, die ich auch von anderen ver­langt habe und ver­langt hätte.

[11] Ich habe wie jed­er andere auch zu meinen Schwächen und Fehlern zu ste­hen. [12] Zu großen und kleinen im poli­tis­chen Han­deln, bis hin zum Schreiben mein­er Dok­torar­beit. [13] Und mir war immer wichtig, diese vor der Öffentlichkeit nicht zu ver­ber­gen. [14] Deswe­gen habe ich mich aufrichtig bei all jenen entschuldigt, die ich auf­grund mein­er Fehler und Ver­säum­nisse ver­let­zt habe. [15] Und ich wieder­hole dies auch aus­drück­lich heute. [16] Manche mögen sich fra­gen, weshalb ich erst heute zurück­trete. [17] Zunächst ein möglicher­weise für manche unbe­friedi­gen­der, aber allzu men­schlich­er Grund.

[18] Wohl nie­mand wird leicht, geschweige denn leicht­fer­tig, das Amt aufgeben wollen, an dem das ganze Herzblut hängt. [19] Ein Amt, das Ver­ant­wor­tung für viele Men­schen und deren Leben bein­hal­tet. [20] Hinzu kommt der Umstand, dass ich mir für eine Entschei­dung dieser Trag­weite jen­seits der hohen medi­alen und oppo­si­tionellen Tak­t­fre­quenz die gebotene Zeit zu nehmen hat­te. [21] Zumal Vorgänge in Rede ste­hen, die Jahre vor mein­er Amt­süber­nahme lagen.

[22] Nach­dem dieser Tage viel über Anstand disku­tiert wurde, war es für mich ger­ade eine Frage des Anstandes, zunächst die drei gefal­l­enen Sol­dat­en mit Würde zu Grabe zu tra­gen und nicht erneut ihr Gedenken durch Debat­ten über meine Per­son über­lagern zu lassen. [23] Es war auch ein Gebot der Ver­ant­wor­tung gegenüber diesen, ja gegenüber allen Sol­dat­en. [24] Und es gehört sich, ein weit­ge­hend bestelltes Haus zu hin­ter­lassen. [25] Deshalb let­zte Woche noch ein­mal viel Kraft auf den näch­sten entschei­den­den Reform­schritt ver­wandt wurde, der nun von meinem Nach­fol­ger bestens vor­bere­it­et ver­ab­schiedet wer­den kann. [26] Das Konzept der Reform ste­ht.

[27] Angesicht mas­siv­er Vor­würfe bezüglich mein­er Glaub­würdigkeit ist mir auch ein aufrichtiges Anliegen, mich an der Klärung der Fra­gen hin­sichtlich mein­er Dis­ser­ta­tion zu beteili­gen: Zum einen gegenüber der Uni­ver­sität Bayreuth, wo ich mit der Bitte um Rück­nahme des Dok­tor­ti­tels bere­its Kon­se­quen­zen gezo­gen habe. [28] Zum anderen habe ich zugle­ich Respekt vor all jenen, die die Vorgänge zudem strafrechtlich über­prüft sehen wollen. [29] Es würde daher nach mein­er Überzeu­gung im öffentlichen wie in meinem eige­nen Inter­esse liegen, wenn auch die staat­san­waltlichen Ermit­tlun­gen etwa bezüglich urhe­ber­rechtlich­er Fra­gen nach Aufhe­bung der par­la­men­tarischen Immu­nität, sollte dies noch erforder­lich sein, zeit­nah geführt wer­den kön­nen.

[30] Die enorme Wucht der medi­alen Betra­ch­tung mein­er Per­son, zu der ich selb­st viel beige­tra­gen habe, aber auch die Qual­ität der Auseinan­der­set­zung bleiben nicht ohne Wirkung auf mich selb­st und meine Fam­i­lie. [31] Es ist bekan­nt, dass die Mech­a­nis­men im poli­tis­chen und medi­alen Geschäft zer­störerisch sein kön­nen. [32] Wer sich für die Poli­tik entschei­det, darf, wenn dem so ist, kein Mitleid erwarten. [33] Das würde ich auch nicht in Anspruch nehmen. [34] Ich darf auch nicht den Respekt erwarten, mit dem Rück­trittsentschei­dun­gen so häu­fig ent­ge­gen genom­men wer­den.

[35] Nun wird es vielle­icht heißen, der Gut­ten­berg ist den Kräften der Poli­tik nicht gewach­sen. [36] Das mag sein oder nicht sein. [37] Wenn ich es aber nur wäre, indem ich meinen Charak­ter verän­derte, dann müsste ich ger­ade deswe­gen han­deln. [38] Ich danke von ganzem Herzen der großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung, den vie­len Mit­gliedern der Union, meinem Parteivor­sitzen­den und ins­beson­dere den Sol­datin­nen und Sol­dat­en, die mir bis heute den Rück­en stärk­ten, als Bun­desvertei­di­gungsmin­is­ter nicht zurück­zutreten.

[39] Und ich danke beson­ders der Frau Bun­deskan­z­lerin, für alle erfahrene Unter­stützung und ihr großes Ver­trauen und Ver­ständ­nis. [40] Es ist mir aber nicht mehr möglich, den in mich geset­zten Erwartun­gen mit dem mir notwendi­gen Maß an Unab­hängigkeit in der Ver­ant­wor­tung gerecht zu wer­den. [41] Insofern gebe ich meinen Geg­n­ern gerne recht, dass ich tat­säch­lich nicht zum Selb­stvertei­di­gungs-, son­dern zum Min­is­ter der Vertei­di­gung berufen wurde. [42] Abschließend ein Satz, der für einen Poli­tik­er ungewöhn­lich klin­gen mag. [43] Ich war immer bere­it, zu kämpfen, aber ich habe die Gren­zen mein­er Kräfte erre­icht. [44] Vie­len Dank.

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