Wie ist das eigentlich … mit dem Untergang der deutschen Huffpost?

Aus­ge­hufft wäre auch eine schöne Über­schrift gewe­sen. Aber egal, ist das jet­zt eigentlich nor­mal, dass eine über­hy­pete Zeitungsin­ter­net­plat­tform, die nie ein­lösen kon­nte, was sie sein wollte, eingestellt wird und es wird nicht einge­s­tanden, was die wirk­lichen Gründe sind?

man habe sich zulet­zt nicht auf eine gemein­same Unternehmensstrate­gie eini­gen kön­nen

Das ist ja auch nur Unternehmenssprech für: Bla bla.

Die deutsche Huff Post hat gezeigt, dass man inner­halb kürzester Zeit ein neues Nachrich­t­e­nange­bot in die Top 10 führen kann.” Eine Lizen­zver­gabe des Titels durch ein anderes Unternehmen in Deutsch­land sei nicht geplant.

Sie waren so erfol­gre­ich, dass nie­mand den Titel der Seite oder die Seite selb­st haben will. Da war ja Basic Think­ing bess­er dran irgend­wie.

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Wie ist das eigentlich … mit dem Untergang von VIVA?

Ich habe gestern ein wenig die fense­htech­nis­che Abwick­lung des ehe­mals erfol­gre­ichen Musik­senders VIVA auf Twit­ter mitver­fol­gt. Es waren über­haupt nur wenige, die das inter­essierte. Mit knapp über 1000 Ver­hash­ta­gun­gen war das The­ma in den Top3-Hash­tags des Tages, was aber eher nur gegen Twit­ter spricht.

In den Onlin­eaus­gaben der Zeitun­gen kon­nte man nur unin­for­ma­tives Gesausel lesen. Da wur­den aus der Wikipedia die ger­affte Geschichte des Senders dargestellt und Zitate aus Inter­views ander­er Medi­en genom­men. So wie man halt bei Zeitun­gen eine aktuelle Behand­lung eines pop­kul­turellen The­mas vorstellt. Als wäre ein Newslet­ter eingestellt wor­den.

Ich habe nur bei dwdl.de ein infor­ma­tiveres Inter­view mit Dieter Gorny gefun­den, das mich daran erin­nert hat, dass Gorny in der Selb­st­darstel­lung von VIVA immer so galant über­zo­gen hat:

VIVA hat fast alle sozial­isiert, die heute schreiben und denken.

Oh, mich nicht. Was soll “sozial­isiert” hier über­haupt heißen? VIVA gab es zu meinen Jugend­jahren nur über Kabel, da war ich raus. Ich habe Ray Cokes auf MTV geschaut, dazu die dor­ti­gen Hit­pa­raden und mein Englisch mit etwas Humor auf­päp­peln kön­nen.

VIVA hat­te Ste­fan Raab, dessen Humor mich allerd­ings selb­st in den weni­gen Momenten Aufmerk­samkeit vor Waren­haus­fernse­hgeräten nicht ein­f­ing. Und an dem Humor­re­likt, das in der Late Night von Pro7 ger­ade noch etwas zuck­elt sieht man: Es fehlt da doch extremst an Unter­bau, um sagen zu kön­nen, dass man es bei VIVA mit einem geschicht­strächti­gen Unter­fan­gen zu tun hat­te.

Und doch war da etwas Wehmut bei den weni­gen, die das The­ma noch am Ende des Jahres abhak­ten, wenn auch nie­mand mehr darüber etwas schreiben wollte. Vielle­icht ist dazu VIVA halt doch schon 2005 mit der Über­nahme durch Via­com abgewick­elt wor­den. Habe ich da die Abgesänge ver­passt?

Oder ist hier eine sozial­isierte Gruppe unter­wegs, die keinen Wehmut mehr ken­nt, die den Umwälzun­gen des Kap­i­tal­is­mus aus­druck­s­los bei­wohnt, das The­ma wech­selt wie ein Blatt Klopa­pi­er?

Das, was mal ges­tartet war als Jugen­drev­o­lu­tion, zumin­d­est in eigen­er Sichtweise, wird da ger­ade ad acta gelegt wie eine Unter­hose, die man nie gewech­selt hat und mit der man auch seit langem nichts mehr zu tun haben will.

Sich darüber zu wun­dern scheint irgend­wie selb­st schon aus der Zeit gefall­en. Auch in der Abschiedssendung redete man nur über Stars, die die dama­li­gen Mod­er­a­toren, von denen fast nie­mand auf ihren Sozialme­di­enkanälen etwas über die Abschlussendung schreibt, vor 15 bis 20 Jahren mal begeg­neten, nicht über den Sender an sich. Wie Gäste ein­er Beerdi­gung, die nur über sich selb­st reden. Worüber auch son­st, der zu Grabe Getra­gene ist ja tot.

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Wie ist das eigentlich … mit Digitalinformationssüchtigen?

Es gab vor Jahren ein­mal einen Vorstoß, Inter­net­süchtige auszu­machen und ihnen zu helfen. Irgend­wie fand ich das komisch, schließlich saßen unge­mein viele Men­schen ziem­lich lange vor ihren Bild­schir­men und die Merk­male ein­er Inter­net­sucht, was für ein komis­ches Wort, waren nicht son­der­lich abgren­zend. Man kon­nte es ihnen im Sozialver­hal­ten auch nicht anse­hen und ich hat­te nur einen Bekan­nten, der in psy­chis­ch­er Behand­lung war und als allererstes ein Face­book-Ver­bot bekam.

Bei Dig­i­tal­in­for­ma­tion­ssüchti­gen, manch­mal Handysüchtige genan­nt, wobei sie allerd­ings nicht Geräte süchtig sind, ist das anders. Man sieht dauernd Leute, die angestrengd und uner­holt auss­chauend auf ihr Handy schauen. Wuasi über­all: Im Auto, in Straßen­bah­nen, in Cafés, selb­st im eige­nen pri­vat­en Gespäch­sum­feld, will sagen: Selb­st im Gespräch lassen Leute nicht von ihrem Handy, müssen darauf schauen, und entschuldigen es mit “Ich hör dir zu.” Als ob ein Gespräch nur aus Zuhören bestünde.

Wed­er ver­ste­he ich, was man dauernd anlass­los auf seinem Handy zu suchen hat, noch ver­ste­he ich, was die Leute als Beloh­nungs­kick erhal­ten, noch kann ich mich vom Ein­druck entledi­gen, dass mich so ein Ver­hal­ten ziem­lich abstößt.

Aber will man was sagen? Den pri­vat­en Spielverder­ber spie­len? So ein Ver­hal­ten wird sicher­lich nicht weniger in den kom­menden Jahren. Überge­ht man die Sit­u­a­tion wie mit anderen, in denen Leute einem akuten Hau nachge­hen? Bish­er kam mir das bei anderen Mack­en nie so chro­nisch vor.

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Wie ist das eigentlich… heute mit Eigenständigkeit?

Für ein poli­tis­ches Wahlrecht ist bei Kant die wirtschaftliche Unab­hängigkeit entschei­dend: Wer dem­nach finanziell unter der Fuch­tel eines anderen ste­ht, darf nicht wählen, weil seine Stimme nicht mehr als unab­hängig gew­ertet wer­den kann. Das wird heute anders gese­hen, aber ich finde irgend­wie, dass es auch bei vie­len für das eigene Selb­st­wert­ge­fühl wichtig ist, ob man der­art eigen­ständig ist oder nicht.

Gestern traf ich einen Schaus­piel­er, mit dem ich, während im Hin­ter­grund das Dschun­gel­camp lief, über die Welt der Schaus­piel­erei, wie Schaus­piel­er auf Nichtschaus­piel­er wirken und was dieser Job für die sie Betreiben­den bedeutet, schwadronierte. Ein­er­seits hält man von außen ja schon GZSZ-Darsteller für kleine Stars, bei denen ander­er­seits schon wieder irri­tiert, dass sie mitunter nur an die 2000€ brut­to monatlich ver­di­enen. Der Schaus­piel­er legte übri­gens Wert auf den Unter­schied zwis­chen Schaus­piel­er und Darsteller (bei GZSZ agiert man so gese­hen nur als Darsteller nicht als Schaus­piel­er).

Über diese Stars und Sternchen meinte er resümierend

Let­zten Endes unter­ste­hen die alle aber eben nur den Regeln ander­er.

Na, hof­fentlich ver­lei­ht die Schaus­pielaus­bil­dung wenig­stens soviel Selb­stver­trauen, solche Ernüchterun­gen zu ertra­gen. Aber wieviel Eigen­ständig bleibt einem sel­ber noch, wenn man zwar finanziell gut aufgestellt und den­noch gefühlt abhängig ist?

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Wie ist das eigentlich mit… Medienglaubwürdigkeit?

Glaub­würdigkeit ist der zen­trale Begriff, über den der amtierende Bun­de­spräsi­dent ger­ade stolpern kann. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob er konkret einen Fehler gemacht hat, son­dern es geht darum, ob man ihm glaubt, was er getan hat. Das ist etwas zwi­eschnei­dig.

Pos­i­tiv aus­ge­drückt, geht es darum, ob der Präsi­dent lügt. Als Tüpfelchen über diesem i spekuliert die Presse darüber, ob er die Presse­frei­heit mis­sachtet hätte. Auch hier geht es darum, dass man darauf pocht, jemand sollte in jed­er Sit­u­a­tion eine völ­lig offene Aufrichtigkeit an den Tag leg­en.

Mir ist es als Schüler mal passiert, dass ein Lehrer fragt, ob ich meine Hausauf­gaben hätte. Ich sagte, ich wüsste es nicht und wolle erst mal die betr­e­f­fend­en im Übung­sheft auszufül­len­den Auf­gaben anse­hen. Ich hat­te sie nicht erledigt und bekam einen Extratadel für einen Täuschungsver­such. Man sollte als Schüler wohl für einen ange­blich erweck­ten Ein­druck ohne realen Hin­ter­grund haften.

Und so wird auch Bun­de­spräsi­dent Wulff ger­ade auf die Schippe genom­men: Jede unklare For­mulierung wird als Tadel der Glaub­würdigkeit genom­men. Wulffs Aufk­lärungsar­beit ist tat­säch­lich so, dass man eine schnellere und genauere Dar­legung der Angele­gen­heit­en wün­schenswert gewe­sen ist.

Aber stellt man an das Amt der höch­sten Repräsen­ta­tion des Staates wirk­lich den Anspruch, dass jede Frage ohne Abwä­gung der Fol­gen der Antwort jed­erzeit ohne Umschweife beant­wortet wer­den soll? Find­en wir es unangemessen, wenn die Per­son, die dieses Amt ver­sucht auszufüllen, zöger­lich ist, wenn die Blödzeitung eine Kam­pagne startet, für dass sich andere renomierte Zeitun­gen bere­itwillig instru­men­tal­isieren lassen? Oder um es mit Hape Ker­kel­ing zu fra­gen: Darf ein Präsi­dent auch mal sauer sein?

Unab­hängig davon, was in der Kred­itaffäre let­zten Endes rauskommt, ist die Meth­ode der Presse, unaus­ge­gorene Speku­la­tio­nen als Grund­lage für Speku­la­tio­nen über Glaub­würdigkeit, die man durch frag­würdi­ge Umfra­gen ein­holt, zu ver­wen­den, das eigentliche Skan­dalon dieser Tage. Es kommt ihnen doch eh nur darauf an, wie lange ein der­ar­tiges The­ma in der Presse ist.

Selb­st ges­tandene Zeitun­gen unter­schei­den kaum noch zwis­chen Gerücht­en in dieser Angele­gen­heit, völ­lig harm­los­er Begleit­musik, hand­festen Vor­wür­fen und klär­baren Fra­gen. Die Rolle der Medi­en wird dabei ger­adezu aus­geklam­mert, als ob sie tat­säch­lich, wie oft­mals gefordert, keine Rolle spielte. Es wird immer weit­ergestochert bis das Stochern die eigentliche Mel­dung ist. Die Glaub­würdigkeit des Bun­de­spräsi­den­ten hängt von der dieses Amt inne haben­den Per­son ab, nicht vom Amt selb­st.

Die Glaub­würdigkeit der Medi­en hängt davon ab, inwiefern sie in der Lage sind, ein The­ma fachkundig zu analysieren. Eine Zeitung, die diese Glaub­würdigkeit nicht mehr besitzt, wird auch nicht mehr gekauft. Wieso auch.

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Wie ist das eigentlich mit… dem Urban-Priol-Bashing der Süddeutschen Zeitung?

Es gibt immer wieder Zeitgenossen, die mit Kabaret­tis­ten nicht klar kom­men. Leute, die meinen, man dürfe das so nicht sagen, was Kabaret­tis­ten so sagen. Ein paar davon dür­fen für die Süd­deutsche Zeitung schreiben.

Ange­fan­gen hat alles mit einem Kom­men­tar von Hans Holzhaider:

Am Sam­stag auf dem Münch­n­er Odeon­splatz mok­ierte sich Urban Pri­ol vor etwa 30.000 Zuhör­ern über Wolf­gang Bos­bach, den Vor­sitzen­den des Innenauss­chuss­es im Bun­destags, der vor einem “Rück­fall in die Ter­ror­spi­rale der siebziger Jahre” gewarnt habe. Er höre schon das Stammtis­chge­grum­mel, sagte Pri­ol: “Die hät­ten heute wieder gut zu tun in Deutsch­land.” Aber wen “von diesen Nasen” solle man denn heute ent­führen? Ein­er wie der Brüder­le “der tex­tet die doch so zu, dass die den Kof­fer­raum auf­sper­ren und sagen: Bitte geh!” Zur Ehren­ret­tung des Pub­likums muss man sagen, dass nie­mand lachte, und dass etliche Pfiffe zu hören waren.

Da muss bei Holzhaider aber die Hör­leis­tung aus­ge­set­zt haben: Die Leute haben sehr wohl gelacht und applaudiert. Und wie will er eigentlich beim Pfeifkonz­ert der Ver­anstal­tung Unter­stützerpfeifen und Protest-gegen-Vor­tra­gende-Pfeifen unter­schei­den? Holzhaider ignori­ert auch vol­lkom­men, dass Bos­bachs Anspielung auf die Demon­stra­tio­nen gemünzt war und dass insofern die Übertrei­bung dort schon statt fand.

Da ist auch noch Olaf Przy­bil­la. Dieser meint, dass Pri­ol mit obiger Aus­sage die Frage aufw­erfe, was Satire eigentlich darf. Alles, meint Tuchol­sky. Zumin­d­est nicht das, was Pri­ol vom Stapel lässt, Przy­bil­la. Und warum nicht? WARUM NICHT? Das hat Przy­bil­la vergessen zu schreiben. Veröf­fentlicht hat es die Süd­deutsche den­noch. “Es gab Zuhör­er auf dem Odeon­splatz, denen der Atem gestockt hat bei diesen Sätzen.” schreibt Przy­bil­la. Das ist kein Zeichen für schlecht­es Kabarett. Was dieses Gebashe in der Süd­deutschen Zeitung ver­loren hat, das erschließt sich mir nicht.

Noch etwas härter ins Gericht mit Pri­ol geht Hilmar Klute: Für ihn ist Pri­ol ein Vul­gärk­abaret­tist und “das Schießgewehr eines ent­fes­sel­ten Spießbürg­er­tums”. Solche Tit­ulierun­gen muss man sich auch erst ein­mal ver­di­enen.

Satire darf alles? Ja, Gott, in ein­er Demokratie darf ja jed­er fast alles sagen. Man soll aber bitte nicht vergessen, dass die Satire eine Kun­st­form ist — und dass Kurt Tuchol­sky diesen Satz nur schrieb, weil er wusste, dass Satire auss­chließlich dann zugreifen kann, wenn sie eine sou­veräne Dis­tanz zu ihrem Gegen­stand gefun­den hat. Pri­ol hat das nie ver­standen. Er weiß nicht, dass ein poli­tis­ch­er Kabaret­tist niemals auf dem wohlplanierten Feld­her­rn­hügel der Mei­n­ung­shoheit ste­hen darf, son­dern selb­st Teil seines Redens sein muss.

Ich glaube ja, Klute hat wed­er Pri­ol noch Tuchol­sky ver­standen. Denn let­zter­er schreibt:

Vor allem macht der Deutsche einen Fehler: er ver­wech­selt das Dargestellte mit dem Darstel­len­den. Wenn ich die Fol­gen der Trunk­sucht aufzeigen will, also dieses Laster bekämpfe, so kann ich das nicht mit from­men Bibel­sprüchen, son­dern ich werde es am wirk­sam­sten durch die pack­ende Darstel­lung eines Mannes tun, der hoff­nungs­los betrunk­en ist.

Aber Klute tut dem Leser ja den Gefall­en, einen der albern­sten Sätze, den der Jour­nal­is­mus in Deutsch­land her­vorge­bracht hat, rauszukra­men:

Das poli­tis­che Kabarett in Deutsch­land, es ist längst tot.

Toll. Schon tausend­fach gehört, diese Pöbelei. Ich empfehle hier das Fach­buch für Nörgelei. Und was meint Tuchol­sky dazu?

Warum sind unsere Witzblät­ter, unsere Lust­spiele, unsere Komö­di­en und unsere Filme so mager? Weil kein­er wagt, dem dick­en Krak­en an den Leib zu gehen, der das ganze Land bedrückt und dahockt: fett, faul und leben­stö­tend.

Und dabei kan­nte Tuchol­sky die Merkel gar nicht.

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Wie ist das eigentlich… mit Twitter-Büchern?

Irgend­wie hat das auch was Putziges: Der Pons Ver­lag, der das vierte oder fün­fte Twit­ter­buch veröf­fentlicht hat, in dem aus­ge­suchte Texte von der Gruppe Twitkrit zusam­menge­tra­gen wur­den, arbeit­et an einem weit­eren Twit­ter-Buch — nur ohne die Twitkrit­ter.

Die Idee zu einem Twit­ter-Buch scheint ihnen auf so sim­ple Art ver­wirk­lich­bar zu sein, dass sie eben jet­zt eigen­ständig auf der Twit­ter-Welle weit­er­sur­fen wollen. Den Twit­tkrit­tern schmeckt das nicht son­der­lich, hier nur der Steig­bügel­hal­ter ein­er Geschäft­sidee gewe­sen zu sein. Deswe­gen schick­ten sie etwas unbe­holfen durch Twit­ter, dass sie mit diesem Buch nichts zu tun hät­ten, als ob sich darin ein qual­i­ta­tiv­er Unter­schied fest­machen lasse. Hat­te man selb­st noch von den Erlaub­nis­sen der Twit­ter­er, ihre Tweets zu pub­lizieren, prof­i­tiert, gibt man sel­ber diese nicht.

Unver­ständlich ist es nicht, dass der Pons Ver­lag nach dem ersten, eher nicht so wirtschaftlichen Twit­ter-Buch wenig­stens mit ein­er Rei­he einen kleinen Erfolg ver­buchen zu kön­nen. Und die Twitkrit­ter haben ja vorgemacht, wie man kosten­los an das Mate­r­i­al kommt. Die paar Sinnsprüche irgen­dein­er Qual­ität anfü­gen, das denkt man berechtigter Weise beim Ver­lag auch hinzu bekom­men.

Ich denke, die Zeit kom­merziell erfol­gre­ich­er Twit­ter-Büch­er ist längst vor­bei und sie war es schon, als das erste Pons-Buch auf den Markt kam. Das erste Wie-man-twit­tert-Buch war noch ein klein­er Ren­ner, weil Geheimnisse erfol­gre­ichen Twit­terns darin ver­mutet wur­den. Wer immer das hoffte, wurde ent­täuscht.

Ich selb­st habe 2008 ein kleines Twit­ter-Buch veröf­fentlicht. Es hat zu mein­er Ver­wun­derung so viel Abnehmer gefun­den wie manch ein Lese­büh­nen-Autor. Aber ein Erfolg für einen Ver­lag wäre es nicht gewe­sen. Es wurde ja auch nur per Mund­pro­pa­gan­da bewor­ben.

Inzwis­chen ist die große Zeit Twit­ters in Deutsch­land zumin­d­est vor­erst vor­bei. Zu wenig Inspi­ra­tion ver­bre­it­et der Dienst, zu wenig Inno­va­tion bietet er seinen Nutzern. Wom­it sollte da ein Twit­ter-Buch noch großar­tig aufwarten kön­nen?

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Wie ist das eigentlich mit… der Bewertungsverteidigung einer Doktorarbeit?

Das ist wohl ein Novum im Wis­senschafts­be­trieb: Die öffentliche Vertei­di­gung der Akzep­tanz und Best­noten­be­w­er­tung ein­er Dok­torar­beit durch die uni­ver­sitären Betreuer. Lei­der ist sie nicht überzeu­gend.

Natür­lich ist es eine Frech­heit, was Karl-Theodor Gut­ten­berg den Prüfern sein­er Dok­torar­beit unterge­jubelt hat. Und es ist eine weit­ere Frech­heit, diesen jet­zt unter­jubeln zu wollen, es han­dle sich bei den Fehlern um einzelne Fußnoten, die fehlen, und zu behaupten, Gut­ten­berg sei der Überblick ver­loren gegan­gen. Eine ver­trauliche per­sön­liche Beziehung entlässt aber nicht das per­sön­liche kri­tis­che Arbeit­en im wis­senschaftlichen Bere­ich, ger­ade nicht bei Magna-cum-laude-Dok­torar­beit­en.

Wenn die zuständi­gen Pro­fes­soren Häber­le und Strinz ihre Bew­er­tung nun schon öffentlich vertei­di­gen, sei sie kri­tisch hin­ter­fragt:

- Einen hoher “Grad der Durch­dringung des The­mas in allen seinen Facetten” stelle mir als Grund­lage jed­er Dok­torar­beit vor. Eine Best­note in ein­er Dok­torar­beit muss anders begrün­det wer­den.
— Der Satz, dass das Kapi­tel über den Gottes­bezug eine damals aktuelle Diskus­sion des Ver­fas­sungsver­trags der EU aufnähme ist etwas zäh­neknirschig ob der schlicht­en Kopie des größten Teils dieses Kapi­tels, was aber nicht ent­deckt wer­den kon­nte, weil die Prüfer Google nicht ver­wen­det haben.
— Die Annahme allerd­ings, man hätte 2006 Google noch nicht zur Iden­ti­fizierung von Pla­giat­en nutzen kön­nen, ist schlicht falsch. Zudem wird durch diese Behaup­tung die Frage aufge­wor­fen: Haben die bei­den Bew­ert­er bis 2006 bei ihren Dok­toran­den über­haupt keine zeit­entsprechende Pla­giat­sprü­fung durchge­führt?

Wovor ret­tet denn nun diese Dok­torar­beits­be­w­er­tungsvertei­di­gung wen?

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Wie ist das eigentlich mit… negativen Handicaps?

Michael Spreng hat gestern starke Kri­tik an Cem Özdemir geübt. Dieser hat­te dem baden-würt­tem­ber­gis­chen Min­is­ter­präsi­den­ten Map­pus aus­län­der­feindliche Ressen­ti­ments unter­stellt, weil Map­pus meint, dass Özdemir die Poli­tik der baden-würtem­ber­gis­chen Grün­den mitlenkt. Spreng meint:

Es ist nicht zuläs­sig, dass ein deutsch­er Poli­tik­er seinen Migra­tionsh­in­ter­grund instru­men­tal­isiert, um den poli­tis­chen Geg­n­er ins Abseits zu stellen.

Ist es nicht? Was heisst über­haupt Es ist nicht zuläs­sig? Vielle­icht ist Özdemir zu plump im Auftreten, vielle­icht hat er bewusst ver­sucht, einen falschen Ein­druck zu erzeu­gen, vielle­icht spielt er aber auch nur eine Karte mit einem neg­a­tiv­en Handy­cap aus. Nein, ein Emi­gra­tionsh­in­ter­grund ist nicht per se neg­a­tiv. Aber in der Hin­sicht, in der Özdemir sich darauf bezo­gen hat, ist schon von einem Nachteil die Rede. Darf er diesen Nachteil für sich genom­men nicht nutzen?

Ste­fan Nigge­meier hat einen kri­tis­chen Artikel über die Ver­gabe des Ehren­preis­es der Gold­e­nen Kam­era an Mon­i­ca Liehrhaus geschrieben. Lier­haus lieferte mit ihrem ersten Auftritt nach schw­er­er Krankheit der Springer­presse Stoff für ihre Klatsch­seit­en. Wenn dieser Stoff der eigentliche Grund des Preisver­lei­hens wäre, wäre es dann okay diesen großen Bahn­hof zu akzep­tieren, wenn man per­sön­lich davon prof­i­tiert?

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