Lesezeichen vom 14.08.2017 https://t.co/4CoOb8OFCL #tmi

Artikel-Schlagworte: „ZDF“

Was ich noch sagen wollte… zu Dina Foxx

Auf der re:publica hat das ZDF neben dem Elektrischen Reporter die Internet-Mitmach-Irgendwas-Serie Dina Foxx vorgestellt. Doch niemand wusste so recht, was das soll. Während Mario Sixtus den Elektrischen Reporter als seinen Schritt in die berufliche Eigenständigkeit darstellte, hielt sich auch beim danach vorgestellten Projekt der Eindruck, dies sei nicht mehr als eine Arbeitsbeschäftigungsmaßahme.

Gestern spielten Real Madrid und der FC Barcelona um den spanischen Pokal. Das zeigte das ZDF. Im Anschluss sollte eine 50 minütige Folge von Diana Foxx kommen, einem interaktiven Krimi, der einen Anschluss des Fernsehens ans Internet herstellen sollte. Produziert wird das innerhalb des ZDF von der dortigen Sparte des kleinen Fernsehspiels, wobei der Name wohl Programm ist: Klein und Spiel. Es ist halt bloße Unterhaltung, zu sehen irgendwann nach dem in die Verlängerung gegangenen spanischen Fußballspiels und irgendwo auf einem ungeguckten ZDF-Spartenkanal.

Die Zuhörerkritik des Vorstellungsrunde des ZDF war auf der re:publica Thema verfehlend bis höflich: Man wünschte dem unbegeisternden Projekt wohlwollend viel Glück, immerhin hatte da jemand Arbeit, fragte nach der Nachhaltigkeit dieser Produktion, beschwerte sich über die Absetzung der 3sat-Sendung neues und wünschte sich, dass ZDF-Beiträge länger in der Mediathek zu sehen sein sollte. Kritik daran, dass hier ein überflüssiges Programm produziert wird, dass selbst im eigenen Haus nur zur nachmitternächtlichen Versendung taugt: Fehlanzeige.

Nun kann man vielleicht einwenden, dass es sich bei diesem Projekt eben um ein Kunstprojekt handelt, dass eben aus einer kleinen Nische kommt und nur bestimmte Personen in ihrem Kunstempfingen ansprechen soll. Aber gerade als Kunstprojekt ist es durchgefallen: Das Testpublikum der re:publica zeigte sich weder am eigentlichen Film noch an der gewollten Verbindung zu Internettechniken interessiert. Der Grund ist einleuchtend: Internettechniken sind Kommunikationskanäle von Empfängern, die auch jederzeit Sender sind. Das ZDF-Projekt positioniert sich aber eben nur als Sender und ist als Empfänger nicht rezipierbar vorhanden. Quasi das Fernseh-Leserpost-Prinzip.

Aber vielleicht sollte man so die Öffentlich-Rechtlichen verstehen: Bestehendes wird lediglich adaptiert und wiedergekäut. So kann man den Begriff re:publica schließlich auch verstehen. Bloß nichts neues.

Was ich noch sagen wollte zu… Lanz

Irgendwann habe ich begonnen, Talk-Shows im Fernsehen keine Chance mehr zu geben. Das war so zu einer Zeit, als Sabine Christiansen noch lief. Immer dieselben Spannungsbögen mit oftmals denselben Talk-Nasen ohne auch nur irgendwann sachliche Erkenntnisse zu generieren. Zusehen, wie andere sich aufregen – nein, für sowas sollte mein Fernsehgerät nicht abgenutzt werden.

Ich habe also alles ignoriert: Christiansen, Jauch, Beckmann, Kerner, Maischberger, Plasberg, Lanz und Co.

Ich habe nie etwas verpasst. Nie bin ich auf eine Meldung gestoßen, die etwas aus diesen Sendungen heraus hob, so dass man sich diese Sendung unbedingt mal im Nachhinein anschauen müsste. All die ganzen Jahre.

Gestern lief Neues aus der Anstalt im ZDF und irgendwann muss ich eingenickt sein. Als ich wieder aufwachte war Lanz im Fernsehen. Er quasselte mit Ingolf Lück. Ich bin eigentlich nur dran geblieben, weil mir die Markus-Lanz-Parodie aus Swicht noch im Kopf geblieben ist: Der eckig agierende Moderator im Barbie-Ken-Stil, die einrastenden Gesten, der treudoofe Blick, die sinnbefreiten Themen.

Und die Realität war noch schlimmer: Alle parodierten Dinge kamen vor, dazu noch die lanzische Diskussionskniebeuge. Lanz klammerte sich an seine Moderationskarten wie an ein Schutzschild. Wie unsicher muss dieser Mann ohne Karten sein. Auf den Karten muss die Redaktion der Sendung ihm etwas Haltverschaffendes aufgeschrieben haben, etwas, das den roten Faden der Sendung beinhaltet. Die Sendung sollte auch um Stuttgart 21 gehen, dazu war mit Barbara Rütting eine ehemalige Grüne, die gerne demonstriert eingeladen, ein Stuttgart 21-Befürworter und mit Walter Sittler ein Stuttgart 21-Gegner. Was sollte also Lück da?

Der rote Faden der Redaktion muss so ausgesehen haben: Lück hat in Bielefeld Häuser besetzt, war also auch geübter Protestler gegen die Staatsgewalt. Also kommt genau diese Info auf Lanz‘ Moderationskärtchen vor und Lanz sagt, Lück habe ja auch mal Häuser besetzt.

Und was entgegnet Lück? Nö, hab ich nicht. Ist auch nicht mein Thema. Stuttgart 21 sei auch nicht sein Thema. Was ist dann wohl Lücks Thema?

Sein Kabarettprogramm war’s. Aus diesem muss die Redaktion auch die Inhalte der Einblendungen für Ingolf Lück genommen haben. Mit der Sendung hatten sie wenig zu tun:

lueckbabysitterlueckdemo
lueckkinder
lueckkinderzustand
lueckmaenner
lueckumland

Die Rechercheleistung der Lanz-Redaktion – kaum in Worte zu fassen.

Man erkennt bei Lanz wohl das nahende Ende einer Unterhaltung ab Ausbleiben derartig tumber Einblendungen. Zum Schluß blendete man nach einer halben Stunde Gesprächzeit für Lück nochmal ein, dass dieser Schauspieler und Kabarettist sei. Beim ZDF denkt man wohl, dass die Zuschauer den Inhalt der Einblendungen vom Anfang eines Gesprächs eh nur kurz behalten. Wissen die Gäste von Lanz eigentlich vorher, was man unter ihrem Gesicht während der Sendung so einblendet? Welchen Subtext die Redaktion ins überlieferte Bild mit einbaut? Oder gehört das zum Risiko des Besuchs bei Lanz?

Goldig war dann aber auch eine Einblendung für Walter Sittler:

sittlerstandhaft

Dabei ging es in der Sendung gar nicht um Sex.

Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rechs Stellungnahme zur Eskalation der Gewalt bei der S21-Demo

Bei diesem Lauf haben übrigens gerade einmal 100 Personen mitgemacht. Zum Vergleich: Im Schlosspark nachts waren noch 7000 Personen. Zudem steht dieser Lauf nach wie vor in der Kritik, ein bezahlter Protest zu sein.

Der CDU-Lobbyismus des ZDF

Es ist schon ein starkes Stück, was sich der CDU-Haussender ZDF mit der Sendung von Peter Hahne da leistet: Eine Werbeveranstaltung für die politischen Hobbyspielchen der Gattin des CDU-Minister Guttenberg. Zwar ist Kinderpornographie ein Verbrechen, dem nachgegangen werden muss. Aber in dieser Klatsch-und-Trasch-Sendung wird das Thema auf ein lächerlich naives Niveau runtergeschraubt, da werden Musikerinnen in knapper Bekleidung zu Trägerinnen von Bondage-Outfits, da wird nach Gutdünken moralisiert, da wird jede kritische Herangehensweise von vornherein ausgeblendet, der Journalist zum Stichwortgeber des Interviewten,  so dass man nur noch fragen kann, was Frau Guttenberg für diese Diskussion und Herrn Hahne für den Journalismus qualifiziert.

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