Was ich noch sagen wollte… zu Dina Foxx

Auf der re:publica hat das ZDF neben dem Elek­tri­schen Repor­ter die Internet-Mitmach-Irgendwas-Serie Dina Foxx vor­ge­stellt. Doch nie­mand wuss­te so recht, was das soll. Wäh­rend Mario Six­tus den Elek­tri­schen Repor­ter als sei­nen Schritt in die beruf­li­che Eigen­stän­dig­keit dar­stell­te, hielt sich auch beim danach vor­ge­stell­ten Pro­jekt der Ein­druck, dies sei nicht mehr als eine Arbeits­be­schäf­ti­gungs­maß­ah­me.

Ges­tern spiel­ten Real Madrid und der FC Bar­ce­lo­na um den spa­ni­schen Pokal. Das zeig­te das ZDF. Im Anschluss soll­te eine 50 minü­ti­ge Fol­ge von Dia­na Foxx kom­men, einem inter­ak­ti­ven Kri­mi, der einen Anschluss des Fern­se­hens ans Inter­net her­stel­len soll­te. Pro­du­ziert wird das inner­halb des ZDF von der dor­ti­gen Spar­te des klei­nen Fern­seh­spiels, wobei der Name wohl Pro­gramm ist: Klein und Spiel. Es ist halt blo­ße Unter­hal­tung, zu sehen irgend­wann nach dem in die Ver­län­ge­rung gegan­ge­nen spa­ni­schen Fuß­ball­spiels und irgend­wo auf einem unge­guck­ten ZDF-Spartenkanal.

Die Zuhö­r­er­kri­tik des Vor­stel­lungs­run­de des ZDF war auf der re:publica The­ma ver­feh­lend bis höf­lich: Man wünsch­te dem unbe­geis­tern­den Pro­jekt wohl­wol­lend viel Glück, immer­hin hat­te da jemand Arbeit, frag­te nach der Nach­hal­tig­keit die­ser Pro­duk­ti­on, beschwer­te sich über die Abset­zung der 3sat-Sendung neu­es und wünsch­te sich, dass ZDF-Beiträge län­ger in der Media­thek zu sehen sein soll­te. Kri­tik dar­an, dass hier ein über­flüs­si­ges Pro­gramm pro­du­ziert wird, dass selbst im eige­nen Haus nur zur nach­mit­ter­nächt­li­chen Ver­sen­dung taugt: Fehl­an­zei­ge.

Nun kann man viel­leicht ein­wen­den, dass es sich bei die­sem Pro­jekt eben um ein Kunst­pro­jekt han­delt, dass eben aus einer klei­nen Nische kommt und nur bestimm­te Per­so­nen in ihrem Kunst­emp­fin­gen anspre­chen soll. Aber gera­de als Kunst­pro­jekt ist es durch­ge­fal­len: Das Test­pu­bli­kum der re:publica zeig­te sich weder am eigent­li­chen Film noch an der gewoll­ten Ver­bin­dung zu Inter­net­tech­ni­ken inter­es­siert. Der Grund ist ein­leuch­tend: Inter­net­tech­ni­ken sind Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le von Emp­fän­gern, die auch jeder­zeit Sen­der sind. Das ZDF-Projekt posi­tio­niert sich aber eben nur als Sen­der und ist als Emp­fän­ger nicht rezi­pier­bar vor­han­den. Qua­si das Fernseh-Leserpost-Prinzip.

Aber viel­leicht soll­te man so die Öffentlich-Rechtlichen ver­ste­hen: Bestehen­des wird ledig­lich adap­tiert und wie­der­ge­käut. So kann man den Begriff re:publica schließ­lich auch ver­ste­hen. Bloß nichts neu­es.

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Was ich noch sagen wollte zu… Lanz

Irgend­wann habe ich begon­nen, Talk-Shows im Fern­se­hen kei­ne Chan­ce mehr zu geben. Das war so zu einer Zeit, als Sabi­ne Chris­ti­an­sen noch lief. Immer die­sel­ben Span­nungs­bö­gen mit oft­mals den­sel­ben Talk-Nasen ohne auch nur irgend­wann sach­li­che Erkennt­nis­se zu gene­rie­ren. Zuse­hen, wie ande­re sich auf­re­gen — nein, für sowas soll­te mein Fern­seh­ge­rät nicht abge­nutzt wer­den.

Ich habe also alles igno­riert: Chris­ti­an­sen, Jauch, Beck­mann, Ker­ner, Maisch­ber­ger, Plas­berg, Lanz und Co.

Ich habe nie etwas ver­passt. Nie bin ich auf eine Mel­dung gesto­ßen, die etwas aus die­sen Sen­dun­gen her­aus hob, so dass man sich die­se Sen­dung unbe­dingt mal im Nach­hin­ein anschau­en müss­te. All die gan­zen Jah­re.

Ges­tern lief Neu­es aus der Anstalt im ZDF und irgend­wann muss ich ein­ge­nickt sein. Als ich wie­der auf­wach­te war Lanz im Fern­se­hen. Er quas­sel­te mit Ingolf Lück. Ich bin eigent­lich nur dran geblie­ben, weil mir die Markus-Lanz-Parodie aus Swicht noch im Kopf geblie­ben ist: Der eckig agie­ren­de Mode­ra­tor im Barbie-Ken-Stil, die ein­ras­ten­den Ges­ten, der treu­doo­fe Blick, die sinn­be­frei­ten The­men.

Und die Rea­li­tät war noch schlim­mer: Alle par­odier­ten Din­ge kamen vor, dazu noch die lan­zi­sche Dis­kus­si­ons­knie­beu­ge. Lanz klam­mer­te sich an sei­ne Mode­ra­ti­ons­kar­ten wie an ein Schutz­schild. Wie unsi­cher muss die­ser Mann ohne Kar­ten sein. Auf den Kar­ten muss die Redak­ti­on der Sen­dung ihm etwas Halt­ver­schaf­fen­des auf­ge­schrie­ben haben, etwas, das den roten Faden der Sen­dung beinhal­tet. Die Sen­dung soll­te auch um Stutt­gart 21 gehen, dazu war mit Bar­ba­ra Rüt­ting eine ehe­ma­li­ge Grü­ne, die ger­ne demons­triert ein­ge­la­den, ein Stutt­gart 21-Befür­wor­ter und mit Wal­ter Sitt­ler ein Stutt­gart 21-Geg­ner. Was soll­te also Lück da?

Der rote Faden der Redak­ti­on muss so aus­ge­se­hen haben: Lück hat in Bie­le­feld Häu­ser besetzt, war also auch geüb­ter Pro­test­ler gegen die Staats­ge­walt. Also kommt genau die­se Info auf Lanz’ Mode­ra­ti­ons­kärt­chen vor und Lanz sagt, Lück habe ja auch mal Häu­ser besetzt.

Und was ent­geg­net Lück? Nö, hab ich nicht. Ist auch nicht mein The­ma. Stutt­gart 21 sei auch nicht sein The­ma. Was ist dann wohl Lücks The­ma?

Sein Kaba­rett­pro­gramm war’s. Aus die­sem muss die Redak­ti­on auch die Inhal­te der Ein­blen­dun­gen für Ingolf Lück genom­men haben. Mit der Sen­dung hat­ten sie wenig zu tun:

lueckbabysitter

lueckdemo
lueckkinder
lueckkinderzustand
lueckmaenner
lueckumland

Die Recher­che­leis­tung der Lanz-Redaktion — kaum in Wor­te zu fas­sen.

Man erkennt bei Lanz wohl das nahen­de Ende einer Unter­hal­tung ab Aus­blei­ben der­ar­tig tum­ber Ein­blen­dun­gen. Zum Schluß blen­de­te man nach einer hal­ben Stun­de Gespräch­zeit für Lück noch­mal ein, dass die­ser Schau­spie­ler und Kaba­ret­tist sei. Beim ZDF denkt man wohl, dass die Zuschau­er den Inhalt der Ein­blen­dun­gen vom Anfang eines Gesprächs eh nur kurz behal­ten. Wis­sen die Gäs­te von Lanz eigent­lich vor­her, was man unter ihrem Gesicht wäh­rend der Sen­dung so ein­blen­det? Wel­chen Sub­text die Redak­ti­on ins über­lie­fer­te Bild mit ein­baut? Oder gehört das zum Risi­ko des Besuchs bei Lanz?

Gol­dig war dann aber auch eine Ein­blen­dung für Wal­ter Sitt­ler:

sittlerstandhaft

Dabei ging es in der Sen­dung gar nicht um Sex.

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Der CDU-Lobbyismus des ZDF

Es ist schon ein star­kes Stück, was sich der CDU-Haussender ZDF mit der Sen­dung von Peter Hah­ne da leis­tet: Eine Wer­be­ver­an­stal­tung für die poli­ti­schen Hob­by­spiel­chen der Gat­tin des CDU-Minister Gut­ten­berg. Zwar ist Kin­der­por­no­gra­phie ein Ver­bre­chen, dem nach­ge­gan­gen wer­den muss. Aber in die­ser Klatsch-und-Trasch-Sendung wird das The­ma auf ein lächer­lich nai­ves Niveau run­ter­ge­schraubt, da wer­den Musi­ke­rin­nen in knap­per Beklei­dung zu Trä­ge­rin­nen von Bonda­ge-Out­fits, da wird nach Gut­dün­ken mora­li­siert, da wird jede kri­ti­sche Her­an­ge­hens­wei­se von vorn­her­ein aus­ge­blen­det, der Jour­na­list zum Stich­wort­ge­ber des Inter­view­ten,  so dass man nur noch fra­gen kann, was Frau Gut­ten­berg für die­se Dis­kus­si­on und Herrn Hah­ne für den Jour­na­lis­mus qua­li­fi­ziert.

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