Guten Morgen

Morgenkaffee

Es qualmt wieder bei den AKWs in Fukushi­ma. Mir ist auch etwas unerk­lär­lich, dass die da aus poli­tis­chen Grün­den auf Hil­fe von rus­sis­ch­er Seite verzicht­en.

Der ehe­ma­lige israelis­che Min­is­ter­präsi­dent Katzav ist tat­säch­lich wegen Verge­wal­ti­gung zu ein­er Haft­strafe von 6 Jahren ohne Bewährung verurteilt wor­den.

Volk­er Pis­pers ver­misst die Gerechtigkeit auf Erden:

[audio:http://medien.wdr.de/m/1300779602/radio/wdr2kabarett/wdr2kabarett_pispers_20110322_1050.mp3]

Und während ich mir die Frage stelle: Tut euch die Sonne auch so gut? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Kritischer Journalismus am Beispiel der Münchener Abendzeitung

Die Münch­en­er Abendzeitung legt das Niveau sein­er unpartei­is­chen Poli­tik­analyse wieder sehr tief:

Fast 550000 Men­schen haben sich inzwis­chen daran beteiligt – stel­lvertre­tend für die Mil­lio­nen Deutschen, die sich auch in Umfra­gen Gut­ten­berg zurück­wün­scht­en.

Mal abge­se­hen, dass man den Face­book-Gefällt-mir-Knopf zum unge­woll­ten Klick­en über­all ein­bauen kann, dass diese Grup­pen stark mit Fake-Accounts bestückt wer­den und keineswegs Mil­lio­nen befragt wur­den, stimmt der Satz.

Oder um es mal mit Volk­er Pis­pers zu sagen:

Das Einzige, was an diesem Jour­nal­is­mus noch kri­tisch ist, ist sein Geis­teszu­s­tand.

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Guten Morgen

morgenkaffee

Auch heute fällt der Nachricht­enein­heits­brei mal wieder ins Auge: Alles stürzt sich auf die Klis­chees in den Wik­ileaks-Doku­menten. Der 1. FC Köln hat seinen Man­ag­er Meier raus­ge­wor­fen. Das Jugend­wort des Jahres ist Niveaulim­bo, auch wenn unsere­inem das Wort seit 10 Jahren geläu­fig ist. Dass die Grü­nen in NRW umgekippt sind, kommt wohl erst mor­gen. Deren kurzfristige Zus­tim­mung zum JMStV in Ham­burg knapp vor Ende der dor­ti­gen schwarz-grü­nen Koali­tion — auch noch keine Mel­dung.

Neben Deutsch­land ist laut Man­ag­er Mag­a­zin Schwe­den großer Gewin­ner der Frinanzkrise.

Und wo wir schon mal da sind: Köni­gin Sil­via von Schwe­den sitzt eben­da in der Bre­douille, weil sie dessen Nazi-Ver­gan­gen­heit bish­er nicht sachgerecht eingeräumt hat.

Die Rheinis­che Post macht heute mal wieder Pressear­beit für FDP und CDU: Kul­tur­min­is­terin kaum präsent. Um es mal mit Pis­pers zu hal­ten: Das Einzige, was an diesem Jour­nal­is­mus noch kri­tisch ist, ist sein Geis­teszu­s­tand.

Wer heute Zeit hat und Lust auf Pod­cast, dem empfehle ich mal Alter­na­tiv­los 09 mit Gast Monoxyd:
[audio:http://alternativlos.cdn.as250.net/alternativlos-9.mp3]

Und während ich mir die Frage stelle: Wozu gibt es eigentlich Jahreszei­t­e­nan­fangs­dat­en, wenn der Schnee jet­zt schon da ist? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Was ich noch sagen wollte zu… den Schwarzmalereien der F.A.Z


Bei der F.A.Z. scheint man ein beständi­ges Inter­esse an Schwarz­malereien zu haben. Das zeigte sich vor Tagen an diesem Artikel über Lit­er­atur und Inter­net, dann an diesem Artikel über Blog­ger und in dieselbe Kerbe wie let­zter­er schlägt dann heute dieser Artikel von Har­ald Staun.
Was ist der Grundtenor dieser Artikel? Es gibt einen Bere­ich, den ein paar Leute für inno­v­a­tiv hal­ten, man iden­ti­fiziert dann diese Leute als Irrläufer und den Bere­ich als unter ein­er Käse­glocke seiend.
So liest sich dann auch der Text von Staun. Dieser endet mit den Worten

Wer solche Utopi­en hat, der ist natür­lich wirk­lich gegen jede Kri­tik immun.

Damit bezieht sich Staun auf Sascha Pal­len­berg, den Staun so ver­standen haben will, als habe er gesagt, man könne ganz ein­fach dadurch mit Blogs Geld ver­di­enen, dass man täglich 72 Stun­den arbeit­et.
Lieber Herr Staun: Das war ein Witz. EIN WITZ!
Es ist natür­lich anzunehmen, dass Staun den Witz ver­standen hat, auch wenn offen­bar diese aktuelle Stel­lung­nahme von Pal­len­berg völ­lig an ihm vor­beige­gan­gen sein muss. An dieser Stelle sollte man nur die selt­same Meth­ode fes­thal­ten, mit der da ein Jour­nal­ist ver­sucht denen, die er da als Blog­ger aus­gemacht hat, den Hals umzu­drehen:
Man nehme eine witzig gemeinte Bemerkung, reiße sie aus dem Zusam­men­hang und mache dann an ihr fest, dass der­ar­tige Per­so­n­en (“Wer solche Utopi­en hat”, d.i. “die Blog­ger”) die nötige Ern­sthaftigkeit für eine real­is­tis­che Wahrnehmung fehle. Fer­tig ist die Laube. (Wobei Staun für die Rich­tung seines Artikels mit Sascha Pal­len­berg allerd­ings auch kein untauglicheres Beispiel hätte her­anziehen kön­nen.)
Ein mutwillig missver­standen­er Witz ist der Schlusspunkt des Textes von Staun, man kann sich also unge­fähr vorstellen, welche inhaltliche Tiefe der Text bis­lang erre­icht hat. Denn es ist auch völ­lig unklar, was unter der Kri­tik gemeint ist, von der Staun im let­zten Satz redet. Und wer ist der Kri­tik­er?
Einen wichti­gen Erken­nt­niss­chritt sieht Staun zumin­d­est hierin:

Mit der Hin­fäl­ligkeit der Dichotomie von online und offline erledigt sich aber auch der Antag­o­nis­mus zwis­chen der tech­nikver­liebten Blo­gosphäre und jenen, die mod­erne Kom­mu­nika­tion­stech­niken ein­fach nur mit ein­er gewis­sen Selb­stver­ständlichkeit benutzen, ohne gle­ich einen Lebensen­twurf daraus abzuleit­en. Wenn der Ein­druck nicht täuscht, haben das auch die Blog­ger so langsam begrif­f­en.

Wer sind jet­zt wohl die Blog­ger? Wer ist die tech­nikver­liebte Blo­gosphäre, die ihre Kom­mu­nika­tion­stech­niken als Lebensen­twurf sehen? Und wer hat wohl eher ver­standen als die Blog­ger, die ja nur langsam begreifen?
Nein, für Staun und offen­sichtlich auch die F.A.Z. sind Blog­ger eben nur das, was für die katholis­che Kirche die Athe­is­ten sind: Geist­lose Wirrköpfe, die ein sta­biles Sys­tem kaputt machen.
Deswe­gen sym­pa­thisiert Staun dann auch mit Net­zkri­tik­er Lovink und kanzelt Peter Kruse ab, bevor er inhaltlich was zu diesem gesagt hat, und eben­so Felix Schwen­zel und Sascha Pal­len­berg. Man teile die Men­schen ein­fach in zwei Grup­pen ein und charak­ter­isiere die Grup­pen dann an Einzel­be­tra­ch­tun­gen von ein paar ein­ge­ord­neten Per­so­n­en. So ein­fach ist das:

Im Großen und Ganzen aber scheinen selb­st all jene, die sich lange für dig­i­tale Autochthone gehal­ten haben, für die Indi­an­er des Inter­nets gewis­ser­maßen, begrif­f­en zu haben, dass sich der Zugang zum “Acht­en Kon­ti­nent” (Peter Glaser) nicht so ein­fach regeln lässt wie zur “re:publica”, mit der Ver­gabe von All-inclu­sive Bänd­chen also.

Ein­deutig zu wenig Meta­phern in diesem Satz, wenn Sie mich fra­gen. Aber gut, jemand, der den Witz von Pal­len­berg nicht schnallt, dem traue ich auch zu, dass er jeman­den für voll nimmt, der ihm erzählt, er wolle sein ganzes Leben mit einem einzi­gen All-inclu­sive-Bänd­chen bestre­it­en. Offen­sichtlich hat Staun ja solche Leute auf der re:publica getrof­fen. Wenn er denn da war.
Die F.A.Z. sollte mal drin­gend zuse­hen, dass sie die Geis­ter mal wieder los wird, die sie da so gerufen hat, denn eine Ziel­gruppe für solch schwarz­mal­ende Jour­nal­is­mus-Durch­hal­teparolen-Artikel ist mir — abge­se­hen von Jour­nal­is­ten sel­ber — ziem­lich unbekan­nt.

Aktu­al­isierung:

Thomas Knüw­er hat Sascha Pal­len­berg auf die Bemerkung mit den 72 Stun­den ange­sprochen, worauf dieser erwidert:

Ich habe in meinem Vor­trag zur Blog-Mon­e­tarisierung provozierend gesagt: “Mein Tag hat 48h und ich brauche 72″. Das war auch ein Slide. Dann bin ich aus­fuehrlich darauf einge­gan­gen, dass ich zwis­chen 12 und 16h am Tag arbeite und wollte damit Blog­gern die Illu­sion nehmen, dass man im Inter­net in 5 Minuten reich wer­den kann.

Wie sagte Pis­pers mal so tre­f­fend:

Das Einzige, was an diesem Jour­nal­is­mus noch kri­tisch ist, ist sein Geis­teszu­s­tand.

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Die geistig-politische Wende als Wiedereinführung des Standesdünkels


Rechtzeit­ig zum Neustart der Regierung aus CDU, CSU und FDP lan­det diese einen Tief­schlag nach dem anderen. Während die CDU ori­en­tierungs­los ver­sucht, den Gesamtschaden ger­ing zu hal­ten, kämpft die CSU um ihr ram­poniertes Image und die FDP gefällt sich als Oppor­tunis­mus­partei:
Nach­dem sich die FDP im Wahlkampf noch als Partei der Steuerg­erechtigkeit und Bürg­er­rechte aufge­spielt hat, ver­schleud­ert sie diese bei­den Dinge ger­ade zum Spottpreis:
The­ma Nack­tscan­ner: Bun­desmin­is­terin Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er find­et Nack­tscan­ner auch akzept­abel, sofern tat­säch­lich ein Gewinn an Sicher­heit ver­bun­den und der Schutz der Intim­sphäre strikt gewährleis­tet werde. Diese Mach­barkeit ein­er der­ar­ti­gen strik­ten Gewährleis­tung stellt der Bun­des­daten­schutzbeauf­tragte Peter Schaar gän­zlich in Frage:

Kön­nen die neuen Scan­ner tat­säch­lich unter­schei­den zwis­chen ein­er Bein­prothese und einem am Unter­schenkel ange­bracht­en Gegen­stand? Müssen Bru­stam­putierte damit rech­nen, dass ihr Implan­tat offen­bar wird? Wie sieht es mit Trans­sex­uellen aus, deren äußeres Erschei­n­ungs­bild und die primären Geschlechtsmerk­male nicht übere­in­stim­men? Kann der Scan­ner wirk­lich unter­schei­den zwis­chen einem Sprengstoff­päckchen und einem kün­stlichen Dar­maus­gang? Und was zeigt der Scan­ner an, wenn Men­schen, die an Inkon­ti­nenz lei­den, eine Windel tra­gen (das sind allein in Deutsch­land schätzungsweise an die 10 Mil­lio­nen Betrof­fene)?

The­ma Steuerg­erechtigkeit: Unter dem von der FDP für unkri­tisier­bar gehal­te­nen Ausspruch “Wach­s­tum schafft Arbeit” geben sich bei der FDP die Wirtschaft­slob­by­is­ten der­art die Klinke in die Hand, dass von einem Wäh­ler­auf­trag nicht ern­sthaft noch eine Rede sein kann. Dabei wird der Begriff “Wach­s­tum” als Lösung aller wirtschaftlichen Prob­leme z.b. von Mein­hard Miegel (CDU) stark in Frage gestellt:

Mit­tler­weile haben wir einen materiellen Lebens­stan­dard erre­icht, der soviel höher ist als der Lebens­stan­dard der übri­gen Men­schheit, dass es nicht mehr sin­nvoll sein kann, weit­er in diese Rich­tung zu marschieren. Und abge­se­hen davon ist es gar nicht mehr möglich, diese Art von materiellem Wach­s­tum immer weit­er zu treiben. Die natür­lichen Ressourcen fall­en aus. Die Energie fällt aus. Die Umwelt­be­las­tung nimmt zu. Wir müssen also Abschied nehmen von dem ursprünglich mal sin­nvollen, aber mit­tler­weile über­holten Konzept.

Die geistig-poli­tis­che Wende der FDP, sie ist nicht mehr als die Wiedere­in­führung des alten Standes­dünkels. Ein Relikt ein­er Zeit, die man schon für über­wun­den hielt. Aber wer sagt, das Wen­den immer pos­i­tiv sein müssen. Dabei wäre eine sozial-energiepoli­tis­che Wende derzeit doch so begrüßenswert.

Aktu­al­isierung
Als ob es noch eines weit­eren Nach­weis­es bedurft hätte: Der FDP-Gesund­heitsmin­is­ter lässt Reform von Lob­by­is­ten erar­beit­en.
mehr
Volk­er Pis­pers über das Wach­s­tums­dog­ma:

WDR 2 Klar­text: Die FDP gegen den Rest der Welt
[flash]http://medien.wdr.de/m/1262972228/radio/klartext/wdr2_klartext_20100108_1834.mp3[/flash]
Die ZEIT: Die Bun­desregierung ruiniert die Bun­des­bank
Sci­ence­Blogs: Das Sol­i­dar­itätss­chreiben für IQWiG-Chef Saw­ic­ki
SPIEGEL Online: Ärzte machen sich für kri­tis­chen Arzneimit­tel­prüfer stark
Süd­deutsche Zeitung: CSU und FDP — Neu­ro­tis­ches Ver­hält­nis

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