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Artikel-Schlagworte: „Too much information“

Schopenhauer über too much information

Ich nehme selbstverständlich gleich zurück, dass sich Arthur Schopenhauer über too much information geäußert hat. Er forderte allerdings, dass sich ein denkender Geist mit guten, nicht mit bloß populären Büchern beschäftigen solle. Alles andere verderbe den Geist. Keine allzu leichte Position: Auch unterhaltende Literatur kann für den Geist erquickend und – wie man so schön sagt – geistreich sein, auch wenn die Lehrsamkeit hinten ansteht.

Ich habe too much information in diesem Blog immer so aufgefasst, als dass dem Internetsurfer online und über andere Medien immer wieder Informationen zugetragen werden, die streng genommen nicht sonderlich lehrreich sind, schlimmstenfalls böswillig irreführend. Und schon bin ich nahe am Schopenhauerschen Gedanken: Muss ich nicht flux den Blick abwenden, wenn ich auf schlechte Informationsquellen stoße? Habe ich nicht zu Filtern beim großen Informationsangebot, dass das Internet beinhaltet? Worauf ist zu achten? Lassen wir einmal den Philosophen selbst sprechen:

Daher ist, in Hinsicht auf unsere Lektüre, die Kunst, nicht zu lesen, höchst wichtig. Sie besteht darin, dass man Das, was zu jeder Zeit so eben das größere Publikum beschäftigt, nicht deshalb auch in die Hand nehme, wie etwa politische oder kirchliche Pamphlete, Romane, Poesien u. dgl. m., die gerade eben Lärm machen, wohl gar zu mehreren Auflagen in ihrem ersten und letzten Lebensjahre anfangen: vielmehr denke man alsdann, daß wer für Narren schreibt allezeit ein großes Publikum findet, und wende die stets knapp gemessene, dem Lesen bestimmte Zeit ausschließlich den Werken der großen, die übrige Menschheit überragenden Geister aller Zeiten und Völker zu, welche die Stimme des Ruhmes als solche bezeichnet. Nur diese bilden und belehren wirklich.

Vom Schlechten kann man nie zu wenig und das Gute nie zu oft lesen: schlechte Bücher sind intellektuelles Gift, sie verderben den Geist. – Weil die Leute, statt des Besten aller Zeiten, immer nur das Neueste lesen, bleiben die Schriftsteller im engen Kreise der cirkulirenden Ideen und das Zeitalter verschlammt immer tiefer in seinem eigenen Dreck.

Es ist ganz interessant, dass in englischen Übersetzungen frei weitergesponnen wird:

In order to read what is good one must make it a condition never to read what is bad; for life is short, and both time and strength limited.

Oder diese Übersetzung:

schopenhauergoodbooks

Ludwig Marcuse hat vor mehr als 50 Jahren aufgefordert, sich einmal mit diesen Gedanken in aktualisierter Form auseinander zu setzen. Die englischen Zitate sind dann auch eher als eine Interpretation des eigentlichen Gedankens zu sehen.

Schon am Anfang habe ich gegen Schopenhauer eingewendet, dass unterhaltsame, nicht lehrreiche Literatur für den Geist sinnvoll sein kann, ohne ihn zu verderben. Das widerspricht seinem Gedanken nicht vollkommen: Ich habe beispielsweise für ein Lokalblog im Münsterland einmal angefangen, Münsterlandkrimis zu lesen. Anfangs mit einem gewissen Ansporn, irgendwann mit starker Ablehnung. Und das aus ungefähr dem, was Schopenhauer gegen schlechte Literatur anführt: Nicht die Qualität des Textes steht bei der Veröffentlichung eines Buches im Vordergrund, sondern die Geldmacherei oder das Ego des Schreibers. Das ist Schriftstellern nicht grundsätzlich anzukreiden, nur für gebildete Leser eben ein Hindernis für eine weitere Lektüre.

Und dieses Hindernis wiederum besteht darin, dass die Lektüre für den Leser nicht geistreich ist, sie versetzt einem, psychologisch gesprochen, keine Kicks. Da Lesen oftmals sowieso keine leichte Angelegenheit ist, wird eine Lektüre so schnell zur Belastung.

Um nun aber bei Literatur zwischen guter und schlechter zu unterscheiden, braucht es Lektüre und eben auch Lektüre schlechter Bücher, um gute erkennen zu können. Nur die bodenlos schlechte, die man an Verkaufsform des Mediums, Titel, Thema, spätestens beim ersten Leseeindruck erkennt, fällt meines Erachtens genau in Schopenhauers zu ignorierende Literatur.

Wobei heutzutage das Paradoxon zu Tage tritt, dass es wohl kaum jemals mehr zu lesen gab und es doch so schwierig erscheint, an gute Literatur zu bekommen. Oder kennen noch jemand eine vertrauenswürdige Buchhandlung, die von einer bestimmten Lektüre abriete, wo man doch ein Geschäft machen könnte?

Rainer Erlinger über too much information

Der Haus- und Hof-Philosoph der Süddeutschen Zeitung hat sich mit dem Begriff too much information beschäftigt. Eine Mutter schreibt ihm, dass ihre Tochter ihr eine Frage gestellt hat, bei der Antwort aber gar nicht lange zugehört hat, weil – auf Nachfrage – die Antwort ihr nicht hilfreich erschien. Die Mutter fragt, ob es nicht moralisch geboten sei, als Fragender unabhängig vom eigenen Gedanken, ob die Antwort hilfreich ist, der Antwort zuzuhören.

Erlinger meint, dass es bei diesem Fall u.a. um die Frage ginge, wo man die Grenze, ab der man nicht mehr zuhören muss, findet. Offenbar ist das eine philosophisch zu klärende Frage für Herrn Erlinger. Da hätte ich gerne mal gewusst, wieso das denn der Fall ist.

Erlinger behandelt den Fall des Auskunftsuchenden:

Wenn man von jemandem etwas wissen will, benutzt man ihn als Mittel zur Erlangung dieser Information. Aber derjenige bleibt eigenständig sowohl in der Entscheidung, ob er oder sie antwortet, als auch darin, was und wie umfangreich. Unterbricht man ihn jedoch, weil man das, was er antwortet, doch nicht wissen will, zeigt man, dass man nur an einer bestimmten Information interessiert ist, nicht aber an dem, was der andere zu diesem Thema sagen will. Man reduziert ihn tatsächlich auf ein Auskunftsmittel.

Erlinger sieht nur an einer Stelle eine Berechtigung, den Auskunftgebenden zu unterbrechen:

wenn die Antwort nicht mehr für den Fragenden erfolgt, sondern umgekehrt der Antwortende den Fragesteller als bloßes Mittel für seine Selbstdarstellung gebraucht. Dann gilt: TMI.

Erlinger tut leider so, als sei es so simpel aus einer Formulierung von Kant einen kategorischen Imperativ für alle Menschen zu zaubern. Dem ist nicht so. Zunächst einmal handelt es sich im vorliegenden Fall um eine private Kommunikation, bei der nicht zwingend kategorische Imperative eine Rolle spielen.

Wenn ich jemanden um Rat frage, dann impliziert das nach Kant möglicherweise einen kategorischen Imperativ. Naheliegend wäre, dass er beinhaltet, dass jemand bei einer Frage bestmöglich antwortet, so wie man selbst es wünscht, dass ein jeder bei einer solchen Frage bestmöglich antwortet. Ein Bruch dieses Abkommens wäre es, bei einer Gegenfrage für eine Beantwortung nicht zur Verfügung zu stehen, gerade wenn ich über eine hilfreiche Antwort verfüge. Im Beispiel, dass Erlinger bearbeitet, ist aber genau das der Fall: Die Tochter antwortet der Mutter auf deren Gegenfrage. Die Tochter betrachtet die Mutter demnach gerade nicht lediglich als Mittel, denn sie reagiert so, wie es mit dem oben geschilderten Imperativ gefordert wird.

Erlinger müsste erklären, weswegen ein solcher kategorischer Imperativ überhaupt beinhalten sollte, dass man geduldig einer Antwort lauscht, wenn schon abzusehen ist, dass die Antwort dem Fragenden nicht weiterhilft, so wie es scheinbar im Beispiel der Fall war.

Wenn mir jemand etwas erzählt und ich schaue ihn dabei an, kann er nicht wissen, ob ich zuhöre oder nicht. Selbst Gesten und Bewegungen können nur nahelegen, dass ich zuhöre. Hat mein Gegenüber ein Recht darauf, dass ich zuhöre und das Gehörte verarbeite und hat er ein Recht darauf, dass er zu Ende reden darf? Habe ich die Pflicht dazu?

Man sieht schnell: Eine solche Pflicht ist gar nicht verallgemeinerbar, denn sie würde Menschen nötigen, andere (nach Erlinger zumindest bei nicht selbst verherrlichenden Antworten) generell ausreden zu lassen, relativ unabhängig von der Hilfe, die die Antwort darstellt, und von der Länge der Antwort, so thematisch passend sie auch sein mag.

Es gibt die unterschiedlichsten Momente, in denen man andere in ihrer Rede unterbricht, und diese sind unterschiedlich gut begründet. Manchmal schneidet man jemandem das Wort ab, weil der ausgeführte Gedanke bekannt ist, und es für den Angeredeten unerheblich ist, den bloßen Gedanken gänzlich auszuführen. Mitunter ist das Themengebiet auch so klar, dass Anekdoten das eigentliche Thema nicht bereichern.

Sofern es nicht mein Ziel ist, jemanden anderen zu erziehen oder ihm durch Zuhören Wohl zu tun, muss ich seine Antwort nicht abwarten. Es ist mir allerdings unbenommen, mir selbst eben einen solchen kategorischen Imperativ aufzuerlegen.

Immanuel Kant beinhaltet diesen ganzen Bereich in einem Textstück, das Erlinger nicht so geläufig scheint, und zwar im Abschnitt Von den Tugendpflichten gegen Andere in Die Metaphysik der Sitten. Eine nahezu unbedingte Zuhörpflicht findet sich dort nicht.

Und zur Antwort über die Ausnahme zu Erlingers Zuhörpflicht sei gesagt: Dass ein Antwortender den Fragesteller als bloßes Mittel für seine Selbstdarstellung gebraucht, muss nicht bedeuten, dass die Antwort für den Zuhörenden keine inhaltliche Bereicherung darstellt. Heinrich von Kleist war gar der Meinung, man solle bei jeder Gelegenheit Zuhörenden seine Gedanken auslegen, um sie so verbessern zu können. Es ist unklar, wieso das eine Verletzung eines nicht bloß persönlichen kategorischen Imperativs sein soll.

Too-much-information-Tag

Ah, ja, jetzt ist es auch zu mir vorgedrungen. YouTube wird überflutet von Selbstinterviews zu überflüssigen Selbstportraitfragen unter dem Stichwort „Too much information“. Auf deutsch hört sich das dann so an:

Und etwas wacher und witziger hört es sich auf englisch an:

Too much information auf Amazon.de

Unfassbar schnell, also keine 3 Jahre nach Veröffentlichung, hat es mein Verlag geschafft, das Buch bei Amazon anbieten zu können. Müsste ich mal überarbeiten, wenn ich gaaaanz viel Zeit habe ;-).

Duck Sauce – Too much information

Wat ne lustige Spielerei: Duck sauce.

Crtlaltrock – Too much information

How much information is too much information?

Eilene Zimmerman on getting information:

Americans spend a huge amount of time at home receiving information, an average of 11.8 hours per day.

Bytes of information consumed by U.S. individuals have grown at 5.4 percent annually since 1980, far less than the growth rate of computer and information technology performance.

Americans spend 41 percent of our information time watching television, but TV accounts for less than 35 percent of information bytes consumed.

Avril Moore: Too much information from generation Y

You have to admire generation Y. This lot cut their teeth on Oprah and Judge Judy only to graduate with unfailing enthusiasm to Twitter, Facebook and Big Brother. The result? If they’re not letting you know every specific detail of their menstrual periods, relationships and emotional state, they’re undertaking their morning ablutions on the train.

When too much information harms the office

Traditional management is over. The internet has killed command and control. Now that everyone can analyse and ridicule their chief executive’s every move almost before they’ve made it, it has become impossible to order people about.

Stan Angeloff: Can we have too much information?

Stan Angeloff aka @insaned wrote a text on the topic Can we have too much information?, which is for sure worth reading. I’m not with him in any detail, but it’s a well written text.

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