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Artikel-Schlagworte: „Tatort Internet“

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Wie ist das eigentlich mit… der Moralbarbie und der Blödzeitung?

Die Moral­bar­bie ist ent­setzt. Und Till Schwei­ger ist das auch. Des­we­gen empö­ren sie sich in der Blöd­zei­tung. Die Moral­bar­bie ist ent­setzt, dass Kri­ti­ker die Rechts­ver­let­zun­gen des Sen­ders RTL2 auf­zei­gen, wodurch recht­lich nicht anklag­ba­re Per­so­nen gehetzt werden.

Noch­mal: Es geht nicht um Täter­schutz, es geht um die Bewah­rung rechts­staat­li­cher Prin­zi­pi­en wie der Unschulds­ver­mu­tung. Damit haben die Blöd­zei­tung, RTL, Schwei­ger und Gut­ten­berg offen­sicht­lich ein Problem.

Über so ein Ver­ständ­nis von Rechts­staat­lich­keit ist der­zeit nicht nur die Cari­tas ent­setzt. Fällt es Frau Gut­ten­berg denn gar nicht auf, dass nur die Blöd­zei­tung und RTL ihre Hal­tung tei­len? Dass jeder, der mehr Ver­stand auf die Waa­ge bringt, sich dif­fe­ren­tier­ter und RTL-distanzierter äußert?

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welt.de: Cari­tas for­dert Abset­zung von Tat­ort Internet
sueddeutsche.de: Ste­fa­nie zu Gut­ten­berg selbst am Pranger

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Die Sprin­ger­pres­se gehört ja zu den­je­ni­gen, die mei­nen, Qua­li­täts­jour­na­lis­mus sei das ein­zig Wah­re und der Geburts­feh­ler des Inter­nets sei es, kei­ne Bezahl­in­halts­for­ma­te eta­bliert zu haben. Dem wider­spricht der schei­den­de Focus-Online-Chef Jochen Weg­ner: Nie­mand braucht Print, Radio und TV.

Die Qua­li­tät der Sprin­ger­pres­se äußert sich mal wie­der dar­in, dass man einen Bericht ver­öf­fent­licht, in dem the­ma­ti­siert wird, wie ein angeb­li­cher Täter in der RTL2-Sendung Tat­ort Inter­net so beschrie­ben wird, dass er über das Inter­net leicht gefun­den wer­den kann. Und der Bericht ent­hält eben die Infor­ma­tio­nen, durch die er so leicht gefun­den wer­den kann. Dafür soll­te es auch mal einen Däm­lich­keits­preis geben.

Ich sel­ber habe ges­tern mal den nordrhein-westfälischen Land­tag besucht. Auch mal schön.

Eine Künst­le­rin woll­te ver­gam­meln­des Essen über einen län­ge­ren Zeit­raum foto­gra­phie­ren. Das Pro­blem mit dem McDonald’s-Essen: Es ver­gam­melt nicht.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Soll­ten wir jetzt nicht ein­fach mal so ein unver­gam­mel­ba­res McDonald’s-Menü unpre­pa­riert ins Muse­um stel­len als Mahn­mahl für kom­men­de Gene­ra­tio­nen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[Foto: Luc van Gent]

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Die FDP ist für eine Deutsch­pflicht auf Schul­hö­fen, wenn es nach dem Junior-Chef Chris­ti­an Lind­ner geht. Der FDP ist inzwi­schen auch jeder Gedan­ke recht, um irgend­wie mal wie­der in die Pres­se zu kommen.

Der flattr-Mitbegründer Peter Sun­de zieht sich aus flattr zurück. Einen durch­schla­gen­den Erfolg hat­te das Micor­payment­sys­tem für Inter­net­sei­ten bis­lang nicht.

Die von RTL in der Kra­wall­sen­dung Tat­ort Inter­net vor­ge­führ­ten “Täter” sind auf­grund der Infor­ma­tio­nen der Sen­dung offen­bar teil­wei­se nament­lich geou­tet worden.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Was haben die For­de­run­gen der FDP eigent­lich noch mit rea­ler Poli­tik zu tun? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[Foto: Luc van Gent]

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FAZ bei Tatort Internet auf Bildzeitungsniveau

Natür­lich ist Kin­des­miss­brauch ein Ver­bre­chen. Natür­lich kann man dar­über strei­ten, inwie­weit die Geset­zes­la­ge der­ar­ti­ge Ver­bre­chen genü­gend unter Stra­fe stellt. Aber dass bei die­sem The­ma emo­tio­nal ange­fix­te Per­so­nen der Sache nach ratio­na­le Erwä­gun­gen ohne wei­te­res über den Hau­fen schmeis­sen, um ihren ange­sta­chel­ten Emo­tio­nen frei­en Lauf zu las­sen, das ist bemer­kens­wert. In der FAZ geht das im Arti­kel von Chris­ti­an Gey­er so:

Die Mate­rie, die bei den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den unter dem ver­nied­li­chen­den Namen „Cyber Groo­m­ing“ läuft, ist zu wider­lich, um sich wirk­lich mit ihr beschäf­ti­gen zu wol­len. Es ist jedoch genau die­ser Wider­wil­le, der den Tätern hilft, leich­te Beu­te zu machen. Des­halb hat der Pran­ger­ef­fekt, auf dem „Tat­ort Inter­net“ beruht, nichts Obszö­nes. Die Täter las­sen einem kei­ne Wahl.

Was sich hier wie die Ein­lei­tung in einen ame­ri­ka­ni­schen Rache-Baller-Film ist die Ana­ly­se einer der bedeu­tends­ten Tages­zei­tun­gen Deutsch­lands zur RTL2-Sendung Tat­ort Inter­net. Für wen Taten, die man für Ver­bre­chen befin­det, nicht geahn­det wer­den, dem bleibt ja immer noch die Selbst­jus­tiz: Die Täter las­sen einem ja kei­ne Wahl.

Natür­lich las­sen die Täter eine Wahl: Eltern kön­nen den Inter­net­ge­brauch ihrer Kin­der beob­ach­ten, Web­cams nur ein­ge­schränkt an Kin­der abge­ben. Wäre das Argu­ment Die Täter las­sen einem ja kei­ne Wahl rich­tig, könn­te man wenig dage­gen sagen. Des­we­gen ist es ja so beknackt, es so unre­flek­tiert in einem Text fal­len zu las­sen. Als Höhe- und End­punkt die­ses Arti­kels, der Moral der Geschichte.

Was die­se Her­an­ge­hens­wei­se nur zeigt: Der­ar­tig sit­ten­wid­ri­ge Ver­bre­chen soll­ten von Per­so­nen behan­delt wer­den, die in der Lage sind, unter Abs­trak­ti­on per­sön­li­cher Betrof­fen­heit mit dem The­ma umzu­ge­hen. Ich weiss nicht, wie lan­ge so etwas geht, es soll aber auch kei­ne Lebens­auf­ga­be sein. Viel­leicht soll­te dies auch mit mehr Auf­merk­sam­keit ver­folgt wer­den. Denn dass die­ses The­ma in Deutsch­land in die­ser Schmud­del­ecke des Fern­se­hens gelan­det ist, ist schlimm genug:

tatortinternet

Da meint der einst von Schill ernann­te Ex-Polizeipräsident Ham­burgs und Hob­by­mo­de­ra­tor die­ser Kra­wall­bürs­ten­show, dass es bedau­er­lich sei, dass das LKA in einem Fall, in dem ein 35jähriger Leh­rer eine 18jährige Schau­spie­le­rin trifft, nichts unter­nom­men hat. Dass das LKA sich einem Rechts­sys­tem gegen­über zu ver­ant­wor­ten hat und nicht Hollywood-like wie in Mino­ri­ty Report Per­so­nen vor Bege­hen eines Ver­bre­chens ankla­gen kann, das will bei RTL2 nie­mand auf dem Schirm haben. Auch Frau Gut­ten­berg wohl nicht. Im Gegen­teil: Sie iden­ti­fi­ziert sich mit die­sem Niveau. Nur um noch­mal zu sagen, wel­ches Niveau wir da haben: RTL2 fin­det es anstö­ßig, wenn Erwach­se­ne Kin­dern Bil­dern mit eroi­gier­ten Penis­sen schi­cken, hält es ansons­ten für sen­dens­wert, Müt­ter mit ihren 13jährigen Töch­tern vor der Kame­ra eri­gier­te Penis­se model­lie­ren zu lassen.

It’s fun. Es ist Unter­hal­tung. Des­we­gen ver­wen­det man bei Tat­ort Inter­net die Spre­cher, die auch in Akten­zei­chen XY und Spiel­fil­men vor­kom­men. Des­we­gen die auf­grund feh­len­der Tat­sa­chen­be­le­ge spe­ku­la­ti­ven Erör­te­run­gen, die nur dem Reiz des Zuschau­es nach Ver­bre­chens­auf­klä­rung die­nen. Des­we­gen der per­ma­nen­te mora­li­sche Zei­ge­fin­ger, der die eige­ne Posi­ti­on in die­ser alber­nen Pos­se rechtfertigt.

Es ist dem The­ma aber schlicht nicht dien­lich, es mit Unter­hal­tungs­ef­fek­ten als Unter­hal­tung zu prä­sen­tie­ren. Das geht offen­bar in eini­ge Köp­fe nicht rein.

mehr: Schalt­zen­tra­le — Media­ler Missbrauch

Aktua­li­sie­rung:
Völ­lig dis­qua­li­fi­ziert sich der STERN bei die­sem The­ma, das er selbst anhei­zen woll­te und Redak­teu­re wie Ger­not Kram­per dann sol­che Sät­ze for­mu­lie­ren lässt:

Die­se RTL2-Sendung war wohl­tu­end unvoy­eu­ris­tisch aufgebaut.

SCHNÖFF TÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!
Eine Sen­dung, bei der per­ma­nent als Mit­tel die unsicht­ba­re Kame­ra im Hin­ter­grund ein­ge­setzt wird, um angeb­li­che Ver­bre­cher, denen man kei­ne Straf­tat nach­wei­sen kann, heim­lich auf­zu­neh­men, ist für den Zuschau­er zwangs­läu­fig voyeuristisch.

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