Wenn Blogger streiten…

Ach, Gottchen. Schön­stes Wet­terchen da draußen, aber man stre­it­et sich in der Blog­gosphäre. Na, komm, keine Angriffe an diesen Punkt schon. Ich nenne mal mit “Blo­gosphäre” all diejeni­gen, die in Deutsch­land aus welchen Grün­den auch immer, einen Blog betreiben. Ohne irgend ein weit­eres Kennze­ichen.
Als eine Art Dachver­band gab sich da die Re:publica aus, und das stößt eini­gen Blog­gern zutief­st unan­genehm auf. Denn Blogs sind für viele Darstel­lung der eige­nen Sichtweise. Etwas Pri­vates, etwas Sub­jek­tives. Das gilt für das Blog desjeni­gen, der keine Leser hat, bis zu großen Blogs wie dem von Ste­fan Nigge­meier. Sehr inter­es­sant an dieser Stelle ist es, das selb­st einige Jour­nal­is­ten diese Eige­nart von Pri­vat­blogs nicht bemerken. Auch was Ste­fan Nigge­meier blog­gt ist sub­jek­tiv. Es muss nicht objek­tiv­en Maßstäben angepasst sein, es muss nicht ein­mal son­der­lich aus­ge­wogen sein. In ein­er Zeitung ist das die Leitlin­ie, selb­st in Kom­mentaren stört über­zo­gene Sub­jek­tiv­ität. Aber Blog­ger sind in ihren Blogs frei, frei nach Sch­nautze zu reden. Insofern ist ein Blog ein Refugium Einzel­ner. Und das ist auch völ­lig okay so.
Man kann nun Blogs auch offen­er gestal­ten. Als Tech­nikblogs oder The­men­blogs. Je weniger in der­ar­ti­gen Blogs stark sub­jek­tive Darstel­lun­gen ohne son­der­lich­es Kennze­ichen vorkom­men, desto objek­tiv­er sind sie. Desto sach­ge­nauer muss aber auch gear­beit­et wer­den. Und es sind solche Blogs, die tat­säch­lich der etablierten Presse in Konkur­renz treten. Sicher­lich in äußerst geringem Maße, viel gerin­ger­er als viele das möcht­en, aber immer­hin.
Die Mach­er der Re:publica haben meines Eracht­es den Fehler gemacht, dieses nicht so her­auszustellen. Der Slo­gan, dass jed­er Presse sei, ist über­zo­gen, unge­nau. Es will ja auch gar nicht jed­er Blog­ger ein Presse­or­gan sein. Viele sind eben nicht scharf darauf, eine Konkur­renz zur Presse darzustellen, es ist ihnen schlicht egal. Dass sich in diesem Fall die etablierte Presse provoziert fühlt, ist nicht ver­wun­der­lich.
Das macht die Re:publica aber noch längst nicht zu ein­er Anmaßung, der­art, wie pikiert der eine oder andere auf diese Kon­ferenz reagiert. Grund­sät­zlich finde ich es toll, wenn jemand so eine Ver­anstal­tung auf die Beine bekommt. Diese spezielle ist sicher­lich für alle geeignet, die sich für über das rein Sub­jek­tive hin­aus­ge­hen­den Blogs inter­essieren und informieren wollen. Und sicher­lich gibt es da aus­tauschbare Erfahrun­gen und mögliche Trends. Oft­mals trifft man auf unaus­gereifte Gedanken, die ver­wor­den wer­den, aber genau das ist ja auch Sinn ein­er solchen Ver­anstal­tung. Es geht nicht allein um vorzeig­bare Erfolge. Dass die Ver­anstal­tung natür­lich inhaltlich kri­tisiert wer­den sollte, ste­ht auf einem anderen Blatt.
Und daher: Draußen ist Sonne, holt euch alle mal wieder ein Eis!

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Lycos Europe: Das Bertelsmann-Debakel

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Es wurde immer­hin heute mehr über Lycos gere­det als in den ver­gan­genen Jahren. Lycos Europe wird in die Inter­net­geschichte einge­hen als ein Witz der Dot-Com-Boom-Phase. Und um es gle­ich zu sagen, es ist heute sehr schlimm für die Mitar­beit­er. Von denen habe ich gehört, dass man inten­siv am und im Unternehmen arbeite und es wurde wieder und wieder das gute Kli­ma im Unternehmen gelobt. Es gibt gute Gründe, den Unter­gang von Lycos als schade zu beze­ich­nen. Auf Christoph Mohn möchte ich nicht rumhauen, das wer­den andere zur Genüge tun.
Was aber zum Ende von Lycos Europe auch fest­ge­hal­ten wer­den kann, ist, und dafür ist Mohn sich­er irgend­wie ver­ant­wortlich, wenn auch nicht allein, dass die altherge­brachte Ber­tels­mann-Strate­gie gefloppt ist: Der Gedanke, Kun­den vorzuset­zen, was die kaufen sollen (was in den 90ern im Inter­net noch klappte), anstelle den Kun­den aufs Maul zu schauen, und deren Inter­essen mit ade­quat­en (Internet-)Diensten zu unter­stützen. Sowas mag im Buch­club funk­tion­ieren, im Inter­net eben nicht. Ber­tels­mann hat im Inter­net, soweit ich weiß, nie Erfolg gehabt. Lycos ist da wohl nur derzeit die Spitze des Eis­bergs. Mag ich mit der Ein­schätzung auch voll daneben liegen, wir haben es hier mit einem der­ben Imageschaden für Ber­tels­mann und die Marke Lycos zu tun.
Dabei hat­ten sie dur­chaus Chan­cen. Der Lycos-Chat hat vor eini­gen Jahren genau die Nutzer ange­spült, die so heiß umkämpft gewe­sen sind: Junge, dynamis­che Leute, die miteinan­der in Kon­takt treten woll­ten, auf dur­chaus anspruchsvolle Weise. Der Lycos-Chat unter­schied sich von allen anderen durch Dinge, die Dien­ste wie Twit­ter auch ver­wen­den, und die damals neu waren: Ein direk­tes Mit­teilungssys­tem, eine eigene Darstel­lungs­seite, Sta­tis­tiken über Benutzer, die die eigene Seite anschaut­en. All das, was für viele Stu­di­VZ-Nutzer Neu­land bedeutete.
Und was machte Lycos? Man ver­suchte den Chat zu mon­e­tarisieren. Nutzer soll­ten Geld bezahlen für die Sta­tis­tiken und andere Eigen­schaften des Sys­tems. Und was macht­en die Nutzer? Sie sagten in Scharen Lycos Lebe­wohl. Sie ließen sich nicht das andrehen, was schein­bar auch kosten­los zu kriegen sein kann. Lycos hat eine erfol­gver­sprechende Idee leicht­fer­tig zum Ver­such des Mon­e­tarisierens aus der Hand gegeben. Ein Ver­such, der schon zuvor oft genug gescheit­ert war. Das müsste das sein, was Mohn ver­ste­hen müsste, wenn er sagt Lycos habe es nicht geschafft, seine Dien­ste zu mon­e­tarisieren. Weil nie­mand darauf geschaut hat, wer die Großzahl poten­tieller Kun­den ist und was die wohl inter­essiert, wenn klar ist, dass man denen nicht irgend­was zum Bezahlen aufs Auge drück­en kann. Mohn hat im let­zten Jahr aus­gerufen, man wolle nun auf web2.0-Strategien bauen. Davon ist nichts geblieben. Stattdessen trat zeit­gle­ich Twit­ter seinen Siegeszug an — mit Strate­gien, die bei Lycos nach 12 Jahren im Inter­net­geschäft längst bekan­nt sein hät­ten müssen.
Müssen. Aber auf diese und diverse andere Man­age­ment­fehler ist wohl zurück zuführen, dass von den 672 Mil­lio­nen Euro aus der Dot-Com-Boom-Phase noch etwa 140 übrig geblieben sind. Das ist ein Minus von 500 Mil­lio­nen €. Und auch wenn es aus Grün­den der Umrech­nung nicht mehr nötig ist, so lassen sie sich die Zahl doch noch ein­mal auf der Zunge zerge­hen: Eine Mil­liarde DM.
Und damit Schluss für’s Erste. Auf zu neuen Ufern, liebe Lycosian­er. Jedem neuen Anfang wohnt ein Zauber inne.
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edit: Mohn sagt in einem ersten State­ment, man habe nicht mit Google mithal­ten kön­nen. Das stimmt sicher­lich, aber war das denn der Geg­n­er? Oder war man nicht vielmehr selb­st sein größter Geg­n­er?
Und wo ich “rumhack­en” schreibe, für sowas find­et sich immer jemand.

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