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Artikel-Schlagworte: „Sarrazin“

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Sarrazin über Ostdeutsche

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Guten Morgen

morgenkaffee

Der franzö­sis­che Philosoph André Glucks­mann hat einen Essay veröf­fentlicht, der sich gegen die Pläne der franzö­sis­chen Regierung zur Ausweisung von Roma richtet. In Die Welt find­et sich dieser Essay in deutscher Über­set­zung.

Die FDP will finanzielle Strafen gegen Eltern ver­hän­gen, die nichts dage­gen tun, dass ihre Kinder nicht regelmäßig zur Schule kom­men.

Ste­fan Nigge­meier hat das skur­rile Video mit Ben­jam­in Stuck­rad-Bar­re und Thilo Sar­raz­in beschrieben und zeigt es auch.

Und während ich mir die Frage stelle: Warum gibt es noch keine Bußgelder gegen Poli­tik­er, die nicht für Bürg­er, son­dern für Lob­bys Poli­tik betreiben? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Was ich noch sagen wollte zur… Blödzeitung im Anzug

Im Juni hat­te die Bildzeitung schon ein­mal über die The­sen Thilo Sar­raz­in berichtet, die er jet­zt zur Veröf­fentlichung seines Buch­es nochmal vor­ge­tra­gen hat. Damals allerd­ings in ein­er anderen Dar­legung. Sar­raz­in war damals für die Bildzeitung nicht der­jenige, der endlich ein­mal sagt, was das Volk denkt, nein, Sar­raz­in war der Pöbler vom Dien­st. Kri­tik­er Sar­razins, so die Bildzeitung,

attack­ieren ganz über­wiegend die Pas­sagen in Sar­razins Buch, wonach die Gene der Zuwan­der­er, ihre ange­borene Intel­li­genz, über ihr indi­vidu­elles Schick­sal in Deutsch­land entschei­den. Mot­to: Blöd bleibt blöd, da helfen keine Pil­len.

Dieses Faz­it entzieht der Poli­tik Geschäfts­grund­lage und Daseins­berech­ti­gung gle­icher­maßen: Wenn die Ver­hält­nis­se tat­säch­lich genetis­ches Schick­sal sind, kann jede Poli­tik ein­pack­en, die in irgen­dein­er Form die Ver­hält­nis­se ändern will, bessern will. Das lässt kein Poli­tik­er, in kein­er Partei, auf sich sitzen. Deshalb keilt selb­st die über alle Maßen prag­ma­tis­che Kan­z­ler­in der­art zurück, von den “Sozial-Inge­nieuren” bei SPD und Grü­nen ganz zu schweigen.

Hier unter­schlägt die Bildzeitung kom­plett, dass es schlichter an alte Zeit­en erin­nern­der Unfug ist, die indi­vudu­elle gesellschaftliche Entwick­lung eines Men­schen allein oder auch nur vor­rangig auf irgendwelche Gene zurück zu führen. Wenn mor­gens gedanken­s­teuern­de Aliens die Welt bevölk­ern, entzöge dies der Poli­tik eben­so “Geschäfts­grund­lage und Daseins­berech­ti­gung” — es ist nur eben­solcher Schwachsinn, dies anzunehmen.

Für die Bürg­er geht es aber genau­so ums Ganze – näm­lich eben­falls um sie selb­st.

Zuwan­der­er mit mus­lim­is­chem Hin­ter­grund sind über­pro­por­tion­al in der Krim­i­nal-Sta­tis­tik vertreten, bei den Schu­la­b­brech­ern, bei den Hartz-IV-Empfängern. Amtliche, sta­tis­tis­che Daten deck­en sich mit per­sön­lichen Ein­drück­en, Sor­gen und Äng­sten. Deshalb beja­hen sie vor allem das Unverblümte, Radikale an Sar­razins Bestand­sauf­nah­me.

Bürg­er sind an dieser Stelle nicht mehr mus­lim­is­che Deutsche ohne Hochschul­bil­dung. Bürg­er sind die von Bild erfun­dene Mehrheit des Deutschen Volkes, die sich über die nicht­stat­tfind­en­de Inte­gra­tion von Mus­li­ma in Deutsch­land bekla­gen — als ob sie daran inter­essiert wären. Und auf welche Daten sich da der Schreiber­ling der Bild bezieht ist eben­so unein­sichtig — Haupt­sache die Rich­tung stimmt.

Warum nutzt die Bildeitung also auf ein­mal das Trit­tbrett Sar­raz­in zur Stim­mungs­mache? Weil der diesel­be Argu­men­ta­tions­form ver­wen­det: Fach­fremdes, polemis­ches Rum­be­haupten gegen Min­der­heits­grup­pen ohne die Fähigkeit zur Selb­stkri­tik. Wer Sar­razins Hal­tung recht gibt, kann dann ja auch­nichts mehr gegen die Bildzeitung haben.

Sicher­lich gibt es Inte­gra­tionsver­weigerung in Deutsch­land. Aber es gibt auch haus­gemachte Bil­dungss­chika­nen gegenüber Men­schen, die keinen 100%ig deutschen Ein­druck machen, ange­fan­gen vom Nach­na­men, vom Sprachakzent bis zum Ausse­hen. Warum soll­te sich jemand um Inte­gra­tion bemühen, wenn ihm das keinen sozialen Vorteil bringt und ander­er­seits auch offen abgelehnt wird? Aber für eine dif­feren­ziert­ere Betra­ch­tung ist in der Bild kein Platz.

Sar­raz­in ist nichts anderes als Bildzeitungsar­gu­men­ta­tion in Gestalt eines Anzugsträgers. Ange­blich schafft sich Deutsch­land durch das sich nicht inte­gri­eren wol­len­de, mus­lim­is­che Prekari­at ab. Ich glaube ja eher, dass Deutsch­land sich dadruch abschafft, dass viele Men­schen auf charak­ter­lose Fir­men wie Bil­ligdis­coun­ter zum kaufen und dort arbeit­en angewiesen sind. Und solche Fir­men sind keine mus­lim­is­che Erfind­ung — son­dern die prof­it­geil­er Anzugträger.

Guten Morgen

morgenkaffee

Der Europäis­che Gericht­shof hat das deutsche staatliche Glücksspiel-Monopol gekippt. Deutsch­land ver­stoße mit sein­er biesh­eri­gen Regelung gegen die von der EU vorgegebene Nieder­las­sungs- und Dien­stleis­tungs­frei­heit und begren­ze Glücksspiele und Sportwet­ten nicht in sys­tem­a­tis­cher, koherän­ter Weise.

Götz Aly fühlt sich genötigt, die Posi­tion Sar­razins in rechte Licht zu stel­len, da ihn die inquisi­torische Verurteilung Sar­razins von linnker Seit­ee stört. Daher betra­chtet er aus his­torischer Sicht die Bil­dungslage um 1900:

Um 1900 wiesen die christlichen Deutschen [im Ver­gle­ich mit jüdis­chen deutschen] jene Bil­dungsrück­stän­de auf, die Thilo Sar­raz­in heute bes­timmten mus­lim­is­chen Ein­wan­der­ergrup­pen vor­wirft.

Warum hat­ten die Juden die Nase vorn? Sie waren seit alters urban­isiert, und in den wach­senden Städten lag die Zukun­ft. Die meis­ten jüdis­chen Knaben lern­ten von jeher lesen und schreiben. Das gehörte zu ihrer religiösen Bil­dung, eine Reli­gion, in der man disku­tiert, stre­it­et, liest, nach­denkt – nicht ein­fach wie im Chris­ten­tum glaubt. Jüdis­che Reli­gion ist geistige Gym­nas­tik. Chris­ten­fam­i­lien mussten damals, der Not gehorchend, aus bäuer­lichen Ver­hält­nis­sen in die Stadt ziehen. Kaum alpha­betisiert, unkul­tiviert und entwurzelt benötigten sie drei bis vier Gen­er­a­tio­nen ele­mentar­er Schul­bil­dung, bis der Erste in akademis­che Höhen auf­stieg.

Mehr als an Gene glaube ich an die Bedeu­tung sozialer und kul­tureller, also auch religiöser, Leben­sum­stän­de. Die christlichen Mehrheits­deutschen haben seit 1900 kräftig aufge­holt. Die noch Bil­dungs­fer­nen unter den mus­lim­is­chen Zuwan­der­ern kön­nen das auch – ver­mut­lich schneller als ein­st die christlichen Deutschen.

Hilal Sezgin find­et dage­gen die Sar­raz­in-Debat­te für falsch:

Dieser Diskurs ist falsch, weil er keinen Raum lässt für das Eigen­recht gelebten Lebens und die beschei­dene Erken­nt­nis aller empirisch arbei­t­en­den Sozi­olo­gen: Wirk­lich angemessen wäre nur eine Karte im Maßstab 1:1.

Und während ich mir die Frage stelle: Was sind denn sys­tem­a­tis­ch und koheränt begren­zte Glücksspiele? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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