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Artikel-Schlagworte: „Piratenpartei“

Jugendverdrossenheit?

Ach, Gott­chen, was soll man denn nun schon wie­der mit so einem Text anfan­gen? John­ny Haeus­ler wähnt beim Tages­spie­gel, Poli­ti­ker könn­ten jugend­ver­dros­sen sein. Dies tut er mit Blick auf die E-Petition von vor ein paar Tagen. Bei aller Lie­be, John­ny, das war nicht die Jugend. Ich glau­be auch nicht, dass die Pira­ten­par­tei die Jugend ist. Der Text bauscht ledig­lich Unter­stel­lun­gen auf. Poli­ti­ker­ba­shing nach dem Bau­kas­ten­prin­zip. (Übri­gens das­sel­be Bau­kas­ten­prin­zip, nach dem Lobo in der Vor­wärts inkl. völ­lig ver­geig­tem Aristoteles-Bezug mein­te, dass die Alten die Jun­gen wegen ihrer Tech­nik­be­geis­te­rung geißeln. )

Guten Morgen

Morgenkaffee

Andert­halb Wochen vor der Land­tags­wahl in Ber­lin sieht es dort so aus, als ob die Pira­ten­par­tei in den Land­tag ein­zieht, die FDP es nicht schafft und rot-rot pas­sé ist.

In diver­sen Blogs dis­ku­tiert man über die Erst­aus­ga­be der deut­schen WIRED. Don Alphon­so kann der Aus­ga­be wenig abge­win­nen. Ich für mei­nen Teil habe noch von über­haupt kei­nem The­ma der Aus­ga­be gehört, das ernst­haft inter­es­sant ist. War­um also kaufen?

Der Erfin­der des E-Books, Micha­el Stern Hart, ist gestor­ben. Auf Boing­boing erin­nert sich´Mark Frau­en­fel­der an ihn.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Hat die­se Ame­ri­kaaf­fi­ni­tät in tech­ni­schen Din­gen inzi­schen reli­gö­se Züge ange­nom­men? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

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  • Lars von Trier im Inter­view: “In jedem von uns steckt ein klei­ner Nazi” — Kul­tur | STERN.DE
  • Das.Geht.Nicht. | law blog — Es bedarf kei­ner gro­ßen Phan­ta­sie, dass die weit­aus meis­ten Taten in den über­haupt von der Sta­tis­tik erfass­ten Kate­go­ri­en das vir­tu­el­le Äqui­va­lent von Delik­ten sind, wie sie auch im wirk­li­chen Leben all­täg­lich sind. Oder will ernst­haft jemand behaup­ten, mit Hil­fe eines Com­pu­ters bei ebay abzo­cken ist per se schlim­mer als bei Kar­stadt mop­sen? Auch im Netz haben wir es also vor­wie­gend mit ein­fa­cher bis mitt­le­rer Kri­mi­na­li­tät zu tun. Von daher wun­dert es schon, wenn der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter auch die Vor­stel­lung der Kri­mi­nal­sta­tis­tik 2011 dazu nutzt, die Wer­be­trom­mel für die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung zu rüh­ren: “Die nahe­zu unge­brems­ten Mög­lich­kei­ten, die das Inter­net eröff­net, schaf­fen spie­gel­bild­lich auch mehr Anrei­ze und Mög­lich­kei­ten zu ihrer miss­bräuch­li­chen Nut­zung. Es muss alles getan wer­den, um dar­aus resul­tie­ren­de Schutz­lü­cken – wie zum Bei­spiel die der­zeit feh­len­de Min­dest­spei­cher­frist von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­bin­dungs­da­ten – so schnell wie mög­lich zu schlie­ßen.” <br />
    <br />
    Das. Geht. Nicht.
  • futurezone.at | Poli­zei dreht deut­schen Piratenpartei-Server ab — Auf der öste­rei­chi­schen Mai­ling­lis­te der Pira­ten­par­tei schreibt ein Akti­vist dazu: “Die Ser­ver einer Par­tei, die sich vor allem im Inter­net enga­giert, weni­ge Tage vor einer Wahl ein­fach abzu­dre­hen und wahr­schein­lich die Daten ihrer Mit­glie­der zu kopie­ren, ist jeden­falls ein Quan­ten­sprung für die poli­ti­sche Repres­si­on in Europa.”

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  • FR-Interview: „So viel Macht habe ich mir echt nicht zuge­traut“ | Medi­en — Frank­fur­ter Rund­schau — Sascha Lobo wohnt zwar gegen­über von unse­rem Büro, aber ent­ge­gen der land­läu­fi­gen Mei­nung, dass wir dadurch jeden Tag auf­ein­an­der hän­gen, hat er mit dem Ver­ein rela­tiv wenig zu tun. Unse­re Netz­wer­ke wuss­ten davon, aber auch nicht alle. Bei Robin Meyer-Lucht wuss­te ich vor allem nicht, ob er aus Sicht sei­ner Verlagsberater-Tätigkeit oder als E-Plus-Lobbyist gegen die Idee schießt, dass mal jemand Nut­zer­inter­es­sen, die in der Regel dia­me­tral zu den Inter­es­sen von Robin Meyer-Luchts Auf­trag­ge­bern ste­hen, in Form einer in Zukunft viel­leicht schlag­kräf­ti­gen Orga­ni­sa­ti­on ver­tre­ten möchte.
  • Stu­die zu Enga­ge­ment von Jugend­li­chen: Schul­stress blo­ckiert die Hilfs­be­reit­schaft | RP ONLINE — Turbo-Abitur und Turbo-Studiengänge blo­ckie­ren einer Stu­die zufol­ge die Hilfs­be­reit­schaft der Jugend­li­chen in Deutsch­land. Nach der Unter­su­chung der Bertelsmann-Stiftung und des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­ums enga­gie­ren sich Schü­ler und Stu­den­ten einem Zei­tungs­be­richt zufol­ge immer weni­ger in der Gesellschaft.
  • OST:BLOG: Erin­ne­run­gen an Tscher­no­byl — Jenz Stei­ner befrag­te auf sei­ner Rei­sen durch Russ­land und Bela­rus, aber auch in Ber­lin, immer wie­der Leu­te, wel­che Erin­ne­run­gen sie mit der Tschernobyl-Katastrophe vor einem Vier­tel­jahr­hun­dert ver­bin­den. Her­aus kam eine klei­ne Samm­lung erschre­cken­der, ganz sub­jek­ti­ver Details, die nie in einem Geschichts­buch ste­hen werden:
  • Kret­sch­mann will weni­ger PKWs: Auf­schrei im Auto­land — taz.de — Müs­sen Por­sche und Daim­ler mas­sen­haft teu­re Luxus­ka­ros­sen bau­en? Der desi­gnier­te Minis­ter­prä­si­dent Baden-Württembergs stößt eine Debat­te an – und ern­tet Kritik.
  • Sachsen-Anhalt will NPD-Verbot — “Lie­ber Lok­füh­rer als Brem­ser” — Poli­tik — sueddeutsche.de — Bos­bach erklär­te, die Risi­ken eines neu­en Ver­bots­ver­fah­rens sei­en erheb­lich: “Wir müss­ten die V-Leute aus der NPD abzie­hen. Und wir befän­den uns dann bei der Beob­ach­tung der Par­tei für eine län­ge­re Zeit im Blindflug”.
  • Vater der CD gestor­ben — sueddeutsche.de — Er war nicht nur ein Musik­lieb­ha­ber. Er war auch einer der ein­fluss­reichs­ten Musik­ma­na­ger. Und so konn­te sich Norio Ohga vor 30 Jah­ren die­sen Wunsch erfül­len: Beet­ho­vens neun­ter Sin­fo­nie zu lau­schen, ohne Unter­bre­chung. Eine silb­rig glän­zen­de Schei­be brauch­te es dazu. Mit zwölf Zen­ti­me­tern Durch­mes­ser, für 74 Minu­ten, die bis dahin längs­te Ein­spie­lung von Beet­ho­vens Neun­ter. Ohne Norio Ohga, Amateur-Bariton-Sänger und damals Sony-Chef, hät­te es die Com­pact Disc womög­lich nie gegeben.
  • Digi­ta­les Gemein­ei­gen­tum wird zum ein­ge­tra­ge­nen Mar­ken­zei­chen | Fla­schen­post — Am 10. Dezem­ber 2010 wur­de die weit­ver­brei­te­te und oft ver­wen­de­te Zei­chen­fol­ge „<3“ von einer ita­lie­ni­schen Fir­ma als Mar­ken­zei­chen eingetragen.
  • Kopie­ren als Reli­gi­on: Isak glaubt ans Dupli­zie­ren — jetzt.de — Mis­sio­na­ri­sche Kir­che des Kopie­rens nennt sich eine Orga­ni­sa­ti­on, die Anfang des Monats in Schwe­den ins Leben geru­fen wur­de. Ziel der neu­en Glau­bens­ge­mein­schaft ist es, das Tei­len und Ver­brei­ten von Daten im digi­ta­len Raum als Reli­gi­on aner­ken­nen zu lassen.

Guten Morgen

morgenkaffee

Hans-Ulrich Weh­ler ruft die SPD zur inhalt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung auf und ver­bin­det dies mit einer Ana­ly­se von Bildungskatastrophen.

Eine Poli­ti­ke­rin der Pira­ten­par­tei hat mit einem Blog­ein­trag zur sati­ri­schen Ent­las­sung der Bun­des­re­gie­rung auf­ge­ru­fen. Immer­hin haben sich für die­se Idee 16.000 Peten­ten gefun­den. Nun ver­langt sie — ver­tre­ten durch ihren Mann — schon für das Ver­lin­ken des Arti­kels eine Gebühr. Das fin­det der Spie­gel­fech­ter aus­ge­spro­chen albern.

Das Bun­des­kar­tell­amt sucht nach Nach­wei­sen für das wie­der­keh­ren­de Stei­gen der Sprit­prei­se zu Feri­en­be­ginn.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Was pas­siert wohl nach einem Nach­weis, dass die Sprit­prei­se wirk­lich stra­te­gisch zu Feri­en­be­ginn stei­gen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[Foto: Luc van Gent]

Edo Reents: Peter Kruse – Der Vollweise

Die FAZ hat inzwi­schen Edo Reents’ Schmäh­ar­ti­kel auf Peter Kru­se frei zugäng­lich gemacht. Und so kann nun jeder kos­ten­los nach­voll­zie­hen, wie Reents aus der nicht unbe­rech­tig­ten Ana­ly­se, dass Kru­se popu­lär­wis­sen­schaft­lich daher­kommt, die Grund­stim­mung zu erzeu­gen ver­sucht, Kru­se sei ein intel­lek­tu­el­ler Hochstapler.

Dabei outet Reents sich aller­dings deut­lich selbst als vor­ur­teils­be­haf­te­ter Laie:

Es ist Kru­se, der die bei­den Lager auf­ein­an­der los­lässt, und zwar auf zwei­fel­haf­ter Grund­la­ge: Nur 191 Per­so­nen wur­den dazu befragt. Fach­krei­se begeg­nen den dar­aus abge­lei­te­ten The­sen skep­tisch. Jür­gen Kuri, stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur des IT-Magazins „c’t“, hält das für „eine sta­tis­tisch wenig aus­sa­ge­kräf­ti­ge Grund­la­ge und wis­sen­schaft­lich nicht haltbar“.

Herr Reents, die c’t ist doch kein Fach­kreis für wis­sen­schaft­li­che Studien.

Auch ande­re Ana­ly­sen Reents sind kaum verständlich:

Doch die Güte und die Geduld des Welt­wei­sen [Kru­se] kön­nen schnell umschla­gen in beleh­ren­den Zorn über den Unver­stand derer, die auch mit­re­den wol­len. Das war am Ran­de der Re:publica wäh­rend eines Inter­views zu erle­ben, das Alex­an­der Klu­ges Sen­der dctp mit ihm führ­te. Schon die Ein­stiegs­fra­ge nach den Netz­wer­ken, die er benut­ze, war ihm nicht gut genug: „Jetzt müs­sen wir gleich schon anfan­gen, theo­re­tisch zu wer­den“, sag­te er kopf­schüt­telnd: „Wel­che Netz­wer­ke mei­nen Sie?“ Damit hat­te er den Mode­ra­tor so weit, die her­ab­las­sen­de Lek­ti­on schließ­lich mit Demut zu quit­tie­ren: „Immer wie­der inspi­rie­rend, mit Ihnen zu reden!“

Das ver­ste­he ich nun über­haupt nicht: Wie kann denn die Ein­zel­fra­ge, wel­ches Netz­werk von meh­re­ren, in einer bestimm­ten Fra­ge in Fra­ge kom­men, einem Fra­ge­stel­ler gegen­über demü­ti­gend sein?

Reents sieht sich unbe­irrt selbst als Auf­klä­rer, als Ent­lar­ver des Flö­ten­spie­ler von Hameln, was er dann aber doch lie­ber ande­re sagen lässt:

Eini­ge durch­schau­en ihn aber auch. „Da steht er nun und gene­riert Mehr­hei­ten der schlich­ten Art“, sag­te Diet­mar Moews von der Pira­ten­par­tei. Blog­ger und Inter­net­kom­men­ta­to­ren äußern sich unver­blümt: „Kru­se ist der Hyper-Schwobler des Inter­nets, ver­gleich­bar nur mit Franz Becken­bau­er im Fuß­ball oder mit Peter Slo­ter­di­jk im Lite­ra­tur­be­trieb. Mit sei­ner Bra­chi­al­rhe­to­rik, sei­ner enorm schnel­len Sprech­ge­schwin­dig­keit, wel­che dem Zuhö­rer kei­ne Chan­ce zu einem kla­ren Gedan­ken lässt, ver­mit­telt er die Illu­si­on, er hät­te unglaub­lich Bedeu­ten­des und Weg­wei­sen­des mitzuteilen.“

Wer Auf­klä­rung aber der­art pole­misch in Angriff nimmt, der droht zu schei­tern. Und eben dies pas­siert dem Ger­ma­nis­ten Reents nach all die­sem unqua­li­fi­zier­ten Rums­psy­cho­lo­gi­sie­ren über die Per­son Kru­ses am Ende des Tex­tes noch einmal:

In der Regel wer­den von Next­prac­tice weni­ger als zwei­hun­dert Per­so­nen befragt; dafür wird das mit dem Attri­but „qua­li­ta­ti­ves Inter­view“ ver­se­hen — als hät­ten alle ande­ren Inter­views kei­ne Qua­li­tät. Auf den Anspruch auf wis­sen­schaft­li­che Serio­si­tät, dar­auf, etwas Rele­van­tes über unse­re Gesell­schaft aus­zu­sa­gen und sie über Bera­tung auch zu beein­flus­sen, reagiert man in Fach­krei­sen mit Geläch­ter. Ursu­la Dehm, die beim ZDF seit vie­len Jah­ren Medi­en­for­schung betreibt, kriegt sich gar nicht wie­der ein: „Da dreht sich einem das Empiriker-Herz um. Das ist quir­li­ger Nonsens.“

Was in Fach­krei­sen ein qua­li­ta­ti­ves Inter­view genannt wird, und wie­vie­le Ver­suchs­per­so­nen für eine wis­sen­schaft­li­che akzep­tier­te Ana­ly­se benö­tigt wer­den, das ist Reents völ­lig unbe­kannt. Auch dass Reents bei Fach­krei­sen für wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en nur die c’t und das ZDF ein­fal­len, erzeugt eine gewis­se Irri­ta­ti­on. Aber er ist anfäl­lig für Leu­te, die lachen, soviel ver­steht der Leser.

Nun mag Kru­se popu­lär­wis­sen­schaft­lich und für eini­ge platt daher­kom­men, das ändert nichts dar­an, dass eine wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­se nicht dadurch falsch wird, dass ein Laie wie Reents sie nicht ver­steht. Wäre Reents der Auf­klä­rer des Phä­no­mens Kru­se, er hät­te wis­sen­schaft­lich auf der Höhe sein müs­sen, dies sach­lich ver­ständ­lich begrün­den zu kön­nen. So aber ist er genau der unwis­sen­schaft­li­che, vor­ur­teils­ver­haf­te­te Wind­müh­len­ana­lyst, den er in Kru­se zu erken­nen glaubt.

Mehr
Bei Gun­n­ar­sohn sind Reak­tio­nen auf den Text versammelt.

Die taz-Piraten oder: Wie man eine Verschwörungstheorie entert

tazpiraten

Wenn sich in letz­ter Zeit wirk­lich eine deut­sche Zei­tung um ein exter­nes Watch-Blog bemüht, dann ist es die tages­zei­tung, kurz taz.

Als Ines Pohl im ver­gan­ge­nen Som­mer die Lei­tung der taz von Bascha Mika über­nahm, sag­te sie:

Bascha Mika warnt davor, dass die „taz“ zurück­fällt in eine Zeit der Gra­ben­kämp­fe und zurück­kehrt in ideo­lo­gi­sche Ecken von vor­ges­tern. Das wird der „taz“ auch mit mir in der Chef­re­dak­ti­on nicht passieren.


Links zu sein heißt für mich auch, kri­tisch und auf­stän­disch sein, Attri­bu­te, die für die „taz“ ja passen. 

Wirk­lich?

In den letz­ten Wochen fiel ver­stärkt auf, wie die taz die Pira­ten­par­tei ins Visier nahm.

Im Arti­kel Die Untie­fen der Frei­heit kon­sta­tiert Albrecht von Lucke, man wird sich, sofern die Pira­ten­par­tei nicht ihren Frei­heits­be­griff klärte,

nicht dar­über wun­dern kön­nen, wenn sich auch in Zukunft hin­ter dem Piraten-Label alle mög­li­chen zwie­lich­ti­gen “Frei­heit­li­chen” ver­sam­meln werden.

Julia See­li­ger weiss aus dem Umstand, dass das Vor­stands­mit­glied der Pira­ten­par­tei Andre­as Popp nai­ver Wei­se der rechts­ge­rich­te­ten Zei­tung Jun­ge Frei­heit ein Inter­view gege­ben hat, den Schluss zu ziehen:

Aber­mals ist es der Pira­ten­par­tei pas­siert, unsen­si­bel gegen­über rechts­las­ti­gen Argu­men­ta­tio­nen gewe­sen zu sein.

Rhe­to­rik für Anfän­ger. Wenn sie jeman­dem nichts direkt vor­wer­fen kön­nen, ver­su­chen sie es indi­rekt. Das Inter­view ging über­haupt nicht um rech­te The­men, der Inter­view­er ver­such­te nicht, dem Inter­view­ten Mei­nun­gen unterzuschieben[1.
__________________________

1. Dis­ku­ta­bel ist dabei natür­lich der Satz des Inter­view­ers Lin­ke, sozia­le Par­tei­en ste­hen klas­sisch für sozia­le Ent­mün­di­gung zuguns­ten eines stark bemut­tern­den Staa­tes.
Aber Popp pariert die­sen Satz
] oder zu beför­dern. Was also tun? Wer­fen sie ihm geschwur­bel­tes Zeugs vor, wie “unsen­si­bel gegen­über rechts­las­ti­gen Argu­men­ta­tio­nen” zu sein. Rechts­las­ti­ge Argu­men­ta­tio­nen sind nicht behan­delt wor­den, aber gefühlt sind sie eben für die sen­si­blen tazler immer im Spiel. Da kann man argu­men­ta­tiv nichts mehr anrich­ten: Gefüh­le unter­ste­hen der pri­va­ten Äußerungsberechtigung.

Felix Lee mut­maßt nach der Bun­des­tags­wahl, die Pira­ten­par­tei freue sich über

720.000 Euro, die dem­nächst in ihre Par­tei­kas­sen flie­ßen wer­den. An der Finanz­si­tua­ti­on wird es also nicht lie­gen, falls der nun anste­hen­de Par­tei­auf­bau schei­tern sollte.

Offen­bar geht man bei der taz davon aus, dass ein anste­hen­der Par­tei­auf­bau schei­tert. Lee und See­li­ger kom­men zu der erstaun­li­chen Ein­sicht, eini­ges sprä­che für den

Fort­be­stand der Internet-Partei auch nach der Bun­des­tags­wahl. […]

Zudem wür­de es

nicht ver­wun­dern, wenn bereits die nächs­te Bun­des­re­gie­rung spe­zi­ell einen Staats­se­kre­tär für die Online-Welt abstem­pelt. — Dem Gedan­ken­gang der Auto­ren zufol­ge wohl das Aus für die Piratenpartei.

Der Erfolg der Pira­ten­par­tei in Schweden 

gibt den Pira­ten Selbst­be­wusst­sein – zu Unrecht. Denn sie sind bei wei­tem nicht die ein­zi­gen, die die Netz­welt­the­men behandeln. 

Bei der taz weiss man wohl inzwi­schen auch, wann wel­che Par­tei zurecht selbst­be­wusst sein darf. Ist das nicht schon ein Partei-ergreifen?

Heu­te schreibt Paul Wrusch den Arti­kel Der Pirat, der ein­mal Nazi war. Nazis, Neo-Nazis und Rechts­ex­tre­me, das ist bei der taz offen­sicht­lich einer­lei. Der wesent­lichs­te Punkt des Arti­kels über ein Pira­ten­mit­glied, das zuvor extrem rechts enga­giert war, ist hier­bei schon in der Über­schrift festgehalten:

Unter­wan­de­rungs­ten­den­zen.

Wer die taz ver­folgt hat, der weiss wie Wrusch über die Piratenpartei:

Die tut sich im Umgang mit der­ar­ti­gen Fäl­len und der Abgren­zung nach Rechts noch schwer.

Am Ende, als Höhe­punkt des Arti­kels, kommt Wrusch zu sei­ner eigent­li­chen Messa­ge, die im Kern nichts ande­res ist als eine Verschwörungstheorie:

Die Rech­ten unter­des­sen wis­sen, dass ihnen von den Pira­ten Kon­kur­renz um Wäh­ler­stim­men droht: Vor allem jun­ge Män­ner könn­ten zu den Pira­ten über­lau­fen, fürch­ten sie. Auf dem Info­por­tal gesamtrechts.net for­dert ein anony­mer Kolum­nist daher schon Anfang August offen: “Wer­det rech­te Pira­ten”. Ein direk­ter Auf­ruf zur Unterwanderung.

Als ob das noch nicht pein­lich genug wäre, darf sich Wrusch sei­ne Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on von den Rech­ten um die Ohren hau­en las­sen:

Wir haben den Par­tei­stra­te­gen des rech­ten Lagers ange­ra­ten, sich der The­men der Pira­ten­par­tei anzu­neh­men, um auf die­se Wei­se so weni­ge Jung- und Erst­wäh­ler wie mög­lich an die Pira­ten­par­tei zu verlieren.

Das ist in der Tat so in der zitier­ten Text­pas­sa­ge nach­zu­le­sen. Dass die­se Pas­sa­ge auch von NPD-Info.net falsch gele­sen wur­de, und viel­leicht vom taz-Autor nur über­nom­men wur­de, lin­dert den Scha­den wenig.

Kom­men wir also zum Aus­gangs­punkt zurück: Der Ver­such der taz, ihre Auto­ren “kri­tisch” auf das ver­meint­lich unge­fähr­li­che Piratenpartei-Thema anzu­set­zen, scheint offen­sicht­lich aus dem Ruder zu gera­ten. Denn immer wie­der behan­deln die Auto­ren eher ihre eige­nen Posi­tio­nen und Vor­ur­tei­le als Fazit ihrer Tex­te, als dass sie Sach­la­gen mög­lichst objek­tiv ana­ly­sie­ren. Ich weiss nicht, ob sich die Auto­ren damit in der ideo­lo­gi­schen Schmuddel-Ecke befin­den, von der Bascha Mika sprach, aber sau­ber ist das nicht.

Das Ende der Großparteien

Mit dem 27. Sep­tem­ber 2009 ende­te in Deutsch­land die Geschich­te der Groß­par­tei­en. Wären die Nicht­wäh­ler eine Par­tei, sie hät­ten 5% mehr als die SPD und läge mit der CDU gleich­auf oder vor ihr.

Die Wahl gewon­nen haben CDU/CSU und FDP, die zusam­men gera­de ein­mal ein Drit­tel der Wahl­be­rech­tig­ten in Deutsch­land für sich gewin­nen konn­ten. Ob selbst die­ses Drit­tel für Inhal­te gewon­nen wur­de, ist höchst frag­lich, schliess­lich will eine Mehr­heit in Deutsch­land den Min­dest­lohn und genau den wol­len CDU/CSU und FDP nicht.

Der SPD ist so deut­lich wie nie zuvor gezeigt wor­den, dass sie auf Bun­des­ebe­ne weder Volks- noch Groß­par­tei ist. Immer wie­der wur­de in den letz­ten Wochen dar­auf ver­wie­sen, dass Deutsch­land eine star­ke Sozi­al­de­mo­kra­tie brau­che. Nur geht das eben auch ohne die SPD, was wider­um ein Gedan­ke ist, den die Genos­sen erst noch ver­in­ner­li­chen müs­sen. Und je län­ger das dau­ert, des­to län­ger die Gene­sung. Son­der­lich hoff­nungs­voll kann man nicht sein, wenn Stein­mei­er gleich am Wahl­abend die alte Lei­er anstimmt, die SPD habe eine his­to­ri­sche Auf­ga­be. Mit Geschichts­fu­se­lei wer­den aktu­el­le Pro­ble­me nicht beho­ben, kom­men­de Wah­len nicht gewonnen.

Die CSU fällt und fällt und holt in Bay­ern nur noch 41%. Die lan­ge Zeit dritt­stärks­te Par­tei kommt mit 6,5% der­zeit nur noch auf den 6. Rang und darf sich künf­tig nicht wun­dern, wenn sie den Atem der Pira­ten­par­tei (2%) im Nacken spürt. Da erscheint es selt­sam welt­ent­rückt, wenn CSU-Barde Peter Ram­sau­er von Leih­stim­men spricht, die die FDP von CDU/CSU ergat­tert habe. Das ist das Den­ken in alten Strukturen.

Die FDP, und das muss man ihr zuge­ste­hen, hat es immer­hin ver­stan­den, die aktu­el­len Pro­ble­me in ihre eige­ne Jar­gon ein­zu­bin­den, so dass es einen welt­an­schau­li­chen Stand­punkt ergab, den Wes­ter­wel­le sehr gut aus­fül­len konn­te. Auch wenn der FDP genaue Inhal­te abge­hen wie eh und je. Es ist den Oppor­tu­nis­ten aber nun ein­mal nicht anzu­las­ten, wenn ihre Geg­ner sich nicht auf Wahl­kampf verstehen.

Die­se Wahl hat dem Hin­ter­bänk­ler­tum den Kampf ange­sagt und das ist gut so. Gewon­nen wer­den Wah­len künf­tig mit Inhal­ten, deren Dar­stel­lung man mäch­tig ist. Das ist auch gut. Die CDU hat vor weni­gen Mona­ten den größ­ten Online-Widerstand der Bun­des­re­pu­blik her­auf­be­schwo­ren und ich wäh­ne, dass Ähn­li­ches sich wie­der­ho­len könn­te. Das bedeu­tet aber nur, dass jün­ge­re Men­schen für poli­ti­sche Zwe­cke kämp­fen. Und auch das ist gut so.

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