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Artikel-Schlagworte: „Konzert“

Konzert: LP, Köln, 30.11.2016

Eines ihrer beiden Konzerte in diesem Jahr bestritt Laura Pergolizzi, kurz LP, im Kölner Stadtgarten. Stimmlich wie auf Platte hatte sie ihr Publikum im Griff, bevor der erste Ton gesungen war. Der Sound war … also so hörte sich das in Madrid an vor scheinbar vergleichbarem Publikum an, in Köln klang das nicht so. Das lang nicht an der Musik, was aber das Konzert etwas schwächer erschienen ließ. Ein Erlebnis war es allemal.

[ LP, Stadtgarten, Köln, 300 Gäste. ]

Element of Crime, Palladium, Köln, 03.03.2015

Dieses Jahr wird wohl das persönliche Konzertjahr der Langenichtmehrgesehns. Element of Crime habe ich in den 90ern das letzte Mal live gesehen. Dieses Mal zusammen mit 4000 Leute in Köln. Die standen allerdings einfach nur als Masse so rum, manche sangen schräg mit, hinter uns gackernde Irgendwasse, die zu klein waren, um irgendwas zu sehen, was sie dann wohl durch Reden kompensieren wollten. Ich mag die englischen Sachen von EoC nicht, die letzteren finde ich oftmals fad, die ersten zwei deutschen Scheiben sind mein Fall. Und daher war ich ab und an „raus“ aus dem Konzert (auch weil meine Freundin die so gar nicht mochte). Im Taxi hinterher hörten wir im Radio, dass sei einzigartig in Deutschland gewesen, wie irgendwann alle Leute in Ruhe versetzt waren. Naja. 1995 im Jovel mit 800 Mann war es viel atmosphärischer.

Konzert: Christian Steiffen in Oberhausen, 16.11.2014

Als schon eher routinerter Besucher von Christian-Steiffen-Konzerten will ich mal nicht schon wieder einen Stein den Berg hochrollen, sondern einmal den Blick ins Publikum werfen: Wie der Typ aus Danni Lowinski in Oberhausen an der Bühne abgezappelt ist: herrlich; wie der junge Pferdeschwanzträger seine unterschriebene LP anschaut und seinen Schatz dann mit verschlossenen Augen und den ernst gemeinten Worten „Die ist für die Ewigkeit“ an sein Herz drückt: ergreifend; wie die eigene bessere Hälfte nach der persönlichen Verabschiedung auf der ganzen Rückfahrt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommt: bescheuert.

Das Ruhrpottpublikum ist irgendwie wie das Düsseldorfer Publikum nicht so intensiv mitreißbar, habe ich das Gefühl, der Ton war auch etwas quietschig für meinen Geschmack, dafür das Ambiente im Zentrum Altenberg sehr anheimelnd.

Konzert: Christian Steiffen, Osnabrück, 12.10.2013

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Konzert zum CD-Release von Arbeiter der Liebe und gleichzeitig Auftakt der Tour mit gleichem Namen. Die Kleine Freiheit in Osnabrück bedeutet ein ausverkauftes Heimspiel für Christian Steiffen, das merkt man schnell. Der Einstieg bei vorfreudiger Atmosphäre mit „Wie gut, dass ich hier bin“ fällt bombastisch aus.

Leider wird das Konzert dadurch etwas getrübt, dass der Sound der Boxen nicht überzeugt. Während der Sänger gut durchkommt, hört man von der eigentlichen Musik, die einen raffinierten Begleitpart spielt, wenn, dann nur dröhnend etwas. Die Überschwänglichkeit des Kleine-Freiheit-Publikums machen es dem Sänger im Folgenden dann auch nicht so einfach, seinen gewohnten Charme anzubringen. Auf neue Songs reagiert das Publikum kaum. Immerhin schafft Steiffen es, die Konzertatmosphäre zu halten, auch im Übergang zur Metal-Interpretation seiner Songs durch die Formation Motor Steiffen.

Und beim Metalteil ist der Sound gleich ungemein besser, weil Schlagzeug und Bass sich besser gegen die Boxen durchsetzen können. Da lässt sich Christian Steiffen dann auch nicht aus der Ruhe bringen, als er der Forderung des Publikums nach Zugabe zustimmt, die Band aber die Bühne verlässt. Als Qualifikation, Schlager-Nachfolger von Heino in Wacken zu werden, dürfte das aber locker ausreichen. Der Abschluss des Konzerts fällt mit einem belanglosen Cover von „Drum leb dein Leben“ und dem dritten Mal „Sexualverkehr“ unaufgeregt aus, vielleicht ist das an diesem Abend auch besser so.

Und damit kommen wir zur CD-Kritik, denn das Konzert diente ja auch zur Vorstellung seines Debütalbums. Auch wenn 7 der 14 Lieder schon von der letztjährigen EP bekannt sind, braucht sich die CD nicht zu verstecken. „Wie gut, dass ich hier bin“ eröffnet die Scheibe genauso mitreißend, wie es beim Konzert funktioniert. „Ich hab‘ die ganze Nacht von mir geträumt“ und die Neuaufnahme von „Sexualverkehr“, wobei die der EP besser ist, dürfen nicht fehlen. „Champagner und Kaviar“ ist ein netter Tabubruchversucher, „Eine Flasche Bier“ wird als Getränkbesingung unvergessen bleiben. Bei „Ich hab‘ dir den Mond gekauft“ hat selbst meine Mutter gelacht. „Selbstmitleid“ klingt gesanglich etwas neben der Spur, und genau das macht „Mein bester Freund“ wieder wett, das thematisch zwar etwas irritiert, aber beeindruckend gesungen wird. „Ich habe Haschisch probiert“ wirkt auf Konzerten besser, „Ein Leben lang“ ist wieder schön ausgesungen, der „Flasche Bier Marsch“ ist das Polonasen-Muss der Platte und „Eine Rose“ ein sanfter, passender Abgang.

Kurz und gut: Die Befürchtung, Steiffen könnte auf CD gepresst überproduziert daherkommen, wenn es sie denn gab, war nicht berechtigt. Ohne Aussetzer unterhält Steiffen seine Hörer formidabel. Seit langem überhaupt man wieder ein Album, dass man in einem Rutsch anhören kann.

[ Christian Steiffen, Kleine Freiheit, Osnabrück, 200 Gäste. Aktuelle Tour: „Arbeiter der Liebe“, weitere Termine: 16.10 Hannover, 17.10. Dortmund, 18.10. Wietmarschen, 19.10. Karlsruhe, 20.10. Stuttgart, 21.10. Köln, 01.11. Weinheim, 02.11. Bielefeld, 03.11. Dresden, 05.11. Berlin, 06.11. Hamburg, 07.11. Kiel, 08.11. Braunschweig, 28.11. Bremen, 29.11. Leipzig ]

Amsterdam Klezmer Band, Zakk, 4.9.2013

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Passend zum jüdischen Neujahrsfest gastierte die Amsterdam Klezmer Band am vergangenen Mittwoch im Düsseldorfer Zakk. Mit poppiger Kleszmer Musik, russischen Stücken und niederländischem Rap heizte man dem Düsseldorfer Publikum ein, so dass dieses ausgelassen tanzte und (!) sogar klatschte.

So oder so wird uns die Band wohl noch über den Weg laufen. Wegen der 15-Jahrs-Jubiläumstour, die man seit mehreren Jahren bestreitet oder wegen ihres neuen Albums. Schaumermal.

[Amsterdam Klezmer Band, Düsseldorf, Zakk, 04.09.2013, 200 Zuschauer]

Konzert: Christian Steiffen, 9.8.2013, Damme

Es ist schon etwas her, dass ich in Damme gewesen bin. Es muss so Mitte-Ende der 90er gewesen sein. Damals fanden dort die schulischen Tage religiöser Orientierung, eine für viele eher alkoholisierte Selbstfindung, statt. Außerdem ist Damme ja für seine Karnevalsveranstaltung bekannt, aber deswegen bin ich dort nie hingefahren. Als ich hörte, dass Christian Steiffen dort auftritt, dann sah, dass der Eintritt bei 5€ liegt, war das Hinfahren eine ausgemachte Sache.

Allerdings war die Hinfahrt schon einstimmend, denn die Wegbeschreibung der Rahmenveranstaltung „Kunst hält Hof“ ging etwa so: Bis zur Hufeisenstraße, dann noch einige hundert Meter und Kurven. Kein Orientierungspunkt, keine weitere Richtung, nüscht. Einige hundert Meter über Kurven hinweg inmitten von ununterscheidbaren Wiesen und Feldern. Man hätte auch Hannover so ausweisen können. Ich bog einfach am Ende der Straße links ab und fand auf gut Glück eine Reihe abgestellter Autos. Das konnte in Damme an einem Freitagsommerabend wohl nichts anderes sein.

Sicherheitshalber fragten wir am Eingang einer Scheune, ob hier die Musik spiele. Man lachte, stempelte unsere Handgelenke und wir manövrierten uns über den Bauernhof zu einer Menschenansammlung, ja, wie soll ich sagen –

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Kennen Sie so Tatorte oder alte TKKG-Folgen, bei denen eine Gartenparty kunstaffiner Bildungsbürger eingebaut wird, und man das Gefühl hat, für passend viele Komparsen war wohl kein Geld da? Ich dachte ja, solche Partys seien reine Erfindungen für’s Fernsehen. So eine Party war das. Das dies ein großartiger Abend werden würde, stand schon jetzt fest.

Vor mir stand ein junger Mann mit Kameraumgehänge. Das musste die Lokalpresse sein. Ich fragte ihn geraderaus, ob er von der NOZ mir erklären könnte, wieso hier nicht so viel Publikum sei. Das war schon mal ein Tiefschlag. Er kam gar nicht von der NOZ. Er kam von der OV, der Oldenburger Volkzeitung, der Zeitung für’s Oldenburger Münsterland. Und erklären durfte dann ich ihm, wer Christian Steiffen ist, dass er OB-Kandidat in Osnabrück sei, dass zwei Filme mit seiner Musik im Herbst starteten, dass hinter uns ein Regisseur stünde, der gleich für ein Musikvideo mitfilmte.

Viel weiter kamen wir gar nicht, denn der Gastgeber schwang sich auf die Bühne, meinte, reden könne er gar nicht, und stellte dann die einzelnen Künstler und ihre Kunstform vor, und wo man hier auf dem Bauernhof ihre ausgestellten Werke finden könne. Gegen die Situationskomik des Ländlichen hat man, wenn man zuhört, dann auch keine Chance mehr:

Ja, die X macht dies und das und sie hängt dort in der hinteren alten Scheune an der Wand mit den Schweinen.

Spätestens jetzt hätte es mich nicht mehr verwundert, wenn Inga Lürsen um die Ecke genörgelt wäre. Stattdessen kam derjenige, auf den die meisten gewartet hatten, mit Barcadi-Cola ausgestattet auf die Bühne

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und hatte sein Publikum, das sich um die Bühne versammelt hatte, und nach direkter Ansprache auch die sitzengebliebenen Provinzkunstinteressierten, voll im Griff:

Christian Steiffen ist ein Geschenk für Osnabrück.

Für’s Umland natürlich auch. Die Schlagerparodie mit maffayschen Anklängen ist einerseits die gewählte und inzwischen schon fast gelebte Ausdrucksform des Künstlers Hardy Schwetter. Hinzu kommt allerdings auch die Persönlichkeit Schwetters, der ungemein charmant und diszipliniert auftritt, d.h. nie aus seiner Rolle fällt, und trotz der zur Schau gestellten Selbstverliebtheit der Figur Christian Steiffen nie verbirgt, wie ausnahmslos respektvoll und höflich er seine Umgebung behandelt.

Was ich damit meine, sieht man am besten in einem Video, das während des Kirchentages aufgezeichnet wurde: Darin trollt Schwetter als Elvis-Parodie durch die belebte Osnabrücker Innenstadt. Als ein kleiner Junge ihn anhält und wissbegierig fragt, wer denn Elvis überhaupt sei, geht Schwetter gleich auf Augenhöhe zum Jungen in die Knie, nimmt die große, bunte Brille ab und versucht ohne den Akzent der eigentlich gespielten Figur in einfachen Worten die Frage passend zu beantworten. Ein richtig großer Moment.

Eine Stunde lang verzaubert Christian Steiffen an diesem Abend die überraschten Kunstinteressenten und versorgt gleichzeitig die Bloßkonzertteilnehmer teils mit Partyspaß und Partybalsam, denn es finden sich auch eingefleischte Schlagerliebhaber am Bühnenrand. Christian Steiffen ist eben einer für alle. Oder um es mit seinen Worten zu sagen: Ich für Uns.

[ Christian Steiffen und das Original Haseland-Orchester, aktuelle Tour: „Ich komme!“, auf der Veranstaltung „Kunst hält Hof“, Damme, 9. August 2013, etwa 160 Zuschauer ]

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