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Artikel-Schlagworte: „Helmut Kohl“

Rob Savelberg trifft Wolfgang Schäuble: Waren Regierungsmitglieder käuflich?

In Ber­lin kam es auf einer Pres­se­kon­fe­renz zu einer inter­es­san­ten Begeg­nung: Wolf­gang Schäub­le stell­te sich einer Fra­ge Rob Savel­bergs. Savel­berg sorg­te im letz­ten Jahr für Auf­se­hen, als er Ange­la Mer­kel die Fra­ge stell­te, wie sie jeman­den zum Finanz­mi­nis­ter der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land machen kön­ne, der sich wie Wolf­gang Schäub­le nicht an eine 100.000 DM-Spende an die CDU durch Waf­fen­lob­by­ist Karl­heinz Schrei­ber erin­nern konn­te, die in Schäub­les Schreib­tisch lan­de­te und inzwi­schen ver­schwun­den ist. In einem Inter­view mit Die WELT kon­kre­ti­sier­te Savel­berg den kri­ti­schen Gehalt sei­ner Fra­ge und nann­te Schäub­le “kei­ne sau­be­re Person”.

May­brit Ill­ner kon­fron­tier­te kurz dar­auf Wolf­gang Schäub­le auf die Fra­ge von Rob Savel­berg. Damals ließ Schäub­le aller­dings schul­buch­mä­ßig Ill­ner gegen die Wand lau­fen: Er wis­se nicht, was an der Fra­ge von Savel­berg “son­der­lich intel­li­gent” sei und wür­de gene­rell nicht zur Qua­li­tät von Jour­na­lis­ten­fra­gen Stel­lung beziehen.

Savel­berg stell­te Schäub­le nun die Fra­ge, ob er immer noch, wie er vor zehn Jah­ren sag­te, glau­be, dass kein Mit­glied der Regie­rung Kohl käuf­lich gewe­sen sei. In der Zwi­schen­zeit gab es die Ver­ur­tei­lun­gen von Herrn Kan­ther, von Herrn Pfahls, und u.a. auch von Herrn Wey­rauch, von Herrn Leis­ler Kiep und von Herrn Schrei­ber. Hel­mut Kohl ließ gegen Bezah­lung von 300.000 DM das Ver­fah­ren ein­stel­len. Das Ver­fah­ren gegen Herrn Sayn-Wittgenstein wur­de aus gesund­heit­li­chen Grün­den ein­ge­stellt. Wolf­gang Schäub­le ant­wor­te­te auf die Fra­ge Savel­bergs wie folgt:

1. 00:00 Käuf­li­che Regierungsmitglieder
2. 00:48 Man­fred Kanther
3. 01:14 Die anderen
4. 01:23 Nie­mals käuf­li­che Bundesregierungsmitglieder
5. 01:58 Karl­heinz Schreiber
6. 02:53 Deut­sche Einheit
7. 03:47 Deutsch­land heu­te & Deut­scher Fußball
8. 04:16 All­mäh­li­ge Inte­gra­ti­on & Deut­sche Identität
9. 04:44 Deutsch­lands Ein­heit und Schäub­les Beitrag

Die Ant­wort Wolf­gang Schäub­les darf man wohl als rhe­to­risch geschickt bezeich­nen. Lose Bemer­kun­gen hierzu:

1. Schäub­le nutzt die Nicht­ver­ur­tei­lung von Hel­mut Kohl in der CDU-Spendenaffäre wegen gerin­ger Schuld gemäß § 153 a StPO, um dar­auf zu pochen, dass ein jeder in der Bun­des­re­pu­blik unter dem­sel­ben Rechts­ge­setz stün­de, sei er nun Bun­des­kanz­ler oder Hartz-4-Empfänger. Natür­lich ver­schweigt Schäub­le, dass dem Hartz-4-Empfänger in aller Regel nicht 150.000€ zur Ver­fü­gung ste­hen, um sich vor Gericht frei zu kaufen.

2. Schäub­le insis­tiert dar­auf, es gäbe “nicht den gerings­ten Anlass”, Man­fred Kan­ther für käuf­lich zu hal­ten. Es gibt zwar kei­ne recht­li­che Ankla­ge, aber kei­nen Anlass? Wiki­pe­dia: “Man­fred Kan­ther hat­te den Süß­wa­ren­kon­zern Fer­re­ro 1999 anwalt­lich bera­ten. Fer­re­ro hat­te der CDU seit Anfang der 1980er-Jahre fast eine Mil­li­on DM gespen­det, die schwarz ein­ge­nom­men und aus­ge­ge­ben wur­den.” Kan­ther war von 1991–98 Lan­des­chef der Hessen-CDU. Es ist nicht falsch, wenn Schäub­le sagt, Kan­ther sei vor­ge­wor­fen wor­den, er habe für die Hessen-CDU Reg­lun­gen getrof­fen, die so mit den Geset­zen nicht in Über­ein­stim­mung waren. Es ver­schlei­ert aller­dings, dass Kan­ther als Ver­ant­wort­li­cher für den Ver­stoß gegen das Par­tei­spen­den­ge­setz ver­ur­teilt wur­de und somit vor­be­straft ist.

3. Schäub­les Aus­sa­ge in 3. ist genau genom­men rich­tig, aber er hat allen Grund, die­sen Punkt schnell zu über­ge­hen: Holger-Ludwig Pfahls war als ver­be­am­te­ter Staats­se­kre­tär zwar dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um in der Regie­rung Kohl zuge­ord­net und hat­te des­sen poli­ti­sche Hal­tung zu ver­tre­ten, gehör­te aber streng genom­men nicht zur Bun­des­re­gie­rung. Pfahls ist inzwi­schen recht­mä­ßig vom Land­ge­richt Augs­burg wegen Vor­teils­an­nah­me und Steu­er­hin­ter­zie­hung zu einer Haft­stra­fe von zwei Jah­ren und drei Mona­ten ver­ur­teilt worden.

4. Die Punk­te 6. bis 9., mehr als die Hälf­te der gan­zen Ant­wort, die­nen nicht der Beant­wor­tung der Fra­ge. Rhe­to­risch sind sie aber geschickt geeig­net, um die Auf­merk­sam­keit von ver­gleichs­wei­se wesent­li­che­ren Punk­ten wie 3. oder die Inter­pre­ta­ti­on der Rol­le Man­fred Kan­thers in 2. abzulenken.

[Foto Rob Savel­berg: Phil­ipp Ebe­ling]

Der Gründer von Kanal Teleportal

Gera­de wird ein Film, der einem bekann­ten deut­schen spi­ri­tu­el­lem Füh­rer ähnelt, pro­du­ziert. Der Film trägt den Titel Der Grün­der und ist mit Hel­mut Krauss, bekannt als Nach­bar von Peter Lus­tig, als Titel­fi­gur Ger­hard Horn­ba­cher nun wirk­lich gran­di­os besetzt.

Horn­ba­cher, “aus der Schwulen- und Schmud­del­sze­ne” kom­mend, sam­melt sich eine Jün­ger­schaft zusam­men, um sich mit­hil­fe eines Fern­seh­sen­ders auf den bevor­ste­hen­den Welt­un­ter­gang am 22.12.2012 vor­zu­be­rei­ten und neben­bei ein wenig Koh­le zu schef­feln. Den Strei­fen muss man wohl ein­fach gese­hen haben:

Ob Hornau­er gegen den Film Kla­ge erhe­ben wird, ist frag­lich, denn der sitzt gera­de in Thai­land, hat sich dort zum Prin­zen adop­tie­ren las­sen oder so, sen­det sei­ne Sen­dun­gen allei­ne vor einem Aqua­ri­um und redet über den Holo­koscht:

Helmut Kohl zum 80.

Natür­lich kann man Hel­mut Kohl zum 80. Geburts­tag gra­tu­lie­ren und sei­ne poli­ti­schen Erfol­ge her­vor­he­ben, wie Ange­la Mer­kel das tut, und wie es die CDU zu Wer­be­zwe­cken online gestellt hat:

Aber man soll­te den Ver­fas­sungs­bruch Hel­mut Kohl nicht der­art unter den Tep­pich keh­ren, denn dann wirkt die­ses Wer­be­vi­deo wie Geschichts­kit­te­lei. Daher zitie­re ich mal:

Den Alt­kanz­ler — nach dem von ihm ver­ur­sach­ten Par­tei­spen­den­skan­dal, einer sin­gu­lä­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Staats­kri­se, und sei­nem eige­nen Geständ­nis der Hand­ha­bung von Geheim­kon­ten und Schwarz­gel­dern — ohne Beden­ken oder stran­gu­la­ti­ve Gewis­sens­bis­se in einem Atem­zug mit dem Grund­ge­setz zu nen­nen, grenzt an „juris­ti­sche Amne­sie”. Bereits im Janu­ar 2000, weni­ge Wochen nach Bekannt­wer­den der von Kohl über Jahr­zehn­te hin prak­ti­zier­ten ille­ga­len Par­tei­fi­nan­zie­rung, hat­te der vor­ma­li­ge CDU-Abgeordnete und frü­he­re Vor­sit­zen­de des par­la­men­ta­ri­schen Rechts­aus­schus­ses, der Jurist Honst Eyl­mann, scho­ckiert der Öffent­lich­keit dar­ge­legt: „Hel­mut Kohl befin­det sich in Zustand des per­ma­nen­ten Ver­fas­sungs­bruchs. Und die­ser Ver­fas­sungs­bruch, den er begeht, dau­ert jeden Tag län­ger an, solan­ge er nicht die Spen­der bekannt gibt.”

Tat­säch­lich aber besteht Kohls „Zustand des per­ma­nen­ten Ver­fas­sungs­bruchs” nicht erst — wie Eyl­mann argu­men­tiert — seit der Wei­ge­rung des ExKanz­lers, die angeb­li­chen Namen der (jeden­falls von Wolf­gang Schäub­le öffent­lich bestrit­te­nen) Spen­der zu nen­nen, son­dern die­se Kohl­sche Ver­fas­sungs­wid­rig­keit durch­zieht wie ein „Kon­ti­nu­um des finan­zi­el­len Kriegs­zu­stan­des gegen das Grund­ge­setz” unge­fähr 30 Jah­re sei­ner poli­ti­schen Tätig­keit: Die gesam­te Kanz­ler­schaft Kohls wird durch die Mons­tro­si­tät sei­ner mafio­sen Geheim­kon­ten­wirt­schaft und Schwarz­geld­schie­be­rei­en in ver­werf­lichs­tem Sinn dis­kre­di­tiert. Inter­na­tio­nal wur­de die Bun­des­re­pu­blik von der Lis­te der Kor­rup­ti­ons­staa­ten wegen der Schmiergeld-Machenschatten Kohls osten­ta­tiv degradiert.

Tat­ein­heit­lich mit sei­ner Per­ma­nenz der Ver­fas­sungs­wid­rig­kei­ten hat Kahl fort­ge­setzt auch sei­nen Amts­eid gebro­chen. Als der Alt­kanz­ler dazu über­ging, sieh mit einem (eben­falls von Schäub­le öffent­lich bestrit­te­nen) Ehren­wort, das ihn zur Ver­heim­li­chung der angeb­li­chen Spen­der­na­men ver­pflich­te, von den poli­tisch töd­li­chen Beschul­di­gun­gen des Ver­fas­sungs­bruchs zu exkul­pie­ren, indem er sich über das Grund­ge­setz stell­te, ereil­te ihn mehr­fach der Vor­wurf der Hybris.

aus dem Leser­brief von Pro­fes­sor Dr. Hel­mut Saa­ke, Ham­burg, vom 21.01.2000 an die Süd­deut­sche Zeitung

Rich­tig mul­mig kann einem aber bei den geis­ti­gen Zustän­den der Jun­gen Uni­on wer­den, deren Ver­tre­ter ein­fach nur high wir­ken, wenn sie mal Hel­mut Kohl sagen dür­fen. Über­haupt die­se gan­ze Ido­li­sie­rung eines Ver­fas­sungs­bre­chers — wär’s das Resul­tat von Brain­wa­shing, es hät­te gan­ze Arbeit geleistet.


Ja, wer erin­nert sich nicht, wie Hel­mut Kohl damals wochen­lang an der Mau­er stand mit sei­nem Hacke­beil­chen und eif­rig klöp­pel­te, wäh­rend hin­ter der Mau­er die Ossis Kar­le­vals­um­zü­ge vom Sta­pel lies­sen, die sie dann Mon­tags­de­mons­tra­tio­nen nann­ten. Und natür­lich hat er auch für Frie­den gesorgt, indem er all die Waf­fen, die die Deut­schen so hat­ten, woan­ders­hin ver­kauft hat. No brain, no pain.

Und das da ist nicht min­der schlimmer:

Lesezeichen

Liberaler Argumentationsunfall

Eine gewis­se Kon­fu­si­on inner­halb der FDP muss man der­zeit wohl fest­stel­len in der FDP.  Die Hotellobby-Debatte ist noch nicht ver­raucht, da erhitzt Gui­do Wes­ter­wel­le die Gemü­ter mit dem Aus­spruch, Hartz 4 lade zu “spät­rö­mi­scher Deka­denz” ein.

Bei den damit zugleich auf­kom­men­den Unklar­hei­ten, was Wes­ter­wel­le eigent­lich sagen will, ist schon frag­lich, inwie­weit er der FDP auf die­se Wei­se hilft. Poli­ti­ker, Pres­se und bei Mei­nungs­for­scher kön­nen damit jeden­falls nicht viel anfan­gen. So wird Hei­ner Geiß­ler wie folgt zitiert:

Die spät­rö­mi­sche Deka­denz bestand dar­in, dass die Rei­chen nach ihren Fress­ge­la­gen sich in Esels­milch geba­det haben und der Kai­ser Cali­gu­la einen Esel zum Kon­sul ernannt hat.”
Inso­fern stim­me Wes­ter­wel­les Ver­gleich, sag­te Geiß­ler wei­ter: Vor 100 Tagen sei “ein Esel Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter geworden”.

Die Zeit zwei­felt die Stich­hal­tig­keit der Argu­men­te Wes­ter­wel­les an:

Wenn das so wei­ter­geht, wird durch die­se Umver­tei­lungs­po­li­tik der ganz nor­ma­le Steu­er­zah­ler zum Sozi­al­fall”, klag­te Gui­do Wes­ter­wel­le am Mon­tag in der Bild-Zei­tung mit Blick auf den hohen Anteil der Sozi­al­aus­ga­ben am Bun­des­haus­halt. Wür­de Wes­ter­wel­les Aus­sa­gen stim­men, müss­te das bedeu­ten, dass die Men­schen immer mehr Steu­ern zah­len, um einen aus­ufern­den Sozi­al­staat zu finanzieren.

Aller­dings sind sowohl der Spitzen- als auch der Ein­gangs­steu­er­satz in den letz­ten Jah­ren nicht gestie­gen, son­dern gesun­ken. Wäh­rend die obe­ren Ein­kom­mens­klas­sen 1998, zum Ende der schwarz-gelben Regie­rung unter Hel­mut Kohl, noch bis zu 53 Pro­zent Ein­kom­men­steu­er bezahl­ten, sank ihre Belas­tung bis heu­te auf 42 Pro­zent. Der Ein­gangs­steu­er­satz wur­de im glei­chen Zeit­raum von 25,9 auf 15 Pro­zent redu­ziert. Davon pro­fi­tier­ten auch die mitt­le­ren Ein­kom­men. Ein ledi­ger Arbeit­neh­mer mit einem durch­schnitt­li­chen Arbeits­ein­kom­men zahl­te 2008 rund 300 Euro weni­ger Steu­ern als 1998.

Fried­rich Küp­pers­busch sieht in Wes­ter­wel­le gar in einer schein­hei­li­gen Position:

Gui­do Wes­ter­wel­le war seit 1983 Juli-Chef, seit 88 im FDP-Bundesvorstand und schloss sein Jura­stu­di­um erst 1991 ab: Par­tei­amts­sa­lär, Diä­ten, Minis­ter­ge­halt: Der Mann hat nie ernst­haft von etwas ande­rem als Staats­kne­te gelebt. Dass nun aus­ge­rech­net er wirk­lich Bedürf­ti­ge als über­fres­se­ne Orgi­as­ten schmäht — im vor­re­vo­lu­tio­nä­ren Frank­reich wäre das als der mann­haf­te Wunsch ver­stan­den wor­den, sich immer­hin die eige­ne Later­ne auszusuchen.

Urban Priol — Tilt 2009

Für alle, denen die frei­en Tage so lang­sam etwas lang wer­den, habe ich den Jah­res­rück­blick von Urban Pri­ol, der sich bei You­Tube fin­det (dort aber etwas unge­ord­net), hier mal zusam­men­ge­stellt. Und auch er greift auf einen Tweet aus mei­nem Twin­ter­view mit Kris­ti­na Köh­ler zurück.

Frau Köhler ihr seine Doktorarbeit

… hat die Süd­deut­sche gera­de mal etwas inten­si­ver betrach­tet.

Köh­ler hat unter­sucht, ob und inwie­weit die Wer­te­vor­stel­lun­gen von Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten der CDU mit denen der CDU-Mitglieder übereinstimmen.

Im Wis­sen­schafts­jar­gon ist das eine klas­si­sche Typ-II-Arbeit. Typ I wären Arbei­ten, die inhalt­lich wirk­lich etwas Neu­es zuta­ge beför­dern und damit dem Auto­ren eine wis­sen­schaft­li­che Kar­rie­re eröff­nen. Zum Typ II zäh­len sol­che Arbei­ten, bei denen das ers­te Ziel der Titel ist.

Köh­lers Arbeit ist ver­gleichs­wei­se ein­fach gestrickt: Sie befrag­te CDU-Bundestagsabgeordnete und CDU-Mitglieder und erklärt am Ende Unter­schie­de und Gemeinsamkeiten.

Ja, von sol­chen Arbei­ten brau­chen wir unbe­dingt noch mehr von.

Ich hat­te ja kurz den Ein­druck, Kim sei etwas rabi­at gewe­sen, aber inzwi­schen hof­fe ich instän­dig, dass Frau Köh­ler gute Staats­se­kre­tä­re zur Sei­te stehen.

Ein Pferd namens Helmut

Es kommt wohl nicht oft in Twit­ter vor, dass ein mona­te­al­ter Tweet gleich ein dut­zend Mal ret­wee­tet wird. Bei fol­gen­dem ist aber genau das passiert:

pferdkohl

Sehen Sie auch die­ses Kin­der­zim­mer der 12jährigen vor sich, die Wän­de voll­ge­kleis­tert mit Helmut-Kohl-Plakaten?

Zu Unrecht ist das eif­ri­ge Ret­wee­ten wohl nicht pas­siert, beschreibt er doch sym­pto­ma­tisch, wie die Bun­des­re­gie­rung sich der­zeit nach außen gibt. Als jemand, der außer­halb von Deutsch­land gera­de weilt, merkt man das viel­leicht besser.

Da soll jemand Fami­li­en­mi­nis­te­rin wer­den, der sich vor­nehm­lich durch par­tei­in­ter­ne Meri­ten qua­li­fi­ziert hat: Mit 14 in die Jun­ge Uni­on, nicht wei­ter auf­fal­len und dann mit 25 die nach eige­nen Wor­ten ein­ma­li­ge Chan­ce haben, in den Bun­des­tag zu kom­men. So klingt nicht jemand, der sich sieg­reich in einem har­ten Wahl­kampf bewährt hat. So klingt jemand, dem aus par­tei­li­chem Ver­dienst ein siche­rer Weg in den Bun­des­tag beschert wor­den ist.

Dort ver­such­te sie sich dann irgend­wann mit dem The­ma Deutsch­feind­lich­keit zu pro­fi­lie­ren, dass ihr von Pan­ora­ma um die Ohren gehau­en wur­de. Das war zwar rei­ße­risch, aber berech­tigt sei­tens der ARD-Sendung und ihre auf ein inhalt­li­ches Patt aus­lau­fen­den Bemer­kun­gen über­zeu­gen der Sache nach gar nicht.

Jetzt setzt die CDU kon­se­quent ihre Beset­zungs­po­li­tik fort, mit der sie damals eine sich nicht durch Sach­po­li­tik bewährt haben­de Per­son in den Bun­des­tag kata­pul­tiert hat, und kata­pul­tiert die­sel­be Per­son auf ein Minis­ter­amt, für des­sen Inhalt sie auch wie­der­um nichts sach­po­li­tisch qua­li­fi­ziert, wie Ange­la Mer­kel ein­drucks­voll dar­legt.

Ja, ja, wird man nun sagen, das stimmt schon irgend­wie. Aber es gibt genü­gend Staats­se­kre­tä­re, die schon lan­ge im The­ma drin sind, die ihr jede Schwie­rig­keit aus dem Eff­Eff her­aus vor­be­ten kön­nen. Das erscheint mir nicht glaub­wür­dig, nach­dem genau das bei den Minis­tern Gloß und Jung genau so in die Hose gegan­gen ist. Oder hat jemand ernst­haft noch Ver­trau­en zu einer christ­li­chen Par­tei, unter deren Obhut durch gegen Nato-Vorgaben ver­sto­ßen­de Bom­bar­de­ments Zivi­lis­ten im Aus­land getö­tet wer­den und die sich im sel­ben Moment hin­stellt und rhe­to­ri­sche Ver­bie­gun­gen hin­legt, nach denen man sich nicht im Krieg befindet?

Es ist kei­ne aus­ge­mach­te Sache, dass die­ser Amts­füh­rung das­sel­be Schick­sal zuteil wird, aber die Grund­nai­vi­tät der künf­ti­gen Amts­trä­ge­rin ist schon in gewis­ser Wei­se beeindruckend:

Ich wun­de­re mich auch immer wie­der, wie viel Leu­te frei­wil­lig preis geben, aber aus­ge­rech­net vor dem Staat, wo alles auf Geset­zen basiert und inso­fern trans­pa­rent ist, eine Riesen-Panik haben.

Das ist der­sel­be Staat, der gera­de treu­doof sen­si­ble Daten sei­ner Bür­ger an die Ame­ri­ka­ner wei­ter­lei­ten möch­te. Wenn ein Staat der­art vor­geht, dann ist Panik jetzt, also, ich will nicht sagen ange­bracht, aber weit weg lie­gend ist es nun gera­de nicht.

So wünscht man sich nur noch, man könn­te nur für einen kur­zen Moment das Rad der Zeit zurück dre­hen, und dass man machen könn­te, dass die klei­ne Kris­ti­na Anfang der 90er für irgend jemand anders geschwärmt hät­te. Jason Priest­ley, Roy Black oder Jon Bon Jovi. Es wäre einem doch soviel erspart geblieben.
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Die Süd­deut­sche Zei­tung hat sich die Dok­tor­ar­beit von Frau Köh­ler mal etwas genau­er ange­se­hen. Und auch da wur­de etwas katapultiert.

Merkel ‘not amused’ über kritische Frage

Der für den Tele­graaf schrei­ben­de freie Jour­na­list Rob Savel­berg hat sei­nen Arti­kel zur Pres­se­kon­fe­renz zum Ende der Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen ver­öf­fent­licht. Hier die Über­set­zung aus dem Nie­der­län­di­schen:

http://www.telegraaf.nl/buitenland/5156227/__Luchtjes_aan__Mannschaft___.html?p=22,1

Etwas Faul an Mer­kels Mannschaft

Die deut­sche Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel war not amu­sed als der Kor­re­spon­dent des Tele­graaf, Rob Savel­berg, sie nach den Umstän­den der Beru­fung von Wolf­gang Schäub­le zum Finanz­mi­nis­ter frag­te.

Mer­kel mach­te ges­tern erleich­tert ihr neu­es Kabi­nett bekannt. Ihre “Mann­schaft” besteht aus einer mit­te­rech­ten Koali­ti­on von CDU/CSU und FDP, die unse­re Ost­nach­ba­ren aus dem wirt­schaft­li­chen Morast zie­hen muss. Aber es bestehen Zwei­fel über die Ver­trau­ens­wür­dig­keit und Eig­nung eini­ger Minis­ter Merkels.

Mit­ten in der größ­ten finan­zi­el­len Kri­se seit 1929, zu einem Zeit­punkt, in dem die Staats­schuld explo­diert und ver­sa­gen­de Ban­ken mit einer hal­ben Bil­li­on Steu­er­geld geret­tet wer­den müs­sen, ver­traut Mer­kel die Finan­zen von 82 Mil­lio­nen Deut­schen an einen kon­ser­va­ti­ven Par­tei­ge­nos­sen, der an einem aku­ten Erin­ne­rungs­ver­lust litt.

Am 2. Dezem­ber 1999 erklär­te Wolf­gang Schäub­le, dass er den obsku­ren Waf­fen­händ­ler Karl-Heinz Schrei­ber nur ein Mal in einem Hotel in Bonn gese­hen habe. Bei der Befra­gung im Deut­schen Bun­des­tag “ver­gaß” Schäub­le, dass er bei einem zwei­ten Tref­fen mit dem Lob­by­is­ten nur einen Tag spä­ter im Büro, einen Brief­um­schlag mit 100.000 DM bekam.

Das ille­ga­le Geschenk blieb mona­te­lang in einer Schub­la­de lie­gen. Schluss­end­lich kos­te­te die Schmier­geld­af­fä­re Alt­kanz­ler Hel­mut Kohl und Kron­prinz Wolf­gang Schäub­le den Kopf. Schrei­ber ist nach jah­re­lan­ger Flucht gera­de an Deutsch­land aus­ge­lie­fert wor­den. Jetzt darf es Schäub­le (67) erneut pro­bie­ren. Mer­kel stam­mel­te ges­tern nach den Fra­gen des Tele­graafs über die beschmutz­te Ver­gan­gen­heit von Schäub­le: “Er hat viel Erfah­rung und unser volls­tes Ver­trau­en.” Die Kanz­le­rin reagier­te etwas von der Rol­le durch die Kon­fron­ta­ti­on mit der Ver­gan­gen­heit, auch Koali­ti­ons­part­ner und neu­er deut­scher Vize­kanz­ler Gui­do Wes­ter­wel­le schloss aus Ver­zweif­lung kurz die Augen.

Schäub­les Ernen­nung ist nicht die ein­zi­ge, die zu Stirn­run­zeln führ­te. Im Außen­mi­nis­te­ri­um bekommt es die Welt fort­an mit Wes­ter­wel­le, dem Vize­kanz­ler des größ­ten EU-Landes zu tun. Der libe­ra­le Par­tei­vor­sit­zen­de der FDP spricht jedoch deren Spra­chen nicht. Bei einer Pres­se­kon­fe­renz stell­te ein BBC-Reporter ihm eine Fra­ge auf eng­lisch und Wes­ter­wel­le zeig­te Ner­ven. Auf dem Video­ka­nal You­Tube kann man sehen, wie Wes­ter­wel­le sich mokiert, in Deutsch­land müs­se deutsch gespro­chen wer­den. Dane­ben schau­te man in Ber­lin sor­ge­voll auf die Rei­sen, die Wes­ter­wel­le in die Ara­bi­sche Welt machen wird. Zwei­fel­los wird er ab und zu sei­nen Lebens­part­ner mit­neh­men, aber es ist unklar, wie mus­li­mi­sche Län­der auf die homo­se­xu­el­le Bezie­hung Wes­ter­wel­les reagie­ren. In jedem Fall wer­den die Bezie­hun­gen zu den USA stark blei­ben. Sowohl die FDP, die CDU und die bay­ri­sche Schwes­ter­par­tei CSU bestehen aus über­zeug­ten Ver­bün­de­ten der trans­at­lan­ti­schen Bezie­hun­gen. Den­noch wird die zwei­te Regie­rung Mer­kels die Ame­ri­ka­ner bit­ten, die letz­ten Kern­waf­fen in Deutsch­land, Über­bleib­sel des Kal­ten Krie­ges, vom Bun­des­ge­biet abzuziehen.

Wei­ter­hin ist die deut­sche Regie­rung das Resul­tat eines poli­ti­schen Stuhl­tan­zes. Der stüm­per­haf­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Franz-Josef Jung, der nie ein­räum­te, dass sich sein Land in Afgha­ni­stan im Krieg befin­det, darf sich jetzt als Arbeits­mi­nis­ter ver­su­chen. Der ein­fluss­rei­che Wirt­schafts­mi­nis­ter, Karl-Theodor Graf zu Gutenn­berg, nimmt die Ver­tei­di­gung unter sei­ne Fittiche.

Schäub­le wird als Innen­mi­nis­ter durch Tho­mas Mai­zié­re (CDU), einem engen Ver­trau­ten Mer­kels, ersetzt. Die far­ben­fro­he Ursu­la von der Ley­en, Mut­ter von 7 Kin­dern, bleibt als Fami­li­en­mi­nis­te­rin Ansprech­part­ne­rin von André Rou­vo­et. Eine wei­te­re Über­ra­schung ist die Beru­fung des 36-jährigen FDP-ers Phil­ipp Rös­ler, der als viet­na­me­si­sches Kind durch eine deut­sche Fami­lie adop­tiert wur­de, zum Gesundheitsminister.

mehr:

Rob Savel­berg im Inter­view mit Welt Online:
Schäub­le ist kei­ne sau­be­re Per­son.

Die Über­set­zung wur­de von Rob Savel­berg autorisiert.
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Vol­ker Pis­pers 1993 über Wolf­gang Schäuble

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