Guten Morgen

morgenkaffee

Ich weiss ja nicht ganz, was ich von diesen dauern­den Fernsehkri­tiken hal­ten soll, die den­jeni­gen, die das Pro­gramm gese­hen haben max­i­mal eine kleine Erin­nerung brin­gen, aber nichts an neuen Ein­sicht­en und den­jeni­gen, die gar nicht geschaut haben, so gut wie gar nichts. Den­noch: Der STERN befasst sich heute mit der Har­ald-Schmidt-Show von gestern Abend, nach­dem Schmidt in der ZEIT Klar­text gere­det hat.

Anne Roth berichtet darüber, dass Google-Tech­niker dabei erwis­cht wor­den sind, wie sie in frem­den Goolge-Mail-Accounts rum­sur­fen und die dort gefun­de­nen Infos ver­wen­den.

Dorin Popa meint, der neue Roman von Sascha Lobo charak­ter­isiere sich selb­st: Nicht schlecht, aber scheisse.

Und während ich mir die Frage stelle: Warum ist es so ‘in’, Kri­tik­er von Google zu dis­sen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Guten Morgen

morgenkaffee

Neun­tk­lässler haben im Unter­richt den neuen Per­son­alausweis gek­nackt — mit ein­er Ein­wegkam­era, einem Lötkol­ben und einem Schrauben­zieher. Die Bun­desregierung hat­te den neuen 30€ teueren — der alte kostet 8€ — aus Sich­her­heits­grün­den einge­führt. Ander­norts reagiert man inten­siv­er auf Bildzeitungsak­tio­nen.

Die Duis­burg-Essen­er Uni­ver­sität hat Bildzeitungsre­por­terin Alice Schwarz­er zur Mer­ca­tor-Pro­fes­sorin gemacht, eine Pro­fes­sur für Weltof­fen­heit und Gedöns.

Har­ald Schmidt geht vom sich als Nati­o­lal­mannschaft denk­enden Schlaf­sender ARD zurück zu Sat1 — und kön­nte dort Oliv­er Pocher ver­drän­gen. Während­dessen hat die ARD nichts lustiges mehr zu bieten, kann sich ander­er­seits im Poli­tikge­plap­per nicht sin­nvoll begren­zen.

Deutsche, mus­lim­is­che Kul­turschaf­fende haben einen offe­nen Brief an Bun­de­spräsi­dent Wulff ver­fasst:

was wir momen­tan beobacht­en, ist lei­der das Gegen­teil eines solchen Prozess­es, in dem Men­schen aufeinan­der zuge­hen, damit Gutes entste­ht. Wir erleben, wie sich Teile der Bevölkerung von anderen abset­zen. Wie Min­der­heit­en aus­gedeutet und öffentlich als “Andere” markiert wer­den. Die Ton­lage ist oft genug nicht neugierig und gesprächs­bere­it, son­dern aggres­siv und dif­famierend. Für Mus­lim­in­nen und Mus­lime ist derzeit nicht ein­mal der Gang zum Zeitung­shändler leicht, weil sie nie wis­sen, welche Schlagzeile, welch­es stereo­type Bild sie dort erwartet. Auch in der Schule, bei der Arbeit und am Aus­bil­dungsplatz kann es sein, dass einem Feind­seligkeit ent­ge­gen­schlägt.

Und während ich mir die Frage stelle: Ist man heutzu­tage schon weltof­fen, wenn man als intel­li­gente Per­son für die Bildzeitung schreibt? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Guten Morgen

morgenkaffee
Die Neue West­fälis­che berichtet, dass der Fußbal­lzweitligist Arminia Biele­feld kurz vor der Lizen­zver­gabe gerettet seien kön­nte: Glücksspiel­mag­nat Paul Gausel­mann soll den Ost­west­falen mit ein­er sieben­stel­li­gen Summe unter die Arme greifen.
Har­ald Schmidt gibt der FAZ ein nettes Inter­view und analysiert die zu Sat1 gewech­sel­ten Kol­le­gen Pocher und Kern­er:

Das, was Pocher passiert ist, hätte ich ihm sys­tem­a­tisch erk­lären kön­nen. Regel Num­mer eins: Pub­likum wech­selt keinen Sender. Regel Num­mer zwei: Pub­likum braucht fünf Jahre, bis der Mod­er­a­tor den Sender gewech­selt hat. Machen Sie eine Umfrage unter Sat.1-Sehern: Meine Show ist bei denen noch die drit­tbe­liebteste. Hin­ter dem „Glück­srad“ und „ran“. Außer­dem habe ich Pocher in unser­er let­zten Show gesagt, dass der Fre­itagabend ein tödlich­er Sende­platz ist. Wenn Sie wie ich Sys­tem­train­er sind – Ord­nung, Kon­trolle, humoris­tis­ch­er Ballbe­sitz – und die Regeln beherzi­gen, dann passiert Ihnen so etwas nicht. [… Bei Kern­er] greift die wun­der­bare Welt der Mark­twirtschaft. Inve­storen geben Geld rein und wollen Geld plus X raus. Da kann der Wind auch schnell sehr eisig wer­den.

Nach dem Rück­tritt von Horst Köh­ler als Bun­de­spräsi­dent ist Jens Böhm­sen neuer erster Mann in Deutsch­land.
Am Quit-Face­book-Day, der gestern stattge­fun­den hat, haben mehr als 30.000 Benutzer teilgenom­men. Dage­gen sind sich andere Face­book-Nutzer nicht der Öffentlichkeit bewusst, in der ihre Äußerun­gen ste­hen: Weil eine schon unge­mein däm­liche Äußerung der Biele­felderin Dewra B. auf politblogger.eu the­ma­tisiert wurde, ist diese nun bei ein­er Google-Suche ihres Namens ganz oben zu find­en. Das ist aber noch nichts gegen den Anti­semitismus, der hierüber zu find­en ist.
Und während ich mir die Frage stelle: Man sollte übers Bil­dungssys­tem reden, wenn an eini­gen Schülern und Ex-Schülern die Grun­drech­nungsarten der­art kom­plett vor­bei gehen, oder? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.
[Foto: Luc van Gent]

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Halt die Fresse, Pocher

haltdiefresse
Har­ald Schmidt hat in dieser Woche dem STERN ein Inter­view gegeben, in dem der Haup­tauf­mach­er gewe­sen ist, dass Schmidt Pocher in Redak­tion­skon­feren­zen schon mal mit “Halt die Fresse” das Wort ver­boten hat. Inter­es­san­ter­weise war dieser Umgangston den Mach­ern von Switch wohl schon seit let­ztem Dezem­ber geläu­fig, wie man am Ende dieses Films sehen kann:

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Die Größe des Harald Schmidt

Gestern lief die let­zte Sendung von “Schmidt und Pocher” über den Sender. Und in der deutschen Medi­en­land­schaft war klar, dass es danach gediegene bis neg­a­tive Abgesänge auf die Sendung geben werde. Um so einen Text zu machen, ist es zudem von Nöten, das Wesentliche des Abends rauszukriegen, was viele im Weg­gang Pochers zu Sat1 oder dessen Kri­tik an Volk­er Her­res sah. Sehr bemüht, das alles.
Viel inter­es­san­ter ist es dage­gen, ein­mal ein wenig über den Spielab­bruch Har­ald Schmidts zu reflek­tieren. Mit ein paar Zuschauern sollte irgen­dein Spiel gemacht wer­den, wobei alle Beteiligten Hütchen mit Nation­al­itäten auf­set­zen soll­ten, die sie darstellen. Ein­er der Zuschauer war wohl mit damit, dass er das Hütchen mit Ital­ien abbekam, alles andere als zufrieden. Er kom­men­tierte dies mit “Scheiss-Ital­iener” und wieder­holte diese Äußerun­gen unmit­tel­bar: “Scheiss-Ital­iener”. Schmidt brach das Spiel sogle­ich ab, ging mit Pocher zurück zu ihren Schreibtis­chen und liess die Kan­di­dat­en aus dem Pub­likum im Off der Bühne ste­hen.
schmidtpocher
Wie @aliceantonia das Vorkomm­nis genau ver­standen hat, weiss ich nicht. Vielle­icht mochte sie nur die ver­störende Wirkung, die dieses Vorkom­nis in der Sendung hat­te. Vielle­icht fand sie Schmidts Hal­tung richtig.
In jedem Fall stimmt ich ihr im Resul­tat dur­chaus zu: Der Abbruch, d.h. die Entschei­dung, das Spiel abzubrechen, war großar­tig. Und es zeigt ein­mal mehr die Klasse Har­ald Schmidts und was Oliv­er Pocher hierzu fehlt. Let­zter­er fragte, nach­dem sie sich auf ihre Büroses­sel niederge­lassen hat­ten nach dem Grund des Abbruchs, “man hätte doch drüber reden kön­nen.”
Hätte man? “Scheiss-Ital­iener” ist ein Inbe­griff für Frem­den­feindlichkeit. Das mag der Pub­likums­gast gar nicht so gemeint haben. Der war vielle­icht nur so ent­täuscht, dass es nicht kriegt, was es unbe­d­ingt will. Ein der­ar­tiger Inbe­griff bleibt es.
Har­ald Schmidt besitzt nun die geistige Fähigkeit, diese (im gün­stig­sten Falle) spon­tane Ent­gleisung sofort richtig einzuschätzen. Und das ist schon eine Kun­st. Das Erörtern der Hal­tung des Stu­dio­gastes bringt der Sendung nichts, gehört nicht in diese und als flap­sig kann der Mod­er­a­tor diese Bemerkung, die auf sein­er Bühne stat­tfind­et, nicht durchge­hen lassen. Schmidt bricht also ab und mod­eriert unaufgeregt und nicht weit­er auf die Störung einge­hend weit­er.
Schmidt weiß wohl, um auf bish­erige “Eklats” dieser Sendung zu kom­men, dass er als Mod­er­a­tor mit­tel­prächtige Nazi-Par­o­di­en und obszöne Geschenke à la “Fotzensekrete” tolerieren kann, aber Frem­den­feindlichkeit nicht. Das schafft eine Verbindung zu ein­er Schmidteinan­der-Folge, in der sich eine Anruferin über Türken-Witze in der Sendung beschw­ert. Schmidt vertei­digte diese damit, dass in der Sendung Deutsche wie Türken ver­al­bert wer­den. Ver­al­bern ist also okay, Frem­den­feindlichkeit nicht. Insofern war der Abbruch völ­lig fol­gerichtig.
Und ja, ich glaube, das war großar­tig.
Nach­trag: In den Kom­mentaren wurde ganz richtig ange­merkt, dass das Zitat so falsch ist.

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