Kerkeling, Hape — Der Junge muss an die frische Luft

Dieses Buch ist wohl eher etwas für Fans des aktuell mit zu den bedeu­tend­sten Komik­ern zäh­len­den, gebür­ti­gen Reck­ling­hausen­ers.
Ker­kel­ing erzählt von ein­er fröh­lichen Kind­heit, die vom Tod sein­er Mut­ter über­schat­tet wird, welch­er allerd­ings auch der Fix­punkt für Ker­kel­ings spätere Kar­riere zu sein scheint. Sicher­lich ist diese Tragödie wesentlich für ein Ver­ständ­nis von Ker­kel­ings Kun­st, der Rest des Buch­es kommt allerd­ings etwas schwärmerisch-spir­ituell und banal daher. Insofern sollte man den Autor schon ken­nen, um etwas vom Buch zu haben.

Um keinen falschen Ein­druck zu hin­ter­lassen. Ich habe von der ersten Phase Ker­kel­ings Humor unge­mein gezehrt und gel­ernt, kon­nte die Aben Han­nilein & Co., Erwarn­ten se nix und Kein Par­don mit­sprechen. Allerd­ings habe ich den Schnitt danach nicht ver­standen. Hape Ker­kel­ing war in all seinen Spielfil­men, in seinen Shows und Aktio­nen weit­er­hin unge­mein sym­pa­thisch, aber eben auch so rou­tiniert, dass der spon­tane Witz ver­loren ging. Und auch sein Spiel mit der Kam­era ließ er sein. Im Buch erk­lärt er diese Verän­derung nicht. Es wun­dert mich auch, dass Ange­lo Cola­grossi mit kein­er Silbe erwäh­nt wird. Aber vielle­icht erscheint ja ein­mal eine Fort­set­zung der Biogra­phie.

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Lesezeichen vom 8. Oktober 2014

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Lesezeichen vom 1. Oktober 2014

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Wie ist das eigentlich mit… Medienglaubwürdigkeit?

Glaub­würdigkeit ist der zen­trale Begriff, über den der amtierende Bun­de­spräsi­dent ger­ade stolpern kann. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob er konkret einen Fehler gemacht hat, son­dern es geht darum, ob man ihm glaubt, was er getan hat. Das ist etwas zwi­eschnei­dig.

Pos­i­tiv aus­ge­drückt, geht es darum, ob der Präsi­dent lügt. Als Tüpfelchen über diesem i spekuliert die Presse darüber, ob er die Presse­frei­heit mis­sachtet hätte. Auch hier geht es darum, dass man darauf pocht, jemand sollte in jed­er Sit­u­a­tion eine völ­lig offene Aufrichtigkeit an den Tag leg­en.

Mir ist es als Schüler mal passiert, dass ein Lehrer fragt, ob ich meine Hausauf­gaben hätte. Ich sagte, ich wüsste es nicht und wolle erst mal die betr­e­f­fend­en im Übung­sheft auszufül­len­den Auf­gaben anse­hen. Ich hat­te sie nicht erledigt und bekam einen Extratadel für einen Täuschungsver­such. Man sollte als Schüler wohl für einen ange­blich erweck­ten Ein­druck ohne realen Hin­ter­grund haften.

Und so wird auch Bun­de­spräsi­dent Wulff ger­ade auf die Schippe genom­men: Jede unklare For­mulierung wird als Tadel der Glaub­würdigkeit genom­men. Wulffs Aufk­lärungsar­beit ist tat­säch­lich so, dass man eine schnellere und genauere Dar­legung der Angele­gen­heit­en wün­schenswert gewe­sen ist.

Aber stellt man an das Amt der höch­sten Repräsen­ta­tion des Staates wirk­lich den Anspruch, dass jede Frage ohne Abwä­gung der Fol­gen der Antwort jed­erzeit ohne Umschweife beant­wortet wer­den soll? Find­en wir es unangemessen, wenn die Per­son, die dieses Amt ver­sucht auszufüllen, zöger­lich ist, wenn die Blödzeitung eine Kam­pagne startet, für dass sich andere renomierte Zeitun­gen bere­itwillig instru­men­tal­isieren lassen? Oder um es mit Hape Ker­kel­ing zu fra­gen: Darf ein Präsi­dent auch mal sauer sein?

Unab­hängig davon, was in der Kred­itaffäre let­zten Endes rauskommt, ist die Meth­ode der Presse, unaus­ge­gorene Speku­la­tio­nen als Grund­lage für Speku­la­tio­nen über Glaub­würdigkeit, die man durch frag­würdi­ge Umfra­gen ein­holt, zu ver­wen­den, das eigentliche Skan­dalon dieser Tage. Es kommt ihnen doch eh nur darauf an, wie lange ein der­ar­tiges The­ma in der Presse ist.

Selb­st ges­tandene Zeitun­gen unter­schei­den kaum noch zwis­chen Gerücht­en in dieser Angele­gen­heit, völ­lig harm­los­er Begleit­musik, hand­festen Vor­wür­fen und klär­baren Fra­gen. Die Rolle der Medi­en wird dabei ger­adezu aus­geklam­mert, als ob sie tat­säch­lich, wie oft­mals gefordert, keine Rolle spielte. Es wird immer weit­ergestochert bis das Stochern die eigentliche Mel­dung ist. Die Glaub­würdigkeit des Bun­de­spräsi­den­ten hängt von der dieses Amt inne haben­den Per­son ab, nicht vom Amt selb­st.

Die Glaub­würdigkeit der Medi­en hängt davon ab, inwiefern sie in der Lage sind, ein The­ma fachkundig zu analysieren. Eine Zeitung, die diese Glaub­würdigkeit nicht mehr besitzt, wird auch nicht mehr gekauft. Wieso auch.

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Integration — Das verlogene Ideal der Deutschen

Ich ver­ste­he nicht, warum den Türken in Deutsch­land noch nicht der Kra­gen geplatzt ist (und damit meine ich alle Mit­bürg­er mit türkischem Hin­ter­grund): Da schwingt sich ein­er­seits der türkische Min­is­ter­präsi­dent auf, ihnen zu erk­lären, wie sie in Deutsch­land ihr Leben zu führen haben: Nur unter Wahrung ihrer kul­turellen Iden­tität, und das bedeutet grund­sät­zlich, dass zunächst die türkische Sprache gel­ernt wer­den müsse. Und da schwin­gen sich im Gegen­zug deutsche Poli­tik­er auf und sagen: Auf jeden Fall müsse die deutsche Sprache beherrscht wer­den und Inte­gra­tion in die deutsche Gesellschaft, die müsse stat­tfind­en. Was hat das denn über­haupt mit der Lebenswirk­lichkeit immi­gri­ert­er Türken in Deutsch­land zu tun?

Am Don­ner­stag war ich in ein­er Vorstel­lung von Hape Ker­kel­ings Kein Par­don. Das ist eine unterm Strich dur­chaus geglück­te Musi­cal-Ver­sion eines Hape-Ker­kel­ing-Films mit einem kleinen Schön­heits­fehler: Kurz vor Ende kommt es zu ein­er Szene, in dem der Opa des Stücks das Selb­st­bild des Ruhrpot­tlers kennze­ich­net. Er führt auch an, dass irgend­wann Gas­tar­beit­er ins Ruhrge­bi­et kamen, die man inte­gri­erte, dann kom­men Müt­ter mit Kinder­wa­gen auf die Bühne, klap­pen Fäh­nchen aus mit diversen Län­der­flaggen, die ihre Herkun­ft anzeigen sollen und alle auf der Bühne führen ein kleines Tänzchen auf. Der Schön­heits­fehler dieser Szene ist: So eine Inte­gra­tion hat nie stattge­fun­den. Gestern sah ich die Doku­men­ta­tion von Gün­ter Wall­raff als schwarzem Gas­tar­beit­er in Deutsch­land. Zum Ende des Films geht er in eine Kneipe und führt sich so auf, wie Deutsche sich in ein­er Kneipe auf­führen. Das Ergeb­nis ist, dass er umge­hend aus der Kneipe geschmis­sen wird.

Dass Inte­gra­tion in Deutsch­land scheit­ert, liegt vor allem an Deutschen.

Dieses bek­lem­mende Eingeständ­nis liest sich auch zwis­chen den Zeilen eines Textes von Karen Krüger über die Morde der soge­nan­nten NSU. Sicher­lich muss man bei den Mor­den den per­sön­lichen Hin­ter­grund erforschen. Doch die deutsche Presse und die deutschen Rechtsver­fol­gung­sor­gane haben nicht nach einem nicht-per­sön­lichem Motiv gesucht, obwohl in keinem Fall irgen­det­was auf so ein Motiv hingedeutet hat. Trotz der sach­lichen Schwierigkeit, in diesem Fall einen guten Hin­weis zur Auflö­sung des Fall­es zu bekom­men, hat Karen Krüger völ­lig recht, wenn sie schreibt:

Die Hin­ter­gründe, die in den ver­gan­genen Tagen ans Tages­licht gekom­men sind, […] erzählen aber auch, was für ein Türken-Bild in Deutsch­land regiert. Nicht nur die polizeilichen Ermit­tler ließen sich offen­sichtlich von Klis­chees über Deutschtürken leit­en, son­dern auch die Öffentlichkeit machte mit. „Hin­gerichtet von der Halb­mond-Mafia“, hieß es am Tag nach der Ermor­dung von Theodor­os Boul­gar­ides ein­er Münch­n­er Zeitung. [… Es] wurde wild über denkbare Hin­ter­gründe spekuliert, die Möglichkeit ein­er recht­sex­trem­istis­chen Tat aber nicht in Betra­cht gezo­gen: Im türkischen Milieu kann es eben auch mal knallen.

Eine der fieses­ten Szenen aus dem Deutschen Bun­destag ist die, als in den 80ern Marieluise Beck über das neue The­ma der Verge­wal­ti­gung in der Ehe spricht und sich im Pub­likum des Bun­destages Gelächter der Abge­ord­neten bre­it macht: In deren Welt kann es das Unvorstell­bare, eine grundle­gende eigene soziale Störung, so nicht geben.

Die eigene Verblendung, die auf Kosten von schwachen Anderen geht, ist das eigentliche The­ma dieses frem­den­feindlichen Vor­falls. Nie­mand erwartet, dass man einen Staat schafft, der kom­plett gefeit ist vor durchgek­nall­ten, frem­den­feindlichen, mor­den­den Krim­inellen. Aber eine so zur Schau getra­gene Respek­t­losigkeit vor den Opfern, die kann man sich sparen. Und sowas ist das nichthin­ter­fragte Inte­gra­tionsid­e­al in Deutsch­land. Unglaublich.

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Warum es keinen passenden Gottschalk-Nachfolger gibt

Das ZDF und diverse Zeitun­gen machen es sich derzeit zur Auf­gabe, einen passenden Nach­fol­ger für Thomas Gottschalk als Mod­er­a­tor von Wet­ten, dass..? zu find­en.

Grund­lage ein­er solchen Suche ist es, dass es Mod­er­a­toren gibt, die eine solche Sendung mod­erieren kön­nten, und zwar erfol­gre­ich. Aber es gibt max­i­mal Mod­er­a­toren.

Es gibt nie­man­den, der das kann, was Gottschalk kann: Prinz Charm­ing, Spielkind und Witzbold. Ste­fan Raab ist eben­bür­tig als Spielkind, HaPe Ker­kel­ing als Witzbold, aber den Charme Gottschalks strahlen bei­de nicht aus. Und bei­de sind zu alt, um das noch zu entwick­eln.

Gottschalk hat diese Chance noch gehabt, durfte Na sowas! mit inter­na­tionalen Gästen mod­erieren, von da aus ist es nicht weit zu Wet­ten, dass..?. Nach­fol­ger von Gottschalk damals wurde übri­gens Gün­ter Jauch mit Na siehste!

Aber der­ar­tige Entwick­lungs­for­mate gibt es nicht mehr. Über­haupt wird Unter­hal­tung bei den Öff­is nur noch ver­wal­tet, nicht entwick­elt. Anson­sten wäre das Traum­schiff ja schon längst unterge­gan­gen, weil die Geschichte seit 25 Jahren auserzählt ist.

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Die Nachtgeschichten von heute

  • Staatlich­es Späh­pro­gramm — Wie inkom­pe­tente Behör­den das Tro­jan­er-Desaster begün­sti­gen — sueddeutsche.de | Legal, ille­gal, scheiße­gal — ist der alte Spon­ti-Spruch manch­mal die Maxime von Behör­den beim Kampf gegen das ver­meintliche Böse? Die Wahrheit ist: In vie­len Insti­tu­tio­nen herrscht das blanke Chaos, wer­den Aufträge für sen­si­ble Soft­ware an Unternehmen aus dem Dun­stkreis von Mitar­beit­ern vergeben. Über ein Sys­tem, das längst zum Prob­lem gewor­den ist.
  • Nice Bas­tard: Wowigate: Wie die Süd­deutsche Zeitung ver­trauliche Schu­lun­ter­la­gen besorgt | “Klaus Wow­ere­it, ste­ht da, darunter ein Panop­tikum eher begren­zter Streb­samkeit. Deutsch X, Poli­tis­che Weltkunde X, Englisch X, Mathe X, Sozial­wis­senschaften X, Sport X.“ Was in der Zeitung so gemütlich wie ein Rührstück aus dem drit­ten Fernseh­pro­gramm herüberkommt, ist natür­lich ein dreis­ter Recherche-Über­griff, wobei ich nicht weiß, worüber ich mich mehr aufre­gen kann: die Art und Weise, wie von Bul­lion gle­ich einem Hard­boiled-Schnüf­fler an ihre Infor­ma­tio­nen kommt, oder die Unver­froren­heit, mit der sie ihre Quelle bloßstellt und somit aus­liefert.
  • law blog» Archiv » “Legit­ime Maß­nah­men” | Herr Uhl und ich haben wirk­lich ein unter­schiedlich­es Ver­ständ­nis vom Rechtsstaat.
  • Piratig.de – #Kaud­er­gate #3rdStrike – Der dritte Strike und weg ist das Netz (The Full Sto­ry) | Siegfried Kaud­er ver­stößt schon wieder gegen das Urhe­ber­recht.

    Haben die zwei Strikes was genutzt? Funk­tion­iert das 3-Strike-Mod­ell? Ist eine Besin­nung des Urhe­berecht-Sün­ders einge­treten und die Raubkopier­erei abgestellt?
    Es ist über eine Woche seit dem “zweit­en Strike” ver­gan­gen. Ich habe wieder fest­gestellt, das Kaud­er auf sein­er Home­page ein raubkopiertes Foto ver­wen­det. Zeit nachzuhak­en:

  • Hape Ker­kel­ing »Ich befinde mich in ein­er ver­rück­ten Sit­u­a­tion« — Süd­deutsche Zeitung Mag­a­zin | Wenn Sie Wet­ten, dass…? machen, wird man erwarten, dass Sie es lang machen.
    Das kann sein, ja. Ich weiß, dass Sie da gern eine Antwort drauf haben wollen. Und im Prinzip ist es ja auch wurscht, ob ich »Ja« oder »Nein« oder »Ich weiß nicht« sage. Aber ich äußere mich dazu so lange nicht, wie Thomas Gottschalk seine let­zte Sendung nicht gedreht hat. Weil: Egal, was ich sage, ich heize weit­ere Speku­la­tio­nen an. Es wird irgend­wann im Dezem­ber ein State­ment geben, und das wird wahrschein­lich nicht von mir kom­men, son­dern eher vom ZDF, das ist ja auch deren Auf­gabe.
    Inter­es­sant: Ihnen ist in diesem Moment wirk­lich nicht anzumerken, in welche Rich­tung Sie tendieren.
    Vielle­icht weiß ich es ja nicht …
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