Wie das ZDF den Deppen Guttenbergs Rücktritt erklärt

Ja, man kann in Deutsch­land viel über den Öffentlich-rechtlichen Rund­funk meckern. Aber manch­mal ist es auch rüh­rend, wie er sich um sei­ne Adres­sa­ten küm­mert. Zum Bei­spiel, wie sich das ZDF um sein nach­mitta­g­li­ches Soap-Publikum küm­mert. Als Gut­ten­berg nach sei­ner Pres­se­kon­fe­renz in der letz­ten Woche nicht zurück­trat, da ver­kli­cker­te das ZDF das den Soapies so:

gutundschoen

Mit hier mei­nen die wohl Deutsch­land, wenn ich das rich­tig ver­ste­he. Na, und nun raten Sie doch mal, wie das ZDF den Soapies heu­te Gut­ten­bergs meta­pho­risch ver­kli­ckert hat.

JAWOHL!

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CDU will Internetzensur — ab sofort

Mit­glie­der der CDU/CSU-Fraktion möch­ten mit sofor­ti­ger Wir­kung die Inter­net­zen­sur in Deutsch­land ein­füh­ren, weil die mit der FDP ver­ein­bar­te Aus­set­zungs­frist der Zen­sur heu­te aus­läuft:

Der ein­sei­ti­ge Ansatz des Löschens von Kin­der­por­no­sei­ten hat sich als Flop erwie­sen”, sag­te Uni­ons­frak­ti­ons­vi­ze Gün­ter Krings der Neu­en Osna­brü­cker Zei­tung unter Beru­fung auf die aktu­el­le Jah­res­bi­lanz des Bun­des­kri­mi­nal­samts (BKA). “Die Ergeb­nis­se nach einem Jahr sind ein­deu­tig. Ohne Inter­netsper­ren geht es im Kampf gegen Kin­der­por­no­gra­fie nicht.”

Da haben sie aber auch wirk­lich den Rich­ti­gen vor­ge­schickt. Krings ist der­je­ni­ge, der vor einer Woche noch mein­te, die Vor­wür­fe gegen Gut­ten­berg sei­en lächer­lich, das Gan­ze sei eh nur eine Kam­pa­gne der Oppo­si­ti­on:

Sei­ne Dok­tor­ar­beit ist von einem der füh­ren­den deut­schen Ver­fas­sungs­recht­ler wis­sen­schaft­lich betreut wor­den und in einem höchst renom­mier­ten Wis­sen­schafts­ver­lag erschie­nen, der für sei­ne stren­gen Maß­stä­be bekannt ist.

Um es mal mit Fefe zu sagen:

Die Bes­ten der Bes­ten der Bes­ten, Sir!

Wür­de mich nicht wun­dern, wenn dies nur eine hilfs­lo­se Akti­on wäre, um das Guttenberg-Feuer aus­zu­tre­ten. Aber wer Krings zum Feu­er­aus­tre­ten schickt, der kann eigent­lich auch gleich Brand­be­schleu­ni­ger benut­zen.

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Guttenberg-Doktorvater hält Arbeit für Plagiat

Prof. Peter Häber­le hat sich nach knapp zwei Wochen wie­der zu Wort gemel­det, und in einem Schrei­ben die Dok­tor­ar­beit von Karl-Theodor Gut­ten­berg bewer­tet. Er ist nicht inter­viewt wor­den und inso­fern nicht auf die Fra­ge ange­spro­chen wor­den, ob er von einer vor­sätz­li­chen Täu­schung aus­geht. Gut­ten­berg hat­te die Pla­gi­ats­vor­wür­fe gegen sei­ne Arbeit in die Nähe übler Nach­re­de gerückt.

Ich wür­de aller­dings jeman­dem wie Häber­le, der bei einer 10jährigen Pro­mo­ti­on der­art gelinkt wur­de, auch kei­nen Vor­wurf machen, wenn er sich öffent­lich nicht all­zu weit aus dem Fens­ter lehnt. Zwi­schen den Zei­len ist aber den­noch zu lesen, was er wie ein­schätzt:

In mei­ner ers­ten spon­ta­nen und letzt­lich zu vor­schnel­len Reak­ti­on konn­te ich – ohne Detail­kennt­nis der kon­kre­ten Vor­wür­fe – das Aus­maß nicht abse­hen.

Und was war die zu vor­schnel­le Reak­ti­on? Häber­le sag­te, die Vor­wür­fe gegen Gut­ten­berg sei­en

absurd. Die Arbeit ist kein Pla­gi­at.

Tja, und wenn man das der­art zurück­nimmt, wird man wohl das Gegen­teil behaup­ten.

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Was ich noch sagen wollte… zu Jan Fleischhauer

Wenn es noch eines Bewei­ses bedurft hät­te, dass Jan Fleisch­hau­er für den SPIEGEL das ist, was Franz-Josef Wag­ner für die Blöd­zei­tung, dann die­ser Arti­kel über die Kri­tik an Gut­ten­bergs Dok­tor­ar­beits­pla­gi­at als Geschich­te des Auf­stands der Bür­ger­li­chen gegen den kon­ser­va­ti­ven Adel:

der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung, Karl-Theodor zu Gut­ten­berg, hat sich bei der Abfas­sung sei­ner Dok­tor­ar­beit zu frei­ge­big aus den Arbei­ten ande­rer Leu­te bedient. Eine unver­zeih­li­che Schlam­pe­rei bei den Fuß­no­ten — und schon droht den “Fun­da­men­tal­wer­ten einer bür­ger­li­chen Gesell­schaft” irrepa­ra­bler Scha­den, wie die Oppo­si­ti­on nun barmt.

Nee, Herr Fleisch­hau­er, das haben Sie ein­fach nicht ver­stan­den: Copy-Karl hat sich nicht frei­gie­big bedient, er hat vor­sätz­lich abge­kup­fert, frem­de Gedan­ken als eige­ne aus­ge­ge­ben und das nicht duch ver­ges­se­ne Fuß­no­ten, son­dern durch simp­les Kopie­ren, das nie­mals fuß­ge­no­tet wer­den soll­te. Der Scha­den wider­um, der von 30.000 Dok­to­ran­den ange­pran­gert wird, ent­steht nicht durch Gut­ten­bergs Pla­gi­at, son­dern durch die Tole­rie­rung eines der­ar­ti­gen Hoch­stap­lers sei­tens der Bun­des­re­gie­rung. Das ist etwas ande­res.

Zunächst ein­mal ist fest­zu­hal­ten, dass Gut­ten­berg gera­de kein Bür­ger­li­cher ist, wie schon ein Blick auf die Lis­te sei­ner Vor­na­men zeigt, vom Frei­her­ren ganz zu schwei­gen. Wenn über­haupt, dann lässt der fahr­läs­si­ge Umgang mit den Usan­cen des Wis­sen­schafts­be­triebs ein Stan­des­be­wusst­sein erken­nen, wie es dem Adel seit jeher eigen ist.

Soll das nun eine ras­sen­ar­ti­gen Unter­schied zwi­schen Bür­ger­li­chen und Ade­li­gen dar­stel­len, der ver­zeih­bar ist? Ein dop­pel­ter Blöd­sinn, bei dem man gar nicht mehr genau weiß, wann man mit der die­sem Gedan­ken ent­spre­chen­den Fazi­al­pal­mie­rung auf­hö­ren soll­te. Außer­dem: Der Dok­tor­grad ist kei­ne Usance, sprich kein Han­dels­ge­gen­stand einer sozia­len Grup­pe, son­dern eine Wür­de. Das hat Fleisch­hau­er auch nicht ver­stan­den.

Die Fra­ge ist nur, ob man dies als tadelns­wer­te Abwei­chung betrach­tet oder eher als läss­li­che Sün­de, ja sogar lobens­wer­te Auf­leh­nung gegen die repres­si­ve Bür­ger­mo­ral.

Nicht zu ver­ges­sen, Fleisch­hau­er behan­delt hier gera­de einen Pla­gia­ten, der schein­bar weder den Vor­wurf sys­te­ma­ti­schen Pla­gi­ie­rens, der im Raum steht, aus­räu­men kann, noch den Umfang des Pla­gi­ats selbst erfasst hat. Ein Betrü­ger ist nach Fleisch­hau­er also mög­li­cher­wei­se ein Held, weil sei­ne Mis­se­tat der Gesell­schaft bis­her nicht auf­ge­fal­len ist?

Nein, in Fleisch­hau­ers Welt gibt es kei­ne sach­lich berech­tig­te Kri­tik an Gut­ten­bergs Pla­gi­at — allein des­we­gen nicht, weil er es nicht ver­stan­den hat.

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Was ich noch sagen wollte… zum Lex Guttenberg

Es ist ein ver­dammt hoher Preis, den die CDU für Gut­ten­berg zu zah­len bereit ist. Sie ver­ab­schie­det sich von ihrem Bil­dungs­ide­al und dem Begriff der Inte­gri­tät. Der Ver­stoß gegen einen der ele­men­tars­ten Bil­dungs­grund­sät­ze, das Aus­ge­ben frem­den geis­ti­gen Eigen­tums als das eige­ne, stellt für die CDU kei­nen Grund für poli­ti­sche Kon­se­quen­zen dar, wie­wohl doch das eine wie das ande­re poli­tisch ist.

Um die­sen Preis für den Erhalt Gut­ten­bergs im Amt zah­len zu kön­nen, wirft die CDU gleich einen wei­te­ren Begriff mit über Bord: Den Begriff der Inte­gri­tät. Mit die­sem Begriff hat vor einem Jahr, als der vor­letz­te CDU-Bundestagstagsabgeordnete sei­nen Dok­tor­grad able­gen muss­te, der zustän­di­ge CDU-Kreisverband begrün­det, wes­we­gen man nicht for­de­re, dass der Abge­ord­ne­te sein Man­dat abgibt. Man sei von sei­ner Inte­gri­tät über­zeugt, das heisst, man sei über­zeugt, dass er nicht lüge, dass es eine Ein­heit gibt von Poli­ti­ker und Pro­mo­vent, die sich nicht wider­spricht.

Die CDU hebelt nun die­se Ein­heit aus, indem man unter­schei­det zwi­schen Gut­ten­berg, dem Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter, und Gut­ten­berg, dem Pro­mo­ven­ten: Ver­feh­lun­gen des Pro­mo­ven­ten Gut­ten­berg haben nichts zu tun mit dem Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter.  Die­se neue Unter­schei­dung sagt ja nichts ande­res aus, als: Selbst wenn es einen Wider­spruch gibt zwi­schen dem, wofür Gut­ten­berg als Pro­mo­vent steht, und dem, wofür Gut­ten­berg als Wirt­schafts­mi­nis­ter ste­hen soll, so ist die­ser Wider­spruch für die Arbeit des Wirt­schafts­mi­nis­ters irrele­vant.

Das neue Lex Gut­ten­berg lässt sich daher auch so for­mu­lie­ren: Ver­feh­lun­gen eines Abge­ord­ne­ten wer­den dann igno­riert, wenn des­sen Popu­la­ri­tät der Par­tei nützt und ein Ver­zicht auf die­se Popu­la­ri­tät der Par­tei scha­det. Es ist ja vor­ran­gig die­se Popu­la­ri­tät, mit der CDU und CSU Gut­ten­berg ver­tei­di­gen. Es steht nie­mand auf und ver­tei­digt das Vor­ge­hen des Pro­mo­ven­ten Gut­ten­bergs. So wenig, wie es bis­her irgend­ei­nem kon­ser­va­ti­ven Poli­ti­ker ein­ge­fal­len wäre, einem SPD-Politiker eine der­ar­ti­ge Dis­ser­ta­ti­ons­pos­se durch­ge­hen zu las­sen.

Die Abschied der Uni­on vom Bil­dungs­ide­al und dem Begriff der Inte­gri­tät führt dazu, dass sie kei­ne Glaub­wür­dig­keit mehr besitzt, wenn sie Poli­ti­kern ande­rer Par­tei­en man­geln­de Inte­gri­tät oder Titel­be­trug vor­wer­fen wol­len. Außer natür­lich, wenn man Ver­nunft und Logik eben­so über Bord wirft.

Dass Gut­ten­berg selbst die­se Zwei­tei­lung nicht ver­in­ner­licht haben kann, zeigt ja schon, dass er sei­ne Stel­lung­nah­me an die Uni­ver­si­tät Bay­reuth auf dem Brief­pa­pier des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums ver­fasst hat. Aber kei­ne Sor­ge, auch das war sicher­lich nur ein Feh­ler. Und es gibt wich­ti­ge­re The­men, mit denen man sich beschäf­ti­gen soll­te. Wen inter­es­siert schon Inte­gri­tät, das Pfand der Poli­ti­ker?

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Kol­ja Rud­zio bei der Zeit meint, dass die Ver­än­de­run­gen bezüg­lich Hartz IV kei­ne wesent­li­chen Ver­än­de­run­gen für Hartz-IV-Familien bedeu­ten.

Schö­ne Aus­sich­ten sind das: Das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um macht in der “Bild”-“Zeitung” groß Wer­bung für die Bun­des­wehr und zielt damit auf Gering­aus­ge­bil­de­te und Aus­län­der für eine neue Unterschichten-Armee wie in den USA.

Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Karl-Theodor Gut­ten­berg ist der­weil sein Dok­tor­grad aberkannt wor­den. Die Uni Bay­reuth attes­tier­te ihm indi­rekt damit, dass sei­ne Arbeit eine vor­sätz­li­che Täu­schung sei, denn das ist der ein­zi­ge Grund nach der Pro­mo­ti­ons­ord­nung, ihm den Grad zu ent­zie­hen[1]. Wäre Gut­ten­berg Stu­dent einer Bundeswehr-Universität gewe­sen, hät­te er mit dienst­recht­li­chen Kon­se­quen­zen zu rech­nen. Im Kabi­nett Mer­kel sieht das aber anders aus.

Zuvor gab es eine hef­ti­ge Debat­te im Bun­des­tag um Gut­ten­bergs Pla­gi­at. Für Karl Lau­ter­bach von der SPD stellt eine Kon­se­quenz­lo­sig­keit der Täu­schung Gut­ten­bergs einen Damm­bruch bezüg­lich der Ernst­haf­tig­keit wis­sen­schaft­li­chen Arbei­tens dar.

Auch in Stef­fis Bis­tro ist eine Stel­lung­nah­me ange­bracht:

[audio:http://media.ndr.de/download/podcasts/podcast2956/AU-20110222–1846-1401.mp3]

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Was muss man für das Kabi­nett Mer­kel eigent­lich noch anstel­len, um nicht minis­te­ria­bel zu sein? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[ Foto: Luc van Gent ]

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