Guten Morgen

Morgenkaffee

Hach, die­se neue Einig­keit in CDU & CSU ist schon schön: Da faselt der neue CSU-Innenminister was davon, dass es für ihn eine unbe­leg­te Tat­sa­che, dass der Islam in Deutsch­land ver­wur­zelt ist und die Bun­des­kanz­le­rin sagt, den sol­le man mal labern las­sen, sie habe ihn nicht als Pflan­zen­be­auf­trag­ten ein­ge­stellt oder so.

Von Gut­ten­berg wis­sen wir ja, dass er in inten­sivs­ter Klein­ar­beit sei­ne Her­zens­an­ge­le­gen­heit Bun­des­wehr­re­form bis zu letzt vor­an getrie­ben hat, so dass er ein gut bestell­tes Haus über­ge­ben konn­te. Der Bun­des­wehr hat das wohl so gut gefal­len, dass die ers­te Maß­nah­me ist, den Erfin­der die­ser Bun­des­re­form an die fri­sche Luft zu set­zen.

Beim Deutsch­land­funk lief ges­tern das Fea­ture von Gaby Weber über ihre Unter­su­chun­gen zum Fall Adolf Eich­mann. Die Auto­rin hat nach lan­ger Zeit end­lich vom BND Zugang zu dama­li­gen Akten bekom­men.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Hat solch ein hol­ter­di­pol­ter CSU-Innenminister eigent­lich mehr Kre­dit bei der Kanz­le­rin, weil sein Vor­gän­ger schon so gegan­gen wer­den muss­te? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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Warum die Medienschelte von Guttenberg abstrus ist

kannitverstan

Ein Teil der Dolch­stoß­le­gen­de von Karl-Theodor Gut­ten­berg, aka Rück­tritts­er­klä­rung, ist ja die Medi­en­schel­te. Die­se besagt, dass in den letz­ten Wochen im Ver­gleich der Bericht­erstat­tung von toten Sol­da­ten in Afgha­ni­stan und der Bericht­erstat­tung über das Gut­ten­berg­sche Pla­gi­at zu wenig über die toten Sol­da­ten und zu viel über Gut­ten­berg berich­tet wor­den sei. Das bedeu­tet, dass es für Gut­ten­berg eine sinn­vol­le Ver­gleichs­ba­sis zwi­schen der einen und der ande­ren Bericht­erstat­tung geben müss­te.

Die­ser zu Grun­de lie­gen­de Gedan­ke ist aller­dings Mum­pitz.

Denn wäre dem so, dann müss­te Gut­ten­berg den­ken kön­nen, dass es einen Bericht­erstat­tungs­zu­stand gibt, der so ist, dass er sinn­voll der Mei­nung sein könn­te, dass die Medi­en ver­gleichs­wei­se zu wenig über sein Dok­tor­ar­beits­pla­gi­at und zu viel über tote Bun­des­wehr­sol­da­ten berich­ten. Vom Stand­punkt Gut­ten­bergs aus ist aber über­haupt kei­ne Bericht­erstat­tung über sein Pla­gi­at sinn­voll.

Daher ist die Medi­en­schel­te sei­tens Gut­ten­berg abstrus.

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Erste Maßnahmen nach der Machtergreifung

Es sind jetzt die ers­ten Maß­nah­men gele­akt wor­den, wenn die ProGuttenberg-Facebook-Gruppe den Füh­rer ihren Lieb­ling zurück an die Macht bekommt: Die Chef­re­dak­teu­re von ARD und ZDF wer­den gegen folg­sa­me­re Jour­na­lis­ten aus­ge­tauscht und der Dok­tor­va­ter von Gut­ten­berg kommt auf die Ankla­ge­bank:

Wenn ich das rich­tig ver­stan­den habe, ist also Elmar The­veßen Gut­ten­bergs Ghost­wri­ter. Wer hät­te das gedacht

.
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Guten Morgen

Morgenkaffee

Wolf­gang Michal bedankt sich bei Gut­ten­berg, dass er dafür gesorgt habe, dass der klas­si­sche Jour­na­lis­mus die nicht­klas­si­sch­jour­na­lis­ti­schen Inter­net­be­nut­zer respek­tie­re.

Hoch her ging es ges­tern im Fern­se­hen zu Gut­ten­berg bei Hart aber fair und beim wie­der etwas über­for­der­ten Mar­kus Lanz, was man jeweils dort nach­gu­cken kann. Für Gut­ten­berg wird da ger­ne des­sen angeb­lich tadel­lo­se Leis­tung als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter ins Spiel gebracht, auch wenn das Bun­des­kanz­ler­amt sei­ne Bun­des­wehr­re­form am liebs­ten in die Ton­ne klop­pen wür­de.

Die Katho­li­sche Kir­che will Opfern katho­li­scher Geist­li­cher und Mit­ar­bei­ter 5.000€ plus The­ra­pie­kos­ten zah­len.

Fried­rich Küp­pers­busch küm­mert sich bei Radio Bre­men die­se­Wo­che um den Lügen­ba­ron: [audio:http://httpmedia.radiobremen.de/mediabase/043959/043959_152139.mp3]

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Wer hat denn nun was vom abge­b­li­che neu­en Respekt des unter­ge­hen­den klas­si­schen Jour­na­lis­mus’? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[ Foto: Luc van Gent ]

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  • Karl-Theodor zu Gut­ten­berg: Eine spal­ten­de Per­sön­lich­keit | ZEIT ONLINE — geschei­tert ist nicht nur ein Mann, von dem es hieß, er kön­ne ein­mal Kanz­ler wer­den. Geschei­tert ist auch eine Fik­ti­on: der Glau­be an das Leich­te, Schö­ne, Gute in der Poli­tik. Bin­nen zwei Jah­ren schaff­te Karl-Theodor zu Gut­ten­berg den Auf­stieg vom ein­fa­chen Abge­ord­ne­ten zum Bun­des­mi­nis­ter, und genau­so schnell, wie er auf­stieg, wur­de er zur Pro­jek­ti­ons­flä­che für die Hoff­nun­gen und Sehn­süch­te vie­ler Bür­ger, die sich von der Poli­tik längst abge­wandt haben. Auf ein­mal war da einer, der anders war. Der glaub­wür­dig schien. Dem nie­mand etwas anha­ben konn­te – nicht die Oppo­si­ti­on und erst recht nicht die Medi­en. Und nun hat sich die­ser Mann zu Fall gebracht. Wie es kam, dass der Mann, für den nichts unmög­lich schien, an die Gren­zen sei­ner Kräf­te kam:
  • Mer­kel ernennt einen Anti-Guttenberg | NZZ Online — Einen kras­se­ren Gegen­ent­wurf zum Typ des ent­zau­ber­ten Medien-Selbstdarstellers Gut­ten­berg hät­te Kanz­le­rin Mer­kel kaum fin­den kön­nen. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter wird nun Tho­mas de Mai­ziè­re, ein 57-jähriger Jurist, der das Ram­pen­licht nie gesucht hat.
  • Eigen­wer­bung der Bun­des­wehr: Ver­trä­ge vor­erst nur mit Sprin­ger | Poli­tik — Frank­fur­ter Rund­schau — Die Springer-Medien sind die ein­zi­gen, mit denen die Ver­ant­wort­li­chen des Wer­be­feld­zugs bis­lang Ver­trä­ge abge­schlos­sen haben. Der Gesamt­etat für die Kam­pa­gne 2011 belau­fe sich auf 4,8 Mil­lio­nen Euro, erklär­te das Minis­te­ri­um in der Vor­wo­che. In der aktu­el­len Ant­wort an die Links­par­tei ist nun von exakt 5695448 Euro für „per­so­nal­werb­li­che Anzei­gen“ die Rede. Das sei kein Wider­spruch, erklär­te das Minis­te­ri­um auf Anfra­ge. Die 4,8 Mil­lio­nen sei­en eine „Teil­men­ge“ der Gesamt­wer­be­kos­ten.
  • ekel­haft“ — wirres.net, fach­blog für irrele­vanz — die guten­bergs haben offen­bar eine nei­gung sich pathe­tisch und laut­stark auf die sei­te der opfer zu stel­len um ihre (fernseh-, polit- oder vereins-) kar­rie­re zu beför­dern, gewicht und tot­schlag­ar­gu­men­te für ihre nicht unum­strit­te­nen poli­ti­schen for­de­run­gen zu gene­rie­ren und alle anders­den­ken­den zu dis­kre­di­tie­ren. selbst wenn sie der opfer wegen auf der opfer-seite stün­den, eklig wirds genau dann wenn sie die opfer auf ein schutz­schild heben und das schild dann zur selbst­ver­tei­di­gung nutzen:<br />
    <br />
    * in afgha­ni­stan ster­ben deut­sche sol­da­ten und ihr kri­ti­siert mich wegen lapalien?<br />
    * im/durch/wegen des inter­net wer­den täg­lich x kin­der miss­braucht und ihr redet über die men­schen­wür­de von tätern?
  • Klimaretter.info — Gut­ten­berg: Freut euch nicht zu früh! — Klimaretter.info — Es war ein Hän­gen und Wür­gen, eine hoch­not­pein­li­che Ver­an­stal­tung. Bis der “Lügen­ba­ron” Karl-Theodor zu Gut­ten­berg end­lich die Kon­se­quen­zen zog und am Diens­tag von sei­nen poli­ti­schen Ämtern zurück­trat. Doch die jubeln­de Oppo­si­ti­on und alle Men­schen, die das pseudo-demütige Geha­be des frän­ki­schen Ade­li­gen und die unge­heu­re Chuz­pe, mit der er einen bei­spiel­lo­sen Wis­sen­schafts­be­trug fast zwei Wochen lang leug­ne­te oder ver­harm­los­te, nur mit ungläu­bi­gem Kopf­schüt­teln ver­folg­ten, soll­ten sich nicht zu früh freu­en. Denn Gut­ten­berg, der begna­de­te Popu­list, könn­te schnel­ler als erwar­tet wie­der auf die poli­ti­sche Büh­ne zurück­keh­ren.
  • Zum Rück­tritt von Gut­ten­berg — Mär­ty­rer für Sol­da­ten und Volk — sueddeutsche.de — Wenn der Fall Gut­ten­berg die Spal­tung zwi­schen aka­de­mi­schen Eli­ten und popu­lis­ti­schen Stim­mun­gen ver­stärkt hat, ist das kein Grund für Tri­umph­ge­heul. Die deut­sche Wis­sen­schaft kann trotz­dem ein wenig stolz sein.
  • Bou­le­vard unter­liegt Inter­net: Bild nimmt Guttenberg-Rücktritt an — Tages­spie­gel — In der Tat hat sich neben den tra­di­tio­nel­len Medi­en mit dem Inter­net und sei­nen umtrie­bi­gen Nut­zern eine mäch­ti­ge Öffent­lich­keit gebil­det – die wesent­lich zu Gut­ten­bergs Rück­tritt bei­ge­tra­gen hat: Sie ent­hüll­te nicht nur im Wiki “Gut­ten­Plag” das Aus­maß des Betrugs, ein­mal ver­bis­sen ließ sie nicht mehr vom Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter ab: Die ver­meint­li­che Ver­stri­ckung des Guttenberg-Clans mit der Sprin­ger AG hin­ter “Bild” wur­de eben­so genüss­lich wei­ter­ver­brei­tet wie der schar­fe Angriff des Bay­reu­ther Jura-Professors Oli­ver Lep­si­us, der sich sonst wohl ver­sen­det hät­te. Eben­falls ohne das Netz so nicht mög­lich: der offe­ne Brief einer Grup­pe Dok­to­ran­den, der mit klu­ger Wort­wahl und authen­ti­scher Empö­rung bin­nen weni­ger Tage zehn­tau­sen­de Unter­zeich­ner fand und die Debat­te neu befeu­er­te, als sie eigent­lich zu ver­eb­ben droh­te. Gegen die Macht des Net­zes ist „Bild“ in die­sem Fall nicht ange­kom­men.
  • 1 mil­li­on workers. 90 mil­li­on iPho­nes. 17 sui­ci­des. Who’s to Bla­me? | Maga­zi­ne
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Dieter Jasper über Guttenbergs Rücktritt

Ich kom­me gera­de aus dem Kel­ler, um mei­ne stra­te­gi­schen Popcorn-Reserven anzu­bre­chen, denn Ex-Doktor Die­ter Jas­per hat sich wie­der zu Wort gemel­det! Zu Gut­ten­bergs Rück­tritt hat er gemeint

Karl-Theodor zu Gut­ten­berg hat mit sei­ner heu­ti­gen Rück­tritts­ent­schei­dung zwei Din­ge deut­lich gemacht. In ers­ter Linie will er Scha­den von der Bun­des­wehr abweh­ren. Zum ande­ren ist er nach zwei­wö­chi­gen per­sön­li­chen Atta­cken mit sei­ner Kraft am Ende. Dies gilt es zu respek­tie­ren. Klar wird aber auch: Jeder, der per­sön­li­che Schwä­chen und Feh­ler mit poli­ti­scher Arbeit für unver­ein­bar hält, kommt kon­se­quen­ter­wei­se nicht umhin, nun an sich selbst ganz beson­ders hohe Maß­stä­be anzu­le­gen.

War­um soll man das denn respek­tie­ren, er hät­te ja viel frü­her zurück­tre­ten kön­nen. Und wer hält per­sön­li­che Schwä­chen und Feh­ler für unver­ein­bar mit poli­ti­scher Arbeit? Und was hat das genau mit erkauf­ten und ertäusch­ten Dok­tor­ti­teln zu tun?

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Guttenbergs Dolchstoßlegende

Die Uni­on hat ges­tern gemeint, man sol­le der­zeit im Fall Gut­ten­berg Ruhe ein­keh­ren las­sen, aber ange­sichts des Umstands, dass Gut­ten­berg in die­sem Schat­ten ges­tern eine sol­che Dolch­stoß­le­gen­de vom Sta­pel gelas­sen hat, igno­rie­re ich die­sen Wunsch ein­mal.

Gut­ten­berg behan­delt in sei­ner Rück­tritts­re­de (s.u.) grob vier Ober­the­men:

1. Den Schul­ter­schluss zu sei­nen Ver­bün­de­ten
(Mer­kel in [1] und [39], “die Mehr­heit der deut­schen Bevöl­ke­rung”, die vie­len Mit­glie­dern der Uni­on, See­ho­fer und den Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten, “die mir bis heu­te den Rücken stärk­ten” in [38], letz­te­re auch in [22]),

2. Das Iden­ti­fi­zie­ren und Abkan­zeln sei­ner “Geg­ner”
([6], [7], [9 “wenn es…” > soll es ja nicht], [30], [31], [32], [35] und [41]),

3. Die Sach­la­ge
([5], [10], [16], [22], [35]),

und alles über­strah­lend

4. Die his­to­ri­sche und cha­rak­ter­li­che Grö­ße der eige­nen Per­son
([2], [4], [5], [7], [8], [11], [12], [13], [14], [18], [19], [20], [22], [23], [24], [25], [27], [28], [29], [32], [33], [34], [36], [42] und [43]).

Abge­se­hen von der Gewich­tung der ein­zel­nen Berei­che fällt auf, dass der Sach­la­ge im Zusam­men­hang nie mehr als ein Satz gewid­met wird. Und die­se Sät­ze ste­hen so weit von­ein­an­der ent­fernt, dass sie für einen Zuhö­rer nicht in einem Zusam­men­hang ste­hen.

In der Selbst­in­sze­nie­rung dreht Gut­ten­berg sei­ne Rea­li­täts­dar­stel­lung natür­lich auch so, als sei sein Han­deln eine Reak­ti­on auf die in Rede ste­hen­de Sach­la­ge. In [3] sagt er, er gehe nicht allein wegen sei­nes Pla­gi­ats. Aber schon in [10] igno­riert er [3] und sagt, er gehe, weil er nicht mehr ver­ant­wor­ten kön­ne, dass es [9] auf dem Rücken der Sol­da­ten in den Medi­en nur noch um sei­ne Per­son gin­ge. Unser Held geht [31] als Opfer zer­stö­re­ri­scher media­ler und poli­ti­scher Mecha­nis­men, um ande­re zu schüt­zen, um sich auf­zu­op­fern, weil er sich [43] eh schon auf­ge­op­fert hat. Wohl­ge­merkt: Schuld an [7] sind die Medi­en ([6] und [29]).

Gut­ten­bergs Dolch­stoß­le­gen­de besagt, dass [30] die Medi­en den sich [43] im Kampf befin­den­den Gut­ten­berg von hin­ten mit einem eigent­lich nahe­zu [21] ver­jähr­ten The­ma auf Kos­ten [7] ver­wun­de­ter und getö­te­ter Sol­da­ten so [43] mora­lisch ent­kräf­tet und [30] über­the­ma­ti­siert hät­ten, dass ein Rück­tritt [43] per­sön­lich und [9] sach­lich unaus­weich­lich war.

Klei­ner geht’s nicht.

Zunächst: Gut­ten­berg hat in den letz­ten Wochen wie­der­holt abge­strit­ten, ein Pla­gi­at ange­fer­tigt zu haben. Inso­fern ist das in Rede ste­hen­de The­ma bren­nend aktu­ell. Die­se Dolch­stoß­le­gen­de ist aber gera­de des­we­gen so per­fi­de, weil Gut­ten­berg sich selbst so ins Blitz­licht­ge­wit­ter gestürzt hat. Er ist ja nicht gezwun­gen wor­den, eine Kerner-Sendung aus Afgha­ni­stan mit­zu­mo­de­rie­ren oder vor Kame­ras der Klatsch­pres­se in Pose zu hüp­fen. Und er selbst ist es, der media­le und poli­ti­sche Mecha­nis­men betä­tigt, indem er einer­seits bis Mon­tag ver­sucht hat, das The­ma aus­zu­sit­zen ohne die Kon­se­quen­zen, aus denen er nach eige­ner Insze­nie­rung [10] schließ­lich zurück­tritt, zie­hen zu müs­sen, und ande­rer­seits indem er auch im Abgang den Schul­ter­schluss zur “Bild”-“Zeitung” aus­führt und die­se als ers­tes Medi­um infor­miert. So schmie­rig ist der letz­te Akt des Ver­tei­di­gungs­mins­ters Gut­ten­berg.

Man kann nur hof­fen, dass ein paar Leu­te in der Uni­on dank­bar sind, was für ein Kelch da gera­de an ihnen vor­bei gegan­gen ist.

Die Rück­tritts­er­klä­rung Karl-Theodor Gut­ten­bergs als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter am 01. März 2011

[1] Ich habe in einem sehr freund­schaft­li­chen Gespräch die Frau Bun­des­kanz­le­rin infor­miert, dass ich mich von mei­nen poli­ti­schen Ämtern zurück­zie­hen wer­de und um mei­ne Ent­las­sung gebe­ten. [2] Es ist der schmerz­lichs­te Schritt mei­nes Lebens. [3] Und ich gehe nicht allei­ne wegen mei­ner so feh­ler­haf­ten Dok­tor­ar­beit, wie­wohl ich ver­ste­he, dass dies für gro­ße Tei­le der Wis­sen­schaft ein Anlass wäre. [4] Der Grund liegt im Beson­de­ren in der Fra­ge, ob ich den höchs­ten Ansprü­chen, die ich selbst an mei­ne Ver­ant­wor­tung anle­ge, noch nach­kom­men kann.

[5] Ich tra­ge bis zur Stun­de Ver­ant­wor­tung in einem for­dern­den Amt. [6] Ver­ant­wor­tung, die mög­lichst unge­teil­te Kon­zen­tra­ti­on und feh­ler­freie Arbeit ver­langt — mit Blick auf die größ­te Bun­des­wehr­re­form in der Geschich­te, die ich ange­sto­ßen habe, und mit Blick auf eine gestärk­te Bun­des­wehr mit groß­ar­ti­gen Trup­pen im Ein­satz, die mir engs­tens ans Herz gewach­sen sind. [7] Wenn aller­dings, wie in den letz­ten Wochen gesche­hen, die öffent­li­che und media­le Betrach­tung fast aus­schließ­lich auf die Per­son Gut­ten­berg und sei­ne Dis­ser­ta­ti­on statt bei­spiels­wei­se auf den Tod und die Ver­wun­dung von 13 Sol­da­ten abzielt, so fin­det eine dra­ma­ti­sche Ver­schie­bung der Auf­merk­sam­keit zulas­ten der mir Anver­trau­ten statt.

[8] Unter umge­kehr­ten Vor­zei­chen gilt Glei­ches für den Umstand, dass wochen­lang mei­ne Maß­nah­men bezüg­lich der “Gorch Fock” die welt­be­we­gen­den Ereig­nis­se in Nord­afri­ka zu über­la­gern schie­nen. [9] Wenn es auf dem Rücken der Sol­da­ten nur noch um mei­ne Per­son gehen soll, kann ich dies nicht mehr ver­ant­wor­ten. [10] Und des­we­gen zie­he ich, da das Amt, Bun­des­wehr, die Wis­sen­schaft und die mich tra­gen­den Par­tei­en Scha­den zu neh­men dro­hen, die Kon­se­quenz, die ich auch von ande­ren ver­langt habe und ver­langt hät­te.

[11] Ich habe wie jeder ande­re auch zu mei­nen Schwä­chen und Feh­lern zu ste­hen. [12] Zu gro­ßen und klei­nen im poli­ti­schen Han­deln, bis hin zum Schrei­ben mei­ner Dok­tor­ar­beit. [13] Und mir war immer wich­tig, die­se vor der Öffent­lich­keit nicht zu ver­ber­gen. [14] Des­we­gen habe ich mich auf­rich­tig bei all jenen ent­schul­digt, die ich auf­grund mei­ner Feh­ler und Ver­säum­nis­se ver­letzt habe. [15] Und ich wie­der­ho­le dies auch aus­drück­lich heu­te. [16] Man­che mögen sich fra­gen, wes­halb ich erst heu­te zurück­tre­te. [17] Zunächst ein mög­li­cher­wei­se für man­che unbe­frie­di­gen­der, aber all­zu mensch­li­cher Grund.

[18] Wohl nie­mand wird leicht, geschwei­ge denn leicht­fer­tig, das Amt auf­ge­ben wol­len, an dem das gan­ze Herz­blut hängt. [19] Ein Amt, das Ver­ant­wor­tung für vie­le Men­schen und deren Leben beinhal­tet. [20] Hin­zu kommt der Umstand, dass ich mir für eine Ent­schei­dung die­ser Trag­wei­te jen­seits der hohen media­len und oppo­si­tio­nel­len Takt­fre­quenz die gebo­te­ne Zeit zu neh­men hat­te. [21] Zumal Vor­gän­ge in Rede ste­hen, die Jah­re vor mei­ner Amts­über­nah­me lagen.

[22] Nach­dem die­ser Tage viel über Anstand dis­ku­tiert wur­de, war es für mich gera­de eine Fra­ge des Anstan­des, zunächst die drei gefal­le­nen Sol­da­ten mit Wür­de zu Gra­be zu tra­gen und nicht erneut ihr Geden­ken durch Debat­ten über mei­ne Per­son über­la­gern zu las­sen. [23] Es war auch ein Gebot der Ver­ant­wor­tung gegen­über die­sen, ja gegen­über allen Sol­da­ten. [24] Und es gehört sich, ein weit­ge­hend bestell­tes Haus zu hin­ter­las­sen. [25] Des­halb letz­te Woche noch ein­mal viel Kraft auf den nächs­ten ent­schei­den­den Reform­schritt ver­wandt wur­de, der nun von mei­nem Nach­fol­ger bes­tens vor­be­rei­tet ver­ab­schie­det wer­den kann. [26] Das Kon­zept der Reform steht.

[27] Ange­sicht mas­si­ver Vor­wür­fe bezüg­lich mei­ner Glaub­wür­dig­keit ist mir auch ein auf­rich­ti­ges Anlie­gen, mich an der Klä­rung der Fra­gen hin­sicht­lich mei­ner Dis­ser­ta­ti­on zu betei­li­gen: Zum einen gegen­über der Uni­ver­si­tät Bay­reuth, wo ich mit der Bit­te um Rück­nah­me des Dok­tor­ti­tels bereits Kon­se­quen­zen gezo­gen habe. [28] Zum ande­ren habe ich zugleich Respekt vor all jenen, die die Vor­gän­ge zudem straf­recht­lich über­prüft sehen wol­len. [29] Es wür­de daher nach mei­ner Über­zeu­gung im öffent­li­chen wie in mei­nem eige­nen Inter­es­se lie­gen, wenn auch die staats­an­walt­li­chen Ermitt­lun­gen etwa bezüg­lich urhe­ber­recht­li­cher Fra­gen nach Auf­he­bung der par­la­men­ta­ri­schen Immu­ni­tät, soll­te dies noch erfor­der­lich sein, zeit­nah geführt wer­den kön­nen.

[30] Die enor­me Wucht der media­len Betrach­tung mei­ner Per­son, zu der ich selbst viel bei­ge­tra­gen habe, aber auch die Qua­li­tät der Aus­ein­an­der­set­zung blei­ben nicht ohne Wir­kung auf mich selbst und mei­ne Fami­lie. [31] Es ist bekannt, dass die Mecha­nis­men im poli­ti­schen und media­len Geschäft zer­stö­re­risch sein kön­nen. [32] Wer sich für die Poli­tik ent­schei­det, darf, wenn dem so ist, kein Mit­leid erwar­ten. [33] Das wür­de ich auch nicht in Anspruch neh­men. [34] Ich darf auch nicht den Respekt erwar­ten, mit dem Rück­tritts­ent­schei­dun­gen so häu­fig ent­ge­gen genom­men wer­den.

[35] Nun wird es viel­leicht hei­ßen, der Gut­ten­berg ist den Kräf­ten der Poli­tik nicht gewach­sen. [36] Das mag sein oder nicht sein. [37] Wenn ich es aber nur wäre, indem ich mei­nen Cha­rak­ter ver­än­der­te, dann müss­te ich gera­de des­we­gen han­deln. [38] Ich dan­ke von gan­zem Her­zen der gro­ßen Mehr­heit der deut­schen Bevöl­ke­rung, den vie­len Mit­glie­dern der Uni­on, mei­nem Par­tei­vor­sit­zen­den und ins­be­son­de­re den Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten, die mir bis heu­te den Rücken stärk­ten, als Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter nicht zurück­zu­tre­ten.

[39] Und ich dan­ke beson­ders der Frau Bun­des­kanz­le­rin, für alle erfah­re­ne Unter­stüt­zung und ihr gro­ßes Ver­trau­en und Ver­ständ­nis. [40] Es ist mir aber nicht mehr mög­lich, den in mich gesetz­ten Erwar­tun­gen mit dem mir not­wen­di­gen Maß an Unab­hän­gig­keit in der Ver­ant­wor­tung gerecht zu wer­den. [41] Inso­fern gebe ich mei­nen Geg­nern ger­ne recht, dass ich tat­säch­lich nicht zum Selbstverteidigungs-, son­dern zum Minis­ter der Ver­tei­di­gung beru­fen wur­de. [42] Abschlie­ßend ein Satz, der für einen Poli­ti­ker unge­wöhn­lich klin­gen mag. [43] Ich war immer bereit, zu kämp­fen, aber ich habe die Gren­zen mei­ner Kräf­te erreicht. [44] Vie­len Dank.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Rome erklärt sein Fai­ble für Ulrich Tukur.

Bei Face­book gibt es wohl eine wei­te­re Bild-gestützte Guttenberg-Gruppe, die zu Demons­tra­tio­nen für die Wie­der­ein­set­zung Gut­ten­bergs ein­tritt. Bei Netzpolitik.org hat man mal ein Best-of der raus­ge­haue­nen Tumbhei­ten zusam­men­ge­stellt.

Beim Früh­stück bei Ste­fa­nie denkt man, dass Gut­ten­berg nun wohl den klas­si­schen Weg begeht:

[audio:http://media.ndr.de/download/podcasts/podcast2956/AU-20110301–1927-4901.mp3]

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Und wer schützt jetzt die Uni­on vor Gut­ten­berg? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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  • Pla­gi­ats­af­fä­re — Gut­ten­berg und die Erre­gungs­ge­sell­schaft — sueddeutsche.de — Karl-Theodor zu Gut­ten­berg, ganz der Polit­pro­fi, hat ver­sucht, sich mit den übli­chen Tricks aus der Affä­re zu win­den. Letzt­lich ist er dar­über gefal­len, dass er die Wis­sen­schaft ver­höhnt hat. Das hat er ver­stan­den. Aber die ande­re Ursa­che, und das ist typisch Gut­ten­berg, hat wie­der ein­mal nichts mit ihm zu tun.
  • Klaus Stutt­mann Kari­ka­tu­ren — … ich hät­te ihn doch als wis­sen­schaft­li­chen Assis­ten­ten ein­stel­len sol­len
  • Affä­re Gut­ten­berg: Netz besiegt Minis­ter — SPIEGEL ONLINE — Ohne die akri­bi­sche Doku­men­ta­ti­on der Pla­gia­te im Gut­ten­Plag Wiki wäre die Debat­te ver­san­det. So aber brach­te der Minis­ter Deutsch­lands Wis­sen­schafts­eli­te gegen sich auf — nicht ein­mal die “Bild”-Zeitung konn­te sei­nen Job ret­ten.
  • Süd­deut­sche Zei­tung Maga­zin — SZ-Diskothek » Die sie­ben bes­ten Rücktritts-Songs
  • Stoppt Karl-Theodor! — Klimaretter.info — Ganz bewusst und kal­ku­liert befeu­ert der “über­for­der­te Fami­li­en­va­ter” Gut­ten­berg die nicht nur in bil­dungs­fer­nen Milieus gepfleg­ten Vor­be­hal­te gegen­über die stu­dier­ten “Eier­köp­fen” und ihre beck­mes­se­ri­sche “Fuß­no­ten­klau­be­rei”. Nicht erst bei sei­nem eben­so ful­mi­nan­ten wie beklem­men­den Auf­tritt bei einer Wahl­kampf­ver­an­stal­tung in Kelk­heim, wo er sich als “frän­ki­sche Wet­ter­tan­ne” sti­li­sier­te, die der (media­le) Sturm um sei­ne gefälsch­te Dok­tor­ar­beit nicht umwer­fen kön­ne, ent­pupp­te sich Gut­ten­berg als Popu­list, der alle Regis­ter zieht, um den Stamm­tisch zu bedie­nen. Ein­schließ­lich der Hatz auf (lin­ke) Jour­na­lis­ten und der gespens­ti­schen Refe­renz an den Sozi­al­dar­wi­nis­ten und Salon­ras­sis­ten Sar­ra­zin. Dass sich aus­ge­rech­net ein Bilderbuch-Intellektueller wie Gut­ten­berg, der sei­ne Bil­dung in Form gedrech­sel­ter Sät­ze wie eine Mons­tranz vor sich her­trägt, eines mitt­ler­wei­le in ganz Euro­pa und in den USA gras­sie­ren­den anti-aufklärerischen Refle­xes bedient, macht sprach­los, passt aber ins Bild.
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Guttenberg zeigt selbst beim Rücktritt Arroganz

Die CSU for­dert gera­de zwar, dass man sich zurück­neh­men soll, was die Kri­tik an der Per­son Karl Theo­dor Gut­ten­berg anbe­langt, aber wie kann man das, wenn der immer wie­der nach­legt. Es ist ist schlicht eine inhalt­li­che Zumu­tung, was Gut­ten­berg heu­te als Rück­tritts­er­klä­rung von sich gege­ben hat. Als Ersatz einer Selbst­kri­tik müs­sen natür­lich tote Sol­da­ten her­hal­ten:

Nach­dem die­ser Tage viel über Anstand dis­ku­tiert wur­de, war es für mich gera­de eine Fra­ge des Anstan­des, zunächst die drei gefal­le­nen Sol­da­ten mit Wür­de zu Gra­be zu tra­gen und nicht erneut ihr Geden­ken durch Debat­ten über mei­ne Per­son über­la­gern zu las­sen.

Was hat denn das in einer Rück­tritts­re­de wegen Hoch­sta­pe­lei zu suchen? Es dient nur der Beweih­räu­che­rung der eige­nen Per­son.

Ich habe wie jeder ande­re auch zu mei­nen Schwä­chen und Feh­lern zu ste­hen. Zu gro­ßen und klei­nen im poli­ti­schen Han­deln, bis hin zum Schrei­ben mei­ner Dok­tor­ar­beit. Und mir war immer wich­tig, die­se vor der Öffent­lich­keit nicht zu ver­ber­gen.

Das sagt jemand, der in sei­ner Dok­tor­ar­beit auf 70% der Sei­ten Pla­gia­te ver­wen­det und so demons­triert, wie man eige­ne Feh­ler vor der Öffent­lich­keit ver­tuscht: Die Gut­ten­berg­sche Dok­tor­ar­beit ist doch der Inbe­griff des­sen, was man unter einem Pla­gi­at ver­steht. In der Reu­e­un­wil­lig­keit eines Dan­dies nimmt Gut­ten­berg eine Kri­tik­be­frei­ung sei­nes Tuns in Anspruch, nur um im Abgang ein Lob­lied an sei­ne eige­ne mora­li­sche Ver­fas­sung zu sin­gen:

Ich war immer bereit, zu kämp­fen, aber ich habe die Gren­zen mei­ner Kräf­te erreicht.

Er hat sich hero­isch auf­ge­op­fert für die ande­ren und jetzt kann er nicht mehr. Welch ein Held. Die heis­se Luft, die er da von sich gibt, nennt er Kampf. Das ist der­sel­be Kampf, mit dem er letz­te Woche sei­ne Dok­tor­ar­beit ver­tei­digt hat. Aber inhalt­lich kam nichts. GAR NICHTS. Er hat ja noch nicht ein­mal erklärt, was er unter einem Feh­ler in sei­ner Dok­tor­ar­beit ver­steht. Er hat ja noch nicht ein­mal selbst im Blick, über wie­vie­le Tex­te sich sein Pla­gi­at erstreckt, wie­vie­le Tex­te des wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes des Bun­des­tags er ver­wurs­tet hat.

Aber dass ANDERE in die­ser Ange­le­gen­heit Feh­ler gemacht haben, das weiß er. Das kann er auch genau aus­le­gen und dar­über urtei­len:

Wenn aller­dings, wie in den letz­ten Wochen gesche­hen, die öffent­li­che und media­le Betrach­tung fast aus­schließ­lich auf die Per­son Gut­ten­berg und sei­ne Dis­ser­ta­ti­on statt bei­spiels­wei­se auf den Tod und die Ver­wun­dung von 13 Sol­da­ten abzielt, so fin­det eine dra­ma­ti­sche Ver­schie­bung der Auf­merk­sam­keit zulas­ten der mir Anver­trau­ten statt.

Man ver­geht sich an toten, deut­schen Sol­da­ten, wenn man Gut­ten­berg in sei­ner Glaub­wür­dig­keit und Mer­kel in ihrem wis­sen­schafts­feind­li­chen Fest­hal­ten an Gut­ten­berg angreift. Sach­kri­tik ist Instru­ment derer, die sich men­schen­ver­ach­tend auf die­je­ni­gen stür­zen, die das Volk liebt. So weit habe ich Gut­ten­berg ver­stan­den.

Die­se Groß­kot­zig­keit ist wirk­lich boden­los.

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