Denis Schecks Druckfrisch und Martin Walser

Ges­tern Abend zeig­te die ARD zum 10jährigen Jubi­lä­um eine extralan­ge Fol­ge der Lite­ra­tur­sen­de­rei­he Druck­frisch, in der Mar­tin Wal­ser nicht feh­len durf­te. Mar­tin Wal­ser ist Dau­er­gast in die­ser Sen­dung, er taucht öfters auf als jeder ande­re Schrift­stel­ler. Viel­leicht weil er jedes Jahr ein Buch schreibt und tat­säch­lich jedes zwei­te Buch in letz­ter Zeit es wert war, ihn ein­zu­la­den. Ich kann das nicht ein­schät­zen, Tod eines Kri­ti­kers war der letz­te Wal­ser, den ich las. Auch ich emp­fand die Schil­de­run­gen in die­sem Buch teils anti­se­mi­tisch. Zudem fand ich es lahm und unin­spi­rie­rend, unge­fähr so wie die Fern­seh­auf­trit­te Wal­sers.

In Druck­frisch wur­de die Kri­tik der anti­se­mi­ti­schen Dar­stel­lun­gen bei Wal­ser nie ange­spro­chen, auch wenn sie aktu­ell waren, auch wenn Wal­ser dau­ernd vor­bei schaut. Beim dies­ma­li­gen Auf­tau­chen Wal­sers in Druck­frisch gibt es auf der Inter­net­sei­te einen merk­wür­di­gen Begleit­text, in dem die Anti­se­mi­tis­mu­vor­wür­fe abge­han­delt wer­den:

Der Kon­flikt eska­lier­te noch ein­mal 1982, als Wal­ser den (Schlüssel-) Roman “Tod eines Kri­ti­kers” ver­öf­fent­lich­te, des­sen Vor­ab­druck die FAZ ver­wei­ger­te und der Wal­ser den nicht nach­weis­ba­ren Vor­wurf ein­brach­te, anti­se­mi­tisch zu sein.

Der Vor­wurf lau­te­te nicht, Wal­ser sei anti­se­mi­tisch, son­dern der Roman. Und dazu kann man sicher­lich einen Nach­weis füh­ren, was auch schon(s.u.) geschah. Aber wei­ter im Text:

Als er 1998 den “Frie­dens­preis des deut­schen Buch­han­dels” erhält, kri­ti­siert er in sei­ner Dan­kes­re­de die Instru­men­ta­li­sie­rung von Ausch­witz und stellt die The­se auf, dass die per­ma­nen­te The­ma­ti­sie­rung des Holo­caust eher das Weg­schau­en zur Fol­ge hät­te. Die erneu­te Anschul­di­gung des Anti­se­mi­tis­mus sowie die sehr hef­tig aus­ge­tra­ge­nen Debat­ten in der deut­schen Öffent­lich­keit wer­den erst nach einem gemein­sa­men Gespräch von Wal­ser mit Ignaz Bubis, dem Vor­sit­zen­den des Zen­tral­ra­tes der Juden in Deutsch­land, bei­ge­legt mit der Fest­stel­lung, dass für den Umgang mit der deut­schen Ver­gan­gen­heit noch kei­ne ange­mes­se­ne Spra­che gefun­den sei.

Von die­ser Bei­le­gung weiß man bei der Süd­deut­schen Zei­tung nichts:

Das Gespräch war damals ohne einen Abschluss been­det wor­den: Bubis hat­te zwar sei­nen Vor­wurf gegen­über Wal­ser, die­ser sei ein “Brand­stif­ter” des Anti­se­mi­tis­mus, zurück­ge­nom­men, aber wei­ter dar­auf insis­tiert, die Friedenspreis-Rede sei miss­ver­ständ­lich gewe­sen. Wal­ser hin­ge­gen hat­te dar­auf beharrt, völ­lig ein­deu­tig gespro­chen zu haben.

Es ist mir eigent­lich uner­klär­lich, wie der Faux pas um die fal­sche Jah­res­an­ga­be von Tod eines Kri­ti­kers ent­ste­hen konn­te. Schreibt hier Mode­ra­tor Denis Scheck, der Lesun­gen mit Wal­ser abhält? Oder irgend ein Prak­ti­kant? Es ist kein Ver­se­hen, dass Wal­sers Tod eines Kri­ti­kers um zwan­zig Jah­re ins Jahr 1982 ver­frach­tet wird – der Autor glaubt offen­bar wirk­lich an die­se Jah­res­zahl, denn er schreibt 1998 sei er erneut wegen anti­se­mi­ti­schen Anschul­di­gun­gen kri­ti­siert wor­den. Da scheint jemand kei­ne Ahnung zu haben, von dem, was er da schreibt.

Und die­ser jemand kennt wohl auch nicht die Stu­die, die sich mit den anti­se­mi­ti­schen Vor­komm­nis­sen in Wal­sers Werk beschäf­tigt. Elke Schmit­ter schreibt dazu:

In Wal­sers Werk aller­dings kann man lesen, dass die Abwehr von Trau­er und Mit­ge­fühl auch die Selbst­re­fle­xi­on nach­hal­tig schä­digt.

Offen­bar auch die Fremd­re­fle­xi­on.

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  • Von Ramsch-Titeln und Billig-Unis | Post von Horn Wie wol­len die Par­tei­en, der Bun­des­tag und die Bun­des­re­gie­rung sicher stel­len, dass Pla­gia­to­ren weder auf- noch ein­ge­stellt wer­den?
  • Lob­by­P­lag: Die Copy & Paste-Gesetzgeber aus Brüs­sel | G! gut­jahrs blog Gut­ten­berg, Koch-Mehrin, Scha­van… Doch was sind schon zusam­men­ko­pier­te Dis­ser­ta­tio­nen ver­gli­chen mit gan­zen Geset­zes­tex­ten, die nicht etwa aus der Feder von gewähl­ten Volks­ver­tre­tern stam­men, son­dern zu gro­ßen Tei­len von Multi-Milliarden-Dollar-Konzernen for­mu­liert wer­den. Geset­ze, die als Geschäfts­grund­la­ge für das Digi­tal­zeit­al­ter gel­ten und die das Leben von über 500 Mil­lio­nen EU-Bürgern betref­fen. Um Lobby-Gesetzen auf die Spur zu kom­men haben wir die Crowdsourcing-Plattform Lob­by­P­lag ins Leben geru­fen.
  • Scha­vans Kar­rie­re : Die Wei­ter­ent­wick­lung der Annet­te S. – Inland – FAZ Gegen die Kri­ti­ker der Bologna-Reform kämpf­te Frau Scha­van mit einer Hart­nä­ckig­keit, die an Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung grenz­te. Erst als die Stu­den­ten auf der Stra­ße demons­trier­ten, sprach sie von „Nach­bes­se­rungs­be­darf“ und wie­der ein­mal vom „Wei­ter­ent­wi­ckeln“, mahn­te auch, das Prin­zip „Bil­dung durch Wis­sen­schaft“ nicht zu kurz kom­men zu las­sen, das man­che Bologna-Studiengänge soeben besei­tigt hat­ten. Wäh­rend sich der Stu­di­en­all­tag in über­füll­ten Ver­an­stal­tun­gen immer wei­ter ver­schlech­ter­te, fei­er­te sie die Bologna-Reform als euro­päi­sche Erfolgs­ge­schich­te. Ihr Leit­pro­jekt war die Exzel­lenz­för­de­rung auf allen Ebe­nen. Die Fort­schrei­bung der mil­li­ar­den­schwe­ren Exzel­lenz­in­itia­ti­ve ihrer Vor­gän­ge­rin Bul­mahn, deren wich­tigs­te Refor­men der Über­prü­fung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht stand­hiel­ten, geht wesent­lich auf ihr Betrei­ben zurück und hat tie­fe Spu­ren in der Hoch­schul­land­schaft hin­ter­las­sen.
  • Fox News Acci­dent­al­ly Uses Pho­to of Same-Sex Coup­le to Illus­tra­te Arti­cle About the Impor­t­an­ce of Hete­ro­se­xu­al Mar­ria­ge
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Guten Morgen

Morgenkaffee

Als his­to­ri­sches Ereig­nis sei es fest­ge­hal­ten: Köni­gin Bea­trix tritt ab. Hof­fent­lich gibt’s lecker Mit­tag­essen zum Abschied.

John Ker­ry erzählt von sei­nen Kind­heits­er­in­ne­run­gen an die DDR.

Auch bei der Süd­deut­schen lässt man die Unschulds­ver­mu­tung hopps gehen und rät Rai­ner Brü­der­le zum Ein­ge­ständ­nis sei­ner Feh­ler.

Maris­sa May­er hat bei Yahoo den Umsatz erhöht und den Gewinn redu­ziert.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Ist für Yahoo ein Gewinn­rück­gang schon ein Erfolg? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

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Was den Bloggern Zitate der FAZ kosten

Ich habe ja schon ein­mal geschrie­ben, dass es ris­kant sein kann, ein­fach als Blog­ger wie Goog­le Kurz­zi­ta­te der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung zu ver­wen­den. Denn dort meint man, dass selbst Zita­te in einem recht­mä­ßi­gen Umfang ger­ne bezahlt wer­den sol­len. Was man dadurch auch sagt, ist: Jeder noch so klei­ne Satz der FAZ besitzt eine schüt­zens­wer­te Schöp­fungs­hö­he. Das bedeu­tet für Blog­ger, dass sie, wenn sie mal so eine kur­ze Inhalts­an­ga­be eines FAZ-Textes über­neh­men, so wie Goog­le das macht, sat­te 170 € an die Haus­zei­tung der Deut­schen Bank über­wei­sen sol­len.

Ja, und war­um soll man nach Aus­kunft der Zei­tung Zita­te die­ser Zei­tung für so viel Geld ver­wen­den? Schlicht jeder Text gewön­ne

an Akzep­tanz durch die­sen attrak­ti­ven Con­tent

Tja, was immer das genau heißt, in ver­ständ­li­chem Deutsch lässt es sich ein­fach nicht mehr aus­drü­cken, so modern ist das.

Also lie­ber Hän­de weg von der FAZ. Und wer eine Alter­na­ti­ve sucht, soll­te sich mal in die NZZ rein­le­sen.

Aktua­li­sie­rung 30.01.2012
Inzwi­schen ist die Dar­stel­lung auf der Sei­te der FAZ so, dass unter einem zu bezah­len­den Text ein Drit­tel eines Gesamt­tex­tes ver­stan­den wird, der im Zusam­men­hang zitiert wird. Somit sind Kurz­zi­ta­te auch in der Dar­stel­lung der FAZ okay, wenn auch die­se Dar­stel­lung stark nach juris­ti­schem Schnick­schnack klingt.

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Was ich noch sagen wollte… zum Linkverbitten von SZ und FAZ

Die Süd­deut­sche Zei­tung und die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung haben die Betrei­ber der Sei­te Commentarist.de abge­mahnt, so dass die Sei­te ihren bis­he­ri­gen Betrieb ein­ge­stellt hat. Die Sei­te hat­te Kurz­aus­zü­ge von ver­link­ten Zei­tungs­bei­trä­gen aus dem Inter­net zusam­men­ge­stellt. Das ist in etwa das­sel­be, was Goog­le News macht oder was Deli­cious anbie­tet, nur dass die­se Sei­ten nicht ver­klagt wer­den. Und dann gibt man noch nicht ein­mal zu, dass man abge­mahnt hat.

Nun kann man es sicher­lich so sehen, dass mit dem Com­men­ta­rist ein Ange­bot abge­mahnt wor­den ist, des­sen Haupt­au­gen­merk dar­auf lag, frem­de Arti­kel zusam­men­ge­stellt zu ver­lin­ken. Inso­fern han­delt es sich bei die­ser Sei­te viel­leicht um eine spe­zi­el­le Pro­ble­ma­tik.

commentaristsz

Aber weiss man’s? Wie darf man denn Arti­kel der Süd­deut­schen und der Frank­fur­ter Zei­tung in deren Augen gera­de noch ver­lin­ken? Darf man noch zitie­ren? Gilt das­sel­be für ihre Blog­an­ge­bo­te? Darf man noch Über­schrif­ten twit­tern ohne in Abmahn­ge­fahr zu gera­ten?

Ich jeden­falls habe diver­se Ver­lin­kun­gen aus die­sem Blog ent­fernt, die womög­lich Arti­kel von FAZ und SZ unzu­rei­chend ver­frem­det ver­linkt hat­ten. Dann doch lie­ber zur Sicher­heit gar kei­ne Ver­lin­kung. Und ande­re Zei­tun­gen haben auch schö­ne Arti­kel.

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Guten Morgen

morgenkaffee

Tho­mas Har­lan ist gestor­ben. Am bes­ten schaut man sich die­ses Video über ihn irgend­wann noch­mal an.

Poli­zis­ten, die bei den Poli­zei­aus­schrei­tun­gen zu Stutt­gart 21 dabei gewe­sen sind, erhe­ben schwe­re Vor­wür­fe gegen die Poli­tik: Sie sei­en ver­heizt wor­den und Poli­tik habe auf das Gesche­hen unab­hän­gig von der Gefah­ren­la­ge Ein­fluss genom­men. Zudem sei es auch der Fall, dass Poli­zis­ten selbst Stei­ne auf Poli­zis­ten schmis­sen, um Räu­mun­gen ein­zu­lei­ten.

Bei Ste­fan Nig­ge­mei­er haben Mit­ar­bei­ter von Kon­stan­tin Neven DuMont mit sei­ner E-Mail-Adresse diver­se Kom­men­ta­re unter diver­sen Pseudo­na­men ver­öf­fent­licht. Oder war es doch der Ver­le­ger­sproß selbst?

Nach mir macht sich auch Tho­mas Knüwer Sor­ge um die Qua­li­tät der FAZ: Abschrei­ben mit der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: War­um kom­men­tiert man denn mit anony­mem Nick und nicht­an­ony­mer Mail­adres­se? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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FAZ bei Tatort Internet auf Bildzeitungsniveau

Natür­lich ist Kin­des­miss­brauch ein Ver­bre­chen. Natür­lich kann man dar­über strei­ten, inwie­weit die Geset­zes­la­ge der­ar­ti­ge Ver­bre­chen genü­gend unter Stra­fe stellt. Aber dass bei die­sem The­ma emo­tio­nal ange­fix­te Per­so­nen der Sache nach ratio­na­le Erwä­gun­gen ohne wei­te­res über den Hau­fen schmeis­sen, um ihren ange­sta­chel­ten Emo­tio­nen frei­en Lauf zu las­sen, das ist bemer­kens­wert. In der FAZ geht das im Arti­kel von Chris­ti­an Gey­er so:

Die Mate­rie, die bei den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den unter dem ver­nied­li­chen­den Namen „Cyber Groo­m­ing“ läuft, ist zu wider­lich, um sich wirk­lich mit ihr beschäf­ti­gen zu wol­len. Es ist jedoch genau die­ser Wider­wil­le, der den Tätern hilft, leich­te Beu­te zu machen. Des­halb hat der Pran­ger­ef­fekt, auf dem „Tat­ort Inter­net“ beruht, nichts Obszö­nes. Die Täter las­sen einem kei­ne Wahl.

Was sich hier wie die Ein­lei­tung in einen ame­ri­ka­ni­schen Rache-Baller-Film ist die Ana­ly­se einer der bedeu­tends­ten Tages­zei­tun­gen Deutsch­lands zur RTL2-Sendung Tat­ort Inter­net. Für wen Taten, die man für Ver­bre­chen befin­det, nicht geahn­det wer­den, dem bleibt ja immer noch die Selbst­jus­tiz: Die Täter las­sen einem ja kei­ne Wahl.

Natür­lich las­sen die Täter eine Wahl: Eltern kön­nen den Inter­net­ge­brauch ihrer Kin­der beob­ach­ten, Web­cams nur ein­ge­schränkt an Kin­der abge­ben. Wäre das Argu­ment Die Täter las­sen einem ja kei­ne Wahl rich­tig, könn­te man wenig dage­gen sagen. Des­we­gen ist es ja so beknackt, es so unre­flek­tiert in einem Text fal­len zu las­sen. Als Höhe- und End­punkt die­ses Arti­kels, der Moral der Geschich­te.

Was die­se Her­an­ge­hens­wei­se nur zeigt: Der­ar­tig sit­ten­wid­ri­ge Ver­bre­chen soll­ten von Per­so­nen behan­delt wer­den, die in der Lage sind, unter Abs­trak­ti­on per­sön­li­cher Betrof­fen­heit mit dem The­ma umzu­ge­hen. Ich weiss nicht, wie lan­ge so etwas geht, es soll aber auch kei­ne Lebens­auf­ga­be sein. Viel­leicht soll­te dies auch mit mehr Auf­merk­sam­keit ver­folgt wer­den. Denn dass die­ses The­ma in Deutsch­land in die­ser Schmud­del­ecke des Fern­se­hens gelan­det ist, ist schlimm genug:

tatortinternet

Da meint der einst von Schill ernann­te Ex-Polizeipräsident Ham­burgs und Hob­by­mo­de­ra­tor die­ser Kra­wall­bürs­ten­show, dass es bedau­er­lich sei, dass das LKA in einem Fall, in dem ein 35jähriger Leh­rer eine 18jährige Schau­spie­le­rin trifft, nichts unter­nom­men hat. Dass das LKA sich einem Rechts­sys­tem gegen­über zu ver­ant­wor­ten hat und nicht Hollywood-like wie in Mino­ri­ty Report Per­so­nen vor Bege­hen eines Ver­bre­chens ankla­gen kann, das will bei RTL2 nie­mand auf dem Schirm haben. Auch Frau Gut­ten­berg wohl nicht. Im Gegen­teil: Sie iden­ti­fi­ziert sich mit die­sem Niveau. Nur um noch­mal zu sagen, wel­ches Niveau wir da haben: RTL2 fin­det es anstö­ßig, wenn Erwach­se­ne Kin­dern Bil­dern mit eroi­gier­ten Penis­sen schi­cken, hält es ansons­ten für sen­dens­wert, Müt­ter mit ihren 13jährigen Töch­tern vor der Kame­ra eri­gier­te Penis­se model­lie­ren zu las­sen.

It’s fun. Es ist Unter­hal­tung. Des­we­gen ver­wen­det man bei Tat­ort Inter­net die Spre­cher, die auch in Akten­zei­chen XY und Spiel­fil­men vor­kom­men. Des­we­gen die auf­grund feh­len­der Tat­sa­chen­be­le­ge spe­ku­la­ti­ven Erör­te­run­gen, die nur dem Reiz des Zuschau­es nach Ver­bre­chens­auf­klä­rung die­nen. Des­we­gen der per­ma­nen­te mora­li­sche Zei­ge­fin­ger, der die eige­ne Posi­ti­on in die­ser alber­nen Pos­se recht­fer­tigt.

Es ist dem The­ma aber schlicht nicht dien­lich, es mit Unter­hal­tungs­ef­fek­ten als Unter­hal­tung zu prä­sen­tie­ren. Das geht offen­bar in eini­ge Köp­fe nicht rein.

mehr: Schalt­zen­tra­le — Media­ler Miss­brauch

Aktua­li­sie­rung:
Völ­lig dis­qua­li­fi­ziert sich der STERN bei die­sem The­ma, das er selbst anhei­zen woll­te und Redak­teu­re wie Ger­not Kram­per dann sol­che Sät­ze for­mu­lie­ren lässt:

Die­se RTL2-Sendung war wohl­tu­end unvoy­eu­ris­tisch auf­ge­baut.

SCHNÖFF TÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!
Eine Sen­dung, bei der per­ma­nent als Mit­tel die unsicht­ba­re Kame­ra im Hin­ter­grund ein­ge­setzt wird, um angeb­li­che Ver­bre­cher, denen man kei­ne Straf­tat nach­wei­sen kann, heim­lich auf­zu­neh­men, ist für den Zuschau­er zwangs­läu­fig voy­eu­ris­tisch.

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Krethi und Plethi bei der FAZ

krethi

Die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung nährt wie­der die Unter­stel­lung, ihr lin­kes Feuil­le­ton sei eigent­lich nur dazu da, den rechts­kon­ser­va­ti­ven Wirt­schafts­teil im Auge des Lesers abzu­schwä­chen.

In einem größ­ten­teils aus­ge­gli­che­nen, aber in Kern­sät­zen doch erschre­ckend alt­ba­cke­nen Arti­kel hat Mela­nie Amann die “Bachelor-Sklaven” ins Visier genom­men. Die unter­schwel­li­ge Annah­me ist, dass man sich in Zei­ten von Mas­sen­uni­ver­si­tä­ten vom Begriff der Uni­ver­si­tät tren­nen muss und nur noch Hoch­schu­len vor­fin­det, den Schwer­punkt auf Schu­le.

Gestützt wer­de trotz aller Stu­den­ten­kri­tik die­se Ana­ly­se durch Mei­nungs­um­fra­gen, nach denen die Stu­die­ren­den der­zeit glück­li­cher(!) sei­en als frü­her, Stu­di­en­gän­ge weni­ger abge­bro­chen wür­den, die Stu­die­ren­den durch die Modu­la­ti­sie­rung mehr Halt hät­ten und Zie­le und Sinn der Leh­rein­hei­ten bes­ser nach­voll­zö­gen.

Kurz­um: Eigent­lich fin­den wir ein Schla­raf­fen­land an Hoch­schu­len vor, die Bachelor-Studenten sind nur schlicht zu blöd, die schö­ne neue Welt zu begrei­fen.

Begrei­fen kann man sie aber auch nur, wenn man völ­lig aus­blen­det, dass die Ver­wirt­schaft­li­chung der Stu­di­en­gän­ge die Stu­die­ren­den aus pri­vat­wirt­schaft­li­chen Grün­den davon abhält, sich selbst in der Uni-Landschaft zu ori­en­tie­ren, dass Leh­ren­de oft­mals so völ­lig über­las­tet sind, dass frag­lich ist, inwie­fern sie und ihre Leh­re über­haupt Halt, Ori­en­tie­rung und Zie­le bie­ten kann. Und der Umstand, dass hier ernst­haft ein­ge­wor­fen wird, das Stu­di­um mache inzwi­schen glück­li­cher als frü­her, greift die Ernst­haf­tig­keit die­ses Arti­kels an.

Und so schliesst die­ser Arti­kel mit der wei­sen For­mel, dass zwar die Stu­den­ten nicht in jedem Fall, aber gene­rell deut­lich zufrie­de­ner sei­en. Das “sagen die For­scher”. Die Glücks­for­scher des Schla­raf­fen­lan­des eben. Man soll­te nur hin­zu­fü­gen: Was gene­rell gilt, gilt eben auch für den Ein­zel­fall, eben weil es gene­rell gilt. Schla­raf­fen­land hin oder her.

Natür­lich gibt es Papp­köp­pe unter den demons­tie­ren­den Bachelor-Studenten. Deren mit­un­ter unan­ge­brach­tes Ver­hal­ten und deren Ansich­ten lösen aber die Argu­men­te, von denen Frau Amann völ­lig absieht, falls sie sie über­haupt kennt, und die kri­ti­sier­ten Stu­di­en­zu­stän­de nicht in Luft auf. Abge­se­hen davon sehe ich gar nicht ein, wes­we­gen nach Frau Amann die Uni­ver­si­tät heut­zu­ta­ge nur durch Beschu­lung mit ihren Stu­die­ren­den klar kom­men kann.

Ohne die­se Vor­ein­ge­nom­men­hei­ten gegen­über dum­men Bachelor-Studenten und der Uni­ver­si­tät als Beschu­lungs­an­stalt ist der Text doch eigent­lich nur bes­ser­wis­se­risch und der Sache nach nichts­sa­gend. Aber wes’ Brot ich eß, des’ Lied ich sing.

***
Belus­ti­gend ist in die­sem Zusam­men­hang auch die Aus­sa­ge von Mar­gret Win­ter­man­tel: Es bewe­ge sich schon etwas an den Uni­ver­si­tä­ten, die Stu­die­ren­den sei­en nur äußerst unge­dul­dig.

Die Stu­die­ren­den sehen seit Anbe­ginn des Bache­lors, d.h. seit über 8 Jah­ren, den seit Anbe­ginn bestehen­den Bele­bungs­maß­nah­men der Tot­ge­burt Bache­lor durch die Uni­ver­si­täts­ver­ant­wort­li­chen zu. Her­aus­ge­kom­men ist über­all ein Flick­werk, dass es mit der Qua­li­tät der vor­he­ri­gen Aus­bil­dung nie auf­neh­men konn­te. Durch­ge­führt wer­den soll­te es mit Per­so­nen, bei denen nie unter­sucht wur­de, wie gut die­se die Ver­än­de­run­gen, die nur am Schreib­tisch gebo­ren wur­den, umset­zen kön­nen.

Ange­sichts die­ses heil­lo­sen Durch­ein­an­ders auf Kos­ten der All­ge­mein­heit, das immer nur dem Ziel hin­ter­her­hä­chel­te, dass die Uni­ver­si­tä­ten es irgend­wann finan­zi­ell und qua­li­ta­tiv mit den ame­ri­ka­ni­schen auf­neh­men könn­ten, sind die Stu­den­ten ver­hält­nis­mä­ßig reser­viert gewe­sen.

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