Was ich noch sagen wollte… zum Linkverbitten von SZ und FAZ

Die Süd­deutsche Zeitung und die Frank­furter All­ge­meine Zeitung haben die Betreiber der Seite Commentarist.de abgemah­nt, so dass die Seite ihren bish­eri­gen Betrieb eingestellt hat. Die Seite hat­te Kurzauszüge von ver­link­ten Zeitungs­beiträ­gen aus dem Inter­net zusam­mengestellt. Das ist in etwa das­selbe, was Google News macht oder was Deli­cious anbi­etet, nur dass diese Seit­en nicht verk­lagt wer­den. Und dann gibt man noch nicht ein­mal zu, dass man abgemah­nt hat.

Nun kann man es sicher­lich so sehen, dass mit dem Com­men­tarist ein Ange­bot abgemah­nt wor­den ist, dessen Haup­tau­gen­merk darauf lag, fremde Artikel zusam­mengestellt zu ver­linken. Insofern han­delt es sich bei dieser Seite vielle­icht um eine spezielle Prob­lematik.

commentaristsz

Aber weiss man’s? Wie darf man denn Artikel der Süd­deutschen und der Frank­furter Zeitung in deren Augen ger­ade noch ver­linken? Darf man noch zitieren? Gilt das­selbe für ihre Blo­gange­bote? Darf man noch Über­schriften twit­tern ohne in Abmah­nge­fahr zu ger­at­en?

Ich jeden­falls habe diverse Ver­linkun­gen aus diesem Blog ent­fer­nt, die wom­öglich Artikel von FAZ und SZ unzure­ichend ver­fremdet ver­linkt hat­ten. Dann doch lieber zur Sicher­heit gar keine Ver­linkung. Und andere Zeitun­gen haben auch schöne Artikel.

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Guten Morgen

morgenkaffee

Thomas Har­lan ist gestor­ben. Am besten schaut man sich dieses Video über ihn irgend­wann nochmal an.

Polizis­ten, die bei den Polizeiauss­chre­itun­gen zu Stuttgart 21 dabei gewe­sen sind, erheben schwere Vor­würfe gegen die Poli­tik: Sie seien ver­heizt wor­den und Poli­tik habe auf das Geschehen unab­hängig von der Gefahren­lage Ein­fluss genom­men. Zudem sei es auch der Fall, dass Polizis­ten selb­st Steine auf Polizis­ten schmis­sen, um Räu­mungen einzuleit­en.

Bei Ste­fan Nigge­meier haben Mitar­beit­er von Kon­stan­tin Neven DuMont mit sein­er E-Mail-Adresse diverse Kom­mentare unter diversen Pseudon­a­men veröf­fentlicht. Oder war es doch der Ver­legersproß selb­st?

Nach mir macht sich auch Thomas Knüw­er Sorge um die Qual­ität der FAZ: Abschreiben mit der Frank­furter All­ge­meinen Son­ntagszeitung.

Und während ich mir die Frage stelle: Warum kom­men­tiert man denn mit anonymem Nick und nich­tanonymer Mailadresse? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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FAZ bei Tatort Internet auf Bildzeitungsniveau

Natür­lich ist Kindesmiss­brauch ein Ver­brechen. Natür­lich kann man darüber stre­it­en, inwieweit die Geset­zes­lage der­ar­tige Ver­brechen genü­gend unter Strafe stellt. Aber dass bei diesem The­ma emo­tion­al ange­fixte Per­so­n­en der Sache nach ratio­nale Erwä­gun­gen ohne weit­eres über den Haufen schmeis­sen, um ihren anges­tachel­ten Emo­tio­nen freien Lauf zu lassen, das ist bemerkenswert. In der FAZ geht das im Artikel von Chris­t­ian Gey­er so:

Die Materie, die bei den Strafver­fol­gungs­be­hör­den unter dem verniedlichen­den Namen „Cyber Groom­ing“ läuft, ist zu wider­lich, um sich wirk­lich mit ihr beschäfti­gen zu wollen. Es ist jedoch genau dieser Wider­wille, der den Tätern hil­ft, leichte Beute zu machen. Deshalb hat der Pran­ger­ef­fekt, auf dem „Tatort Inter­net“ beruht, nichts Obszönes. Die Täter lassen einem keine Wahl.

Was sich hier wie die Ein­leitung in einen amerikanis­chen Rache-Baller-Film ist die Analyse ein­er der bedeu­tend­sten Tageszeitun­gen Deutsch­lands zur RTL2-Sendung Tatort Inter­net. Für wen Tat­en, die man für Ver­brechen befind­et, nicht geah­n­det wer­den, dem bleibt ja immer noch die Selb­stjus­tiz: Die Täter lassen einem ja keine Wahl.

Natür­lich lassen die Täter eine Wahl: Eltern kön­nen den Inter­net­ge­brauch ihrer Kinder beobacht­en, Web­cams nur eingeschränkt an Kinder abgeben. Wäre das Argu­ment Die Täter lassen einem ja keine Wahl richtig, kön­nte man wenig dage­gen sagen. Deswe­gen ist es ja so bek­nackt, es so unre­flek­tiert in einem Text fall­en zu lassen. Als Höhe- und End­punkt dieses Artikels, der Moral der Geschichte.

Was diese Herange­hensweise nur zeigt: Der­ar­tig sit­ten­widrige Ver­brechen soll­ten von Per­so­n­en behan­delt wer­den, die in der Lage sind, unter Abstrak­tion per­sön­lich­er Betrof­fen­heit mit dem The­ma umzuge­hen. Ich weiss nicht, wie lange so etwas geht, es soll aber auch keine Leben­sauf­gabe sein. Vielle­icht sollte dies auch mit mehr Aufmerk­samkeit ver­fol­gt wer­den. Denn dass dieses The­ma in Deutsch­land in dieser Schmud­d­elecke des Fernse­hens gelandet ist, ist schlimm genug:

tatortinternet

Da meint der einst von Schill ernan­nte Ex-Polizeipräsi­dent Ham­burgs und Hob­by­mod­er­a­tor dieser Krawall­bürsten­show, dass es bedauer­lich sei, dass das LKA in einem Fall, in dem ein 35jähriger Lehrer eine 18jährige Schaus­pielerin trifft, nichts unter­nom­men hat. Dass das LKA sich einem Rechtssys­tem gegenüber zu ver­ant­worten hat und nicht Hol­ly­wood-like wie in Minor­i­ty Report Per­so­n­en vor Bege­hen eines Ver­brechens ankla­gen kann, das will bei RTL2 nie­mand auf dem Schirm haben. Auch Frau Gut­ten­berg wohl nicht. Im Gegen­teil: Sie iden­ti­fiziert sich mit diesem Niveau. Nur um nochmal zu sagen, welch­es Niveau wir da haben: RTL2 find­et es anstößig, wenn Erwach­sene Kindern Bildern mit eroigierten Penis­sen schick­en, hält es anson­sten für sendenswert, Müt­ter mit ihren 13jährigen Töchtern vor der Kam­era erigierte Penisse mod­el­lieren zu lassen.

It’s fun. Es ist Unter­hal­tung. Deswe­gen ver­wen­det man bei Tatort Inter­net die Sprech­er, die auch in Akten­ze­ichen XY und Spielfil­men vorkom­men. Deswe­gen die auf­grund fehlen­der Tat­sachen­belege speku­la­tiv­en Erörterun­gen, die nur dem Reiz des Zuschaues nach Ver­brechen­saufk­lärung dienen. Deswe­gen der per­ma­nente moralis­che Zeigefin­ger, der die eigene Posi­tion in dieser alber­nen Posse recht­fer­tigt.

Es ist dem The­ma aber schlicht nicht dien­lich, es mit Unter­hal­tungsef­fek­ten als Unter­hal­tung zu präsen­tieren. Das geht offen­bar in einige Köpfe nicht rein.

mehr: Schaltzen­trale — Medi­aler Miss­brauch

Aktu­al­isierung:
Völ­lig dis­qual­i­fiziert sich der STERN bei diesem The­ma, das er selb­st anheizen wollte und Redak­teure wie Ger­not Kram­per dann solche Sätze for­mulieren lässt:

Diese RTL2-Sendung war wohltuend unvoyeuris­tisch aufge­baut.

SCHNÖFF TÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!
Eine Sendung, bei der per­ma­nent als Mit­tel die unsicht­bare Kam­era im Hin­ter­grund einge­set­zt wird, um ange­bliche Ver­brech­er, denen man keine Straftat nach­weisen kann, heim­lich aufzunehmen, ist für den Zuschauer zwangsläu­fig voyeuris­tisch.

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Krethi und Plethi bei der FAZ

krethi
Die Frank­furter All­ge­meine Zeitung nährt wieder die Unter­stel­lung, ihr linkes Feuil­leton sei eigentlich nur dazu da, den recht­skon­ser­v­a­tiv­en Wirtschaft­steil im Auge des Lesers abzuschwächen.
In einem größ­ten­teils aus­geglich­enen, aber in Kern­sätzen doch erschreck­end alt­back­e­nen Artikel hat Melanie Amann die “Bach­e­lor-Sklaven” ins Visi­er genom­men. Die unter­schwellige Annahme ist, dass man sich in Zeit­en von Masse­nuni­ver­sitäten vom Begriff der Uni­ver­sität tren­nen muss und nur noch Hochschulen vorfind­et, den Schw­er­punkt auf Schule.
Gestützt werde trotz aller Stu­den­tenkri­tik diese Analyse durch Mei­n­ung­sum­fra­gen, nach denen die Studieren­den derzeit glück­lich­er(!) seien als früher, Stu­di­engänge weniger abge­brochen wür­den, die Studieren­den durch die Mod­u­latisierung mehr Halt hät­ten und Ziele und Sinn der Lehrein­heit­en bess­er nachvol­lzö­gen.
Kurzum: Eigentlich find­en wir ein Schlaraf­fen­land an Hochschulen vor, die Bach­e­lor-Stu­den­ten sind nur schlicht zu blöd, die schöne neue Welt zu begreifen.
Begreifen kann man sie aber auch nur, wenn man völ­lig aus­blendet, dass die Ver­wirtschaftlichung der Stu­di­engänge die Studieren­den aus pri­vatwirtschaftlichen Grün­den davon abhält, sich selb­st in der Uni-Land­schaft zu ori­en­tieren, dass Lehrende oft­mals so völ­lig über­lastet sind, dass fraglich ist, inwiefern sie und ihre Lehre über­haupt Halt, Ori­en­tierung und Ziele bieten kann. Und der Umstand, dass hier ern­sthaft einge­wor­fen wird, das Studi­um mache inzwis­chen glück­lich­er als früher, greift die Ern­sthaftigkeit dieses Artikels an.
Und so schliesst dieser Artikel mit der weisen Formel, dass zwar die Stu­den­ten nicht in jedem Fall, aber generell deut­lich zufrieden­er seien. Das “sagen die Forsch­er”. Die Glücks­forsch­er des Schlaraf­fen­lan­des eben. Man sollte nur hinzufü­gen: Was generell gilt, gilt eben auch für den Einzelfall, eben weil es generell gilt. Schlaraf­fen­land hin oder her.
Natür­lich gibt es Papp­köppe unter den demon­stieren­den Bach­e­lor-Stu­den­ten. Deren mitunter unange­bracht­es Ver­hal­ten und deren Ansicht­en lösen aber die Argu­mente, von denen Frau Amann völ­lig absieht, falls sie sie über­haupt ken­nt, und die kri­tisierten Stu­dien­zustände nicht in Luft auf. Abge­se­hen davon sehe ich gar nicht ein, weswe­gen nach Frau Amann die Uni­ver­sität heutzu­tage nur durch Beschu­lung mit ihren Studieren­den klar kom­men kann.
Ohne diese Vor­ein­genom­men­heit­en gegenüber dum­men Bach­e­lor-Stu­den­ten und der Uni­ver­sität als Beschu­lungsanstalt ist der Text doch eigentlich nur besser­wis­serisch und der Sache nach nichtssagend. Aber wes’ Brot ich eß, des’ Lied ich sing.
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Belusti­gend ist in diesem Zusam­men­hang auch die Aus­sage von Mar­gret Win­ter­man­tel: Es bewege sich schon etwas an den Uni­ver­sitäten, die Studieren­den seien nur äußerst ungeduldig.
Die Studieren­den sehen seit Anbe­ginn des Bach­e­lors, d.h. seit über 8 Jahren, den seit Anbe­ginn beste­hen­den Bele­bungs­maß­nah­men der Tot­ge­burt Bach­e­lor durch die Uni­ver­sitätsver­ant­wortlichen zu. Her­aus­gekom­men ist über­all ein Flick­w­erk, dass es mit der Qual­ität der vorheri­gen Aus­bil­dung nie aufnehmen kon­nte. Durchge­führt wer­den sollte es mit Per­so­n­en, bei denen nie unter­sucht wurde, wie gut diese die Verän­derun­gen, die nur am Schreibtisch geboren wur­den, umset­zen kön­nen.
Angesichts dieses heil­losen Durcheinan­ders auf Kosten der All­ge­mein­heit, das immer nur dem Ziel hin­ter­her­hächelte, dass die Uni­ver­sitäten es irgend­wann finanziell und qual­i­ta­tiv mit den amerikanis­chen aufnehmen kön­nten, sind die Stu­den­ten ver­hält­nis­mäßig reserviert gewe­sen.

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