Der ganz normale Antisemitismus auf Facebook

Ich habe mich 2010 schon mal über den auf Face­book gras­sie­ren­den Anti­se­mi­tis­mus gewun­dert. Nun habe ich noch mal nach­ge­schaut, geän­dert hat sich nichts:

Lazar Gavrilo­vic’ Bemer­kung Fickt euch, ihr Juden ist wohl stink­nor­ma­ler Slang. Gola­ku­lus Alex­an­der Jürgen-Peter Weber kopiert ein­fach irgend­wel­chen Youtube-Antisemitismus in sein Pro­fil. Safak Uyar reicht ein Ver­schwö­rungs­theo­rie­vie­do zum 11. Sep­tem­ber 2001 für ein scheiss juden. Ein Nut­zer namens Ahmed El-king hin­ter­lässt das Gedicht Advent, Advent, ein Jude brennt. Ragh­da Abdel All gefällt das. Ein Nut­zer namens Bur­han La Fami­lia meint:

Ich bin Tür­ke , und ver­flu­che das Juden­tum auch !
Der Holo­caust wur­de von juden gefälscht damit der zio­nis­ti­sche ter­ror­staat isra­el gebo­ren wer­den kann !!

Der Hou­se­meis­ter Tobi meint zur Nie­der­la­ge des VfB Stutt­gart gegen Bay­ern Mün­chen:

Scheiss pack ey…ohne schi­ri hat­tet ihr kei­ne chance…zigeuner…verfluchtes bay­ern pack auch juden genannt…tot und hass dem fcb

Nick Zem­ke sagt

geht alle in den arsch ihr juden

Mar­tin Vogel meint man sol­le Juden statt Tie­re auf­hän­gen.

Tom Peter­sen warnt

die­se juden kind wenn ich dich in die fin­ger bekom­me den ist mal lachen ange­sagt ob du den noch mal wie­der lachen kannst wenn ich mit dir fer­tig bin

Kevin Wie­se ist ent­las­sen wor­den und reagiert so

ein­fach alles kaputtschlagen.…..scheiss juden RIW.

In ande­ren Netz­wer­ken geht man gegen sowas vor, nicht bei Face­book.

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Vom Gesichtsbuch zum Spitzelbuch

Das ist natür­lich super: Face­book will künf­tig unter dem Namen eines Benut­zers nicht nur das ver­öf­fent­li­chen, was die­ser sel­ber irgend­wo anklickt, son­dern auch irgend­et­was, das man dem Nut­zer zuschreibt. Sofern man auch nicht per­ma­nent Facebook-Cookies löscht, wer­den auch dann Nut­zer­da­ten zu Face­book geschickt, wenn der jewei­li­ge Nut­zer gar nicht auf der Facebook-Seite ein­ge­loggt ist.

So lang­sam könn­ten Leu­te, die noch über Über­wa­chungs­er­fah­run­gen aus der DDR ver­fü­gen, echt mal erläu­tern, wie man sich in einem Spit­zel­sys­tem so ori­en­tiert. Mir reicht’s. Face­book bekommt einen eige­nen Facebook-Browser, in dem kei­ne ande­re Sei­te ange­surft wird. Mag sein, dass das wenig hilft, aber für jede Infor­ma­ti­on über mich, die Face­book so nicht bekommt, ist es das wert.

Ps.: Und, wenn ich schon mal dabei bin: Goog­le wird gegen Ixquick getauscht. Reicht für die Suchen, die ich mache. Zur Not gibt es auch noch Scroog­le für die Google-Ergebnisse.

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Warum Facebook die Luft ausgeht

Es gab mal im eng­li­schen Sprach­raum eine sehr hüb­sche Sei­te. Benut­zer konn­ten auf der Sei­te den Zeit­punkt bezeich­nen, an dem eine bestimm­te Fern­seh­se­rie ihren Zenit über­schrit­ten hat­te. Jum­ping over the shark heißt das im Eng­li­schen.
Das glei­che pas­siert gera­de mit Face­book, wie mir scheint. Anfangs war Face­book eine Ant­wort auf den Infor­ma­ti­ons­über­fluss, der den Benut­zern durch das Inter­net ent­ge­gen­kommt: Man hat­te eine begrenz­te Anzahl ver­netz­ter Nut­zer, die in Grup­pen Infor­ma­tio­nen aus­tau­schen konn­te. Die­se Stra­te­gie hat­te schon in den 90ern gefruch­tet und wur­de in ihrer aktua­li­sier­ten Form zu einem Ren­ner.
Aber Face­book stellt kei­ne eige­nen Inhal­te her und ist auf die Krea­ti­vi­tät ihrer Nut­zer ange­wie­sen. Der Aus­stoß davon aber sta­gniert und geht zurück: Der Infor­ma­ti­ons­aus­tausch, die Dis­kus­si­on über Grup­pen ist so tot wie bei Stu­di­VZ. Man steht vor dem­sel­ben Über­an­ge­bot von Baga­tell­in­for­ma­tio­nen, des­sen Absti­nenz Face­book einst so inter­es­sant mach­te. Das ist zumin­dest der Ein­druck, den ich gera­de habe. In mei­ner Time­li­ne sind oft­mals die­sel­ben Leu­te, die den­sel­ben lang­wei­li­gen Kram abson­dern.
Dage­gen kann man nicht anpro­gram­mie­ren, den­ke ich. Erst ver­ab­schie­den sich die krea­ti­ven Köp­fe, die Face­book eher als stö­rend denn als hilf­reich erach­ten, dann die Mar­ke­ting­men­schen, und wer immer da noch über­bleibt, er wird Face­book nicht wie­der­er­hy­pen kön­nen.
Das klingt sicher­lich etwas defäi­tis­tisch, aber das nächs­te gro­ße Ding wird kom­men, kei­ne Sor­ge.

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Guten Morgen

morgenkaffee

In Ita­li­en kann die Poli­zei ohne rich­ter­li­che Zustim­mung Facebook-Profile durch­schnüf­feln. Das berich­tet L’espresso in ihrer vor­gest­ri­gen Aus­ga­be, hier in deut­scher Google-Übersetzung. Die ita­lie­ni­sche Regie­rung habe hier­zu mit Face­book eine ent­spre­chen­de Über­ein­kunft getrof­fen. [via]

Hans Paul Nosko küm­mert sich in der Wie­ner Zei­tung mal um die Phi­lo­so­phie eines Bus­fah­rers.

Sati­re ist momen­tan in Deutsch­land wie­der augen­fäl­lig: WDR-Mitarbeiter per­si­flie­ren die haus­ei­ge­ne WDR-Print mit einer eige­nen Aus­ga­be, die mit dem irri­gen Gedan­ken spielt, beim WDR kön­ne man in Zukunft Pro­gramm unab­hän­gig von Quo­te und abhän­gig von Qua­li­tät machen. Die Tita­nic dage­gen warnt vor ade­li­gen Sexu­al­ver­bre­chen.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Wann klop­fen wohl deut­sche Behör­den an Face­books Tür? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

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