Klolektüre #33: Ildikó von Kürthy — Alt genug

Denis Scheck nennt Ildi­kó von Kür­thys Buch „Nach­rich­ten aus der Schnat­ter­zo­ne der Damen­toi­let­te auf einer Hoch­zeit“. Das klingt ver­hei­ßungs­voll!

Und Kür­thy kon­tert:

Herz­lich will­kom­men auf der Damen­toi­let­te, lie­ber Denis! Wärst du so lieb, mir etwas Toi­let­ten­pa­pier unter der Tür hin­durch­zu­schie­ben? Hast du einen Kamm dabei? Ich müss­te mir den Haar­an­satz nach­tou­pie­ren. Du, Denis, dein Ober­teil steht dir super, wo hast du das her? Denis, sag, was ist mit dir? Du siehst trau­rig aus, komm, lass uns kurz auf den Toi­let­ten­de­ckel set­zen. Wenn wir etwas zusam­men­rü­cken, pas­sen wir bei­de drauf. Was bedrückt dich?

Von Kür­thys Abrech­nung mit der eige­nen Jugend und dem Druck, dem sie sich aus­ge­setzt sah und selbst aus­setz­te, ist kei­ne gro­ße Lite­ra­tur, aber eben befrei­end und Bal­sam für die Ziel­grup­pe der Frau­en, die etwas zu oft mit­ge­schwom­men sind. Das muss man sich von nie­man­dem neh­men las­sen, aber man hoff­te eben nach Mond­schein­ta­rif auf eine gro­ße Lite­ra­tin. Da lag dann ent­we­der die Lite­ra­tur­kri­tik kom­plett falsch oder Kür­thy rief ihr Poten­ti­al nicht ab.

Es ist, was es ist: Eine gute Klo­lek­tü­re, die es eben nicht auf die gro­ße Büh­ne schafft. Von fünf mög­li­chen Klo­rol­len bekommt sie:

3 von 5 Ster­nen

Moin

Elke Hei­den­reich for­dert die Abset­zung von Denis Scheck, lei­der gewohnt ohne gute Argu­men­ta­ti­on, aber mit vie­len Gefüh­len, vor allem gegen das Patriachat. Ildi­kó von Kür­thys neu­es Buch ist dabei wirk­lich eine Klo­lek­tü­re, aber eine doch ab und an unter­halt­sa­me.

Macht KI bald die Tages­zei­tung? fragt man bei Cor­rec­tiv, dabei ist KI in unse­rer Tages­zei­tung seit lan­gem maß­geb­lich dabei: Beim Bebil­dern, schär­fen und kom­plet­ten Ver­fas­sen von Tex­ten. Etwas son­der­bar ist, dass das nie gekenn­zeich­net wird, weil man wohl glaubt, das mer­ke eh kei­ner.

Inzwi­schen mer­ke ich, dass man über Riv­va noch am reich­wei­ten­stärks­ten ver­linkt wird, also schön mal was in den Hut schmei­ßen.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Was dür­fen Jour­na­lis­ten in Zukunft noch selbst schrei­ben? hole ich mir erst noch einen Kaf­fee.

Moin

morgenkaffee
Beim law­blog wird kri­ti­siert, dass das Bun­des­kanz­ler­amt die per­so­na­le Kate­go­ri­sie­rung deut­scher Bür­ger zu eigent­lich jedem x‑beliebigen The­ma durch­win­ken möch­te. Volks­zäh­lung ist nichts dage­gen.
Mar­co hat eine eini­ger­ma­ßen anschau­li­che Gra­fik gefun­den, die dar­stellt, wie­viel Öl in Mexi­ko gera­de aus­ge­tre­ten sind. Bei den Ruhr­ba­ro­nen sieht man, wel­che Flä­che Deutsch­lands mit dem Öl bedeckt wäre.
Denis muss­te berufs­be­dingt auf ein Schul­fest und durch­litt eine Rei­se in die Ver­gan­gen­heit.
Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Darf ich die Bun­des­re­gie­rung schi­zo­phren nen­nen, wenn sie Goog­le und Face­book wegen Daten­sam­melns kri­ti­siert und sie sich selbst unmit­tel­bar dar­auf einen dera­ti­gen Blan­ko­scheck aus­stellt? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.
[Foto: Luc van Gent]

Was ich noch sagen wollte zu… den Vorlesern Amelie Fried und Ijoma Mangold

Die­se Lite­ra­tur­sen­dung nervt, soviel soll­te man vor­aus schi­cken. Sie hat auch ihre guten Momen­te, aber davor, dazwi­schen und danach nervt sie.

Ijo­ma Man­gold trägt einen braun­ka­rier­tes Sak­ko zu einem den obers­ten Knopf geöff­net haben­den hell­blau­en Hemd. Das ist im Fern­se­hen, das bekannt­lich Far­ben über­trägt, so fehl am Plat­ze wie sei­ne über­bor­den­den Erzäh­lun­gen, in denen er mit viel zu vie­len Wor­ten, viel zu vie­len Adjek­ti­ven. Irgend­wann hört man Man­gold ein­fach nicht mehr zu. Dass Man­gold ein her­vor­ra­gen­des Gespür für gute Lite­ra­tur hat — in die­ser Sen­dung kommt es nicht durch.

Ame­lie Fried sieht immer­hin 20 Jah­re jün­ger aus als sie ist, schafft es aller­dings Bücher noch mehr zu ver­schwa­feln als Elke Hei­den­reich, die auch schon kaum klar macht, was an einem bestimm­ten Buch gut ist:

Ich war sofort von dem Buch gefes­selt und dach­te mir “Wow”.

War­um das so war, erläu­tert Fried nicht. Frieds Eitel­keit steht dem Inter­es­se des Lesers, das Wesent­li­che der vor­ge­stell­ten Bücher zu erfas­sen, immer wie­der im Wege.

Und in die­sem Wech­sel­spiel zwei­er Mode­ra­to­ren, die auf ihre Wei­se den Leser über­for­dern, wer­den viel zu schnell dut­zen­de Bücher vor­ge­stellt. Die Bild­re­gie nervt den Zuschau­er wei­ter­ge­hend mit Bil­dern, in denen abwech­selnd Bücher und Mode­ra­to­ren scharf gestellt wer­den. Nicht nur will man offen­sicht­licht­lich frei­tag Abends um Vier­tel vor 12 den Zuschau­er ner­ven, man will auch noch sei­nen Blick füh­ren.

Lie­be Frau Fried, lie­ber Herr Man­gold: Bevor Sie im Sep­tem­ber wie­der auf Sen­dung gehen, stu­die­ren Sie bit­te noch­mal inten­siv die Sen­dun­gen von Herrn Scheck oder Herrn Kers­ten. Dort fin­det man genü­gend Rubri­ken, Tem­po­vor­ga­ben und kri­ti­sche Anmer­kun­gen, die alle­samt zuschau­er­freund­li­cher sind als das, was Sie da anbie­ten.