Kuttner, Sarah — Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart

Sarah Kut­tner fand ich immer nett und wollte nie ein Buch von ihr Lesen. Da ich dann diesen Schmök­er fand, wan­derte er zumin­d­est ganz kurz mal aufs Klo. Und dann blät­tert man da rein, ist ent­täuscht, weil der qui­etschige Inhalt so flach wie die Schreibkun­st ist, blät­tert weit­er und weit­er, weil vielle­icht doch noch was Inter­es­san­teres kom­men kön­nte, kommt dann zu län­geren, aber eben nicht tief­schür­fer­en­den Tex­ten — anfangs wer­den nur kolumm­ne­nar­tig Fra­gen beant­wortet — und schwup­ps ist das Büch­lein am Ende. Dass es solche Texte ern­sthaft in die Süd­deutsche Zeitung geschafft haben, ist wohl nur dem Ver­mark­tungswert geschuldet. Ein ander­er Leser ver­reißt dieses Kau­gum­mi­w­erk so:

Bei der Beant­wor­tung jed­er Frage greift sie das The­ma auf, nimmt ein Wörter­buch zur Hand und ent­nimmt diesem irgen­deinen x-beliebi­gen Begriff. Diesen lässt sie dann zusam­men mit eini­gen Triv­i­al­itäten ihres All­t­ags in die Antwort ein­fließen. Was bisweilen als frech, unkon­ven­tionell und post­mod­ern gepriesen wird, ist bei nüchtern­er Betra­ch­tung blanker Non­sens. Da die begrif­flichen Verbindun­gen (Wei­h­nachts­mann-Mundgeruch, Frank Elst­ner-Epilierg­eräte, etc.) kein­er Geis­tesleis­tung, son­dern eher dem Zufall geschuldet sind, fehlt der intellek­tuelle Mehrw­ert in dem Buch fast voll­ständig.

Das Cov­er ist noch das Beste an diesem Bänd­chen, daher gibt es für diesen lah­men Schmök­er von fünf möglichen Klorollen:

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Schill, Nadine — Hochzeitsplanung für Dummies

Einen ganz guten Überblick über diverse The­men ein­er Hochzeit, so wie man sie heutzu­tage ange­hen sollte, bietet dieser Schmök­er der Dum­mies-Rei­he. Wobei die Ratschlagge­berei im Detail lei­der schon wieder etwas schwach aus­fällt:

Eine Band kostet in etwa das Drei- bis Vier­fache eines DJs. (…) Eine gute Band hat ein­fach ihren Preis. Hier muss man schon ein wenig den Namen mit­bezahlen. Aus ver­schiede­nen Grün­den ist ein DJ aber ohne­hin fast immer die bessere Wahl: Bands ver­fü­gen oft über kein so großes Reper­toire. Der DJ kann hinge­gen die Charts der let­zten 30 Jahre aus seinem Kof­fer zaubern. Zudem benötigt eine Band viel Platz und sie pro­duziert eine gewisse Grund­laut­stärke.

Also da haben wir ger­ade eine gegen­teilige Erfahrung gemacht: DJs unter 1000€ – sofern man sie nicht schon ken­nt – sind kaum zu bekom­men, wenn man sich­er gehen möchte, dass der- oder diejenige in der Lage ist, Hochzeit­en musikalisch im Griff zu haben. Eine Band liegt da nicht weit von ent­fer­nt, man muss auch ger­ade nicht den Namen mit­bezahlen, mein­er Mei­n­ung nach sind passende Bands mitunter preiswert.

Und was den Hochzeits­fo­tografen ange­ht:

Der Ama­teur (…) ist unschlag­bar gün­stig. Das wer­den Sie seinen Bildern jedoch auch stets anse­hen. (…) Schlechte Bilder jedoch wer­den Sie ein Leben lang begleit­en!

Das ist der Posten, den wir ger­ade auf Null geschraubt haben, eben weil wir pro­fes­sionelle Fotografen, die wir bis­lang erlebt haben, so gar nicht gut fan­den. Wir set­zen auf den Ama­teur, der Spaß daran hat, sich­er nicht nur Fotos machen wird, aber auch, und der sehr wohl pro­fes­sionelle Fotos hin­bekommt.

Kurzum: Die Band­bre­ite der The­men lässt nichts fast nichts zu wün­schen übrig, allerd­ings hät­ten Tipps, wie man ohne Qual­itätsver­lust Einsparun­gen machen kann, dem Buch – das für sich abso­lut preiswert ist — gut getan. Das Buch ist im Umfang der aufgestell­ten Fra­gen und mit diversen unter­schiedlichen Mei­n­un­gen sehr empfehlenswert. Die Antworten – abge­se­hen vom rechtlichen Bere­ich — gibt man sich dann aber bess­er ein­fach selb­st.

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Proimas, James — 12 things to do before you crash and burn

Dieser Schmök­er ist eigentlich ein Jugend­buch, aber wegen seines Witzes und der Kürze sein­er Einzelepiso­den dur­chaus auch für Erwach­sene Broil­er inter­es­sant: Hercs Vater ist gestor­ben. Un weil er auf der Beerdi­gung als einziger den Mumm hat, zu sagen, das sein Vater ein Arschloch war, wird Herc zur Strafe zu seinem Onkel geschickt, der ihm wie seinem Namensge­ber für die Zeit seines Aufen­thalts 12 Tag für Tag abzuar­bei­t­ende Auf­gaben stellt:

  1. Such dir eine Auf­gabe.
  2. Finde den besten Piz­za­laden der Stadt.
  3. Räum die Garage auf.
  4. Miste die Ställe auf der River­bend Farm aus.
  5. Setz dich unter einen Baum und lies ein kom­pettes Buch.
  6. Beg­ib dich an einen Ort der Huldigung und des Gebets.
  7. Geh zu sieben Bewer­bungs­ge­sprächen.
  8. Ver­bring den Tag mit großen Gedanken, Schreib sie auf.
  9. Iss eine Mahlzeit mit einem Unebkan­nten.
  10. Mach etwas für mich.
  11. Trag auf der Mit­ter­nacht­slyrik­le­sung im Blake’s Cof­fee Shop ein Gedicht vor.
  12. Beende deine Auf­gabe.

Die Geschicht­en behal­ten dank guter Über­set­zung von Uwe-Michael Gutzschhahn den mitunter schrof­fen Stil des Orig­i­nals und erheit­ern durch wieder­holte Aushe­belung der Erwartun­gen des Lesers. Der aufheit­ernde Schmök­er bekommt von fünf möglichen Klorollen:

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von der Lippe, Jürgen — Beim Dehnen singe ich Balladen

Jür­gen von der Lippes Schmök­er haben nicht sel­ten die Eigen­schaft, dass sie in der eige­nen Wieder­gabe nicht so lustig sind, als wenn der Autor selb­st sein Werk wiedergibt. Dahinge­hend scheint auch der etwas bräsige Titel dieses Schinkens zu ver­weisen. Allerd­ings sollte man sich in diesem Fall nicht täuschen lassen: Der Enter­tain­er unter­hält den geneigten Leser dur­chaus gut mit absur­der Sit­u­a­tion­skomik — wenn auch die Geschicht­senden, von denen er anfangs schreibt, dass sie gut sein müssen, rei­h­nen­weise ent­täuschen.

Auch wenn die Geschicht­en in vor­ge­tra­gen­er Form erst ihren eigentlichen Reiz ent­fal­ten — das Hör­buch mit Car­olin Kebekus und Jochen Malmsheimer sei an dieser Stelle wärm­stens emp­fohlen-, gibt es für diesen gelun­genen, kurzwei­igen Schmök­er von fünf möglichen Klorollen:

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Homering-Elsner, Jörg und Ralf Heimann — Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst: Perlen des Lokaljournalismus

Die Face­book-Seite Perlen des Lokaljour­nal­is­mus hat mit­tler­weile über 190.000 Fans, jet­zt gibt es den Schmök­er zur Seite. Aber wer die Seite schon ken­nt, wird nicht son­der­lich begeis­tert sein: Das Buch bein­hal­tet nur Alt­bekan­ntes und die Kom­mentare zu den Zeitungss­chnipseln sind doch sehr kurz.

Dieser Schmök­er ist wohl nur was für Leute ohne Inter­ne­tan­schluss, aber wegen der guten Aus­gangsidee gibt es von fünf möglichen Klorollen:

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Munroe, Randall — What if?

Dies ist die zweite Web­com­ic-Rei­he von Ran­dall Munroe nach xkcd in Buch­form. Es wer­den diverse außergewöhn­liche Fra­gen so ernst wie möglich behan­delt. Jet­zt weiß ich also, dass es wahrschein­lich­er ist, irgen­deine Tele­fon­num­mer anzu­rufen, “Gesund­heit” zu sagen und der­jenige, der den Hör­er abgenom­men hat, hat ger­ade tat­säch­lich genießt, als einen 6er im Lot­to zu kriegen. Und dass 2060 Face­book wahrschein­lich mehr Pro­file Tot­er als Lebendi­ger hat. Und dass ich durch Teeum­rühren das Tee­wass­er nicht zum Kochen brin­gen kann. Wie wun­der­voll!

Dieser Schmök­er ist ein erhel­len­der, nicht ganz anspruch­slos­er Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält, da er wohl für jeden etwas Inter­es­santes birgt, von fünf möglichen Klorollen:

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Berlin, Katja und Peter Grünlich — Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt

Dies ist der Nach­fol­ger von Was wir tun, wenn der Aufzug nicht kommt und ste­ht diesem in Sachen Humor in nichts nach. Die einzel­nen Grafiken sind schnell erfass­bar und das Buch als solch­es schnell durch­blät­ter­bar, ohne dass es die Schmun­zel­ge­fahr außer Kraft set­zen würde.

Dieser Schmök­er zwar kein erhel­len­der, dafür unge­mein unter­halt­samer Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorollen:

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Kühn, Totte — Am Ende der Wels

Geburt­stags­geschenke in Buch­form kön­nen auch Über­raschungstr­e­f­fer sein, deswe­gen rate ich eigentlich kaum jemand, außer den erfahre­nen Fehlschenkern, von Buchgeschenken ab. Eigentlich kann man die Schinken ja auch dann noch irgend­wie ver­wursten als Weit­ergeschenk­tes oder so.

Am Ende des Wels von Totte Kühn, der auch bei den Mon­sters of Lie­der­ma­ch­ing — hier mal eine Kost­probe — singt, ist so ein Schmök­er.

Der Erstling enthält diverse Erzäh­lun­gen aus dem Leben eines Musik­ers, real­is­tisch oder erspon­nen, da greift alles mal ineinan­der. Die Geschicht­en kom­men aber so entspan­nd und nicht über­am­bi­tion­iert daher, dass das Lesen immer wieder Freude bere­it­et. Auch hebt sich das Sprach­niveau und der Ein­fall­sre­ich­tum Kühns angenehm von denen viel­er sein­er aktuell deutsch sin­gen­den Kol­le­gen ab.

Dieser Schmök­er ein kurzweiliger, über­raschend unter­halt­samer Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorollen:

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Birr, Tilman — Zum Leben ist es schön, aber ich würde da ungern zu Besuch hinfahren

Der Schinken war ein Geburt­stags­geschenk. Man soll mir ja eher nicht so Büch­er schenken. Sowas ist immer schwierig, wenn der Beschenker den Beschenk­ten nicht so ken­nt. Aber ab und zu passiert das dann doch. Und man liest das dann. War ja ein Geschenk. Und man verzweifelt.

Birr ist Slam Poet. Wobei: Heutzu­tage schimpft er sich Kabaret­tist, weil das wohl erwach­sen­er klingt. Und er hat dieses Buch irgend­wie geschrieben, was man nur lesen sollte, wenn man sich selb­st inner­lich einen aufge­bracht­en Slam Poet­en aufleben lässt.

Nüchtern geht’s nicht. Das Buch will hip sein und kommt mit Städtebeschimp­fun­gen an, die andere schon bess­er vorgemacht haben. Das Buch will lustig sein. Ist es nicht. Zum Ver­reck­en nicht. Es ist unge­fähr so, als würde Jan Hofer das Hör­buch zu Die Super­nasen ein­sprechen. Das klingt dann so:

Was haben Stal­in, Hitler und Jack the Rip­per gemein? Sie alle waren mal Kinder. Das kann doch kein Zufall sein!

Grot­tig.

Dieser Schmök­er ein öder Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorollen:

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