Suche Enttäuschung fürs Leben

Heute ist ein schön­er Tag und aller­höch­ste Zeit, sich mal wieder die Kleinanzeigen vorzunehmen. Ein alt­bekan­ntes Spiel, aber immer wieder lustig.

Du bist schw. und allein?

Schw.? Schwanger? Schw­er­hörig? Ich dachte erst schwul, aber das passt nicht so:

Er, 42 J., su. Sie für gel. erot Tre­f­fen.

Tja, also, wenn ger­ade eine Dame akut schw. ist, ver­rate Sie mir doch, was das heisst. Man muss ja auf dem Laufend­en bleiben.  Ver­ständlich­er ist da schon dieses:

Hal­lo Unbekan­nte. Du, dkl. haarig, mit Jeans. Ich habe Dich am Sam­stag, 5. Sept., ca. 12.30–13.00 Uhr bei Deichmann/Real Kauf gese­hen. Ich war auf der Suche nach der Weißen Sohle.

INDIANER !!!!

3 Zick­en suchen einen Bock, der nicht nur seine Hörn­er zeigt.

Ich sag’s immer wieder: So Meta­phern wer­den über­be­w­ertet.

Ruhiger Mann, 62. J., suche nach schw­er­er Ent­täuschung für den Rest meines Lebens

Har­monie wird auch über­be­w­ertet, sich­er, sich­er. Aber gle­ich so neg­a­tiv die Sachen ange­hen? Und so endgültig? Ach so, geht weit­er:

eine liebe, nette Part­ner­in zum Ver­lieben.

Ich dacht schon.

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Kosten für Musik in niederländischen Blogs

BUMA/STEMRA hat ger­ade ein PDF vorgelegt, in dem dargelegt wird, was das Ein­binden von Musik in nieder­ländis­chen Blogs so kosten soll ab kom­men­dem Jahr. Und da ist man nicht zim­per­lich: 6 einge­bet­tete Lieder kosten 130€. Das ver­spricht spaßige erste Prozesse.
stemra
Soweit ich weiss ist das Pfeifen von Melo­di­en auf öffentlichen Straßen in den Nieder­lan­den noch erlaubt, auch wenn ich finde, dass das auch irgend­wie embed­ded ist.

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Wenn linke Systeme untergehen

drohsel
Der derzeit­ige Unter­gang der SPD als Groß­partei erin­nert mich schon etwas an den Unter­gang der DDR in seinen let­zten Zügen. Da find­en sich in den übrig gebliebe­nen Organ­i­sa­tions­for­men noch Leute, die das Schiff noch nicht ver­lassen haben, die aber auch nicht bemerkt haben, dass der Zug schon lange abge­fahren ist, dass das Volk von Ihnen ger­ade nichts erwartet, dass die Musik woan­ders gespielt wird.
Das Prinzip “Bauer sucht Frau”
Die SPD hat den Unfall, den sie erlit­ten hat, nicht wahrgenom­men, und wer zu den Leuten gehört, die ihn nicht wahr genom­men haben, der soll jet­zt die Reper­atur ver­an­lassen? Der Schaden ist noch nicht ein­mal iden­ti­fiziert, nicht per­son­ifiziert. Aber schon sind die ersten linken Oppor­tunis­ten da, die genau wis­sen, in welche Rich­tung die Segel der Partei gepustet wer­den müssen.
Dabei hat die SPD ja nicht nur extern Leute ver­grault, son­dern auch intern. Es hat sich eine soziale Klitsche gebildet, die intern nach den eige­nen Geset­zen funk­tion­iert. Die aber gar nicht auf dem Schirm hat, welch­er Wind ausser­halb weht. Und es ist nun ein­mal heute so, dass wer das nicht mit­bekommt, nach außen kaum ver­mit­tel­bar ist. Das ist der Span­nungs­bo­gen von Bauer sucht Frau.
Ein Dampf­schiff ohne Mas­chine
Diejeni­gen, die von Nöten wären, das Schiff wieder auf den alten sozialdemokratis­chen Kurs zu brin­gen, wur­den wegen dieser sozialen Klitsche fern gehal­ten oder durch sie ver­grault. Genau diese Leute sind nun eben nicht in der Partei, damit die SPD wieder auf bre­it­er Basis Akzep­tanz find­en kann.
Es bedarf ein­er intellek­tuellen Glan­zleis­tung, um ein strate­gis­ches Werk, egal ob in Wort oder Schrift, einzubrin­gen, das Ori­en­tierungspunkt für die derzeit­i­gen SPDler wer­den kann und das wer­bend diejeni­gen für die SPD wieder begeis­tern kann, die die SPD auf ihrem Weg in den let­zten 15 Jahren ganz ver­loren hat.
Die Chan­cen für so einen Fix­punkt sind aber mehr als ger­ing. Die Intellek­tuellen hat man schon ver­grault, ein paar Kün­stler beken­nen sich noch zur SPD, aber von denen ken­nt der Durch­schnitts­bürg­er auch schon zwei Drit­tel nicht. Stein­meier ver­weist auf den geschicht­strächti­gen Begriff der Sozialdemokratie, Deutsch­land brauche eine starke Sozialdemokratie, aber ihm ent­ge­ht, dass die Wenig­sten heute noch die Begriffe Sozialdemokratie und SPD für deck­ungs­gle­ich hal­ten.
Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Und jet­zt kit­tet man eben mehr schlecht als recht, was kit­tbar erscheint.  Das Neube­set­zen von Posi­tio­nen, das Hoch­purzeln in der SPD-Hier­ar­chie und der kom­mende Rich­tungsstre­it übertünchen das nötige Selb­st­beken­nt­nis der Partei als ein­er 20%-Partei. Ein Blick zu den sozialdemokratis­chen 20%-Kollegen in den Nieder­lan­den kön­nte heil­sam sein.
Hoff­nung set­zen einige in ein Rot-Rot-Grün-Bünd­nis in NRW, das eine Blau­pause für kün­ftige Koali­tio­nen wer­den soll. Aber in NRW herrscht noch Schwarz-Gelb, von Wech­sel­stim­mung kann keine Rede sein, und das Schreck­ge­spenst, dass Sahra Wagenknecht in NRW zur Min­is­terin erko­ren wird, sollte man nicht unter­schätzen.
Den Sozen sollte daher eines klar sein: Die Tal­sohle ist noch nicht ver­lassen und vielle­icht noch nicht ein­mal erre­icht.
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Lesetipp:  Süd­deutsche Zeitung — Wie man einen Mann versenkt

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Die Kerner-Redundanz

In der ZDF-Sendung “Kern­er” ver­suchte der gle­ich­namige TV-Mod­er­a­tor “Twit­ter” anhand eines soge­nan­nten, inzwis­chen gelöscht­en Fake-Accounts namens “Kern­er­Jo­hannes” zu erk­lären. Das ging dann so:

Und sofort stellt sich die Frage: Kann denn etwas noch redun­dan­ter sein, als dass Johannes B. Kern­er, der früher anspielungsre­ich als “JBK” ange­führt wurde, irgen­det­was für redun­dant erk­lärt?
Dass Kern­er diesen Net­zw­erk­di­enst nicht ver­ste­ht, ver­ste­he ich sofort. Dass er ihn nicht erk­lären kann, son­dern laien­haft durch einen Fake-Account pro­biert als unbrauch­bare Zeitver­schwen­dung dar zu stellen — nur jemand, der Kern­er nicht ken­nt, hätte etwas anderes erwartet. Kern­er behan­delt jedes The­ma mit dieser eige­nen Art von jour­nal­is­tis­chen Strenge — man ist ja im Fernse­hen, da kann man nur begren­zt inten­siv auf Dinge einge­hen. Da braucht man dann auch nicht notwendi­ger­weise Leute, die über diese Begren­zung hin­aus denken kön­nen.
Stef­fen Seib­ert erk­lärt in den Ton Kern­ers ein­fal­l­end: “Ich wüsste nicht, was ich damit sollte.” Ja, Stef­fen, ICH wüsste auch nicht, was du damit sollst. Jemand, der immer nur die Nachricht­en ander­er neu aufar­beit­et und im Fernse­hen vor­li­est, der wird mit Twit­ter nichts anfan­gen kön­nen.
Einzig heute-jour­nal-Urgestein Wolf von Lojew­s­ki bewahrt dem The­ma an diesem Ort die nötige Sach­lichkeit eines guten Jour­nal­is­ten, der eben im Gegen­satz zu Kern­er und Seib­ert nicht sofort eine Sache verurteilt, ohne sie ver­standen zu haben. Der aber, und das ist das eigentlich Tolle dieses Auss­chnittes, sofort erken­nt, dass sein Unwis­sen über den Dienst Twit­ter der Sache nach rel­e­van­ter ist, um über Twit­ter zu urteilen, als das aufge­blähte Wichtigtuer­tum von Kern­er und Seib­ert. Das ZDF wird es schw­er haben ohne Leute des Kalibers von von Lojew­s­ki.

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Das Ende der Großparteien

Mit dem 27. Sep­tem­ber 2009 endete in Deutsch­land die Geschichte der Groß­parteien. Wären die Nichtwäh­ler eine Partei, sie hät­ten 5% mehr als die SPD und läge mit der CDU gle­ichauf oder vor ihr.
Die Wahl gewon­nen haben CDU/CSU und FDP, die zusam­men ger­ade ein­mal ein Drit­tel der Wahlberechtigten in Deutsch­land für sich gewin­nen kon­nten. Ob selb­st dieses Drit­tel für Inhalte gewon­nen wurde, ist höchst fraglich, schliesslich will eine Mehrheit in Deutsch­land den Min­dest­lohn und genau den wollen CDU/CSU und FDP nicht.
Der SPD ist so deut­lich wie nie zuvor gezeigt wor­den, dass sie auf Bun­de­sebene wed­er Volks- noch Groß­partei ist. Immer wieder wurde in den let­zten Wochen darauf ver­wiesen, dass Deutsch­land eine starke Sozialdemokratie brauche. Nur geht das eben auch ohne die SPD, was widerum ein Gedanke ist, den die Genossen erst noch verin­ner­lichen müssen. Und je länger das dauert, desto länger die Gene­sung. Son­der­lich hoff­nungsvoll kann man nicht sein, wenn Stein­meier gle­ich am Wahlabend die alte Leier anstimmt, die SPD habe eine his­torische Auf­gabe. Mit Geschichts­fuse­lei wer­den aktuelle Prob­leme nicht behoben, kom­mende Wahlen nicht gewon­nen.
Die CSU fällt und fällt und holt in Bay­ern nur noch 41%. Die lange Zeit drittstärk­ste Partei kommt mit 6,5% derzeit nur noch auf den 6. Rang und darf sich kün­ftig nicht wun­dern, wenn sie den Atem der Piraten­partei (2%) im Nack­en spürt. Da erscheint es selt­sam wel­tentrückt, wenn CSU-Barde Peter Ram­sauer von Leih­stim­men spricht, die die FDP von CDU/CSU ergat­tert habe. Das ist das Denken in alten Struk­turen.
Die FDP, und das muss man ihr zugeste­hen, hat es immer­hin ver­standen, die aktuellen Prob­leme in ihre eigene Jar­gon einzu­binden, so dass es einen weltan­schaulichen Stand­punkt ergab, den West­er­welle sehr gut aus­füllen kon­nte. Auch wenn der FDP genaue Inhalte abge­hen wie eh und je. Es ist den Oppor­tunis­ten aber nun ein­mal nicht anzu­las­ten, wenn ihre Geg­n­er sich nicht auf Wahlkampf ver­ste­hen.
Diese Wahl hat dem Hin­ter­bän­kler­tum den Kampf ange­sagt und das ist gut so. Gewon­nen wer­den Wahlen kün­ftig mit Inhal­ten, deren Darstel­lung man mächtig ist. Das ist auch gut. Die CDU hat vor weni­gen Monat­en den größten Online-Wider­stand der Bun­desre­pub­lik her­auf­beschworen und ich wähne, dass Ähn­lich­es sich wieder­holen kön­nte. Das bedeutet aber nur, dass jün­gere Men­schen für poli­tis­che Zwecke kämpfen. Und auch das ist gut so.

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Das Gegen-Manifest

Das Berlin­er Jour­nal­is­mus-Man­i­fest ist gut gemeint und schlecht for­muliert. Viel zu schlecht, als dass man so den Ver­fassern abnehmen würde, sie seien im Jour­nal­is­mus son­der­lich her­aus­ra­gend. Und zumin­d­est diese Hürde hätte man sehen­den Auges über­sprin­gen müssen.
nullen
Jet­zt ret­tet man sich auf All­ge­mein­plätze, dass man ja wenig­stens eine Diskus­sion angeregt habe. Aber diese Diskus­sion bestand schon zuvor. Disku­tiert wird ja ger­ade nur, wer da in wessen Namen was über­haupt vertreten möchte. Man stellt sich in die Ecke der Du-bist-Deutsch­land-Kam­panger, der Kern­ers dieser Welt.
Da hil­ft es nichts zu sagen, man habe nur Behaup­tun­gen aufgestellt. Das ist eine Form der Feigheit, die dem Text gle­ich zu Beginn die Ern­sthaftigkeit nimmt: Wir haben nicht gesagt, wir verkün­den die Wahrheit, wir haben nur mal fix braingestormt.
manifest
Um zu zeigen, wie schwach diese Behaup­tun­gen sind, habe ich ein­fach mal die entsprechen­den Gegen­be­haup­tun­gen aufge­führt, sofern den Punk­ten nicht von alleine die Luft aus­ging.
1. Das Inter­net ist anders.
— Das Inter­net ist ein nor­males Medi­um. Die Nutzer wehren sich nur gegen Vere­in­nah­mung.

2. Das Inter­net ist ein Medi­en­im­peri­um in der Jack­en­tasche.

— Das Inter­net ist kein Medi­en­im­peri­um.

3. Das Inter­net ist die Gesellschaft ist das Inter­net.

— Das Inter­net ist nicht die Gesellschaft.

4. Die Frei­heit des Inter­net ist unan­tast­bar.

— Die “Frei­heit des Inter­nets” ist (bspw. in Chi­na) dur­chaus antast­bar.

5. Das Inter­net ist der Sieg der Infor­ma­tion.

— Das Inter­net ist das Überange­bot von Infor­ma­tion. Infor­ma­tion ist ein Sam­mel­be­griff. Sam­mel­be­griffe kön­nen nicht “siegen”.

6. Das Inter­net verbessert den Jour­nal­is­mus.

— Das Inter­net ver­wässert den Jour­nal­is­mus. Die neuen Fron­ten im Inter­net brechen aber offen­bar Verkrus­tun­gen bei Ver­legern auf.

7. Das Netz ver­langt Ver­net­zung.

— Das Netz ver­langt gar nichts.

8. Links lohnen, Zitate zieren.

— Links lohnen nicht. Ver­link­t­sein lohnt.

9. Das Inter­net ist der neue Ort für den politschen Diskurs.

— Im Inter­net kann man Sachver­halte darstellen. Diskurse sehen anders aus.

10. Die neue Presse­frei­heit heißt Mei­n­ungs­frei­heit.

— Presse­frei­heit heißt nach wie vor Presse­frei­heit.

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Infor­ma­tion.

— Selb­stver­ständlich gibt es Too much infor­ma­tion. s. 5., s. 6.

12. Tra­di­tion ist kein Geschäftsmod­ell.

— Selb­stver­ständlich sind tra­di­tionell ori­en­tierte Geschäftsmod­elle Geschäftsmod­elle.

13. Im Inter­net wird das Urhe­ber­recht zur Bürg­erpflicht.

— Das Inter­net gener­iert keine Pflicht­en, schon gar keine Bürg­erpflicht­en.
14. Das Inter­net ken­nt viele Währun­gen.
15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.

— Geschwurbel. Vgl.. Video killed the radio star.

16. Qual­ität bleibt die wichtig­ste Qual­ität.

— Nicht Qual­ität, Ver­net­zt­sein bleibt die wichtig­ste Qual­ität.
17. Alle für alle.
— Alle alle.
Und über­haupt: Man­i­festiert hat dieser Text gar nichts.
Kri­tik an der Kri­tik:
Es gibt Kri­tik an der Kri­tik des Man­i­festes. Es sei oft­mals zu aus­ge­lassen­em Hass gegenüber den Ver­fassern gekom­men. Das ist bedauer­lich, ich habe diesen Hass aber nicht gese­hen, ich lese aber auch nicht sämtliche Kom­mentare der einzel­nen Blogs.
Die patzige Rep­lik, Kri­tik­er kön­nten doch zeigen, wie es denn bess­er geht, missver­ste­ht erneut die Rolle eines Kri­tik­ers: Dieser darf sagen, dass ein Bild unschön ist, er muss aber nicht wis­sen, wie man Bilder malt.
Mein Text sollte nur zeigen, dass ein den The­sen ent­ge­gen gerichtetes Man­i­fest eben­so plau­si­bel rüberkom­men kann, es sollte selb­st kein Man­i­fest aus­rufen. Genau­so ist die Beze­ich­nung “Berlin­er Inter­net-Man­i­fest” keine Unter­stel­lung, dass alle Unterze­ich­n­er Berlin­er sind, son­dern, dass es sich hier um eine auf wenige Köpfe begren­zte Dar­legung han­delt.
Mitun­terze­ich­n­er des ursprünglichen Man­i­festes räumten ein, man hätte nicht unbe­d­ingt von einem “Inter­net-Man­i­fest” reden sollen, son­dern nur von Behaup­tun­gen über Jour­nal­is­mus; sprich wed­er von Inter­net, noch von Man­i­fest. Wenn die Autoren also schon eingeste­hen, dass sie die Bedeu­tung der Anfangsworte nicht genau auf dem Schirm hat­ten, muss die Frage erlaubt sein, ob sie denn den Rest auf dem Schirm hat­ten, und was genau dieser Rest ist. Eine solche Kri­tik aufzustellen ist berechtigt und kommt ohne Angriffe auf irgen­deine Per­son aus.
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Lesenswert:
Bloggen für den Welt­frieden:  Das Man­i­fest gegen das Man­i­fest und gegen das Gegen-Man­i­fest
Don Dahlmann: Die fehlende Brücke
Dragstrip­girl: Das Inter­net-Man­i­fest
F!XMBR: Hur­ra, wir haben ein Inter­net-Man­i­fest
Freak­show: Blogi­man­i­fest
Julia Seel­iger: Bitte redet über Geld
Malte Weld­ing: Das Inter­net-Man­i­fest, Adden­dum
MH120480: Das Inter­net-Man­i­fest und das mh
wirres.net: 17 Behaup­tun­gen

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The American Dream

Amer­i­ca is the land of the biggest porn indus­try on the one hand and hav­ing that in mind the biggest inhi­bi­tion when it comes to sex. This is one thing you should keep in mind when you have to deal with amer­i­cans: The antag­o­nisms that do not inter­rupt the Amer­i­can Dream.
The Amer­i­can Dream is not bound to a spe­cif­ic con­tent. So you can get your mon­ey in quite dif­fer­ent ways, with or with­out antag­o­nisms in the Amer­i­can Cul­ture. And it won’t both­er you any­way if you’re not con­front­ed with dif­fer­ent cul­tures. The last thing could dis­turb you a lit­tle. But keep in mind: Many per­sons are not irri­tat­ed by that.
But oth­er­ways that’s not the only way that get­ting out of your dreams can be prob­lem­at­ic:
Sarah Jay
I guess I just have too lit­tle expe­ri­ence with Amer­i­can Dreams.

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Die Parteien-Wahlschlappe

Jörn Thießen von der SPD hat gefordert, man solle Bürg­er mit Bußgeld bele­gen, wenn sie nicht wählen gehen, und bekun­det damit: Die Krise in der SPD geht weit­er.
Denn hin­ter dieser Forderung ste­ht ja die Hal­tung, der poten­tielle Wäh­ler wäre aus Faul­heit zuhause geblieben. Das glaube ich nicht. Zwar ist das EU-Par­la­ment der Ort, an dem die Poli­tik­er am meis­ten ver­di­enen und über­aus wichtige Entschei­dun­gen gefällt wer­den. Aber über die Arbeit der deutschen Poli­tik­er dort erfährt man doch erschreck­end wenig. Es ist doch beze­ich­nend, dass die bekan­nteste EU-Poli­tik­erin eine Son­nen­schein­poli­tik­erin ist. Noch nicht ein­mal in der FPD kann ihnen jemand sagen, was Koch-Mehrin im EU-Par­la­ment kon­struk­tiv geleis­tet hat, die sagen nur es sei vor­bildlich, wie sie Fam­i­lie und Beruf unter einen Hut brächte. Wohl gemerkt: Zeitlich, nicht inhaltlich.
Kann man jet­zt FPD wählen, ohne seine Stimme Koch-Mehrin geben zu wollen? Nö. Man kann nur bed­ingt auf eigene Ansicht­en beim Wählen einge­hen. Auf die Aus­führen­den hat die Wahlentschei­dung im Einzelfall über­haupt keine Auswirkung: CDU und SPD kom­men z.B. mit großer Sicher­heit ins EU-Par­la­ment, wer da in der Liste an 1 ste­ht muss eigentlich nicht um seinen Einzug kämpfen, müssen nicht hof­fen, gewählt zu wer­den.
parteiendemokratie
Bürg­er wählen pauschal Parteien, die sich selb­st kaum erhel­lend posi­tion­ieren. Bei den Grü­nen wird vor die Inhalte noch ein WUMS getack­ert, um es noch mehr zu ver­schleiern. Man wählt ins Blaue und ver­lässt sich dabei auf die Sym­pa­thie, die man der einen oder der anderen Partei zuweist.
Eine mod­erne, attrak­tive demokratis­che Wahl sieht für mich anders aus.

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Der Verbotsreflex konservativer Politiker

Immer wenn in Deutsch­land etwas ein­schnei­dend Gewalt­tätiges passiert, ste­ht ein Poli­tik­er auf und will irgen­det­was ver­bi­eten. Das ist das Mantra des kon­ser­v­a­tiv­en Poli­tik­ers, von dem er nicht abge­hen will. Weisst man ihn wie bei der Kinder­porn­ode­bat­te darauf hin, dass der­ar­tige Ver­bote nachgewiesen­er­weise untauglich sind, dann sagt er, man werde auch noch anderes unternehmen. Aber Ver­bote müssen sein. Ver­bote sind Selb­stzweck. Das ist eine sehr ein­fach get­rick­te, aber ger­adezu fun­da­men­tal­is­tisch ver­ankerte Sichtweise. Da geht der Kon­ser­v­a­tive nicht von ab. Und er glaubt auch jedem anderen Kon­ser­v­a­tiv­en, der Ver­bote fordert, unange­se­hen der Stich­haltigkeit der Argu­mente, die für ein Ver­bot sprechen sollen.
In der Kinder­porno-Debat­te meinte Frau von der Leyen, dass in Nor­we­gen täglich 18000 Besuche auf Kinder­porno­seit­en ver­hin­dert wer­den wür­den. Das MdB Kristi­na Köh­ler (CDU) glaubt das blind­links. Ohne auf die Idee zu kom­men, das in Frage zu stellen. Man müsste “Zugriffsver­such” mal erk­lären. Sind das Einzelper­so­n­en? Dann wären alle Nor­weger in den let­zten 2 Jahren auf ein­er Kinder­porno­seite gewe­sen. Oder auch Pro­gramme? In Unken­nt­nis der Zahl der­er, die erfol­gre­ich eine Kinder­porno­seite aufrufen, ist diese Zahl, von der nicht mal bekan­nt ist, auf welchen Zeitraum sie bezo­gen wird, untauglich. Krim­i­nal­beamte, die das der­ar­tige Sper­ren ken­nen, weisen darauf hin, dass dieses Sper­ren gegen vorsät­zliche Miss­brauch­er untauglich ist. Ver­hin­dert wer­den nur Zufall­sklicks. Glauben Sie, dass ein Zufall­sklick­er sofort sein Port­mon­naie zückt? Gemessen an den Men­schen, die Sie ken­nen? Wieviele, denken Sie, schließen eine der­ar­tige Seite sofort wieder?
Jet­zt möchte die CDU weit­er­ma­chen mit dem Ver­bi­eten. Im Nach­hall der Geschehnisse von Win­nen­den meint man, Spiele wie Paint­ball und Laser­drom ver­bi­eten zu müssen. Hier werde, so CDU-Poli­tik­er Bos­bach, das Töten simuliert. So ein kon­ser­v­a­tiv­er Poli­tik­er muss nur ein­fach ein Spiel zu ein­er Tötungsaus­bil­dung umdeklar­i­eren und schon meint er, er könne Ver­bote fordern. An dieser Stelle geht es um Begriffs­be­set­zun­gen, nicht um argu­men­ta­tiv gestütztes Überzeu­gen.
bosbach
Bei Laser­drom ren­nen Sie über ein Spielfeld und schießen mit Lasergewehren Lich­strahlen auf Mit­spiel­er. Sie müssen eine bes­timmte Stelle tre­f­fen, dann ist der Spiel­er getrof­fen und schei­det für eine bes­timmte Zeit aus. Der Geg­n­er kann wegren­nen, sich duck­en und zurückschießen. Bei Völker­ball ren­nen Sie über ein Spielfeld und schmeis­sen Bälle auf Mit­spiel­er. Sie kön­nen jede beliebige Stelle des Kör­pers tre­f­fen. Ist der Spiel­er getrof­fen, schei­det er aus, bis er selb­st jeman­den aus dem “Aus” her­aus trifft. Spiel­er kön­nen wegren­nen, sich duck­en und zurück­w­er­fen.
Wür­den Sie Völker­ball als Tötungssim­u­la­tion anse­hen? Und Laser­drom ist nun eine Tötungssim­u­la­tion, weil statt eines Balles Licht­strahlen ver­wen­det wer­den? Die Spielele­mente sind iden­tisch, das neuere Spiel ist eben nur elek­trotech­nisch aufge­plus­tert. Mit der­sel­ben Logik, nach der Laser­drom eine Tötungssim­u­la­tion ist und Völker­ball ein Kinder­spiel, kön­nte man Fahrräder für gut und Autos für böse hal­ten.
Glauben Sie, Jugendliche spie­len diese Spiele mit ein­er unter­schiedlichen Geis­te­shal­tung? Glauben Sie, ihre Charak­tere änderten sich zum Neg­a­tiv­en? Beim gemein­samen Spiel mit anderen? Das alles glaube ich nicht. Aus einem ein­fachen Grunde: Es sind Spiele und Men­schen wis­sen, was Spiele sind. Dieser Satz klingt sim­pel, aber Sie müssen wirk­lich mit diesem Satz brechen, um sich der kon­ser­v­a­tiv­en Lin­ie Bos­bachs anzuschliessen. Ich dage­gen glaube fol­gen­des: Ich glaube, dass es viele Erwach­sene gibt, die in Kinder- und Jugend­spiele Dinge hinein­deuten, die für die betrof­fe­nen Kinder und Jugendliche nicht Bestandteile dieser Spiele sind.
Sofern Poli­tik­er, wie sie es ger­ade tun, Gegenein­wände gegen Ver­botsvorschläge damit abtun, dass Ver­bots­geg­n­er Greueltat­en Vorschub leis­teten, ste­ht eine demokratis­che Diskus­sion­skul­tur auf dem Spiel. Wird in der poli­tis­chen Diskus­sion wirk­lich noch ver­sucht, Sachar­gu­mente auszud­isku­tieren?

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Mit dem Zweiten sieht man anders

Irgend­wie gehen mir die Mod­er­a­toren des heute-jour­nals schon länger auf den Zeiger. Dort muss ja nach Ende der Sendung, wenn noch die Reak­tio­nen der Mod­er­a­tio­nen im Nachspann einge­fan­gen wer­den, immer gezeigt wer­den, wie lock­er und witzig diese Leute pri­vat so sind. Da wird gelächelt, gescherzt und wird sofort kom­mu­niziert. Eine Unsitte, die die ARD unlängst kopiert hat. Es fehlt nur noch, dass die ARD dem ZDF gle­ich, ihre Haupt­nachricht­en­mod­er­a­toren irgend­wohin in den Urlaub schickt, um von dort nette Videos mit zu brin­gen. Sowas ist ja schnell einge­filmt, und man braucht ja auch nicht unbe­d­ingt Jour­nal­is­ten dafür, die sich wirk­lich einge­hend mit der Kul­tur vor Ort befasst haben.
Ich habe aber ger­ade gar keine Zeit, darüber zu grü­beln, was mit das ZDF da eigentlich über­haupt mit­teilen will, denn das ZDF hat noch so etwas Undeut­lich­es in pet­to: Die ZDF-Infor­ma­tio­nen. Let­zte Woche ver­bre­it­eten BLÖD-Zeitung und die Stuttgarter Nachricht­en via Inter­net, dass Felix Mag­a­th, derzeit Train­er beim VfL Wolfs­burg, in der kom­menden Sai­son Train­er von Schalke 04 wer­den würde. Das ZDF nahm dies ins heute-jour­nal mit auf und sprach als Nachricht­en­quelle von “nach ZDF-Infor­ma­tio­nen”.
zdfinformation
Wie gesagt, das war nur ein Gerücht aus dem Inter­net. Kann sein, kann nicht sein. Es klingt natür­lich schon irgend­wie blöde, wenn die Jour­nal­is­mus-Profis im ZDF die Mod­er­a­tio­nen sagen lassen wür­den “Gerücht­en aus dem Inter­net zu Folge”. Aber die “ZDF-Infor­ma­tio­nen” waren ja nichts anderes. Doch sicher­lich kann man das Sen­sa­tionelle dieses Gerüchts viel bess­er anpreisen, wenn man Gerüchte mit “ZDF-Infor­ma­tio­nen” ver­sucht zu adeln.
Nun kann man natür­lich darauf hin­weisen, dass der Inhalt dieses Gerüchts vielle­icht nahe an der Wirk­lichkeit liegt. Vielle­icht hat der Mag­a­th unter­schrieben, vielle­icht will Wolfs­burg nicht mehr an ihn zahlen, als er gerne hätte. Und sicher­lich wird man beim ZDF sagen, sofern sich das Gerücht bestätigt: “Haben wir’s euch nicht schon ganz früh gesagt?”
Das Wesentliche an dieser Stelle ist: Langsam, aber sich­er ver­lieren öffentlich-rechtliche Nachricht­ensendun­gen ihren Hauch von Seriosität, wenn sie immer stärk­er als wahrschein­lich wahr ange­se­hene Gerüchte zu Nachricht­en erk­lären und eben­so kol­portieren müssen, wie mod­ern ihre Mod­er­a­toren als Per­sön­lichkeit­en sind. Wenn sie dem Zuschauer zumuten, er könne selb­st sin­nvoll ein­schätzen, ob sich hin­ter dem Wort “ZDF-Infor­ma­tion” ein halt­los­es Gerücht oder eine pro­fes­sionell recher­chierte Nachricht­squelle ver­birgt.
Am Tag nach der Ver­bre­itung dieses Gerücht­es haben wed­er der VfL Wolfs­burg oder der FC Schalke 04, noch Felix Mag­a­th dieses Gerücht bestätigt. Diese Infor­ma­tion hat das ZDF nicht gesendet.

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