Guten Morgen, liebe Folglinge! ☕

The focus

The Gram­my Awards were given out last night. In case you haven’t see the show the­re are always enough jour­na­lists and pho­to­graph­ers around to get the latest impres­si­ons of that event. Rob Sher­i­dan was one of tho­se pho­to­graph­ers and it seems he wasn’t that much inte­rested in the show.

As far as I know the show las­ted very long, but as a per­son that wasn’t invi­ted you think it’s a big par­ty and it must be fun to be the­re no mat­ter what cir­cum­s­tan­ces come along with it.

Obvious­ly guys like Rob take a dif­fe­rent look at that:

The ques­ti­on of the week: Whe­re exact­ly did Rob Sher­i­dan look at?

May­be it is being a pho­to­gra­pher that makes you not feel asha­med imme­dia­te­ly and turn right around when you’re sur­pri­sed like that. May­be it is being a pho­to­gra­pher that makes you focus the most asto­nis­hing thing com­ing into view no mat­ter what situa­ti­on you’re in.

May­be pho­to­graph­ers have a com­ple­te dif­fe­rent pic­tu­re of the world.

George Carlin — Religion is bullshit

Die etwas andere Twitterlesung

Wie in unse­rem Buch schon berich­tet, gibt vie­len Per­so­nen Twit­ter auch den Anlass, vom WC aus an der digi­ta­len Welt teil zu haben. Mar­cus Brown nun stei­gert all bis­her Dage­we­se­nes und hält mit her­un­ter­ge­las­se­nen Hosen von dort aus Twitterlesungen:


Rea­ding Guy Kawa­sa­ki from Mar­cus Brown on Vimeo.

Wie der niederländische Außenminister twittert

Wäh­rend in Deutsch­land Poli­ti­ker eher behä­big mit Twit­ter umge­hen und schon für das Ein­rich­ten eines Twitter-Accounts hoch­ge­lobt wer­den, behan­delt man das The­ma in den Nie­der­lan­den intensiver.

Eine Stu­den­tin aus Rot­ter­dam ana­ly­sier­te die Twit­te­rei des nie­der­län­di­schen Außen­mi­nis­ters Maxi­me Ver­ha­gen. Dies ist die Über­set­zung eines Arti­kels hier­zu von frank-ly.nl:

In letz­ter Zeit haben diver­se Blogs, aber auch Main­stream­me­di­en­dem Twitter-Zugang von Maxi­me Ver­ha­gen gro­ße Beach­tung geschenkt. Es ist eigent­lich über die­sen Poli­ti­ker schon alles geschrie­ben wor­den, aber soweit ich weiß nicht aus einer wis­sen­schaft­li­chen Annä­he­rung her­aus. Daph­ne Jacob­sen ist Stu­den­tin an der Uni­ver­si­tät von Rot­ter­dam, wo sie den Mas­ter Medi­en & Jour­na­lis­tik belegt. Sie hat eine Unter­su­chung über Maxi­me Ver­ha­gen gemacht für den Work­shop “Bür­ger, Jour­na­lis­ten und Poli­ti­ker im Web 2.0”. Schon ihre Mit­stu­den­ten haben sich für Poli­ti­ker auf Hyves (nie­der­län­di­sche Ver­si­on von Face­book) ent­schie­den, sie jedoch für Twitter. […]

Die zen­tra­le Fra­ge der Unter­su­chung lau­tet: “Wel­che Rol­le spielt Twit­ter im Kon­takt von Maxi­me Ver­ha­gen und sei­nem Umfeld?”. Es ist eine qua­li­ta­ti­ve Unter­su­chung, die aus drei Tei­len besteht, einem Vorgehens-, einem Inhalts- und einem Rezep­ti­ons­teil. Im fol­gen­den alle drei Tei­le aus der Vogelperspektive:

Der Vor­ge­hens­teil beinhal­tet die Teil­fra­ge “Auf wel­che Wei­se ver­wen­det Maxi­me Ver­ha­gen Twit­ter, und wie macht sich das bemerk­bar?” Um dies zu unter­su­chen hat Jacob­sen sechs Inter­view­fra­gen ges­telt. Lei­der hat­ten weder der Außen­mi­nis­ter, noch sein Pres­se­spre­cher Zeit, die­se zu beant­wor­ten. Der Pres­se­spre­cher ließ wis­sen, dass es genug Inter­views geben, aus denen sie die­se Infor­ma­tio­nen her­ho­len kön­ne. @maximeverhagen gibt in die­sen Inter­views an, dass das Infor­mie­ren der Bür­ger über die Aus­rich­tung der Außen­po­li­tik und wie die­se in der Pra­xis erkenn­bar wird die Haupt­grün­de für ihn sei­en, um zu twittern.

Der Inhalts­teil stellt die Fra­gen “Wie sehen die tweets von Ver­ha­gen und sei­ner Fol­lo­wer inhalt­lich aus und wor­über tau­schen sie sich aus?” Zur Beant­wor­tung die­ser Fra­gen wur­den 300 Tweets in Form einer Inhalts­ana­ly­se begut­ach­tet wor­den. Die Tweets umfas­sen einen Zeit­raum vom 08.12.2008 bis 10.01.2009. Der Außen­mi­nis­ter gibt unge­fähr 10 Tweets am Tag ab, wovon zwei Drit­tel Ant­wor­ten auf ande­re Tweets sind. Es gibt unge­fähr 50 Men­schen, die in einem fes­ten Aus­tausch mit dem Minis­ter ste­hen. Sie fra­gen meist nach Din­gen, die sein Amt als Außen­mi­nis­ter betreffen.

Zum Schluß kommt der Rezep­ti­ons­teil “Wie bewer­ten Bür­ger Twit­ter und wel­che Rol­le spielt Twit­ter für sie?”. Zur Beant­wor­tung die­ser Fra­ge hat Jacob­sen 29 Fol­lo­wer von Ver­ha­gen ein paar Fra­gen gestellt. […] Der Groß­teil der Befrag­ten arbei­tet in der Kommunikations-Medienbranche und alle Befrag­ten geben an, Twit­ter der Unter­hal­tung wegen und für sozia­le Kon­tak­te zu ver­wen­den. Die Hälf­te aller Befrag­ten gibt an, Twit­ter zu ver­wen­den, um auf ihrem Fach­ge­biet auf der Höhe zu blei­ben. Ein klei­ner Anteil mein­te, man habe erhofft, dass Ver­ha­gen etwas aus sei­nem Pri­vat­le­ben erzäh­len wür­de. Sie wüss­ten nun immer­hin eini­ges mehr über sei­ne Amtsführung.

Schluß­fol­ge­rung

In die­ser Ana­ly­se steht die Fra­ge zen­tral, wel­che Rol­le Twit­ter im Kon­takt mit Maxi­me Ver­ha­gen und sei­nem Umfeld spielt. An Hand der Unter­su­chungs­re­sul­ta­te kann sehr wohl etwas über die Inter­ak­ti­vi­tät von Ver­ha­gen und ande­rer Twit­te­rer gesagt wer­den. Aus diver­sen Unter­su­chun­gen kommt her­aus, dass Poli­ti­ker Inter­net­an­wen­dun­gen ver­wen­den, um Men­schen, die sich für Poli­tik inter­es­sie­ren, wei­ter anspor­nen, sich mit ihren (denen der Poli­ti­ker) poli­ti­schen Ide­en zu beschäftigen.

Bei Maxi­me Ver­ha­gen ist das offen­kun­dig anders. Es geht oft­mals um pri­va­te Din­ge und nicht all sei­ne Fol­lo­wer haben Inter­es­se an Poli­tik. Daher ist die­se Inter­ak­ti­on etwas außer­ge­wöhn­lich. Hier muss aller­dings eine gewis­se Trenn­schär­fe her­ein­ge­bracht wer­den, da die betrof­fe­nen Twit­te­rer nicht reprä­sen­ta­tiv sind für die nie­der­län­di­sche Bevöl­ke­rung. Es sind im all­ge­mei­nen sehr gut aus­ge­bil­de­te Men­schen aus der Kommunikations- und Medi­en­bran­che oder Men­schen mit einer star­ken Tech­ni­kaf­fi­ni­tät bei Twit­ter unterwegs.”

Noch kei­ne ganz gro­ßen For­schungs­er­geb­nis­se, aber eine durch­aus inter­es­san­te Annäh­rung an das Phä­no­men Twit­ter, wie ich finde.

Nippel

Manch­mal fra­ge ich mich, ob auch vor Nip­pel­ga­te die Nip­pel so inten­siv öffent­li­che Auf­merk­sam­keit bekom­men haben, oder ob damals ein­fach ein Trend in Gang gesetzt wur­de. Käl­te­re­ak­tio­nen weib­li­cher Nip­pel waren schon ab und an Gesprächs­the­ma, die ver­gleichs­wei­se trä­ge Beschaf­fen­heit ihrer männ­li­chen Gegen­stü­cke auch, aber schon weniger.

Für Tineroy­al jeden­falls kenn­zeich­net sich ein neue-Welt-Gefühl gera­de an den bei­den klei­nen Dingern:

nippelbrennen

Es ist doch erstaun­lich, wie inne­re Befind­lich­kei­ten und Kör­per­re­ak­tio­nen neue Wel­ten auf­zei­gen. Wäh­rend wir hier also ler­nen, dass sich Nip­pel als emo­tio­na­le Woh­nungs­wohl­fühl­feu­er­mel­der ver­wen­den las­sen, muss Stahl­rat­te sie wohl noch für ganz ande­re Din­ge ein­ge­setzt haben:

nippelbluten

Ja, Aua. Ich kom­me mir da gera­de ver­gleichs­wei­se unbe­darft vor und kann nur ver­wun­dert zuse­hen. Kasn scheint da invol­vier­ter zu sein und hat da wohl einen umfas­sen­den Rat:

nippelabkleben

Das ist übri­gens nicht nur ein Gesund­heits­tipp, wie man viel­leicht jetzt den Ein­druck bekom­men könn­te. Nein, nein, es ist auch ein sehr guter Tipp für Nach­rich­ten­spre­che­rin­nen, damit sie nicht hup­pi­wupp in Twit­ter auftauchen:

gundulagausesnippel1

Bes­ser: Ein­fach mal abkle­ben. Mit Claus’ Kleber.

Obamas Begriffskorrektur

Der neue Prä­si­dent geht auf sei­ne Wei­se mit über­frach­te­ten Infor­ma­tio­nen um: In den ers­ten Tagen ist vor allem die Schlie­ßung des Gefan­ge­nen­la­gers Guan­ta­na­mo als poli­ti­schem Neu­an­fang durch Oba­ma gewür­digt wor­den. Aller­dings fan­den ers­te Ver­än­de­run­gen schon bei sei­ner Antritts­re­de statt.

inauguration

Barack Oba­ma bricht mit der Aus­drucks­wei­se der Vor­gän­ger­re­gie­rung. Man kann sich jetzt natür­lich strei­ten, ob es ein­fach nicht sei­ne Aus­drucks­wei­se war oder ob eben nur die Vor­gän­ger­re­gie­rung eine selt­sa­me Aus­drucks­wei­se ver­wen­det hat. Aber damit ist Schluß: Die Begrif­fe “Ach­se des Bösen” und die pau­scha­le Ein­tei­lung der Welt in “gut und böse”, “wer nicht mit uns ist, ist gegen uns” scheint ein ame­ri­ka­ni­sches Relikt der tur­bu­len­ten Anfangs­jah­re die­ses Jahr­tau­sends zu werden.

Gott­sei­dank, kann man da nur sagen. Statt “gut und böse” ver­wen­det “Oba­ma “gut und schlecht”, wenn auch nicht in Bezie­hung auf Län­der, Ras­sen oder Ter­ror­grup­pen, son­dern auf Ban­ken. Und da ist noch die Fra­ge, ob es über­haupt mög­lich gewe­sen wäre, Ban­ken als böse zu beti­teln. Aber ich unter­stel­le mal, dass Oba­ma “böse” in den Alt­wör­ter­schrank schmeisst. Wer immer die­ses Wort ver­wen­det, akzep­tiert, dass bei­läu­fig aus­ge­sagt wird, ein Mensch, eine Volks­grup­pe sei von Grund auf ver­an­lagt dazu, schlecht zu han­deln. Sol­che Leu­te kann man natür­lich gut von sich selbst unter­schei­den. Nie­mand sagt über sich selbst, man wür­de grund­sätz­lich dane­ben liegen.

Aber was ist das für eine Vor­stel­lung vom Men­schen als mög­li­cher­wei­se grund­sätz­lich böse? Eine mit­tel­al­ter­li­che, wie mir scheint. Eine ande­re Begriffs­ver­wen­dung drückt daher ein ande­res Welt­bild aus, ein aufgeklärteres.

Es ist zumin­dest inter­es­sant zu sehen, dass Oba­mas Poli­tik nicht davon gekenn­zeich­net ist, sich über nega­ti­ve Begrif­fe zu pro­fi­lie­ren. Bis­lang waren die star­ken, gän­gi­gen Begrif­fe durch­weg posi­ti­ver Natur. Viel­leicht kommt man eines Tages dazu, dass hier ein gera­de­zu gegen­sätz­li­ches Ver­hal­ten von Obama- und Bush-Regierung zu sehen ist.

Die Halbwertszeit der New York Times

Irgend­wie hat es jeder schon gehört, dass es in die­sem Jahr zu deut­li­chen Ver­än­de­run­gen kommt, aber wie das genau ablau­fen soll, ist noch unklar. In Deutsch­land redet man bis­her öffent­lich nur von Kurz­ar­beit, heu­te kam die Mel­dung rein, bei SAP stün­den 600 Arbeits­plät­ze durch Nicht­wie­der­ein­stel­lung auf der Kip­pe. Die Arbeits­lo­sen­zah­len sind stär­ker gestie­gen als gedacht, was aber auch auf den Win­ter zurück­ge­führt wird. Klingt nicht gut, aber auch nicht so dra­ma­tisch wie die 25.000 Arbeits­plät­ze, die die Nie­der­lan­de in den ver­gan­ge­nen Mona­ten schon ver­lo­ren hat.

Wirt­schaft­lich krie­selt es auch bei den Zei­tun­gen. Außer­dem ist dies ein Bereich, der es mit grund­sätz­li­chen Ver­än­de­run­gen zu tun bekom­men wird. Vie­le Leu­te lesen im Inter­net, was sie nicht zusätz­lich auf Papier kau­fen wer­den. Vie­le schrei­ben im Inter­net, wodurch vie­len die Zeit fehlt, sich noch auf eine Zei­tung zu konzentrieren.

Beson­ders hart scheint es da der­zeit die New York Times zu treffen.Das Maga­zin The Atlan­tic befasst sich in sei­ner dies­mo­na­ti­gen Aus­ga­be mit den Fra­gen, wie lan­ge die­se Zei­tung noch durch­hält. 2007 hat­te das Blatt begon­nen, sei­ne Arti­kel voll­stän­dig online zu publi­zie­ren, um attrak­ti­ver für Wer­be­kun­den zu wer­den. Aber der Schuss scheint nach hin­ten gegan­gen zu sein.

Das Wall­street Jour­nal ver­mel­de­te in der ver­gan­ge­nen Woche, dass der mexi­ka­ni­sche Mil­li­ar­där Car­los Slimm Ret­ter der Zei­tung wür­de und 250 Mio. in die New York Times pumpt. Kurz danach wur­de aller­dings bekannt, dass die­ses Geld mit 14,5% ver­zinst ist. Der Zei­tung muss es also schon sehr dre­ckig gehen, wenn man einen der­ar­ti­gen Kre­dit anneh­men muss.

Atlantic-Autor Michar Hirsch­horn unkt, dass die New York Times bereits in Kür­ze durch Goog­le, CBS oder Micro­soft über­nom­men und aus­ge­schlach­tet wer­den k?nnte. Was ein Alb­traum für die Zeitungswirtschaft.

Wer von den deut­schen Zei­tun­gen dran glau­ben wird müs­sen, das scheint noch offen zu sein. Aus­schlie­ßen ist da aber nichts. Mich per­sön­lich wür­de wohl das Ende einer klei­ne­ren Zei­tung inhalt­lich wenig stö­ren. Sicher, soll­te die FAZ der­art aus­ge­schlach­tet wer­den, wäre das schon stark gewöh­nungs­be­dürf­tig. Aber deren neu­mo­der­ner Hang, die Pop­kul­tur zu hul­di­gen, ist auch schon gewöhnungsbedürftig.

9 Jah­re lang habe ich frü­her ger­ne die Wochen­zei­tung Die Woche gele­sen, bis sie ein­ge­stellt wur­de. Die Zei­tung soll­te lang­fris­tig Kon­kur­renz zu Die Zeit wer­den, was aber nicht geklappt hat. Wie Mar­cel Reich-Ranicki ihr damals beschei­nig­te, fehl­te ihr ein­fach die Leser­schaft, neben den eta­blier­ten Zei­tung brauch­te man kei­ne wei­te­re. So sehr ich Die Woche auch moch­te, das markt­re­gu­lie­ren­de Argu­ment des Lite­ra­tur­paps­tes muss­te ich gel­ten las­sen. Dabei war es die ers­te grö­ße­re Zei­tung, die bun­te Bil­der ver­öf­fent­licht hat. Am längs­ten wehr­te sich die FAZ dage­gen, aber mitt­ler­wei­le ist dies der Stan­dard. Auch dass man ein klei­ne­res For­mat ver­wen­de­te war neu. Aber all das war nicht geschäfts­tüch­tig: Die Woche mach­te jähr­lich 500.000€ minus.

Viel­leicht ist dies eh ein Erleb­nis, dass man künf­tig nicht mehr haben wird: Eine sich eta­blie­ren­de, neue Zeitung.

The warm bed

Cou­ples often have their own rules. My ex-girlfriend had a look that told me to shut up imme­dia­te­ly. When we we’re on a par­ty and she star­ted rub­bing her arm it meant she wan­ted to lea­ve. If she was tal­king to someo­ne and star­ted tous­ling her hair it ment: “Get me out of this con­ver­sa­ti­on!” And the­re are some other ges­tu­res I not going to reveal here.

So some­ti­mes this sort of cou­p­le­hood is fun­ny. And the­re are times I miss that. If you watch other cou­ples it’s dif­fe­rent. Some­ti­mes you shouldn’t care what they do. Some­ti­mes you should. But it’s not easy when to igno­re things done by a coup­le. I only think this case is crys­tal clear:

warmbed

So there’s some­thing new with this tweet. So far we only dealt with tweets tel­ling things that just hap­pen­ed. This is a tmi tweet also with infor­ma­ti­on that deals with some­thing yet to come…

Mediale Unabhängigkeit

Vere­na Frie­de­ri­ke Hasel hat im Tages­spie­gel einen Patchwork-Artikel über Blogs ver­öf­fent­licht. Inter­es­san­ter­wei­se wur­de sich auf den Arti­kel in der Blo­go­sphä­re kaum bezo­gen. Nur Spree­blick und Coffee&TV rümpf­ten etwas ihr pekier­tes Näschen.

Dabei ist der Arti­kel, wie ich fin­de, schön geschrie­ben. Und man soll­te ihn auch als Patchwork-Artikel lesen. Sie ver­sucht zwar auch einen gene­rel­len Aus­blick über die Blogs und was sie noch ler­nen müs­sen zu geben, aber das klappt irgend­wie nicht. Kann man auch igno­rie­ren. Sie wirft einen sach­li­chen Blick auf Blogs, durch die Augen einer Lese­rin, die nun nicht über alle Maßen blo­gaf­fin ist. Dazu passt es nicht, die Posi­ti­on im Arti­kel zu wech­seln und irgend­wel­che Wer­tig­kei­ten ins Spiel zu brin­gen. Hät­te man auch nicht müs­sen. Aber egal.

Hasel kratzt aber an zwei Din­gen, die ich ganz inter­es­sant fin­de. Einer­seits, die von ihr abge­lehn­te “Büh­ne der Frei­heit”, die Blogs dar­stel­len — wer immer das auch behaup­ten mag. Ande­rer­seits die Fra­ge, wes­we­gen Blogs in Deutsch­land sich nicht so durch­ge­setzt haben.

Über Frei­heit hat­te ich es ja schon ein­mal. Hasel lässt ihren Gedan­ken aber ver­küm­mern. Blogs sei­en kei­ne “Büh­ne der Frei­heit”, weil der Blog von Pax erst durch den Guar­di­an gehypt wer­den muss­te. Und eine weit­rei­chen­de Ver­brei­tung von Blogs stün­de ent­ge­gen, dass sie zuviel Infor­ma­ti­on böten, als dass eine grö­ße­re Anzahl von Lesern die Muße hät­ten, sie zu durchstöbern.

Es ist völ­lig unklar, wes­we­gen Blogs nun kei­ne “Büh­ne der Frei­heit”, was immer damit gemeint sein soll, sind und ob bei­de nach­fol­gen­den Gedan­ken dage­gen sprä­chen. Damit meint man doch eine publi­zis­ti­sche Unab­hän­gig­keit. Gewährt im aller­grund­le­gens­ten Fall durch kos­ten­lo­se Blog­an­bie­ter. Zei­tun­gen dür­fen sich ja viel eher die Fra­ge stel­len, ob sie eher eine “Büh­ne der Frei­heit” sind, wenn es sich heut­zu­ta­ge kei­ne ein­zi­ge Tages­zei­tung leis­ten kann, nicht über das Dschun­gel­camp zu berich­ten. Blogs kön­nen das. Ohne Pro­ble­me. Und ohne zu befürch­ten, dass man des­we­gen out wer­den wür­de. Die Blogs leis­ten sich genau die jour­na­lis­ti­sche Frei­heit, mit denen Zei­tun­gen einst ange­fan­gen sind. Viel­leicht sind Zei­tungs­ma­cher weni­ger über Blogs, son­dern über den Ver­lust des eige­nen frü­he­ren Sta­tus’ so sauer.

Der zwei­te inter­es­san­te Gedan­ke Hasels dreht sich um die the­ma­ti­sche Bedeu­tungs­lo­sig­keit deut­scher Blogs. Die­se Dis­kus­si­on gibt es in ande­ren Län­dern eben so. Immer wird der Ver­gleich mit Ame­ri­ka ange­strebt, dort sei­en Blogs viel tie­fer ver­an­kert. Dort spie­len aber auch Radio­sen­dun­gen poli­tisch eine bedeut­sa­me­re Rol­le als in Deutsch­land. Nie­mand beschwert sich um die Bedeu­tungs­lo­sig­keit von WDR 4.

In der Tat sind die bekann­tes­ten deut­schen Blogs erschre­ckend seicht. Hasel unkt, dass kön­na damit zusam­men hän­gen, dass bis­her kein spek­ta­ku­lä­rer Coup gelan­det wor­den sei, was damit zusam­men­hän­gen könn­te, dass Deut­sche wenig blo­gaf­fin sei­en. Auch kein son­der­lich über­zeu­gen­der Schluss. Blöd für die Zei­tun­gen bleibt wei­ter­hin, dass in Blogs die Gefahr lau­ert, dass sie an Niveau deut­lich zulegen.

Ich den­ke eher, dass deut­sche Zei­tun­gen doch ziem­lich gut sind. Was wirk­lich poli­tisch rele­vant ist, wird von denen auf­ge­grif­fen und durch klu­ge Köp­fe wie­der­ge­ge­ben. Die gegen­sei­ti­ge Kon­kur­renz spornt da auch an. Das ist doch gut. Deutsch­land­in­ter­ne The­men sind also qua­si ver­ge­ben an Zei­tun­gen, wenn die schon nicht ein­mal mehr ihre Pfo­ten von Pop­kul­tur­scheiss wie dem Dschun­gel­camp las­sen können.

Der­zeit wären deutsch­land­ex­ter­ne aber deutsch­land­re­le­van­te The­men ein Frei­platz. Es gibt vie­le Kri­sen­ge­bie­te, die in deut­schen Zei­tun­gen nicht unter­kom­men, weil die zustän­di­gen Redak­teue­re mei­nen, sie hät­ten kei­nen Platz dafür.

Es ist schon son­der­bar, dass deut­sche Zei­tungs­le­ser der­zeit bes­ser über die Lage im Dschun­gel­camp infor­miert sind als über die Lage der Hutus und Tut­sis. Und kom­me mir nun nie­mand mit, das eine sei doch nun Feuil­le­ton und das ande­re der Poli­tik­teil. Wie zynisch möch­ten Sie wer­den? Statt Leu­ten bei der Zivi­li­sa­ti­on zu hel­fen, ent­zi­vi­li­siert man lie­ber zur Unter­hal­tung abge­half­ter­te Ex-Stars. Und die Zei­tun­gen müs­sen dar­über schrei­ben. Sie müs­sen es. Ver­ste­hen Sie? Sie müs­sen es:

TAZ, FAZ, Süd­deut­sche, Tages­spie­gel, Welt, NOZ, Die ZEIT, Frank­fur­ter Rund­schau, Ber­li­ner Mor­gen­post, Rhei­ni­sche Post, Ham­bur­ger Abend­blatt, Gene­ral Anzei­ger Bonn, Neuß-Grevenbroicher Zei­tung, Ber­li­ner Zei­tung, Augs­bur­ger All­ge­mei­ne, Wet­ter­au­er Zei­tung, tz, Mit­tel­deut­sche Zei­tung, Köl­ner Express und und und.

Dies scheint aber nur ein Virus zu sein, das deut­sche Zei­tun­gen anheim­fällt. Die Neue Züri­cher Zei­tung kann auch seit 3 Jah­ren ganz gut ohne.

Damit fällt aber auch das Argu­ment der Unüber­sicht­lich­keit von diver­sen Blogs, aus denen der User mühe­voll sei­ne Infor­ma­tio­nen her­aus­su­chen muss. In Zei­tun­gen muss er mitt­ler­wei­le genau­so fil­tern, um neben Dschungelcamp-artigen Berich­ten und Wer­bung das Inter­es­san­te zu finden.

Hinweisschilder für Biologiebücher

In Mis­sis­sip­pi gibt es eine Geset­zes­in­itia­ti­ve, die bewir­ken soll, dass künf­tig vor Büchern und Tex­ten, die sich mit der Evo­lu­ti­on beschäf­ti­gen, ein Hin­weis mit 200 Wor­ten ange­bracht wird, der dar­auf auf­merk­sam macht, dass es sich bei der Evo­lu­ti­ons­theo­rie nur um eine Theo­rie han­delt. Also sowas wie die­se klei­nen put­zi­gen Schild­chen auf den Zigarettenschachteln.

Nun wird der eine oder ande­re sagen: Ja, aber das Wort Evo­lu­ti­ons­theo­rie beinhal­tet doch schon das Wort Theo­rie. Ja, sicher, aber erklär’ das doch mal einer die­sen Amis. Es bleibt wohl auch eine Theo­rie, weil wir Men­schen die gan­ze Cho­se nicht erfun­den haben und nicht nach­bil­den kön­nen. Selbst wenn wir das könn­ten, wäre nicht bewie­sen, und ein Beweis ist das­je­ni­ge, was dem Wort Theo­rie an die­ser Stel­le ent­ge­gen­ge­stellt wer­den müss­te, dass die Theo­rie stimmt. Wir kön­nen nur dar­auf ver­wei­sen, dass die Erfah­run­gen, die wir bis­lang gemacht haben, stär­ker für die Evo­lu­ti­ons­theo­rie spre­chen als für die­se Adam-Rippen-Geschichte.

Im Gegen­zug müss­te man sol­che Schild­chen viel­leicht auch auf Bibeln klat­schen: “Dass Gott nur 6 Tage für die Welt gebraucht hat, ist nur eine Theo­rie, war ja außer Gott nie­mand dabei” oder so. Oder zu Adams-Rippen-Transplantation: “Don’t try this at home.”

Sicher ist sicher.

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