Rüttgers: SPD ist ein Taumelkäfer

Jür­gen Rütt­gers mein­te am poli­ti­schen Ascher­mitt­woch dadurch glän­zen zu kön­nen, dass er die SPD mit dem Tau­mel­kä­fer gleich­setzt. Und bei der CDU fin­det man das so lus­tig, dass man dazu extra ein klei­nes Film­chen macht:

Naja, stimmt halt so alles nicht. Das da ist ein Tau­mel­kä­fer, blind ist der nicht.

Aber offen­sicht­lich sind wir in Deutsch­land wie­der soweit, den poli­ti­schen Geg­ner als Insekt zu bezeich­nen. War­um dann nicht gleich Ano­ph­tal­mus hit­le­ri, zu Deutsch: Hit­ler­kä­fer? Der ist immer­hin wirk­lich blind.

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Toll! — Jür­gen und die Tau­mel­kä­fer

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Der Name der Kneipe

Eigent­lich ist man in mei­ner Hei­mat, dem Teck­len­bur­ger Land, etwas ab vom Schuss, was die gro­ßen Medi­en angeht. Daher spricht es sich schnell rum, wenn die mal vor Ort rum­fil­men. Ich schaue zwar kaum RTL, die Info, dass es einen Film über ein Teck­len­bur­ger Lie­bes­pär­chen gab, drang aber auch zu mir.

Es geht um Sven und Clau­dia. Er ein ehe­ma­li­ger Höh­len­be­woh­ner aus Mal­lor­ca und Sie eine gut­be­tuch­te, fei­ne Dame. So weit so gut. Sich von RTL fil­men zu las­sen, dass wer­den die bei­den selbst ent­schie­den haben. Dass hem­mungs­los getratscht wird über das Paar, wie Clau­dia erzählt — ja, da kom­men bei mir Hei­mat­ge­füh­le hoch. Das kennt Clau­dia sicher auch und wird damit umge­hen kön­nen. Also alles in But­ter, wenn sich bei­de gut ver­ste­hen und ver­tra­gen.

Der Spre­cher von RTL hebt aller­dings den Namen der Knei­pe her­vor, in der bei­de sich das ers­te Mal begeg­net sind. Wie tref­fend sei es doch, dass die Knei­pe “Zum Treff­punkt” hie­ße.

Falls irgend­wer unter den Lesern ein RTL-Tourist ist, der auch mal gefilm­te Städ­te besu­chen möch­te oder so, der sei gewarnt: Wenn man nach Teck­len­burg kommt und nach der Knei­pe “Zum Treff­punkt” fragt, schaut man wohl eher in rat­lo­se Gesich­ter.

Den­noch ist der Name der Knei­pe, den Ein­ge­bo­re­ne für sie haben, äußerst tref­fend: Wesent­lich bekann­ter ist das Eta­blis­se­ment näm­lich unter dem Namen “Piss und Friss”. Der Name ent­stammt dem Umstand, dass es in Teck­len­burg die ein­zi­ge Knei­pe ist mit Außen­toi­let­te. Also man zählt sie nicht gera­de zu den nobels­ten Adres­sen Teck­len­burgs, wes­we­gen wohl auch für die­sen gestyl­ten Bei­trag auf Innen­auf­nah­men ver­zich­tet wur­de.

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Spiegel & Süddeutsche Zeitung über den Fall Dieter Jasper

Heu­te beschäf­ti­gen sich der SPIEGEL und die Süd­deut­sche Zei­tung mit dem fal­schen Dok­tor­grad von Die­ter Jas­per. Die Süd­deut­sche liest dabei die bis­he­ri­gen Berich­te so, dass die Zei­tun­gen sich von Jas­per gefoppt füh­len. In den Kom­men­ta­ren wird Jas­per beson­ders feh­len­des Unrechts­be­wußt­sein nach­ge­sagt:

Falls Sie fra­gen, “wo der Auf­schrei aus der Wis­sen­schaft bleibt, wo doch die­se Schma­rot­zer die auf­wen­di­ge Arbeit durch den Dreck zie­hen”:

Die Dok­to­ran­den, die den Dr. tat­säch­lich mit vol­lem Recht ver­die­nen, die­je­ni­gen haben gar kei­ne Zeit und Ener­gie groß auf­zu­schrei­en. Denn die, die nach einem ech­ten Dok­tor (mit ech­ter wis­sen­schaft­li­cher Arbeit) stre­ben, die müs­sen in 60+ -Stun­den Wochen völ­lig unter­be­zahlt im Labor knech­ten. Die For­schungs­etats wer­den immer wei­ter zusam­men­ge­stri­chen, egal ob noch sovie­le Sonn­tags­re­den gehal­ten wer­den.

Wäh­rend die, die den Dok­tor als Pseu­do­a­dels­ti­tel für den gesell­schaft­li­chen Auf­stieg wol­len, auf­grund ihres Gel­des und ihrer Bezie­hun­gen den Dr. ohne gro­ße Pro­ble­me hin­ter­her­ge­wor­fen bekom­men. Die Süd­deut­sche hat im Fall unse­rer Fami­li­en­mi­nis­te­rin bereits sehr tref­fend von “Typ 1” und “Typ 2”-Doktoren gespro­chen.

Das ist der Rie­sen­skan­dal hier.

Ein ande­rer Leser emp­fiehlt eine ande­re Sicht­wei­se des Begriffs “Dok­tor”:

Auch wenn es vie­le Leu­te nicht ger­ne hören: Ein Dok­tor ist kein Titel. Punkt. Egal, ob er noch so häu­fig fälsch­li­cher­wei­se als “Dok­tor­ti­tel” bezeich­net wird. Ein Dok­tor ist ein “aka­de­mi­scher Grad”, nicht mehr und nicht weni­ger. Ein Doktor*grad* wird nach einer aka­de­mi­schen Prü­fung ver­lie­hen, die “die Befä­hi­gung zu eigen­stän­di­ger wis­sen­schaft­li­cher Arbeit” nach­wei­sen soll. Mit “Titeln” hat das über­haupt nichts zu tun. Es hat auch nie­mand einen Rechts­an­spruch dar­auf, als Dr. ange­re­det zu wer­den.

Damit die­se Betrü­ge­rei­en in Zukunft nicht mehr pas­sie­ren, soll­te der Dok­tor am bes­ten wie­der als das ange­se­hen wer­den, was er wirk­lich ist: Höchst rele­vant für eine aka­de­mi­sche Kar­rie­re, völ­lig irrele­vant für das außer­aka­de­mi­sche Leben. Lei­der hat sich nach der Abschaf­fung des offi­zi­el­len Adels die Unsit­te ein­ge­bür­gert, daß der Dr. vor dem Namen irgend­wie ‘Eli­te’ oder ‘Adel’ sym­bo­li­sie­ren soll, wes­halb gera­de sol­che Alpha­tie­re sich ger­ne damit schmü­cken wol­len, wofür sie auch ger­ne das not­wen­di­ge Klein­geld sprin­gen las­sen.

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The Fresh Prince of the Dark Side

Ame­ri­cans still have fun in pran­king tho­se reli­gious tv shows:

The who­le text:

I was born in West Phil­adel­phia and also rai­sed the­re. I spent most of my days play­ing bas­ket­ball on a play­ground — but also chil­ling out and rela­xing. But then one day a coup­le of guys who were up to no good star­ting making trou­ble in my living area. I ended up get­ting into a fight, which ter­ri­fied my mother. As a result she sent me away from West Phil­adel­phia to the most peace­ful area of Bel Air to live with my Aun­tie. On my jour­ney to Bel Air, I whist­led for a cab but it was noti­ca­ble that the cab dri­ver was not licen­sed. I igno­red my con­cerns and told him to make has­te to Bel Air. We arri­ved at the hou­se some time bet­ween seven and eight pm and I was glad to see the back of the cab dri­ver. I loo­ked at the hou­se and I was very impres­sed with the qua­li­ty of living that my aun­tie pos­ses­sed. I rea­li­sed that I could get used to this life­style.

Howe­ver, wha­te­ver was mis­sing in my life when I lived in West Phil­adel­phia was still the­re. I felt no hap­pier, alt­hough ever­y­thing was indi­ca­ting that I should. My aun­tie took me to church that sunday. I hadn’t been for several years. And I had a won­der­ful chat with so many beaut­fi­ul peop­le. For the first time in my life I felt com­ple­te. I was final­ly the­re. To sit next to Jesus on his thro­ne as the prince of hea­ven.

God Bless,
Kei­ra

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Liberaler Argumentationsunfall

Eine gewis­se Kon­fu­si­on inner­halb der FDP muss man der­zeit wohl fest­stel­len in der FDP.  Die Hotellobby-Debatte ist noch nicht ver­raucht, da erhitzt Gui­do Wes­ter­wel­le die Gemü­ter mit dem Aus­spruch, Hartz 4 lade zu “spät­rö­mi­scher Deka­denz” ein.

Bei den damit zugleich auf­kom­men­den Unklar­hei­ten, was Wes­ter­wel­le eigent­lich sagen will, ist schon frag­lich, inwie­weit er der FDP auf die­se Wei­se hilft. Poli­ti­ker, Pres­se und bei Mei­nungs­for­scher kön­nen damit jeden­falls nicht viel anfan­gen. So wird Hei­ner Geiß­ler wie folgt zitiert:

Die spät­rö­mi­sche Deka­denz bestand dar­in, dass die Rei­chen nach ihren Fress­ge­la­gen sich in Esels­milch geba­det haben und der Kai­ser Cali­gu­la einen Esel zum Kon­sul ernannt hat.”
Inso­fern stim­me Wes­ter­wel­les Ver­gleich, sag­te Geiß­ler wei­ter: Vor 100 Tagen sei “ein Esel Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter gewor­den”.

Die Zeit zwei­felt die Stich­hal­tig­keit der Argu­men­te Wes­ter­wel­les an:

Wenn das so wei­ter­geht, wird durch die­se Umver­tei­lungs­po­li­tik der ganz nor­ma­le Steu­er­zah­ler zum Sozi­al­fall”, klag­te Gui­do Wes­ter­wel­le am Mon­tag in der Bild-Zei­tung mit Blick auf den hohen Anteil der Sozi­al­aus­ga­ben am Bun­des­haus­halt. Wür­de Wes­ter­wel­les Aus­sa­gen stim­men, müss­te das bedeu­ten, dass die Men­schen immer mehr Steu­ern zah­len, um einen aus­ufern­den Sozi­al­staat zu finan­zie­ren.

Aller­dings sind sowohl der Spitzen- als auch der Ein­gangs­steu­er­satz in den letz­ten Jah­ren nicht gestie­gen, son­dern gesun­ken. Wäh­rend die obe­ren Ein­kom­mens­klas­sen 1998, zum Ende der schwarz-gelben Regie­rung unter Hel­mut Kohl, noch bis zu 53 Pro­zent Ein­kom­men­steu­er bezahl­ten, sank ihre Belas­tung bis heu­te auf 42 Pro­zent. Der Ein­gangs­steu­er­satz wur­de im glei­chen Zeit­raum von 25,9 auf 15 Pro­zent redu­ziert. Davon pro­fi­tier­ten auch die mitt­le­ren Ein­kom­men. Ein ledi­ger Arbeit­neh­mer mit einem durch­schnitt­li­chen Arbeits­ein­kom­men zahl­te 2008 rund 300 Euro weni­ger Steu­ern als 1998.

Fried­rich Küp­pers­busch sieht in Wes­ter­wel­le gar in einer schein­hei­li­gen Posi­ti­on:

Gui­do Wes­ter­wel­le war seit 1983 Juli-Chef, seit 88 im FDP-Bundesvorstand und schloss sein Jura­stu­di­um erst 1991 ab: Par­tei­amts­sa­lär, Diä­ten, Minis­ter­ge­halt: Der Mann hat nie ernst­haft von etwas ande­rem als Staats­kne­te gelebt. Dass nun aus­ge­rech­net er wirk­lich Bedürf­ti­ge als über­fres­se­ne Orgi­as­ten schmäht — im vor­re­vo­lu­tio­nä­ren Frank­reich wäre das als der mann­haf­te Wunsch ver­stan­den wor­den, sich immer­hin die eige­ne Later­ne aus­zu­su­chen.

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