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Vertrauen

kannitverstanIn zwei unterschiedlichen Blogs war gerade die Rede von Vertrauen: Bei Hadmut Danisch und Felix Schwenzel. Zwei sehr unterschiedlichen Blogs. Hartmut Danish nahm die Feder auf, dass selbst unter Kriminellen Vertrauen herrschen müsse, damit Systeme wie das der Mafia funktioniere. Felix Schwenzel schreibt darüber, dass Vertrauen gegenüber Firmen darüber entscheide, wie groß der Zuspruch ihrer Kunden sei. Was bedeutet nun eigentlich Vertrauen?

Vertrauen ist die zwischenmenschliche, nichtvertragliche Annahme, mein Gegenüber bekenne sich einer moralischen Verantwortung´, sei daher mir gegenüber aufrichtig und wolle mir durch das, was er tut, nicht schaden. Insofern ist Misstrauen sicherlich das Gegenstück zu Vertrauen, aber Vertrauen ist mehr als die Abwesenheit von Misstrauen, was auch lediglich Unbekümmertheit sein kann: Man hegt keinen Argwohn.

Im eigentlichen Kontext bezieht sich Vertraue auf ein soziales Verhältnis zwischen moralischen Personen. Es richtet sich nicht auf juristische Personen.

Der Fehler, der im Mafia-Beispiel begangen wird, das Danisch aufgreift, ist, dass Vertrauen lediglich als funktionierendes Netzwerk angesehen wird. Die Mafia ist oftmals ein funktionierendes Netzwerk, beruht aber grundlegend auf Misstrauen, Angst und Geldgier. Sofern ein Teil des Netzwerkes die Spielregeln dieses Netzwerks kennt, weiß er, dass er niemandem innerhalb des Netzwerkes, außer eventuell seiner genetischen Familie, d.i. Personen, die in einem grunfsätzlichem sozialen Verhältnis ihm gegenüber stehen, vertrauen sollte. Zwar kann er davon ausgehen, dass es bestimmte Funktionsweisen innerhalb dieses Netzwerkes gibt, mit anderen Worten: Er kann darauf vertrauen, dass bestimmte Handlungsweisen von statten gehen, allerdings ist diese Rede von Vertrauen nur eine übertragene. Kurzum: Im Kern heitß Vertrauen innerhalb des Mafia-Beispiels: Die Mafia ist ein funktionierendes Netzwerk, weil das Netzwerk funktioniert. Rede ich davon, dass selbst die Mafia Vertrauen brauche, vermische ich zwei Redeweisen von Vertrauen: Die ursprünglich moralische und die übertragenen, bloß technische.

Und wenn Felix Schwenzel „das angesichts der unfassbarkeit all dieser hinterfotzigkeit und unaufrichtigkeit“ von Firmen sein Popcorn im Halse steckt, sollte ebenso berücksichtigt werden, dass es schon ein Fehler war, bei Firmen in moralischem Sinne von Vertrauen auszugehen. Wie beim Mafia-Beispiel kann man nur davon ausgehen, dass ein Netzwerk funktioniert, wobei dieses in Rede stehende Netzwerk Nutzer offenbar als moralische Personen anerkennen sollte und nicht lediglich als technische Bausteine. Aus bloßer Sicht der Spieltheorie völlig unverständlich.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

Wie man aus Kant einen Antisemiten macht

zeigt der Religionsstudent Markus Voss-Göschel und bekommt dafür den Franz-Delitzsch-Förderpreis für christlich-jüdische Verständigung. Dabei ist die Grundlage seiner Behauptungen mehr als dürftig.

Zum einen verweist er auf das Zitat „Jetzo sind sie die Vampyre der Gesellschaft“, das allerdings nicht in Kants Schriften auftaucht, soweit ich weiß, sondern bei J.F.A. Abbeg, der es Kant zuschreibt. Streng genommen ist es nur Hörensagen und entzieht sich so einer ernsthaften wissenschaftlichen Erörterung. Für Voss-Göschel ist dies in öffentlichen Äußerungen der erste Beleg für Kants Antisemitismus: Getratsche.

Der zweite Beleg ist ein Lesefehler Voss-Göschels

„Kant bezeichnet die Juden als ‚Vampyre der Gesellschaft‘ und fordert ‚die Euthanasie des Judentums‘!“, nennt Markus Voss-Göschel zwei Beispiele für die zum Teil extremen antisemitischen Äußerungen in Kants Schriften.

Kant fordert nichts dergleichen. Allerding meint er, ein Übergang zur „reinen moralischen Religion“ aus dem Jugendtum heraus, sei die Euthanasie, d.i. der sanfte Tod, des Jugendtums:

Die Euthanasie des Judenthums ist die reine moralische Religion mit Verlassung aller alten Satzungslehren, deren einige doch im Christenthum (als messianischen Glauben) noch zurück behalten bleiben müssen: welcher Sectenunterschied endlich doch auch verschwinden muß und so das, was man als den Beschluß des großen Drama des Religionswechsels auf Erden nennt, (die Wiederbringung aller Dinge) wenigstens im Geiste herbeiführt, da nur ein Hirt und eine Heerde Statt findet.

Voss-Göschel bringt Antisimitismus in diesen Kontext, nicht Kant. Es wird halt das gefunden, was man finden will. Wenn diese Erörterungen stellvertretend sind für die Wissenschaftlichkeit der Erörterung, dann bleibt da nicht viel. Aber hören wir dem Nachwuchs weiter zu:

Über Kant gibt es so viele Abhandlungen, doch bisher gab es keine klaren Antworten darauf, wie genau er Religion definiert

sagt Voss-Göschel.

Das bezweifle ich, und vielleicht hätte er da lieber Kant selbst gelesen als Abhandlungen, denn bei Kant findet sich z.B. diese Definition:

Religion ist (subjectiv betrachtet) das Erkenntniß aller unserer Pflichten als göttlicher Gebote *)[Fußnote ausgelassen]. Diejenige, in welcher ich vorher wissen muß, daß etwas ein göttliches Gebot sei, um es als meine Pflicht anzuerkennen, ist die geoffenbarte (oder einer Offenbarung benöthigte) Religion: dagegen diejenige, in der ich zuvor wissen muß, daß etwas Pflicht sei, ehe ich es für ein göttliches Gebot anerkennen kann, ist die natürliche Religion.

Und weil Voss-Göschel wohl Kants Religionsbegriff nicht geläufig ist, versteigt er sich laut israelogie.de zu dieser Äußerung

Für Kant ist das Judentum ein absurdes und sinnloses Gesetzeswerk ohne moralischen Bezug und daher eigentlich keine Religion

und folgender gänzlich aus den Fingern gezogenen Behauptung

Er [Kant] habe sich nicht die Mühe gemacht, seine jüdischen Freunde zu fragen, worum es im Judentum geht, sondern auf eklatanten Falschinformationen aufgebaut.

Eine Behauptung ohne Beleg, einfach mal so rausspekuliert. Die Aussage, Kant hat heimlich bis ins hohe Alter am Daumen genuckelt, besitzt in etwa denselben Wahrheitswert. Ernsthafte Wissenschaft ist etwas ganz anderes.

R.i.p. Ernst Klee (1942-2013)

Es war schon immer sehr ungewöhnlich, dass da eine Schule nach einem Lebenden benannt wurde, sowas machte man früher ja nur beim Führer, aber bei Ernst Klee war diese Ehre immer berechtigt: Er war der erste, der detailreich dokumentierte, wie sich die Kriegsverbrechen nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs weitergingen. Ein mutiger, der Wahrheit verpflichteter Journalist mit großem Verdienst um die deutsche Kriegsaufarbeitung.

Lesetipps
Deutsche Medizin im Dritten Reich
Zeit.de: Historiker Ernst Klee ist tot
taz.de: Ein Aufklärer ersten Ranges
Guardian: Ernst Klee orbituary

Koningslied – deutsche Übersetzung: Königslied

Das offizielle Königslied zur Inthronisierung von Prinz Willem-Alexander ist gerade vom Komponisten John Ewbank nach Protesten zurückgezogen worden, aber wird wohl nicht ganz verschwinden, immerhin ist es noch Platz 1 der itunes-Charts in den Niederlanden. Daher habe ich mal eine Übersetzung hergestellt. Es wird kritisiert, weil Grammatikfehler im Text vorkommen, Metaphern falsch angewendet werden und die Aussage des Liedes unklar ist. Es hat trotzdem was, finde ich.

Hier stehst du jetzt
Diesen Moment hast du schon oft in deinen Träumen gesehen
Und hier ist er jetzt
Der Tag, von dem du wußtest, dass er kommt, ist endlich hier
Bist du dafür bereit?
Kann man das je wirklich sein?

Hier stehst du jetzt
Jeder Mensch hat eine Aufgabe in diesem Leben
Alles getan, um dich vorzubereiten
Hier ist sie jetzt
Du denkst, dass du alles geben musst
Jeder Schritt, den du gesetzt hast, führte hierher
Und schau dich um
Wir laufen mit dir mit

Wider den Regen und den Wind
Werde ich neben dir stehen bleiben
Ich beschütze dich vor allem, was kommt
Ich werde wachen, während du schläfst
Ich behüte dich vor dem Sturm
Sichere dich ab, so lange ich lebe

Ein Kampf, zwei Leben
Wir stehen für einander, nicht zu brechen
Eine Flagge, zwei Löwen
Miteinander in der Sonne und im Regen
Seite an Seite, Brust voraus
Stolz wie ein Pfau, dies ist unser Laut
Und wie klein wir auch sind
Unsere Taten sind groß
Kommen nicht zu Fall

Für dich, mein Kind
Für Papa, für Mama
Laufe für dich durch den Wind und den Regen
Und werde hinter dir stehen bleiben
Ich trage einen Banner mit deinem Namen
Glaube an dich, so lange wir bestehen
Ich baue einen Deich mit meinen bloßen Händen
Und halte das Wasser von dir weg

Lass mich wissen, was du träumst
Wonach dein Herz so verlangt
Ich werde nicht ruhen, bis es war geworden ist
Und wenn du jemals vom Weg abkommst
Bin ich deine Bake in der Nacht
Ich weise dir den Hafen in der Düsternis

Ich werde kämpfen wie ein Löwe
Bis es dir an nichts mehr fehlt
Sichere dich ab, so lange ich lebe

Das W von Willem
Drei Finger in die Luft, macht mit, mach mit (Wdh.)
Das W von Willem ist das W von uns (wij)
Ganz Oranje steht Seit’ an Seit’
Das W von Wasser, vor dem wir nicht weichen
Wir legen es trocken und wir bauen Deiche
Das W von willkommen in unserer Mitte
Zu welchem Gott, du auch betest

Das W von Willem (Wdh.)
Das W von wacker, Eintopf essen
Millionen Trainer, die (es) besser wissen
Das W von immer gewinnen wollen
Was es auch ist, was wir beginnen
Das W von wir sind eins miteinander
Mit den Schultern nebeneinander
Und so rufen wir heute

Wider den Regen und den Wind
werde ich neben dir stehen bleiben
Ich beschütze dich vor allem, was kommt
Ich werde wachen, während du schläfst
Ich behüte dich vor dem Sturm
Sichere dich ab, so lange ich lebe

Lass mich wissen, was du träumst
Wonach dein Herz so verlangt
Ich werde nicht ruhen, bis es war geworden ist
Und wenn du jemals vom Weg abkommst
Bin ich deine Bake in der Nacht
Ich weise dir den Hafen in der Düsternis

Ich werde kämpfen wie ein Löwe
Bis es dir an nichts mehr fehlt
Sichere dich ab, so lange ich lebe (Wdh.)

Hoeneß

Da treffe ich den Uli an der Wurstbraterei, wie er sein Würstchen gerade in den Senf auf der Pappschale tunkt. Bestimmt wie immer, mäßig Anteil nehmend an seiner Umgebung. Und irgendwie bleibt man doch nicht schweigend daneben stehen.

“Alles gut?”

– “Was soll schon sein? Läuft alles.”

“Naja, die Presse und die Staatsanwaltschaft sitzt dir doch im Nacken. Angenehm ist das doch sicherlich nicht.”

– “Ach, sowas bin ich doch gewohnt. Ich habe mich immer darauf verlassen, selbst zu kämpfen. Immer. Sowas schockiert mich nicht sonderlich. Und wenn man dann so grandios gegen den wichtigsten Fussballverein der Welt gewinnt, dann bestätigt einen das doch. Da denkt man doch nicht an irgendwelche Hinterzimmeradvokaten.”

“Aber genau die können dir doch ans Bein pinkeln.”

– “Das ist auch nichts Neues. Wenn sie so lange einem Verein vorstehen, da müssen sie wissen, wie sie mit Leuten umgehen, die an ihrem Stuhl sägen. Das ist weniger Eitelkeit, als vielmehr Selbstbehauptung und der Erfolg zeigt, dass das im Sinne der Sache war.”

“Und wo bleibt die Rückendeckung, außer von Franz und Kalle?”

– “Da draußen wird kein Fußball gespielt, der ist nur aufm Rasen. Da gibt es keine Manndeckung, da wird nicht abgepfiffen, wenn jemand dich foult. Da musst du vorsorgen. Schau, die Spanier waren ja vorbildich, was ihre Netzwerkarbeit anging. Nur war die viel zu stark vom Finanziellen abhängig. Bei uns wirken zudem andere Kräfte. Wir sind nicht so finanzstark, dafür kippen wir nicht um, wenn eine Säule instabil ist. Und bei mir funktioniert das ähnlich.”

“Das heißt, dein Einfluss wird nicht weniger, selbst wenn du fallen solltest?”

– “Das werden wir ja noch sehen.”,

sagte Ulli, biss noch einmal von seiner gesenften Bratwurst ab, schiefte ordentlich in sein Stofftaschentusch, warf die gebrauchte Pappschale in den übervollen Müllkorb, nickte mir bestimmt zu und schlurfte zu seinem Audi rüber, den er mit seiner Schlüsselfernbedienung aufblinken ließ.

Lauter Loser

Neulich traf ich Gott in meiner Stammkneipe und zwischen Bier und Korn kamen wir ins Gespräch.

“Sag mal, was ist denn da oben eigentlich los? Ein sparsüchtiger Argentinier wird Papst, durch die Wirtschaft verlottert die Moral und das Wetter passt doch auch vorne und hinten nicht.”

– “Ach, hör bloß auf!”

“Na, sag doch!”

– “Das war damals wunderbar geplant: Die Moral wird an die Kirche outgesourced und wir können uns da oben einen schönen Lenz machen, uns mehr um das Große und Ganze kümmern, du verstehst?”

“Das Große und Ganze?”

– “Ich wollte eine zweite Welt erschaffen, mit weniger Bugs. So mit stärkerem Prozessor, aber dieses Mal intern, nicht extern, verstehste, geilerer Grafik sowieso, aktuellere Netzwerktechnik, bessere Kondensatoren, sowas halt – und irgendwo energiesparender.”

“Woran haperte es denn?”

– “Ja, konnte unsereins denn ahnen, dass man wegen dem Altteil da immer um Support gebeten werden? Dauernd zankt sich wer, dauernd verzweifelt wer, dauernd wundert sich einer, dass er das Teil wirklich kaputt machen kann, wenn er nur will. Und um die Weiterentwicklung kümmert sich keiner so recht, nur um Unterhaltung.”

“Aber die Religionen versuchen ja immerhin, den Laden zusammen zu halten.”

– “Ja, genau! Was die Religionen sich da zusammenspinnen, das hälst du doch im Kopf nicht aus. Das soll angeblich alles auch noch gesagt und befohlen haben. Na, schönen Dank auch. Als hätte ich nichts besseres zu tun als tausendseitige Betriebsanleitungen rauszugeben. Und da soll ich mich auch noch ums Wetter kümmern. Ja, bin ich denn der Hausmeister, oder was? Ich habe sowas komplexes wie die Erdanziehungskraft ertüftelt, aber auf die Idee, einen Hausmeister einzustellen, bin ich nicht gekommen, oder was? Ich hab’ einfach keine Lust mehr. Macht euern Kram doch alleine.”

Betrübt schaute ich auf die trocknenden Bierschaumspuren am oberen Rand meines Glases bis mich der Gläser putzende Barkeeper antippte: “Lass ihn einfach, heute ist nur einer dieser Tage.”

Die CDU fördert nicht die Sexualität

Du, weißt, dass du eine Debatte verloren hast, wenn du so etwas von dir geben musst:

Die CDU fördert demnach Familien, aber nicht Sexualität? Versuchen Sie einmal, einen Satz zu formulieren, der mit all seinen Implikationen noch lächerlicher klingt.

Ich meine, irgendwie ist ja das Weltbild sympatisch, dass man grundsätzlich erst einmal davon ausgeht, dass Sexualität und Ehe grundverschiedene Dinge sind, die nichts miteinander zu tun haben. Viele, die heiraten, werden ja von dieser Sachlage völlig überrascht.

Aber wie zum Teufel sollte dass denn aussehen, wenn man Sexualität fördern würde? Indem man Schwulen einen 10er in den Slip steckt?

Laumann hat übrigens direkt nach dieser Stellungnahme vor der ZDF-Kamera das einzig Richtige gemacht: Die Füße in die Hand genommen und einen polnischen Abgang hingelegt. Zu so einer Aussage will man ja auch nicht freiwillig noch befragt werden. Das wird nur noch peinlicher.

Jumping the shark: Roseanne

Jumping the shark Es ist mal wieder Zeit, sich an einem amerikanischen Idiom abzuarbeiten: Jumping the shark. Dies ist die Bezeichung des Zeitpunkts, an dem durch eine Änderung eine Serie am Leben gehalten werden soll, was allerdings gründlich schief geht. Witziger Weise trifft man oftmals auf genau so einen Punkt oder zumindest findet man eine irritierende Änderung. Dass genau dadurch die Serie kippt muss nicht hiermit einhergehen, tut es gefühlt aber dennoch oft.

Die Bezeichnung leitet sich von dieser Szene der Serie Happy Days ab, durch die erfolglos versucht wurde, verlorene Zuschauer wieder zu gewinnen:

Ziemlich häufig gibt es bei sowas Gegenmeinungen, aber bei Roseanne, mit der heute angefangen wird, scheint der Fall ziemlich klar. Die Serie springt, als das ganze Konzept der Serie rund um eine Unterschichtfamilie mit dem Lotteriegewinn hopps genommen wird:

Ich für meinen Teil habe die Serie schon vorher nicht mehr gesehen, vielleicht liegt demnach der Knackpunkt schon früher. Deutlicher als diese Änderung wird er aber wohl nicht sein, mit der die ganze Bodenständigkeit, das Kernelement der Serie, verloren geht.

Jumping the shark: Homeland

Jumping the sharkJetzt mal zu der Serie, wegen der ich überhaupt zum Idiom Jumping the Shark zurückgreife: Homeland. Gerade auf Sat1 gestartet erreicht die Kriegsgeschichte immerhin halb so viele Zuschauer wie in den USA selbst. In den USA läuft die Serie auf dem Sender Showtime, was die merkwürdig kleine Zahl von durchschnittlich nicht einmal 2 Mio. Zuschauern erklärt.

Der Start der Serie ist zugegebenermaßen fulminant, es wird das amerikanische Kriegsgebaren als zweischneidig dargestellt, viele der involvierten Personen leiden an einer durch diese Kriegsumstände beeinträchtigten Psyche. Was in der ersten Staffel noch nicht so auffällt: Der Serie fehlt eine vom Ausgangsgedanken weitergeführte Grundgedanke. Was soll die Serie eigentlich erzählen? Einen Politthriller oder ein Kriegsdrama? Irgendwann zerfasern Erzählstränge und die Geschichte kollabiert in der 10ten Folge der zweiten Staffel:

Eigenes Fenster

Erzähltechnisch ist die Protagonistin wieder ihrer krankheitsbedingten Überspanntheit ausgesetzt, die Tochter des Überläufers laboriert an einem Autounfall, dessen Folgen offen bleiben, der Hauptterrorist wird in einer düsteren Lagerhalle aufgespürt und zur Strecke gebracht und der Präsidentschaftskandidat stirbt, indem sein Herzchrittmacher fengesteuert übertaktet wird. Zu viele Handlungsstränge, die offen gelassen werden, um sie irgendwann vielleicht einmal wieder aufzunehmen. Dabei geht verloren, irgendeinen davon spannend zu verfolgen.

Vielleicht kratzt man in der kommenden dritten Staffel noch einmal die Kurve. Die ohne Cliffhänger zu Ende gegangene zweite Runde der Serie ist schlicht die Puste ausgegangen – oder die guten, einfallsreichen Schreiber.

Das Elternrecht

kannitverstan Markus Pieper, EU-Parlamentarier aus dem Münsterland, hat sich als einer der wenigen mal getraut, auf den Punkt zu bringen, wie die konservative Position der CDU zum Elternrecht aussieht:

Kinder haben gottgegebenes Recht auf Vater und Mutter. Niemand ein Recht auf Kinder.

Gut, wenn man Gott in Spiel bringt, hat man keine sonderlich große Diskussionsbasis. Versuchen wir es mal mit einem etwas zugänglicheren Mann: Immanuel Kant.

Bei Kant ist eine Sorgepflicht der Eltern für ihre Kinder dadurch gegeben, dass sie es gewesen sind, die ihre Kinder ohne deren Einwilligung in die Welt gesetzt haben. Damit haben Eltern ein ethisches, wie juridisches Recht zur Erziehung ihrer Kinder, wie die ethische Pflicht (aber nicht eine juridische) hierzu. Kinder sind bei Kant keine Rechtspersonen, daher kommt bei ihm nicht vor, dass diese bestimmte Rechte hätten. Wie sollte ein Kind auch das angebliche Recht auf einen Vater in Anspruch nehmen, wenn dieser gestorben oder unaufindbar ist?

Sicherlich hat Kant bei Eltern an Vater und Mutter gedacht. Aber die Begründung der Rechte und Pflichten von Eltern liegt nicht in ihren biologischen Attributen:

da das Erzeugte eine Person ist, und es unmöglich ist, sich von der Erzeugung eines mit Freiheit begabten Wesens durch eine physische Operation einen Begriff zu machen*): so ist es eine in praktischer Hinsicht ganz richtige und auch nothwendige Idee, den Act der Zeugung als einen solchen anzusehen, wodurch wir eine Person ohne ihre Einwilligung auf die Welt gesetzt und eigenmächtig in sie herüber gebracht haben; für welche That auf den Eltern nun auch eine Verbindlichkeit haftet, sie, so viel in ihren Kräften ist, mit diesem ihrem Zustande zufrieden zu machen.

Wäre es demnach denkbar, dass der Beschluss, ein Kind in die Welt zu setzen, von zwei gleichgeschlechtlichen Menschen aus geht, so wie er von leiblichem Vater und leiblicher Mutter ausgeht?

Ja. Das ist derselbe Fall wie bei der künstlichen Befruchtung. Auf die Idee, den gesetzlichen Eltern eines so gezeugten Kindes, eheliche Rechte zu entziehen, ist auch noch niemand gekommen.

Bei Kant ist das Elternrecht ethisch begründet, nicht juridisch, nicht biologisch und nicht religiös. Juridische, biologische und religiöse Umstände mag es geben, sie rütteln aber nicht an der ehtischen Begründung des Elternrechts, weil man es hier mit verantwortlichen Erwachsenen zu tun hat.

Kant wendet sich implizit gegen Piepers Rede vom Gott gegebenen Elternrecht, weil Kinder Wesen sind, denen es möglich sein wird, freie Entscheidungen zu treffen, wobei es für den Menschen unmöglich zu denken ist, dass die Möglichkeit zu freien Entscheidung auf eine physische Ursache zurückführbar wäre,

*) Selbst nicht, wie es möglich ist, daß Gott freie Wesen erschaffe; denn da wären, wie es scheint, alle künftige Handlungen derselben, durch jenen ersten Act vorherbestimmt, in der Kette der Naturnothwendigkeit enthalten, mithin nicht frei. Da sie aber (wir Menschen) doch frei sind, beweiset der kategorische Imperativ in moralisch praktischer Absicht, wie durch einen Machtspruch der Vernunft, ohne daß diese doch die Möglichkeit dieses Verhältnisses einer Ursache zur Wirkung in theoretischer begreiflich machen kann, weil beide übersinnlich sind.

August 2017
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