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Veiel, Andres – Black Box BRD

Dieses Buch ist auch schon wieder alt, aber nicht mal angestaubt, wie mir scheint. In bezug auf die Ermordung Alfred Herrhausens ist man in den letzten Jahren kein Stück weiter gekommen. In diesem Buch wird erzählerisch das Leben Herrhausens und das von Wolfgang Grams, die beide im Strudel R.A.F.-Terrors ihr Leben verloren. Das Buch verglichen mit dem Film ist spannender, dichter, der Film dagegen mit den Stimmen der Beteiligten und Betroffenen anschaulicher.

Nervling – Unplugged

Letztes Jahr habe ich gar nicht die Alben des Jahres gewürdigt, schlicht auch deswegen, weil ich kaum welche auf dem Schirm hatte. Diesem möchte ich mich aber noch widmen: Die Hamburger Band Nervling hat ihr erstes Unplugged-Album auf den Markt gebracht und so wenig Beachtung sie bekommen, so unverdient ist dies. Es ist schon erstaunlich in welch anderem Gewand ihre Songs in der stromlosen Form daher kommen, was ein weiteres Mal zeigt, wie virtuos die beiden Künstler mit ihrer Kunst umzugehen vermögen. Da bekommen Lieder ganz andere Melodien verpasst, und wenn man nicht den Text kennt, wüsste man gar nicht, dass hier eine gleiche Grundlage verwendet worden ist. Schlicht grandios und ein wirklicher Kauftipp.

Simsek Semiya, Peter Schwarz – Schmerzliche Heimat

buchleser So langsam komme ich mal meiner Ableseliste hinterher: Dieses Buch beinhaltet Semiya Şimşeks Beschreibung des Lebens und der Ermordung durch die NSU ihres Vaters, Enver Şimşek, den Folgen für ihre Familie und erbärmliche Rolle, die der deutsche Staat bei der Aufarbeitung gespielt hat und immer noch spielt.

Wir schreiben das Jahr 2017, der Mord an Enver Şimşek liegt 16 Jahre zurück, und der Prozess gegen das letzte Mitglied der für die dazugehörende Mordserie verantwortliche Gruppe, geht dem Ende entgegen. Und dennoch ist es erschreckend, wie viele wichtige Fragen hierzu offen sind und vielleicht bleiben.

Dieses Buch verschafft einen Einblick in die Situation, wie sie sich für beteiligte Familienangehörige, darstellt. Es verliert sich nicht in kitschigen oder anders sachfremden Beschreibungen, sondern fokussiert sich auf die Tat und ihre Nachwirkungen. Abgeschlossen wird es von einer juristischen Einschätzung der Angelegenheit durch die Anwälte von Semiya Şimşek, die aus ihrer Sicht noch mal klar machen, um was für einen politischen Skandal es hier eigentlich geht. Das es bei der ganzen Sache noch keinen einzigen Rücktritt eines zuständigen Beamten gegeben hat, ist nicht minder verwunderlich, eher aussagekräftig.

Ein Plädoyer für Gerechtigkeit und dafür, in der Katastrophe Stärke zeigen zu können.

R.i.p. Alan Thicke (1947-2016)

Bronski schuftet für den Rock – mit Clinch auf Tour 1982

Leningrad – Siski

Konzert: LP, Köln, 30.11.2016

Eines ihrer beiden Konzerte in diesem Jahr bestritt Laura Pergolizzi, kurz LP, im Kölner Stadtgarten. Stimmlich wie auf Platte hatte sie ihr Publikum im Griff, bevor der erste Ton gesungen war. Der Sound war … also so hörte sich das in Madrid an vor scheinbar vergleichbarem Publikum an, in Köln klang das nicht so. Das lang nicht an der Musik, was aber das Konzert etwas schwächer erschienen ließ. Ein Erlebnis war es allemal.

[ LP, Stadtgarten, Köln, 300 Gäste. ]

Schill, Nadine – Hochzeitsplanung für Dummies

Einen ganz guten Überblick über diverse Themen einer Hochzeit, so wie man sie heutzutage angehen sollte, bietet dieser Schmöker der Dummies-Reihe. Wobei die Ratschlaggeberei im Detail leider schon wieder etwas schwach ausfällt:

Eine Band kostet in etwa das Drei- bis Vierfache eines DJs. (…) Eine gute Band hat einfach ihren Preis. Hier muss man schon ein wenig den Namen mitbezahlen. Aus verschiedenen Gründen ist ein DJ aber ohnehin fast immer die bessere Wahl: Bands verfügen oft über kein so großes Repertoire. Der DJ kann hingegen die Charts der letzten 30 Jahre aus seinem Koffer zaubern. Zudem benötigt eine Band viel Platz und sie produziert eine gewisse Grundlautstärke.

Also da haben wir gerade eine gegenteilige Erfahrung gemacht: DJs unter 1000€ – sofern man sie nicht schon kennt – sind kaum zu bekommen, wenn man sicher gehen möchte, dass der- oder diejenige in der Lage ist, Hochzeiten musikalisch im Griff zu haben. Eine Band liegt da nicht weit von entfernt, man muss auch gerade nicht den Namen mitbezahlen, meiner Meinung nach sind passende Bands mitunter preiswert.

Und was den Hochzeitsfotografen angeht:

Der Amateur (…) ist unschlagbar günstig. Das werden Sie seinen Bildern jedoch auch stets ansehen. (…) Schlechte Bilder jedoch werden Sie ein Leben lang begleiten!

Das ist der Posten, den wir gerade auf Null geschraubt haben, eben weil wir professionelle Fotografen, die wir bislang erlebt haben, so gar nicht gut fanden. Wir setzen auf den Amateur, der Spaß daran hat, sicher nicht nur Fotos machen wird, aber auch, und der sehr wohl professionelle Fotos hinbekommt.

Kurzum: Die Bandbreite der Themen lässt nichts fast nichts zu wünschen übrig, allerdings hätten Tipps, wie man ohne Qualitätsverlust Einsparungen machen kann, dem Buch – das für sich absolut preiswert ist – gut getan. Das Buch ist im Umfang der aufgestellten Fragen und mit diversen unterschiedlichen Meinungen sehr empfehlenswert. Die Antworten – abgesehen vom rechtlichen Bereich – gibt man sich dann aber besser einfach selbst.

Lichter, Horst – Keine Zeit für Arschlöcher

Nach der Lektüre dieses Buches würde ich sagen: Horst Lichter ist ein herzensguter Rheinländer, der im Fernsehen einer der letzten sympathischen Fernseh-Moderatoren der leichten Unterhaltung darstellt und der überflüssige Bücher schreibt. Dieser Biographie geht leider komplett das Analytische ab, sie ist zwar aufrichtig, aber kratzt nur an Oberflächen. Es wird gelitten, es wird geweint, es wird gefeiert, es wird was erreicht. Aber wie man aus Tälern herauskommt, wie man Erfolg verkraftet, einordnet, wie man zuhört, wie man Arschlöcher erkennt und umgeht, wie es der Titel doch irgendwie anvisiert wird – das alles fehlt in diesem Buch. Alles schwimmt im Ungefähren. Für Fans eine einfühlsame Unterhaltung, das war’s aber auch.

Emcke, Carolin – Gegen den Hass

Ich dachte erst, man müsste die Autorin eventuell gegen ihre Kritiker in Schutz nehmen, aber allzu schlimm fand ich die Kritik dann doch nicht.

Emcke befasst sich in ihrem aktuellen Buch mit den aufkeimenden und gediehenen nationalistischen Positionen in Deutschland und darüber hinaus, wobei sie einen Akzent setzen möchte für die Verteidigung von Minderheiten im Lichte des Populismus dieser Zeit. Sie brilliert an den Stellen, an denen sie Positionen als diskriminierend und polemisierend demaskiert, indem sie die Position unaufgeregt entschlüsselt. Weniger überzeugend ist Emcke allerdings in ihrer Einordnung von Positionen in einen historischen oder wissenschaftlichen Kontext. So bestimmt sie die „Parteilichkeit der Verstandeswaage“ aus einer Textstelle aus Kants „Träume eines Geistersehers“, d.i. ein Text vor dessen so genannter kritischen Phase, als „Voreingenommenheit durch die Hoffnung“, wobei es an der betreffenden Stelle im Kantischen Text überhaupt nicht um Hoffnung geht. Um Hoffnung geht es bei Kant in der Religionsphilosophie. So ein Namedropping ist so wenig überzeugend wie beeindruckend. Und auch wenn andere Stellen in ihrer gewollten Belehrung eher nerven als einnehmen, ist das Buch wegen der Analysefährigkeit der Autorin empfehlenswert.

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