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Lichter, Horst — Keine Zeit für Arschlöcher

Nach der Lek­tü­re die­ses Buches wür­de ich sagen: Horst Lich­ter ist ein her­zens­gu­ter Rhein­län­der, der im Fern­se­hen einer der letz­ten sym­pa­thi­schen Fernseh-Moderatoren der leich­ten Unter­hal­tung dar­stellt und der über­flüs­si­ge Bücher schreibt. Die­ser Bio­gra­phie geht lei­der kom­plett das Ana­ly­ti­sche ab, sie ist zwar auf­rich­tig, aber kratzt nur an Ober­flä­chen. Es wird gelit­ten, es wird geweint, es wird gefei­ert, es wird was erreicht. Aber wie man aus Tälern her­aus­kommt, wie man Erfolg ver­kraf­tet, ein­ord­net, wie man zuhört, wie man Arsch­lö­cher erkennt und umgeht, wie es der Titel doch irgend­wie anvi­siert wird — das alles fehlt in die­sem Buch. Alles schwimmt im Unge­fäh­ren. Für Fans eine ein­fühl­sa­me Unter­hal­tung, das war’s aber auch.

Emcke, Carolin — Gegen den Hass

Ich dach­te erst, man müss­te die Auto­rin even­tu­ell gegen ihre Kri­ti­ker in Schutz neh­men, aber all­zu schlimm fand ich die Kri­tik dann doch nicht.

Emcke befasst sich in ihrem aktu­el­len Buch mit den auf­kei­men­den und gedie­he­nen natio­na­lis­ti­schen Posi­tio­nen in Deutsch­land und dar­über hin­aus, wobei sie einen Akzent set­zen möch­te für die Ver­tei­di­gung von Min­der­hei­ten im Lich­te des Popu­lis­mus die­ser Zeit. Sie bril­liert an den Stel­len, an denen sie Posi­tio­nen als dis­kri­mi­nie­rend und pole­mi­sie­rend demas­kiert, indem sie die Posi­ti­on unauf­ge­regt ent­schlüs­selt. Weni­ger über­zeu­gend ist Emcke aller­dings in ihrer Ein­ord­nung von Posi­tio­nen in einen his­to­ri­schen oder wis­sen­schaft­li­chen Kon­text. So bestimmt sie die “Par­tei­lich­keit der Ver­stan­des­waa­ge” aus einer Text­stel­le aus Kants “Träu­me eines Geis­ter­se­hers”, d.i. ein Text vor des­sen so genann­ter kri­ti­schen Pha­se, als “Vor­ein­ge­nom­men­heit durch die Hoff­nung”, wobei es an der betref­fen­den Stel­le im Kan­ti­schen Text über­haupt nicht um Hoff­nung geht. Um Hoff­nung geht es bei Kant in der Reli­gi­ons­phi­lo­so­phie. So ein Name­drop­ping ist so wenig über­zeu­gend wie beein­dru­ckend. Und auch wenn ande­re Stel­len in ihrer gewoll­ten Beleh­rung eher ner­ven als ein­neh­men, ist das Buch wegen der Ana­ly­se­fäh­rig­keit der Auto­rin empfehlenswert.

Nörgelmöller: Karriereknick

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Petri heil, du Blödmann

Wir waren ja letz­ten Frei­tag bei einer Kaba­rett­vor­stel­lung von Hen­ning Vens­ke in Ham­burg und da habe ich doch noch mal kurz auf You­Tube nach Vide­os von ihm geschaut. So für Leu­te, denen der Name nichts sagt. Und, was soll ich sagen? Es gibt Sesamstraßen-Outtakes!

Belastung des historischen Gedächtnisses

Ab und zu lese ich ja mal nach, was im Feuil­le­ton zu too much infor­ma­ti­on steht, qua­si hier so als Fach­blog. Und da kam mir gera­de die­ses unter: 

Ein Jahr spä­ter ent­geg­ne­te eine His­to­ri­ke­rin, die Gefahr bestehe gera­de nicht im Gedächt­nis­ver­lust, son­dern in der „Über­las­tung der Schalt­krei­se“ unse­res his­to­ri­schen Gedächt­nis­ses. Sie beschrieb damit jene Emp­fin­dung, die heu­te ger­ne als „too much infor­ma­ti­on“ bezeich­net wird.

Also, äh, nein. Natür­lich darf jeder jeden Begriff so ver­wen­den, wie er es ger­ne mal, sofern er es zumin­dest ein­heit­lich tut und undis­kri­mi­nie­rend, geht das eigent­lich in Ord­nung. Inson­fern kann too much infor­ma­ti­on sicher­lich für vie­les ste­hen. aber für die Über­las­tung der Schalt­krei­se unse­res his­to­ri­schen Gedächt­nis? Was soll das denn über­haupt sein? Was ist ein his­to­ri­sches Gedächt­nis und wie kann man es belas­ten? Habe ich es belas­tet, wenn ich ein Buch lese? Wenn ich his­to­risch rele­van­te Fak­ten ver­ges­se, aber irrele­van­te­re durch­aus noch parat habe? Schmeißt es Infos raus, wenn irgend­ein Druck besteht?

Nein, nein, das ist schon kon­kre­ter Feuilletonunsinn.

Restaurantführer Düsseldorf

Essen zu gehen ist so eine Sache, da gibt es ganz unter­schied­li­che Her­an­ge­hens­wei­sen. Die einen wol­len viel auf die Gabel, die ande­ren ein Erleb­nis, die einen wol­len preis­wert essen, die ande­ren schau­en nicht so auf’s Geld. Eini­ge spre­chen auf tren­dig auf­ge­mach­te Eta­blis­se­ments an, ande­re fra­gen sich, was unter der Ver­pa­ckung sein soll.

Wir sam­meln unse­re eige­nen Erfah­run­gen mit dem Essen­ge­hen in der nordrhein-westfälischen Lan­des­haupt­stadt auf die­ser Sei­te. Dabei ist zu beach­ten: Wer gro­ßen Hun­ger hat, kann da über­all hin­ge­hen, wir haben bis­lang kei­ne Loka­li­tät aus­ge­macht, deren Essen unter aller Sau war. Wir unter­schei­den zwi­schen der Preis­la­ge und der Art des Essens, inso­fern hät­te man noch eige­ne Rang­lis­ten nach Essens­art und Preis machen kön­nen, aber bis­her ist es ja noch über­sicht­lich genug.

Die Wer­tung ist sicher­lich noch stark sub­jek­tiv, aber im Bemü­hen, gerecht zu sein und nur eine klei­ne Ori­en­tie­rung geben zu wol­len. Man kann sicher­lich einen sehr schö­nen Abend in einem Lokal zubrin­gen, dass kuli­na­risch nicht der Rede wert ist. Wenn eine Rang­lis­te aber gera­de nach dem Kuli­na­ri­schen geht, fällt eine gute Stim­mung nur bedingt ins Gewicht. Und letz­ten Endes weiß man immer selbst am bes­ten, wo es einem gefällt.

Proimas, James — 12 things to do before you crash and burn *Klolektüre (23)

Die­ser Schmö­ker ist eigent­lich ein Jugend­buch, aber wegen sei­nes Wit­zes und der Kür­ze sei­ner Ein­zel­epi­so­den durch­aus auch für Erwach­se­ne Broi­ler inter­es­sant: Hercs Vater ist gestor­ben. Un weil er auf der Beer­di­gung als ein­zi­ger den Mumm hat, zu sagen, das sein Vater ein Arsch­loch war, wird Herc zur Stra­fe zu sei­nem Onkel geschickt, der ihm wie sei­nem Namens­ge­ber für die Zeit sei­nes Auf­ent­halts 12 Tag für Tag abzu­ar­bei­ten­de Auf­ga­ben stellt:

  1. Such dir eine Aufgabe.
  2. Fin­de den bes­ten Pizza­la­den der Stadt.
  3. Räum die Gara­ge auf.
  4. Mis­te die Stäl­le auf der River­bend Farm aus.
  5. Setz dich unter einen Baum und lies ein kom­pet­tes Buch.
  6. Begib dich an einen Ort der Hul­di­gung und des Gebets.
  7. Geh zu sie­ben Bewerbungsgesprächen.
  8. Ver­bring den Tag mit gro­ßen Gedan­ken, Schreib sie auf.
  9. Iss eine Mahl­zeit mit einem Unebkannten.
  10. Mach etwas für mich.
  11. Trag auf der Mit­ter­nachts­ly­rik­le­sung im Blake’s Cof­fee Shop ein Gedicht vor.
  12. Been­de dei­ne Aufgabe.

Die Geschich­ten behal­ten dank guter Über­set­zung von Uwe-Michael Gutzsch­hahn den mit­un­ter schrof­fen Stil des Ori­gi­nals und erhei­tern durch wie­der­hol­te Aus­he­be­lung der Erwar­tun­gen des Lesers. Der auf­hei­tern­de Schmö­ker bekommt von fünf mög­li­chen Klorollen:

Sünder, Thomas: Wer Ja sagt, darf auch Tante Käthe ausladen

Wer zu hei­ra­ten beab­sich­tigt, darf auch mal ein Buch zur Hand neh­men, wie eine Hoch­zeits­fei­er denn ablau­fen soll. Und da griff ich zu die­sem Schmö­ker von Tho­mas Sün­der, einem Ham­bur­ger DJ

Der Autor beschreibt ganz tref­fend, dass man sich klar­ma­chen soll­te, dass es sich bei die­ser Fei­er wohl um die teu­ers­te Ver­an­stal­tung han­deln wird, die man pri­vat in sei­nem Leben aus­rich­ten wird. Und zur Unter­maue­rung, dass man es sich allein aus die­sem Grun­de bei den diver­sen Ein­zel­ent­schei­dun­gen nicht zu leicht machen soll, fügt er diver­se unter­hal­ten­de Bei­spie­le an.

Die­se Bei­spie­le wir­ken zwar auf den ers­ten Blick etwas weit weg, weil nicht jeder Vor­fall so bei einem selbst ein­tre­ten wird, aber dafür tre­ten ande­re ein, die die Hei­rats­wil­li­gen vor ver­gleich­ba­re Pro­ble­me stellen.

Als DJ ist er bei der Fra­ge nach der Musik auf einer Hoch­zeit natür­lich ganz in sei­nem Metier: Man soll­te gera­de auf die Musik­dar­bie­tung ach­ten, da sie einen ganz gro­ßen Teil der Hoch­zeit aus­macht. Sün­der spricht in der Fol­ge von über­teu­er­ten und zu bil­li­gen DJs, von typi­schen Anmach­sprü­chen an DJs und von untaug­li­chen Bewer­bungs­sprü­chen der Musikanten.

Uns hat die Lek­tü­re nach Durch­schau­en des Inter­net und Infor­ma­tio­nen über das Kön­nen loka­ler DJs dazu bewo­gen, eine Band zu enga­gie­ren. So unge­fähr funk­tio­niert der Schmö­ker und inso­fern ist er nützlich.

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