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Freiheit

kannitverstan

Frei­heit nach Mari­us Müller-Westernhagen ist ja das Ein­zi­ge was zählt. Aber damit wur­de damals wohl nur Frei­heit von poli­ti­scher Unter­drü­ckung gemeint. Wenn man nicht gera­de der Mei­nung ist, dass man Begrif­fe wie Frei­heit gar nicht sinn­voll aus­drü­cken kann, weil jeder mit Recht etwas ande­res dar­un­ter ver­ste­hen kann, ver­tut man sich. Man ver­tut sich aber auch, wenn man so wie die FDP alles “Frei­heit” nennt, was man irgend­wie gut fin­det. Dort gibt es sogar einen Foto­wett­be­werb zur Frei­heit. Als ob man Frei­heit foto­gra­phie­ren könnte.

Das Wort klingt gut, es hat eine durch und durch posi­ti­ve Aus­strah­lung und doch ist nicht genau klar, was dar­un­ter zu ver­ste­hen ist. Im Inter­net lässt sich aller­dings ein phi­lo­so­phi­scher Text fin­den, der wohl aktu­ell zum Bes­ten gehört, was aus der Wis­sen­schaft der Phi­lo­so­phie der­zeit her­vor­ge­gan­gen ist. Er stammt von Georg Geis­mann , einem viel­leicht etwas schrul­li­gen, aber zwei­fel­los sehr wich­ti­gen, erme­ri­tier­ten Pro­fes­so­ren. Sein Spe­zi­al­ge­biet ist Kant. Mit Kant ver­hält es sich nun so, dass es glü­hen­de Anhän­ger der Phi­lo­so­phie Kants und star­ke Ableh­ner. Es ist ein wei­tes Feld, sich mit der Ent­ste­hung der Hal­tung tota­ler Ableh­nung Kants zu beschäf­ti­gen, ich fin­de die­se Hal­tung aller­dings nur hin­der­lich. Denn Kant hat tat­säch­lich heu­te noch Gewich­ti­ges zu sagen. Lei­der stem­peln vie­le in der Phi­lo­so­phie Kant als his­to­risch und daher nicht mehr aktu­ell ab. Das ist unge­fähr so, als wür­de man Beet­ho­ven mit Tokio Hotel ver­glei­chen und mei­ne, es kom­me zur Bewer­tung der Bedeu­tung der Schaf­fen­den dar­auf an, ob man noch lebt oder nicht.

Es ist aller­dings kein ein­fa­ches Unter­neh­men, über ein durch­aus schwie­ri­ges Text­stück, wie Geiss­mann es vor­legt zu blog­gen. Die deut­sche Blog­go­sphä­re ist zwar bunt, aber doch oft­mals oberflächlich.

Geis­manns Text lau­tet Kant über Frei­heit in spe­ku­la­ti­ver und in prak­ti­scher Hin­sicht [pdf]. Die Aus­drucks­wei­se, wie man hier schon merkt, ist mit­un­ter durch­aus bedacht. Die Über­schrift han­delt von zwei Hin­sich­ten auf das­sel­be Wort oder den­sel­ben Begriff, um sich phi­lo­so­phisch auszudrücken.

Im Text, den man sich durch­aus mal anschau­en soll­te, fin­det man wei­te­re Beson­der­hei­ten: Mit Will­kür ist nicht der heu­tei­ge Begriff von Will­kür­lich­keit gemeint, son­dern die bewußt getrof­fe­ne Wahl, die eige­ne Ent­schei­dung. Mit Frei­heit in prak­ti­scher Hin­sicht ist Ent­schei­dungs­frei­heit gemeint, mit in theo­re­ti­scher Hin­sicht Hand­lungs­frei­heit. In aktu­el­len Dis­kus­sio­nen wird meist über letz­te­ren Begriff gere­det. Z.B.: Ist der Vor­gang, dass ich jetzt mei­ne Hand hebe, wirk­lich haupt­säch­lich auf mei­nen Gedan­ken, dass ich jetzt die Hand heben will, zurückzuführen?

Das ver­nei­nen Bio­lo­gen und eini­ge Phi­lo­so­phen heu­te meist. Dage­gen gibt es aber noch Frei­heit in prak­ti­scher Hin­sicht, da Men­schen ihre Hand­lun­gen pla­nen kön­nen. Sie kön­nen Ent­schei­dun­gen tref­fen über Hand­lun­gen, die sie künf­tig voll­zie­hen. Frei­heit in theo­re­ti­scher Hin­sicht wird an die­ser Stel­le nicht in den Fokus genom­men, von ihr wird abs­tra­hiert. Weil es die­se Frei­heit in prak­ti­scher Hin­sicht gibt, redet man von einer Ver­ant­wor­tung, die Men­schen für ihre Taten haben. Für eini­ge Bio­lo­gen besteht die­se Ver­ant­wor­tung nicht, aber mei­nes Erach­tens nur aus dem Grun­de, weil sie Frei­heit nur in theo­re­ti­scher Hin­sicht anneh­men. Aus die­ser Sicht­wei­se her­aus wäre die Ansicht richtig.

Man muss nicht alle Begrif­fe ver­ste­hen, soll­ten den­noch Begriffsun­klar­hei­ten bestehen, lohnt ein Blick in das online ver­füg­ba­re Kant-Lexikon.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

Rosenbach, Marcel & Holger Stark — Staatsfeind Wikileaks

buchleser

Die­ses Buch war­tet mit diver­sen Anek­do­ten rund um Wiki­leaks, Wikileaks-Gründer Juli­an Assan­ge und Fol­ge­be­trach­tun­gen der Ver­öf­fent­li­chun­gen von Wiki­leaks auf, ufert nach der Hälf­te des Buches aber in Über­le­gun­gen über den rech­ten Jour­na­lis­mus aus, die nicht zuen­de gedacht wir­ken. Also ein klas­si­sches SPIEGEL-Produkt. Tie­fe­re Ein­bli­cke in die Funk­ti­ons­wei­se von Wiki­leaks gibt es nicht und auch ansons­ten bleibt der Blick meist außen vor.

Ander Kinder Leute

Ich mag Kin­der. Kin­der sind offen und ehr­lich. Die meis­ten sind kei­ne Arsch­lö­cher. Kin­der reagie­ren direkt auf Kri­tik. Ob sie Kri­tik umset­zen kön­nen, steht auf einer ande­ren Kar­te. Da ist manch­mal der Kri­ti­ker selbst gefragt. Wer sich aber an posi­ti­ven Ent­wick­lun­gen von Kin­dern erfreu­en kann, der wird mich ver­ste­hen, wenn ich sage: Ich mag Kinder.

Aber es gibt auch ver­zo­ge­ne Bla­gen, die zie­hen mir an den Ner­ven. Das sind die Kin­der, die in der Stra­ßen­bahn, in der Kauf­haus­kas­sen­schlan­ge oder im Café gegen ihre Eltern anplär­ren. Die Grün­de für das Plär­ren sind oft­mals das man­geln­de Erzie­hungs­ver­mö­gen der Eltern – lan­ges The­ma. Kin­der bet­teln dann um die Auf­merk­sam­keit ihrer Eltern, wol­len an ihnen irgend­ein Exem­pel sta­tu­ie­ren oder las­sen ein­fach ihre schlech­te Lau­ne an ihnen aus. Sie sind ein­fach schreck­lich laut und rau­ben andern Per­so­nen um Umkreis jeg­li­che Ruhe und Konzentrationsmöglichkeit.

Ich bin der fes­ten Über­zeu­gung, dass das ein Nicht­er­zie­hungs­re­sul­tat ist, so fern ich mich auch von über­re­gu­lier­ter Erzie­hung distan­zie­ren möch­te. Aber die­se Erwach­se­nen die der­art unbe­wusst ihre päd­ago­gi­sche Unfä­hig­keit ver­öf­fent­li­chen sind mir ein Graus. Fast hät­te ich Mit­leid mit den Kin­dern, wenn die mich gera­de nicht so ner­ven würde.

Des­we­gen nen­ne ich die­se Nerv­bla­gen ab sofort ALKs – Ander Leu­te Kin­der, da die cha­rak­ter­li­che Abhän­gig­keit so offen­kun­dig ner­vig und im Gegen­satz zu Schrei­kin­dern nicht ernäh­rungs­be­dingt ist.

Sinn machen oder Sinn ergeben

kannitverstan

Irgend­wie ist es auch mal Zeit für eine Sprachphilosophie-Ecke in die­sem Blog. Eigent­lich kann ein Jeder und eine Jede spre­chen wie sie mag, sie soll­te sich eben nur güns­ti­gen­falls ver­ständ­lich aus­drü­cken. Inso­fern ist Sprach­phi­lo­so­phie ver­fehlt, wenn es irgend­wem vor­schreibt, wie sie oder er zu spre­chen habe. Aber viel­leicht gibt es hin und wie­der eine für Spre­cher ein­leuch­ten­de­re Hand­ha­bung der Spra­che. Die­sen Gedan­ken ver­fol­ge ich an die­ser Stel­le. Gut, dann fan­gen wir doch ein­fach mal mit einem Klas­si­ker sprach­li­cher Schlud­rig­keit an: Sinn machen oder Sinn ergeben.

Weil es pla­ka­ti­ver klingt, ver­wen­den Leu­te heut­zu­ta­ge ger­ne die For­mu­lie­rung, etwas mache Sinn, oft­mals nur als Aus­druck, dass man etwas ver­stan­den hat. Damit ist die eigent­li­che Bedeu­tung des­sen, was hier in Rede steht noch etwas deran­giert: Im Deut­schen heißt es eigent­lich, dass etwas Sinn ergibt. Hier­mit behaup­tet man, dass ein Gedan­ke eine logi­sche Her­lei­tung inne­hat. Von die­ser Bedeu­tung geht man ab, wenn man statt der deut­schen Rede­wei­se das aus dem Eng­li­schen her­ge­nom­me­ne macht Sinn verwendet.

Die Sprach­um­ge­bung des eng­li­schen macht Sinn ist aller­dings nicht voll­stän­dig im Deut­schen gege­ben. Man kann z.B. im Deut­schen sagen, dass von einem auf den ande­ren Moment sich neue Gege­ben­hei­ten für eine Per­son erge­ben haben. Die­ses Satz kann man im Deut­schen so leicht ver­ständ­lich nicht mit dem Wort machen aus­drü­cken, weil machen nicht den Gedan­ken einer gedank­li­chen Her­lei­tung inne­hat. Es besteht dem­nach kei­ne sprach­li­che Not­wen­dig­keit, vom Deut­schen ins Eng­li­sche zu wechseln.

Aller­dings lässt es sich, wie oben schon ange­deu­tet, pla­ka­tiv, sprich rhe­to­risch, ver­wen­den. Durch die Behaup­tung, etwas mache doch kei­nen Sinn, kann man einem auf­ge­fass­ten Gedan­ken spöt­tisch abspre­chen, ratio­nal zu sein. Das tut man aber, indem man auf die Sinn­lo­sig­keit des Gedan­kens anspielt, nicht auf das Man­ko einer nur feh­len­den Her­lei­tung inner­halb die­ses Gedan­kens. Spitz­fin­dig aus­ge­drückt: Der eigent­li­che Gedan­ke der Sin­nerhaf­tig­keit wird durch Sinn machen eher dem gedach­ten Objekt als dem Den­ker des Objekts zuge­schrie­ben, bei Sinn erge­ben wird es aus­drück­lich dem jeweils Den­ken­den zugeschrieben.

Es ist inter­es­sant zu sehen, dass in den 80er Jah­ren in der Syn­chro­ni­sa­ti­on ame­ri­ka­ni­scher Fil­me nahe­zu aus­schließ­lich von Sinn erge­ben und heut­zu­ta­ge wesent­lich öfter von Sinn machen die Rede ist. Dies ist im Fol­gen­den bei­spiel­haft an Aus­schnit­ten von Mord ist ihr Hob­by und Dr. Hou­se zu sehen:

Sehr schön aber auch, wie man in bei­den Aus­schnit­ten Logi­ker und Trot­tel auf­ein­an­der­tref­fen lässt. Die Kon­no­ta­tio­nen mit dem jewei­li­gen Sprach­ge­brauch sind da durch­aus rauslesbar.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

Warum die Medienschelte von Guttenberg abstrus ist

kannitverstan

Ein Teil der Dolch­stoß­le­gen­de von Karl-Theodor Gut­ten­berg, aka Rück­tritts­er­klä­rung, ist ja die Medi­en­schel­te. Die­se besagt, dass in den letz­ten Wochen im Ver­gleich der Bericht­erstat­tung von toten Sol­da­ten in Afgha­ni­stan und der Bericht­erstat­tung über das Gut­ten­berg­sche Pla­gi­at zu wenig über die toten Sol­da­ten und zu viel über Gut­ten­berg berich­tet wor­den sei. Das bedeu­tet, dass es für Gut­ten­berg eine sinn­vol­le Ver­gleichs­ba­sis zwi­schen der einen und der ande­ren Bericht­erstat­tung geben müsste.

Die­ser zu Grun­de lie­gen­de Gedan­ke ist aller­dings Mumpitz.

Denn wäre dem so, dann müss­te Gut­ten­berg den­ken kön­nen, dass es einen Bericht­erstat­tungs­zu­stand gibt, der so ist, dass er sinn­voll der Mei­nung sein könn­te, dass die Medi­en ver­gleichs­wei­se zu wenig über sein Dok­tor­ar­beits­pla­gi­at und zu viel über tote Bun­des­wehr­sol­da­ten berich­ten. Vom Stand­punkt Gut­ten­bergs aus ist aber über­haupt kei­ne Bericht­erstat­tung über sein Pla­gi­at sinnvoll.

Daher ist die Medi­en­schel­te sei­tens Gut­ten­berg abstrus.

Die drei Grundnahrungsmittel

fussgaengerzone

Nolens volens mitgehört.

Also, mein Jüngs­ter, der macht mir momen­tan nur Pro­ble­me. Der isst nur noch Oli­ven – Oli­ven isst der ohne Ende -, Papri­ka, Gur­ke, Zitro­ne direkt und so. Kein’ Scho­ko­laaaaa­de, kein’ Cola, kein’ Wurst. Ich hab schon mit der Leh­re­rin gespro­chen. Aber ich weiß echt nicht mehr, was ich tun soll. Wenn das so wei­ter geht… Der ver­hun­gert mir noch.

Bode, Thilo — Die Essensfälscher

buchleser

Es gab vor ein paar Jah­ren ja ein Buch, dass “End­lich Nicht­rau­cher” oder so hieß. damals habe ich von vie­len gehört, dass dies für sie ein Ende mach­te mit allen Selbst­täu­schun­gen über ihr Rauch­ver­hal­ten. Ähn­lich könn­te es Lesern bei der Lek­tü­re von Die Essens­fäl­scher. Was Lebens­mit­tel­kon­zer­ne uns auf die Tel­ler lügen von Thi­lo Bode, der­zeit auch in der Sach­buch­best­sel­ler­lis­te zu fin­den, gehen.
Bode ver­deut­licht, wie oft­mals ver­steckt zucker­hal­tig Vie­les im Super­markt ist, dass nicht Bewe­gung, son­dern Ernäh­rung das Pro­blem des all­ge­mein anstei­gen­den Über­ge­wichts ist, und wie faden­schei­nig Ver­brau­cher­po­li­tik und wie not­wen­dig ver­ständ­li­che Pro­dukt­in­for­ma­ti­on ist.

Das geht in die­sem Buch vor allem auf die Kap­pe der CDU. Für Bode ist das Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­ri­um von Ilse Aigner schlicht ein Lobbyministerium:

Ger­adezu ab­surd ist de­shalb die For­de­rung von Bun­desver­brauch­er­schutzmin­is­terin Ilse Aign­er (CSU), die Gas­tronomie sol­le sich die »frei­willige Selb­stverpflich­tung« aufer­legen, kei­ne Lebens­mit­tel-Im­itate mehr anzu­bi­eten. [W]arum soll­te massen­hafter Geset­zes­bruch, den schon staat­li­che Kon­trolleure nicht eindäm­men kön­nen, plöt­zlich weni­ger wer­den, nur weil Ver­bands­funk­tionäre eine ent­spre­chen­de Selb­stverpflich­tung abge­ben? Die For­de­rung nach frei­williger Selb­stkon­trolle durch die Un­ternehmen ist ein beson­ders krass­es Bei­spiel von Im­itat-Poli­tik, die de fac­to jene weit­er­hin schützt, die end­lich wirk­sam kon­trol­liert und sank­tion­iert wer­den müssten.

Aber auch Julia Klöck­ner, die gera­de ver­sucht, in Rheinland-Pfalz Minis­ter­prä­si­den­tin zu wer­den, kriegt ihr Fett weg:

So war sich die Par­la­men­tarische Staats­se­kre­tä­rin im Bun­desmin­is­teri­um für Ernäh­rung, Land­wirtschaft und Ver­brauch­er­schutz, Ju­lia Klöck­ner (CDU), beim Neu­jahrsemp­fang des BLL An­fang 2010 sich­er, dass die Am­pelkennze­ich­nung bei Lebens­mit­teln »kei­ne wis­senschaftliche Grund­lage« habe und »kei­nen Nut­zen« brin­ge. An­gesichts von Hun­derten, wenn nicht Tau­sen­den von Wis­senschaftlern und Ärz­ten unter den Am­pel-Be­für­wortern ist so eine Be­haup­tung mehr als be­merkenswert. Zu erk­lären ist sol­che Ig­no­ranz nur damit, dass Ver­bände, Un­ternehmen und Poli­tik in Deutsch­land seit Jahrzehn­ten in einem Raum­schiff leben, durch des­sen Wän­de nicht mehr dringt, was »drau­ßen« passiert.

Zwar ist Bode manch­mal etwas schwat­zend und wie­der­holt sich des öfte­ren. Aber die­ses Buch muss man der­zeit ein­fach gele­sen haben.

Der Rudi

fussgaengerzone

Der Rudi, ne, das muss man wis­sen: Der Rudi ist an und für sich ene net­te Kerl. Der Rudi war lang am Bau gewe­sen, bis­ses nicht mehr ging. Denn der Rudi, der ist eigent­lich Mau­rer und was hat der nicht schon alles Mau­ern hoch­ge­zo­gen. Nu isses aber so, dass der Rudi son­nen Bauch gek­richt hat, dass er die Mau­ern nicht mehr gera­de hoch zie­hen kann. Sowas is für nen Mau­rer an und für sich jetzt eher schlecht. Das hat der Rudi jetzt auch so gese­hen. Des­we­gen hat der Rudi sich enen Schein geholt für Rücken und so und nu is der Rudi zuhause.

Da kann der Rudi ja jetzt nichts für.

Aber wat soll der Rudi dann zuhau­se? Das wuss­te sein Ingrid auch nicht. Da haben die bei­den dann eine Knei­pe auf­ge­macht. Das kann der Rudi wohl. Labern kann der ja. Das hat der noch aus Bochholt gelernt. Bocholt ist ja auch so’n Schick­sal. Wen­ne einen Müns­ter­län­der nach Bocholt fragst, dann ist das für den dem Müns­ter­land sein Wanne-Eickel. Wobei der Bochol­ter an und für sich sieht sich ja eher als Rhein­län­der. Auch wenn er im Müns­ter­land lebt. Da kann der Rudi ja auch nichts für. Aber labern kann der wohl.

Ja, wo war ich? Ja, der Rudi und sein Ingrid haben nu die­se Knei­pe. Das kön­nen die wohl. Hoch­zie­hen muss­te da nie­mand was, die stand ja schon. Und die Knei­pe ist für all die, die noch kei­nen Rol­la­tor brau­chen, aber mit Rücken zuhau­se sind. Das sind nicht weni­ge. Aber da kann der Rudi ja nichts für.

Mit denen Jungs mit Rücken macht der Rudi dann in sei­ne Knei­pe Spass. Dann spie­len die Kno­beln und so. Das kann der Rudi wohl. Labern kann der Rudi auch. Das tut den Jungs mit Rücken auch wohl gut. Da lässt der Rudi dann ger­ne die Jungs mit Rücken Lokal­run­den schmeis­sen, wenn die beim Kno­beln ver­lie­ren. Und Kno­beln kann der Rudi ja wohl. Und dass beim Kno­beln jemand ver­liert, da kann der Rudi ja nichts für.

Dann spie­len die schön bis in die Nacht rein. Und wenn die dann gut einen getrun­ken haben, dann macht der Rudi sei­ne Stri­che auf den Deckeln der Jungs mit Rücken. Das kann der Rudi ja wohl. Da kann der Rudi ja nichts für, der hat ja kei­nen eige­nen Deckel. So ist das dann.

Und an und für sich ist der Rudi ja auch ene net­te Kerl.

Naturernte — Samenbasierte Rezepte

buchleser

Wir hat­ten ja schon lan­ge nichts Ekli­ges mehr hier, also so rich­tig Ekli­ges. Dem kom­men wir mal gera­de etwas ent­ge­gen. Fotie Pfo­ten­hau­er, ja genau, deeer Fotie Pfo­ten­hau­er hat ein neu­es Koch­buch raus­ge­ge­ben. Ange­prie­sen wird es wie folgt:

Wenn Sie Koch aus Lei­den­schaft sind und kei­ne Angst haben vor neu­en Zuta­ten, wer­den Sie die­ses Buch lieben! 

Da fühlt man sich ja gera­de­zu her­aus­ge­for­dert, zu die­ser exqui­si­ten Grup­pe von Köchen zu gehö­ren? Oder nicht? Wen es anspricht, dem sei also Fotie Pfo­ten­hau­ers neu­es Buch emp­foh­len: Kochen mit Sperma.

Jens Bisky über Miriam Meckels Burnout

buchleser

Mir ist Miri­am Meckel das ers­te Mal auf­ge­fal­len, als sie damals in den Schlag­zei­len stand, jüngs­te deut­sche Pro­fes­so­rin in Müns­ter gewor­den zu sein. Und auch da schon war irgend­et­was, was mich intui­tiv an ihr stör­te. Dabei ist Miri­am Meckel grund­sym­pa­thisch, soweit ich sie ken­ne, über­durch­schnitt­lich intel­li­gent, gut­aus­se­hend, offen, sie hat die­se geis­ti­ge Unei­tel­keit, die ich sehr an Men­schen schätze.

Ich erfuhr, dass sie nach eige­ner Aus­sa­ge einen Bur­nout hat­te, ein Buch dar­über geschrie­ben hat, dass aller­dings eini­ge Leser den Inhalt für nicht so lebens­nah hiel­ten. Ich dach­te, dass da eben das zum Tra­gen kam, was mich auch irgend­wie stör­te. Aber aus­for­mu­liert hat­te ich das bis­her nicht, ich nahm das von ihr wahr, was mir über den Weg kam, aber ich las ihr Blog nur unre­gel­mä­ßig, kom­men­tier­te nichts, kauf­te nicht ihre Bücher.

Heu­te sprang mir beim Durch­blät­tern der Süd­deut­schen Zei­tung ins Auge, dass es eine ganz­sei­ti­ge Bespre­chung ihres Buches oder des­sen The­mas gab. Ich fühl­te die­sen intui­ti­ven Stör­fak­tor, der mir sag­te, dass dies nach ers­ter Ein­schät­zung nur eine unkri­ti­sche Buch­be­schrei­bung sein kön­ne, las dann aber Jens Bis­ky, den Namen des Autors, und fing an zu lesen.

Und ich las so mit gemä­ßig­tem Inter­es­se bis zu der Stel­le, die mich die Zei­tung begeis­tert weg­le­gen liess:

Aber sie braucht die kultur- und kapi­ta­lis­mus­kri­ti­schen Stel­len wohl, um den Punkt rich­tig zu set­zen. Der abschlie­ßen­de Brief — “Lie­bes Leben” — for­mu­liert in Flos­keln the­ra­pier­ter Inner­lich­keit einen Anspruch, den in den vier­zi­ger Jah­ren des 19. Jahr­hun­derts Karl Marx erhob, die For­meln der Hegel­schen Phi­lo­so­phie benutzend.

Der saß.

Nicht die Bis­ky­sche Erin­ne­rung an Marx. Die Flos­keln the­ra­pier­ter Inner­lich­keit. Es ist einer­seits das Tol­le der deut­schen Spra­che, das hier zum Aus­druck kommt. Sie ist nicht so lautschön wie ande­re, aber mit­un­ter krie­gen sie Begriffs­zu­sam­men­stel­lun­gen vor­ge­setzt, die sie selbst ent­fal­ten müs­sen, um zu erken­nen, was sich der Red­ner wie zusam­men­ge­reimt hat. Ande­rer­seits trifft es auch die Stö­rung, die ich bei Miri­am Meckel so den­ke. Die Rede von den Flos­keln the­ra­pier­ten Inner­lich­keit lässt doch bei Meckel die Fra­ge stel­len: War­um über­nimmt sie Flos­keln, die in einer The­ra­pie auf­tau­chen bei einem so per­sön­li­chen Pro­jekt wie der eige­nen Innerlichkeit?

Irgend­wie ist es das, was mich an Meckel stör­te, ohne sie des­we­gen unsym­pa­thisch zu fin­den: Das Ste­hen­blei­ben an einem gewis­sen Punkt, das geis­ti­ge Sich-Abfinden mit einer erreich­ten Höhe. Eigent­lich ist ein sol­ches Rum­mä­keln unge­hö­rig, es ist nur des­we­gen zuläs­sig, weil Meckel eben durch­aus was drauf hat.

Bis­ky setzt die­sen Tref­fer aber eben auch, nicht um Meckel in Grund und Boden zu stamp­fen, son­dern er fin­det fol­gen­den Schluss

Meckels Brief ans eige­ne Leben for­dert die indi­vi­du­el­le Unver­füg­bar­keit von den Übungs­lei­tern, Sys­tem­op­ti­mie­rern und Geschäfts­füh­rern zurück, for­dert sie auch gegen das eige­ne, not­wen­dig in der Kul­tur der Gren­zen­los­kig­keit befan­ge­ne Ich. Man muss Reser­ven in sich selbst bereit­hal­ten. Reser­va­te im Innern sorg­sam bewa­chen. Das ist kei­ne gro­ße, erst recht kei­ne radi­ka­le Lösung, aber eine lebenskluge.

Die­ser Text aber ist ein gro­ßer, so einen krie­gen nur weni­ge geschrieben.

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Jens Bis­ky — Ein erzwun­ge­nes, will­kom­me­nes Ende der Ver­läss­lich­keit, Süd­deut­sche Zei­tung, 16.03.2010

[P.S. Dage­gen hät­te sich die Süd­deut­sche Zei­tung die Ver­öf­fent­li­chung die­ses vor­ein­ge­nom­men alt­klu­gen Arti­kels von Sari­na Plauth lie­ber gespart.]

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