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Rosenbach, Marcel & Holger Stark – Staatsfeind Wikileaks

buchleserDieses Buch wartet mit diversen Anekdoten rund um Wikileaks, Wikileaks-Gründer Julian Assange und Folgebetrachtungen der Veröffentlichungen von Wikileaks auf, ufert nach der Hälfte des Buches aber in Überlegungen über den rechten Journalismus aus, die nicht zuende gedacht wirken. Also ein klassisches SPIEGEL-Produkt. Tiefere Einblicke in die Funktionsweise von Wikileaks gibt es nicht und auch ansonsten bleibt der Blick meist außen vor.

Ander Kinder Leute

Ich mag Kinder. Kinder sind offen und ehrlich. Die meisten sind keine Arschlöcher. Kinder reagieren direkt auf Kritik. Ob sie Kritik umsetzen können, steht auf einer anderen Karte. Da ist manchmal der Kritiker selbst gefragt. Wer sich aber an positiven Entwicklungen von Kindern erfreuen kann, der wird mich verstehen, wenn ich sage: Ich mag Kinder.

Aber es gibt auch verzogene Blagen, die ziehen mir an den Nerven. Das sind die Kinder, die in der Straßenbahn, in der Kaufhauskassenschlange oder im Café gegen ihre Eltern anplärren. Die Gründe für das Plärren sind oftmals das mangelnde Erziehungsvermögen der Eltern – langes Thema. Kinder betteln dann um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern, wollen an ihnen irgendein Exempel statuieren oder lassen einfach ihre schlechte Laune an ihnen aus. Sie sind einfach schrecklich laut und rauben andern Personen um Umkreis jegliche Ruhe und Konzentrationsmöglichkeit.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das ein Nichterziehungsresultat ist, so fern ich mich auch von überregulierter Erziehung distanzieren möchte. Aber diese Erwachsenen die derart unbewusst ihre pädagogische Unfähigkeit veröffentlichen sind mir ein Graus. Fast hätte ich Mitleid mit den Kindern, wenn die mich gerade nicht so nerven würde.

Deswegen nenne ich diese Nervblagen ab sofort ALKs – Ander Leute Kinder, da die charakterliche Abhängigkeit so offenkundig nervig und im Gegensatz zu Schreikindern nicht ernährungsbedingt ist.

Sinn machen oder Sinn ergeben

kannitverstanIrgendwie ist es auch mal Zeit für eine Sprachphilosophie-Ecke in diesem Blog. Eigentlich kann ein Jeder und eine Jede sprechen wie sie mag, sie sollte sich eben nur günstigenfalls verständlich ausdrücken. Insofern ist Sprachphilosophie verfehlt, wenn es irgendwem vorschreibt, wie sie oder er zu sprechen habe. Aber vielleicht gibt es hin und wieder eine für Sprecher einleuchtendere Handhabung der Sprache. Diesen Gedanken verfolge ich an dieser Stelle. Gut, dann fangen wir doch einfach mal mit einem Klassiker sprachlicher Schludrigkeit an: Sinn machen oder Sinn ergeben.

Weil es plakativer klingt, verwenden Leute heutzutage gerne die Formulierung, etwas mache Sinn, oftmals nur als Ausdruck, dass man etwas verstanden hat. Damit ist die eigentliche Bedeutung dessen, was hier in Rede steht noch etwas derangiert: Im Deutschen heißt es eigentlich, dass etwas Sinn ergibt. Hiermit behauptet man, dass ein Gedanke eine logische Herleitung innehat. Von dieser Bedeutung geht man ab, wenn man statt der deutschen Redeweise das aus dem Englischen hergenommene macht Sinn verwendet.

Die Sprachumgebung des englischen macht Sinn ist allerdings nicht vollständig im Deutschen gegeben. Man kann z.B. im Deutschen sagen, dass von einem auf den anderen Moment sich neue Gegebenheiten für eine Person ergeben haben. Dieses Satz kann man im Deutschen so leicht verständlich nicht mit dem Wort machen ausdrücken, weil machen nicht den Gedanken einer gedanklichen Herleitung innehat. Es besteht demnach keine sprachliche Notwendigkeit, vom Deutschen ins Englische zu wechseln.

Allerdings lässt es sich, wie oben schon angedeutet, plakativ, sprich rhetorisch, verwenden. Durch die Behauptung, etwas mache doch keinen Sinn, kann man einem aufgefassten Gedanken spöttisch absprechen, rational zu sein. Das tut man aber, indem man auf die Sinnlosigkeit des Gedankens anspielt, nicht auf das Manko einer nur fehlenden Herleitung innerhalb dieses Gedankens. Spitzfindig ausgedrückt: Der eigentliche Gedanke der Sinnerhaftigkeit wird durch Sinn machen eher dem gedachten Objekt als dem Denker des Objekts zugeschrieben, bei Sinn ergeben wird es ausdrücklich dem jeweils Denkenden zugeschrieben.

Es ist interessant zu sehen, dass in den 80er Jahren in der Synchronisation amerikanischer Filme nahezu ausschließlich von Sinn ergeben und heutzutage wesentlich öfter von Sinn machen die Rede ist. Dies ist im Folgenden beispielhaft an Ausschnitten von Mord ist ihr Hobby und Dr. House zu sehen:

Sehr schön aber auch, wie man in beiden Ausschnitten Logiker und Trottel aufeinandertreffen lässt. Die Konnotationen mit dem jeweiligen Sprachgebrauch sind da durchaus rauslesbar.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

Warum die Medienschelte von Guttenberg abstrus ist

kannitverstan

Ein Teil der Dolchstoßlegende von Karl-Theodor Guttenberg, aka Rücktrittserklärung, ist ja die Medienschelte. Diese besagt, dass in den letzten Wochen im Vergleich der Berichterstattung von toten Soldaten in Afghanistan und der Berichterstattung über das Guttenbergsche Plagiat zu wenig über die toten Soldaten und zu viel über Guttenberg berichtet worden sei. Das bedeutet, dass es für Guttenberg eine sinnvolle Vergleichsbasis zwischen der einen und der anderen Berichterstattung geben müsste.

Dieser zu Grunde liegende Gedanke ist allerdings Mumpitz.

Denn wäre dem so, dann müsste Guttenberg denken können, dass es einen Berichterstattungszustand gibt, der so ist, dass er sinnvoll der Meinung sein könnte, dass die Medien vergleichsweise zu wenig über sein Doktorarbeitsplagiat und zu viel über tote Bundeswehrsoldaten berichten. Vom Standpunkt Guttenbergs aus ist aber überhaupt keine Berichterstattung über sein Plagiat sinnvoll.

Daher ist die Medienschelte seitens Guttenberg abstrus.

Die drei Grundnahrungsmittel

fussgaengerzoneNolens volens mitgehört.

Also, mein Jüngster, der macht mir momentan nur Probleme. Der isst nur noch Oliven – Oliven isst der ohne Ende -, Paprika, Gurke, Zitrone direkt und so. Kein’ Schokolaaaaade, kein’ Cola, kein’ Wurst. Ich hab schon mit der Lehrerin gesprochen. Aber ich weiß echt nicht mehr, was ich tun soll. Wenn das so weiter geht… Der verhungert mir noch.

Bode, Thilo – Die Essensfälscher

buchleser

Es gab vor ein paar Jahren ja ein Buch, dass „Endlich Nichtraucher“ oder so hieß. damals habe ich von vielen gehört, dass dies für sie ein Ende machte mit allen Selbsttäuschungen über ihr Rauchverhalten. Ähnlich könnte es Lesern bei der Lektüre von Die Essensfälscher. Was Lebensmittelkonzerne uns auf die Teller lügen von Thilo Bode, derzeit auch in der Sachbuchbestsellerliste zu finden, gehen.
Bode verdeutlicht, wie oftmals versteckt zuckerhaltig Vieles im Supermarkt ist, dass nicht Bewegung, sondern Ernährung das Problem des allgemein ansteigenden Übergewichts ist, und wie fadenscheinig Verbraucherpolitik und wie notwendig verständliche Produktinformation ist.

Das geht in diesem Buch vor allem auf die Kappe der CDU. Für Bode ist das Verbraucherschutzministerium von Ilse Aigner schlicht ein Lobbyministerium:

Ger­adezu ab­surd ist de­shalb die Forderung von Bun­desver­brauch­er­schutzmin­is­terin Ilse Aign­er (CSU), die Gas­tronomie solle sich die »frei­willige Selb­stverpflich­tung« aufer­legen, keine Lebens­mit­tel-Im­itate mehr anzu­bi­eten. [W]arum sollte massen­hafter Geset­zes­bruch, den schon staatliche Kon­trolleure nicht eindäm­men kön­nen, plöt­zlich weniger wer­den, nur weil Ver­bands­funk­tionäre eine entsprechende Selb­stverpflich­tung abgeben? Die Forderung nach frei­williger Selb­stkon­trolle durch die Un­ternehmen ist ein beson­ders krass­es Beispiel von Im­itat-Poli­tik, die de fac­to jene weit­er­hin schützt, die endlich wirk­sam kon­trol­liert und sank­tion­iert wer­den müssten.

Aber auch Julia Klöckner, die gerade versucht, in Rheinland-Pfalz Ministerpräsidentin zu werden, kriegt ihr Fett weg:

So war sich die Par­la­men­tarische Staatssekretärin im Bun­desmin­is­teri­um für Ernährung, Land­wirtschaft und Ver­brauch­er­schutz, Ju­lia Klöck­ner (CDU), beim Neu­jahrsemp­fang des BLL An­fang 2010 sich­er, dass die Am­pelkennze­ich­nung bei Lebens­mit­teln »keine wis­senschaftliche Grund­lage« habe und »keinen Nutzen« bringe. An­gesichts von Hun­derten, wenn nicht Tausenden von Wis­senschaftlern und Ärzten unter den Am­pel-Be­für­wortern ist so eine Be­haup­tung mehr als be­merkenswert. Zu erk­lären ist solche Ig­no­ranz nur damit, dass Ver­bände, Un­ternehmen und Poli­tik in Deutsch­land seit Jahrzehn­ten in einem Raum­schiff leben, durch dessen Wände nicht mehr dringt, was »draußen« passiert.

Zwar ist Bode manchmal etwas schwatzend und wiederholt sich des öfteren. Aber dieses Buch muss man derzeit einfach gelesen haben.

Der Rudi

fussgaengerzoneDer Rudi, ne, das muss man wissen: Der Rudi ist an und für sich ene nette Kerl. Der Rudi war lang am Bau gewesen, bisses nicht mehr ging. Denn der Rudi, der ist eigentlich Maurer und was hat der nicht schon alles Mauern hochgezogen. Nu isses aber so, dass der Rudi sonnen Bauch gekricht hat, dass er die Mauern nicht mehr gerade hoch ziehen kann. Sowas is für nen Maurer an und für sich jetzt eher schlecht. Das hat der Rudi jetzt auch so gesehen. Deswegen hat der Rudi sich enen Schein geholt für Rücken und so und nu is der Rudi zuhause.

Da kann der Rudi ja jetzt nichts für.

Aber wat soll der Rudi dann zuhause? Das wusste sein Ingrid auch nicht. Da haben die beiden dann eine Kneipe aufgemacht. Das kann der Rudi wohl. Labern kann der ja. Das hat der noch aus Bochholt gelernt. Bocholt ist ja auch so’n Schicksal. Wenne einen Münsterländer nach Bocholt fragst, dann ist das für den dem Münsterland sein Wanne-Eickel. Wobei der Bocholter an und für sich sieht sich ja eher als Rheinländer. Auch wenn er im Münsterland lebt. Da kann der Rudi ja auch nichts für. Aber labern kann der wohl.

Ja, wo war ich? Ja, der Rudi und sein Ingrid haben nu diese Kneipe. Das können die wohl. Hochziehen musste da niemand was, die stand ja schon. Und die Kneipe ist für all die, die noch keinen Rollator brauchen, aber mit Rücken zuhause sind. Das sind nicht wenige. Aber da kann der Rudi ja nichts für.

Mit denen Jungs mit Rücken macht der Rudi dann in seine Kneipe Spass. Dann spielen die Knobeln und so. Das kann der Rudi wohl. Labern kann der Rudi auch. Das tut den Jungs mit Rücken auch wohl gut. Da lässt der Rudi dann gerne die Jungs mit Rücken Lokalrunden schmeissen, wenn die beim Knobeln verlieren. Und Knobeln kann der Rudi ja wohl. Und dass beim Knobeln jemand verliert, da kann der Rudi ja nichts für.

Dann spielen die schön bis in die Nacht rein. Und wenn die dann gut einen getrunken haben, dann macht der Rudi seine Striche auf den Deckeln der Jungs mit Rücken. Das kann der Rudi ja wohl. Da kann der Rudi ja nichts für, der hat ja keinen eigenen Deckel. So ist das dann.

Und an und für sich ist der Rudi ja auch ene nette Kerl.

Naturernte – Samenbasierte Rezepte

buchleserWir hatten ja schon lange nichts Ekliges mehr hier, also so richtig Ekliges. Dem kommen wir mal gerade etwas entgegen. Fotie Pfotenhauer, ja genau, deeer Fotie Pfotenhauer hat ein neues Kochbuch rausgegeben. Angepriesen wird es wie folgt:

Wenn Sie Koch aus Leidenschaft sind und keine Angst haben vor neuen Zutaten, werden Sie dieses Buch lieben!

Da fühlt man sich ja geradezu herausgefordert, zu dieser exquisiten Gruppe von Köchen zu gehören? Oder nicht? Wen es anspricht, dem sei also Fotie Pfotenhauers neues Buch empfohlen: Kochen mit Sperma.

Jens Bisky über Miriam Meckels Burnout

buchleser

Mir ist Miriam Meckel das erste Mal aufgefallen, als sie damals in den Schlagzeilen stand, jüngste deutsche Professorin in Münster geworden zu sein. Und auch da schon war irgendetwas, was mich intuitiv an ihr störte. Dabei ist Miriam Meckel grundsympathisch, soweit ich sie kenne, überdurchschnittlich intelligent, gutaussehend, offen, sie hat diese geistige Uneitelkeit, die ich sehr an Menschen schätze.

Ich erfuhr, dass sie nach eigener Aussage einen Burnout hatte, ein Buch darüber geschrieben hat, dass allerdings einige Leser den Inhalt für nicht so lebensnah hielten. Ich dachte, dass da eben das zum Tragen kam, was mich auch irgendwie störte. Aber ausformuliert hatte ich das bisher nicht, ich nahm das von ihr wahr, was mir über den Weg kam, aber ich las ihr Blog nur unregelmäßig, kommentierte nichts, kaufte nicht ihre Bücher.

Heute sprang mir beim Durchblättern der Süddeutschen Zeitung ins Auge, dass es eine ganzseitige Besprechung ihres Buches oder dessen Themas gab. Ich fühlte diesen intuitiven Störfaktor, der mir sagte, dass dies nach erster Einschätzung nur eine unkritische Buchbeschreibung sein könne, las dann aber Jens Bisky, den Namen des Autors, und fing an zu lesen.

Und ich las so mit gemäßigtem Interesse bis zu der Stelle, die mich die Zeitung begeistert weglegen liess:

Aber sie braucht die kultur- und kapitalismuskritischen Stellen wohl, um den Punkt richtig zu setzen. Der abschließende Brief – „Liebes Leben“ – formuliert in Floskeln therapierter Innerlichkeit einen Anspruch, den in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts Karl Marx erhob, die Formeln der Hegelschen Philosophie benutzend.

Der saß.

Nicht die Biskysche Erinnerung an Marx. Die Floskeln therapierter Innerlichkeit. Es ist einerseits das Tolle der deutschen Sprache, das hier zum Ausdruck kommt. Sie ist nicht so lautschön wie andere, aber mitunter kriegen sie Begriffszusammenstellungen vorgesetzt, die sie selbst entfalten müssen, um zu erkennen, was sich der Redner wie zusammengereimt hat. Andererseits trifft es auch die Störung, die ich bei Miriam Meckel so denke. Die Rede von den Floskeln therapierten Innerlichkeit lässt doch bei Meckel die Frage stellen: Warum übernimmt sie Floskeln, die in einer Therapie auftauchen bei einem so persönlichen Projekt wie der eigenen Innerlichkeit?

Irgendwie ist es das, was mich an Meckel störte, ohne sie deswegen unsympathisch zu finden: Das Stehenbleiben an einem gewissen Punkt, das geistige Sich-Abfinden mit einer erreichten Höhe. Eigentlich ist ein solches Rummäkeln ungehörig, es ist nur deswegen zulässig, weil Meckel eben durchaus was drauf hat.

Bisky setzt diesen Treffer aber eben auch, nicht um Meckel in Grund und Boden zu stampfen, sondern er findet folgenden Schluss

Meckels Brief ans eigene Leben fordert die individuelle Unverfügbarkeit von den Übungsleitern, Systemoptimierern und Geschäftsführern zurück, fordert sie auch gegen das eigene, notwendig in der Kultur der Grenzenloskigkeit befangene Ich. Man muss Reserven in sich selbst bereithalten. Reservate im Innern sorgsam bewachen. Das ist keine große, erst recht keine radikale Lösung, aber eine lebenskluge.

Dieser Text aber ist ein großer, so einen kriegen nur wenige geschrieben.

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Jens Bisky – Ein erzwungenes, willkommenes Ende der Verlässlichkeit, Süddeutsche Zeitung, 16.03.2010

[P.S. Dagegen hätte sich die Süddeutsche Zeitung die Veröffentlichung dieses voreingenommen altklugen Artikels von Sarina Plauth lieber gespart.]

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