Gute Nacht, Freunde! https://t.co/wtpCZoHLQi

Diskurs

kannitverstan

Ich habe mich vor 5 Jahren mal in einem Flyer über den Begriff Sachzwänge empört. Dann hat man lieber von alternativlos geredet, da ansonsten doch zu durchsichtlich ist, dass man den Dingen Zwänge unterstellt, die von diesen einfach nicht ausgehen. Alternativlos ist dann letztes Jahr verbrannt, hat ja auch lange gedauert.

Der Begriff der Netzgemeinde oder ähnliche Wortkonstrukte verbrennt gerade etwas schneller. Nötig hätte das Verbrennen in der öffentlichen Rede auch das Wort Diskurs.

Schon der Wikipedia-Eintrag des Begriffes wirkt so unbelesen, dass man sagen muss: Heute wird das Wort oftmals nur noch so verwendet, dass das eigene Gefasel unabhängig von seinem Gehalt geadelt werden soll. Und insofern ist die Verwendung völlig überflüssig und verschleiert eine Sacherörterung mehr, als dass seine Verwendung eine sachliche Verbesserung darstellt.

Im Wissenschaftlichen bereich mag das Wort noch seine Berechtigung haben, aber auch dort ist oftmals nur von der öffentlichen Meinung die Rede, wenn hochtrabend von Diskurs gesprochen wird.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

Der Unterschied zwischen Comedians und Kabarettisten

Comedians machen das wegen dem Geld,
Kabarettisten wegen des Geldes.

[via]

Wirtschaftswunder

Irgendwie habe ich noch kein Aufregungsverhältnis zu dieser Plakat-Aktion am Wirtschaftsministerium:

Vielleicht wundern die sich, dass einer wie der Brüderle Wirtschaftsminister ist.

Richard David Precht – Die Kunst, kein Egoist zu sein

buchleser

Das was Sascha Lobo für die Bloggerszene ist, ist Richard David Precht für die Literatur: Ein halbgebildeter Schwätzer. Und so erzählt Precht in seinem neuesten Populismuskitschwerk die Mär von heutiger Moral, verpackt für Leute, die nicht an einer ernsthaften Befassung mit der Thematik interessiert sind. Das ist so elendig viel Gelaber und so wenig Substanz, so gar kein roter Faden und gelebtes Besserwissertum, dass das Buch von Anfang bis Ende in seiner Klugscheisserei nervt. Wenn Precht sich dann mal dazu erhebt, Klartext zu reden, ist es auch gleich nichts:

Was ist das überhaupt – die Moral? Es ist die Art, wie wir miteinander umgehen.

Das ist schlicht falsch: Die Art, wie Menschen miteinander umgehen, ist das Sozialverhalten. Moral ist das Normensystem, nach dem gehandelt werden soll.

Das sind so Bücher, für die es vielleicht einen Markt, aber der Sache nach keine Berechtigung gibt. Schund eben.

Freiheit

kannitverstan

Freiheit nach Marius Müller-Westernhagen ist ja das Einzige was zählt. Aber damit wurde damals wohl nur Freiheit von politischer Unterdrückung gemeint. Wenn man nicht gerade der Meinung ist, dass man Begriffe wie Freiheit gar nicht sinnvoll ausdrücken kann, weil jeder mit Recht etwas anderes darunter verstehen kann, vertut man sich. Man vertut sich aber auch, wenn man so wie die FDP alles „Freiheit“ nennt, was man irgendwie gut findet. Dort gibt es sogar einen Fotowettbewerb zur Freiheit. Als ob man Freiheit fotographieren könnte.

Das Wort klingt gut, es hat eine durch und durch positive Ausstrahlung und doch ist nicht genau klar, was darunter zu verstehen ist. Im Internet lässt sich allerdings ein philosophischer Text finden, der wohl aktuell zum Besten gehört, was aus der Wissenschaft der Philosophie derzeit hervorgegangen ist. Er stammt von Georg Geismann , einem vielleicht etwas schrulligen, aber zweifellos sehr wichtigen, ermeritierten Professoren. Sein Spezialgebiet ist Kant. Mit Kant verhält es sich nun so, dass es glühende Anhänger der Philosophie Kants und starke Ablehner. Es ist ein weites Feld, sich mit der Entstehung der Haltung totaler Ablehnung Kants zu beschäftigen, ich finde diese Haltung allerdings nur hinderlich. Denn Kant hat tatsächlich heute noch Gewichtiges zu sagen. Leider stempeln viele in der Philosophie Kant als historisch und daher nicht mehr aktuell ab. Das ist ungefähr so, als würde man Beethoven mit Tokio Hotel vergleichen und meine, es komme zur Bewertung der Bedeutung der Schaffenden darauf an, ob man noch lebt oder nicht.

Es ist allerdings kein einfaches Unternehmen, über ein durchaus schwieriges Textstück, wie Geissmann es vorlegt zu bloggen. Die deutsche Bloggosphäre ist zwar bunt, aber doch oftmals oberflächlich.

Geismanns Text lautet Kant über Freiheit in spekulativer und in praktischer Hinsicht [pdf]. Die Ausdrucksweise, wie man hier schon merkt, ist mitunter durchaus bedacht. Die Überschrift handelt von zwei Hinsichten auf dasselbe Wort oder denselben Begriff, um sich philosophisch auszudrücken.

Im Text, den man sich durchaus mal anschauen sollte, findet man weitere Besonderheiten: Mit Willkür ist nicht der heuteige Begriff von Willkürlichkeit gemeint, sondern die bewußt getroffene Wahl, die eigene Entscheidung. Mit Freiheit in praktischer Hinsicht ist Entscheidungsfreiheit gemeint, mit in theoretischer Hinsicht Handlungsfreiheit. In aktuellen Diskussionen wird meist über letzteren Begriff geredet. Z.B.: Ist der Vorgang, dass ich jetzt meine Hand hebe, wirklich hauptsächlich auf meinen Gedanken, dass ich jetzt die Hand heben will, zurückzuführen?

Das verneinen Biologen und einige Philosophen heute meist. Dagegen gibt es aber noch Freiheit in praktischer Hinsicht, da Menschen ihre Handlungen planen können. Sie können Entscheidungen treffen über Handlungen, die sie künftig vollziehen. Freiheit in theoretischer Hinsicht wird an dieser Stelle nicht in den Fokus genommen, von ihr wird abstrahiert. Weil es diese Freiheit in praktischer Hinsicht gibt, redet man von einer Verantwortung, die Menschen für ihre Taten haben. Für einige Biologen besteht diese Verantwortung nicht, aber meines Erachtens nur aus dem Grunde, weil sie Freiheit nur in theoretischer Hinsicht annehmen. Aus dieser Sichtweise heraus wäre die Ansicht richtig.

Man muss nicht alle Begriffe verstehen, sollten dennoch Begriffsunklarheiten bestehen, lohnt ein Blick in das online verfügbare Kant-Lexikon.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

Sinn machen oder Sinn ergeben

kannitverstanIrgendwie ist es auch mal Zeit für eine Sprachphilosophie-Ecke in diesem Blog. Eigentlich kann ein Jeder und eine Jede sprechen wie sie mag, sie sollte sich eben nur günstigenfalls verständlich ausdrücken. Insofern ist Sprachphilosophie verfehlt, wenn es irgendwem vorschreibt, wie sie oder er zu sprechen habe. Aber vielleicht gibt es hin und wieder eine für Sprecher einleuchtendere Handhabung der Sprache. Diesen Gedanken verfolge ich an dieser Stelle. Gut, dann fangen wir doch einfach mal mit einem Klassiker sprachlicher Schludrigkeit an: Sinn machen oder Sinn ergeben.

Weil es plakativer klingt, verwenden Leute heutzutage gerne die Formulierung, etwas mache Sinn, oftmals nur als Ausdruck, dass man etwas verstanden hat. Damit ist die eigentliche Bedeutung dessen, was hier in Rede steht noch etwas derangiert: Im Deutschen heißt es eigentlich, dass etwas Sinn ergibt. Hiermit behauptet man, dass ein Gedanke eine logische Herleitung innehat. Von dieser Bedeutung geht man ab, wenn man statt der deutschen Redeweise das aus dem Englischen hergenommene macht Sinn verwendet.

Die Sprachumgebung des englischen macht Sinn ist allerdings nicht vollständig im Deutschen gegeben. Man kann z.B. im Deutschen sagen, dass von einem auf den anderen Moment sich neue Gegebenheiten für eine Person ergeben haben. Dieses Satz kann man im Deutschen so leicht verständlich nicht mit dem Wort machen ausdrücken, weil machen nicht den Gedanken einer gedanklichen Herleitung innehat. Es besteht demnach keine sprachliche Notwendigkeit, vom Deutschen ins Englische zu wechseln.

Allerdings lässt es sich, wie oben schon angedeutet, plakativ, sprich rhetorisch, verwenden. Durch die Behauptung, etwas mache doch keinen Sinn, kann man einem aufgefassten Gedanken spöttisch absprechen, rational zu sein. Das tut man aber, indem man auf die Sinnlosigkeit des Gedankens anspielt, nicht auf das Manko einer nur fehlenden Herleitung innerhalb dieses Gedankens. Spitzfindig ausgedrückt: Der eigentliche Gedanke der Sinnerhaftigkeit wird durch Sinn machen eher dem gedachten Objekt als dem Denker des Objekts zugeschrieben, bei Sinn ergeben wird es ausdrücklich dem jeweils Denkenden zugeschrieben.

Es ist interessant zu sehen, dass in den 80er Jahren in der Synchronisation amerikanischer Filme nahezu ausschließlich von Sinn ergeben und heutzutage wesentlich öfter von Sinn machen die Rede ist. Dies ist im Folgenden beispielhaft an Ausschnitten von Mord ist ihr Hobby und Dr. House zu sehen:

Sehr schön aber auch, wie man in beiden Ausschnitten Logiker und Trottel aufeinandertreffen lässt. Die Konnotationen mit dem jeweiligen Sprachgebrauch sind da durchaus rauslesbar.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

Warum die Medienschelte von Guttenberg abstrus ist

kannitverstan

Ein Teil der Dolchstoßlegende von Karl-Theodor Guttenberg, aka Rücktrittserklärung, ist ja die Medienschelte. Diese besagt, dass in den letzten Wochen im Vergleich der Berichterstattung von toten Soldaten in Afghanistan und der Berichterstattung über das Guttenbergsche Plagiat zu wenig über die toten Soldaten und zu viel über Guttenberg berichtet worden sei. Das bedeutet, dass es für Guttenberg eine sinnvolle Vergleichsbasis zwischen der einen und der anderen Berichterstattung geben müsste.

Dieser zu Grunde liegende Gedanke ist allerdings Mumpitz.

Denn wäre dem so, dann müsste Guttenberg denken können, dass es einen Berichterstattungszustand gibt, der so ist, dass er sinnvoll der Meinung sein könnte, dass die Medien vergleichsweise zu wenig über sein Doktorarbeitsplagiat und zu viel über tote Bundeswehrsoldaten berichten. Vom Standpunkt Guttenbergs aus ist aber überhaupt keine Berichterstattung über sein Plagiat sinnvoll.

Daher ist die Medienschelte seitens Guttenberg abstrus.

August 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
« Jul    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031  
Pinnwand
Schriftgröße
Vor 5 Jahren
    • none
Seite 2 von 212