Nomma Tach.

Kuttner, Sarah – Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart * Klolektüre (24)

Sarah Kuttner fand ich immer nett und wollte nie ein Buch von ihr Lesen. Da ich dann diesen Schmöker fand, wanderte er zumindest ganz kurz mal aufs Klo. Und dann blättert man da rein, ist enttäuscht, weil der quietschige Inhalt so flach wie die Schreibkunst ist, blättert weiter und weiter, weil vielleicht doch noch was Interessanteres kommen könnte, kommt dann zu längeren, aber eben nicht tiefschürferenden Texten – anfangs werden nur kolummnenartig Fragen beantwortet – und schwupps ist das Büchlein am Ende. Dass es solche Texte ernsthaft in die Süddeutsche Zeitung geschafft haben, ist wohl nur dem Vermarktungswert geschuldet. Ein anderer Leser verreißt dieses Kaugummiwerk so:

Bei der Beantwortung jeder Frage greift sie das Thema auf, nimmt ein Wörterbuch zur Hand und entnimmt diesem irgendeinen x-beliebigen Begriff. Diesen lässt sie dann zusammen mit einigen Trivialitäten ihres Alltags in die Antwort einfließen. Was bisweilen als frech, unkonventionell und postmodern gepriesen wird, ist bei nüchterner Betrachtung blanker Nonsens. Da die begrifflichen Verbindungen (Weihnachtsmann-Mundgeruch, Frank Elstner-Epiliergeräte, etc.) keiner Geistesleistung, sondern eher dem Zufall geschuldet sind, fehlt der intellektuelle Mehrwert in dem Buch fast vollständig.

Das Cover ist noch das Beste an diesem Bändchen, daher gibt es für diesen lahmen Schmöker von fünf möglichen Klorollen:

Veiel, Andres – Black Box BRD

Dieses Buch ist auch schon wieder alt, aber nicht mal angestaubt, wie mir scheint. In bezug auf die Ermordung Alfred Herrhausens ist man in den letzten Jahren kein Stück weiter gekommen. In diesem Buch wird erzählerisch das Leben Herrhausens und das von Wolfgang Grams, die beide im Strudel R.A.F.-Terrors ihr Leben verloren. Das Buch verglichen mit dem Film ist spannender, dichter, der Film dagegen mit den Stimmen der Beteiligten und Betroffenen anschaulicher.

Simsek Semiya, Peter Schwarz – Schmerzliche Heimat

buchleser So langsam komme ich mal meiner Ableseliste hinterher: Dieses Buch beinhaltet Semiya Şimşeks Beschreibung des Lebens und der Ermordung durch die NSU ihres Vaters, Enver Şimşek, den Folgen für ihre Familie und erbärmliche Rolle, die der deutsche Staat bei der Aufarbeitung gespielt hat und immer noch spielt.

Wir schreiben das Jahr 2017, der Mord an Enver Şimşek liegt 16 Jahre zurück, und der Prozess gegen das letzte Mitglied der für die dazugehörende Mordserie verantwortliche Gruppe, geht dem Ende entgegen. Und dennoch ist es erschreckend, wie viele wichtige Fragen hierzu offen sind und vielleicht bleiben.

Dieses Buch verschafft einen Einblick in die Situation, wie sie sich für beteiligte Familienangehörige, darstellt. Es verliert sich nicht in kitschigen oder anders sachfremden Beschreibungen, sondern fokussiert sich auf die Tat und ihre Nachwirkungen. Abgeschlossen wird es von einer juristischen Einschätzung der Angelegenheit durch die Anwälte von Semiya Şimşek, die aus ihrer Sicht noch mal klar machen, um was für einen politischen Skandal es hier eigentlich geht. Das es bei der ganzen Sache noch keinen einzigen Rücktritt eines zuständigen Beamten gegeben hat, ist nicht minder verwunderlich, eher aussagekräftig.

Ein Plädoyer für Gerechtigkeit und dafür, in der Katastrophe Stärke zeigen zu können.

Schill, Nadine – Hochzeitsplanung für Dummies

Einen ganz guten Überblick über diverse Themen einer Hochzeit, so wie man sie heutzutage angehen sollte, bietet dieser Schmöker der Dummies-Reihe. Wobei die Ratschlaggeberei im Detail leider schon wieder etwas schwach ausfällt:

Eine Band kostet in etwa das Drei- bis Vierfache eines DJs. (…) Eine gute Band hat einfach ihren Preis. Hier muss man schon ein wenig den Namen mitbezahlen. Aus verschiedenen Gründen ist ein DJ aber ohnehin fast immer die bessere Wahl: Bands verfügen oft über kein so großes Repertoire. Der DJ kann hingegen die Charts der letzten 30 Jahre aus seinem Koffer zaubern. Zudem benötigt eine Band viel Platz und sie produziert eine gewisse Grundlautstärke.

Also da haben wir gerade eine gegenteilige Erfahrung gemacht: DJs unter 1000€ – sofern man sie nicht schon kennt – sind kaum zu bekommen, wenn man sicher gehen möchte, dass der- oder diejenige in der Lage ist, Hochzeiten musikalisch im Griff zu haben. Eine Band liegt da nicht weit von entfernt, man muss auch gerade nicht den Namen mitbezahlen, meiner Meinung nach sind passende Bands mitunter preiswert.

Und was den Hochzeitsfotografen angeht:

Der Amateur (…) ist unschlagbar günstig. Das werden Sie seinen Bildern jedoch auch stets ansehen. (…) Schlechte Bilder jedoch werden Sie ein Leben lang begleiten!

Das ist der Posten, den wir gerade auf Null geschraubt haben, eben weil wir professionelle Fotografen, die wir bislang erlebt haben, so gar nicht gut fanden. Wir setzen auf den Amateur, der Spaß daran hat, sicher nicht nur Fotos machen wird, aber auch, und der sehr wohl professionelle Fotos hinbekommt.

Kurzum: Die Bandbreite der Themen lässt nichts fast nichts zu wünschen übrig, allerdings hätten Tipps, wie man ohne Qualitätsverlust Einsparungen machen kann, dem Buch – das für sich absolut preiswert ist – gut getan. Das Buch ist im Umfang der aufgestellten Fragen und mit diversen unterschiedlichen Meinungen sehr empfehlenswert. Die Antworten – abgesehen vom rechtlichen Bereich – gibt man sich dann aber besser einfach selbst.

Lichter, Horst – Keine Zeit für Arschlöcher

Nach der Lektüre dieses Buches würde ich sagen: Horst Lichter ist ein herzensguter Rheinländer, der im Fernsehen einer der letzten sympathischen Fernseh-Moderatoren der leichten Unterhaltung darstellt und der überflüssige Bücher schreibt. Dieser Biographie geht leider komplett das Analytische ab, sie ist zwar aufrichtig, aber kratzt nur an Oberflächen. Es wird gelitten, es wird geweint, es wird gefeiert, es wird was erreicht. Aber wie man aus Tälern herauskommt, wie man Erfolg verkraftet, einordnet, wie man zuhört, wie man Arschlöcher erkennt und umgeht, wie es der Titel doch irgendwie anvisiert wird – das alles fehlt in diesem Buch. Alles schwimmt im Ungefähren. Für Fans eine einfühlsame Unterhaltung, das war’s aber auch.

Emcke, Carolin – Gegen den Hass

Ich dachte erst, man müsste die Autorin eventuell gegen ihre Kritiker in Schutz nehmen, aber allzu schlimm fand ich die Kritik dann doch nicht.

Emcke befasst sich in ihrem aktuellen Buch mit den aufkeimenden und gediehenen nationalistischen Positionen in Deutschland und darüber hinaus, wobei sie einen Akzent setzen möchte für die Verteidigung von Minderheiten im Lichte des Populismus dieser Zeit. Sie brilliert an den Stellen, an denen sie Positionen als diskriminierend und polemisierend demaskiert, indem sie die Position unaufgeregt entschlüsselt. Weniger überzeugend ist Emcke allerdings in ihrer Einordnung von Positionen in einen historischen oder wissenschaftlichen Kontext. So bestimmt sie die „Parteilichkeit der Verstandeswaage“ aus einer Textstelle aus Kants „Träume eines Geistersehers“, d.i. ein Text vor dessen so genannter kritischen Phase, als „Voreingenommenheit durch die Hoffnung“, wobei es an der betreffenden Stelle im Kantischen Text überhaupt nicht um Hoffnung geht. Um Hoffnung geht es bei Kant in der Religionsphilosophie. So ein Namedropping ist so wenig überzeugend wie beeindruckend. Und auch wenn andere Stellen in ihrer gewollten Belehrung eher nerven als einnehmen, ist das Buch wegen der Analysefährigkeit der Autorin empfehlenswert.

Proimas, James – 12 things to do before you crash and burn *Klokeltüre (23)

Dieser Schmöker ist eigentlich ein Jugendbuch, aber wegen seines Witzes und der Kürze seiner Einzelepisoden durchaus auch für Erwachsene Broiler interessant: Hercs Vater ist gestorben. Un weil er auf der Beerdigung als einziger den Mumm hat, zu sagen, das sein Vater ein Arschloch war, wird Herc zur Strafe zu seinem Onkel geschickt, der ihm wie seinem Namensgeber für die Zeit seines Aufenthalts 12 Tag für Tag abzuarbeitende Aufgaben stellt:

  1. Such dir eine Aufgabe.
  2. Finde den besten Pizzaladen der Stadt.
  3. Räum die Garage auf.
  4. Miste die Ställe auf der Riverbend Farm aus.
  5. Setz dich unter einen Baum und lies ein kompettes Buch.
  6. Begib dich an einen Ort der Huldigung und des Gebets.
  7. Geh zu sieben Bewerbungsgesprächen.
  8. Verbring den Tag mit großen Gedanken, Schreib sie auf.
  9. Iss eine Mahlzeit mit einem Unebkannten.
  10. Mach etwas für mich.
  11. Trag auf der Mitternachtslyriklesung im Blake’s Coffee Shop ein Gedicht vor.
  12. Beende deine Aufgabe.

Die Geschichten behalten dank guter Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn den mitunter schroffen Stil des Originals und erheitern durch wiederholte Aushebelung der Erwartungen des Lesers. Der aufheiternde Schmöker bekommt von fünf möglichen Klorollen:

Sünder, Thomas: Wer Ja sagt, darf auch Tante Käthe ausladen

Wer zu heiraten beabsichtigt, darf auch mal ein Buch zur Hand nehmen, wie eine Hochzeitsfeier denn ablaufen soll. Und da griff ich zu diesem Schmöker von Thomas Sünder, einem Hamburger DJ.

Der Autor beschreibt ganz treffend, dass man sich klarmachen sollte, dass es sich bei dieser Feier wohl um die teuerste Veranstaltung handeln wird, die man privat in seinem Leben ausrichten wird. Und zur Untermauerung, dass man es sich allein aus diesem Grunde bei den diversen Einzelentscheidungen nicht zu leicht machen soll, fügt er diverse unterhaltende Beispiele an.

Diese Beispiele wirken zwar auf den ersten Blick etwas weit weg, weil nicht jeder Vorfall so bei einem selbst eintreten wird, aber dafür treten andere ein, die die Heiratswilligen vor vergleichbare Probleme stellen.

Als DJ ist er bei der Frage nach der Musik auf einer Hochzeit natürlich ganz in seinem Metier: Man sollte gerade auf die Musikdarbietung achten, da sie einen ganz großen Teil der Hochzeit ausmacht. Sünder spricht in der Folge von überteuerten und zu billigen DJs, von typischen Anmachsprüchen an DJs und von untauglichen Bewerbungssprüchen der Musikanten.

Uns hat die Lektüre nach Durchschauen des Internet und Informationen über das Können lokaler DJs dazu bewogen, eine Band zu engagieren. So ungefähr funktioniert der Schmöker und insofern ist er nützlich.

von der Lippe, Jürgen – Beim Dehnen singe ich Balladen * Klolektüre (22)

Jürgen von der Lippes Schmöker haben nicht selten die Eigenschaft, dass sie in der eigenen Wiedergabe nicht so lustig sind, als wenn der Autor selbst sein Werk wiedergibt. Dahingehend scheint auch der etwas bräsige Titel dieses Schinkens zu verweisen. Allerdings sollte man sich in diesem Fall nicht täuschen lassen: Der Entertainer unterhält den geneigten Leser durchaus gut mit absurder Situationskomik – wenn auch die Geschichtsenden, von denen er anfangs schreibt, dass sie gut sein müssen, reihnenweise enttäuschen.

Auch wenn die Geschichten in vorgetragener Form erst ihren eigentlichen Reiz entfalten – das Hörbuch mit Carolin Kebekus und Jochen Malmsheimer sei an dieser Stelle wärmstens empfohlen-, gibt es für diesen gelungenen, kurzweiigen Schmöker von fünf möglichen Klorollen:

Weihnachtsbuchgeschenktipps

Wer kurz vor Weihnachten noch ein Geschenk braucht, nicht irgendwas schenken will und Büchern nicht abgeneigt ist, dem sei folgendes empfohlen:

Literatur / Thriller
Meine Tante beschwert sich mal, dass sie seitdem sie 80 ist nur noch Bücher übers Älterwerden und den Tod bekäme. Deswegen bekommt sie nun Fuminori Nakamura – Der Dieb. Eine spannende Geschichte aus dem Alltagsleben eines Taschendiebes in Tokio, den seine Vergangenheit einholt.

Literatur / Liebesgeschichte
Thomas Meyer — Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse. War in der Schweiz ein Bestseller und beschreibt witzig das jüdische Alltagsleben in der Schweiz.

Literatur / Familiengeschichte
Alina Bronsky – Baba Dunjas letzte Liebe. Baba Dunja schreibt Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist, über das Leben in ihrem russischen Dorf: Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf und bedroht die Dorfgemeinschaft.

Kinderbuch ab 4 Jahren
Alice Melvin – Emma kauft ein. Sehr schön bebilderte Kurzgeschichte.

Kinderbuch
Oren Lavie – Der Bär, der nicht da war. „Da ist er, der Bär, der gerade noch nicht da war, und zieht aus seiner Tasche einen Zettel, auf dem steht: »Bist du ich?« Gute Frage, denkt er sich, finden wir es heraus! Sofort macht er sich auf und wandert in den wundersamen Wald.“ Einfallsreiche Geschichte mit wundervoller Bebilderung – auch für Erwachsene.

Englischer Schmöker
Ein mysteriöser Mann gibt Zwillingen einen Controller, der aber nicht für ihre bisherigen Videospiele geeignet ist. Als sie verstehen, was man über ihn beeinflusst, wähnen sie sich im Land ihrer Träume. David Baddiel – The Person Controller.

Niederländische Biographie
Isa Hoes – Toen ik je zag. Die Lebensgefährtin von Antonie Kamerling alias Hero beschreibt ihr Leben im Medienzirkus der 90er Jahre und die Krankheit von Kamerling, die in einer Tragödie endete.

Klolektüre
Es ist wahrschein­licher, irgen­deine Tele­fon­num­mer anzu­rufen, “Gesund­heit” zu sagen und der­jenige, der den Hörer abgenom­men hat, hat ger­ade tat­säch­lich genießt, als einen 6er im Lotto zu kriegen. Diese und mehr merkwürdige Weisheiten finden sich in: Randall Munroe – What if?

Für Reiseinteressierte / kleiner Preis
Einen unge­mein unter­halt­samen Kennnlern­schmöker hat Milena Moser da geschrieben. Die gebür­tige Zürcherin beschreibt ihre Geburtsstadt Zürich anek­doten­re­ich und ohne Aus­las­sung der Macken ihrer Ein­wohner oder den Nachteilen der Stadt. Abgerun­det wird Gebrauchsanweisung für Zürich mit Krim­i­le­setipps und Heimatliebe­bekun­dun­gen einge­sessener Zürcher. Unterhaltsam, selbst wen man nicht in nächster Zeit nach Zürich reisen möchte.

Für Reiseinteressierte / gehobener Preis
Judtih Schalansky – Atlas der abgelegenen Inseln: Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde. Großartiger Schmöker mit beeindruckenden Grafiken der Autorin, in dem genau das ist, was der Titel verspricht.

Geschichte
Martin Kitchen – Speer: Hilter’s Architekt. Es ist so beeindruckend wie merkwürdig, dass es nach der Biographie von Joachim C. Fest, dessen Ansichten getrübt sind, noch keine bessere Biographie zu Albert Speer gegeben hat. Bis zu dieser.

Kochen
Roland Trettl – Serviert – Die Wahrheit über die besten Köche der Welt. Kurzweilige Abrechnung des Starkochs mit den besten Köchen seiner Zunft, das am besten ist, wenn er ein paar der besten Rezepte dieser Meister verrät.

Hörbuch
Pastewka & Komplizen – Paul Temple und der Fall Gregory. Bastian Pastewka klamüsert sich einen fast verloren gegangenen Fall von Francis Durbridge zusammen und versetzt ihn mit etwas Humor. Sehr lustig.

[ Die Links zu den Büchern sind Werbelinks. ]

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