Guten Morgen, liebe Folglinge! ☕

Was ich noch sagen wollte zu … Facebooks Mailadressen

Vor ein paar Mona­ten habe ich auf­ge­hört, Goog­le Mail zu ver­wen­den. Goog­le ver­folgt sicher wei­ter­hin irgend­wie, was ich ansur­fe, aber ich bin das blö­de Gefühl los, dass Goog­le mei­ne Mails mit­liest und irgend­wie auswertet.

Jetzt will also Face­book auf die­sen Zug auf­sprin­gen und man darf getrost ver­mer­ken, dass Facebook-Chef Zucker­berg mit sei­ner Annah­me, dass die Zeit der E-Mails abge­lau­fen sei, ver­dammt dane­ben lag.

Facebook-Benutzer sol­len sich künf­tig mit Facebook-E-Mail-Adresse anmel­den müs­sen. Damit ver­sucht man, E-Mail-Verkehr, und das zielt vor­nehm­lich auf die Inhal­te von E-Mails. Es ist nicht unwahr­schein­lich, dass die nach wer­be­re­le­van­tem Inhalt durch­leuch­tet wer­den sol­len. Erwar­ten uns künf­tig auch Facebook-Office und -Kalenderdienste?

Das grund­sätz­lich Blö­de für Benut­zer ist, dass der Zusatz @facebook.com doch ein sehr lan­ger Zusatz ist. Goo­g­les Kür­zel Gmail.com ist schon mal deut­lich kür­zer. Für den Gedan­ken einer kur­zen Mail­adres­se spricht auch, dass Goog­le sich gera­de gmail.de unter den Nagel geris­sen hat. Und ob Face­book bei einem E-Mail-Dienst tech­nisch mit­hal­ten kann, bleibt abzuwarten.

Viel erwar­te ich also nicht von Face­books Mail­dienst. Ich wüss­te nicht, was mich zu einem sol­chen Dienst zie­hen soll­te, da ich selbst Face­book nur noch spo­ra­disch nut­ze. Und für vie­le Pri­vat­an­wen­der besteht ein klei­nes Pro­blem, das Goog­le so nicht hat: Face­book ist von vie­len Arbeit­ge­bern auf Dienst­rech­nern gesperrt.

Was ich noch sagen wollte zu … politischen Pauschalisierungen

Es gibt eine ein­zi­ge Art, auf die Pau­scha­li­sie­run­gen gerecht­fer­tigt sind: Wenn man nur dadurch ein Pro­blem greif­bar machen kann. Ande­rer­seits sind sie pole­misch, wenn sie nur dazu ver­wen­det wer­den, um eine ande­re Posi­ti­on schlecht zu machen, gar, wenn es durch­aus mög­lich wäre, eine Pro­ble­ma­tik anders dar zu stel­len. In der Poli­tik hat man es größ­ten­teils mit letz­te­rer Ver­wen­dung zu tun. Genau damit tun sich Poli­ti­ker schwer.

Die Pira­ten­par­tei surft gera­de auf einer Erfolgs­wel­le, wie sie nur die Grü­nen ken­nen, wenn auch nicht gera­de in die­sem Aus­maß: Dritt­stärks­te Par­tei in Umfra­gen zu sein, ohne im Bun­des­tag zu sit­zen, das ist neu. Dabei pro­fi­lie­ren sich die Pira­ten mit einer unfai­ren Poli­tik­art: Sie schie­ben dau­ernd vor, auf bestimm­ten Gebiet kei­ne Ant­wor­ten geben zu kön­nen, sei­en dar­in aber ehr­li­cher als ande­re Par­tei­en. Na, wie will man das denn wis­sen, wenn man selbst kei­ne Ahnung hat? Und da die eige­nen Ansich­ten es nicht sind, die den Par­tei­er­folg erklä­ren, da ernst­zu­neh­men­de Poli­ti­ker die­ser Par­tei qua­si nicht bekannt sind, bleibt die Erkennt­nis: Da segelt jemand unter einer Flag­ge, die er nicht selbst gehisst hat.

Aber den­noch hat die­se Art Erfolg. Aus einem gera­de­zu zwin­gen­den Umstand: Die sich selbst eta­bliert nen­nen­den Par­tei­en set­zen gegen die Pira­ten­par­tei eben genau die Pau­scha­li­sie­run­gen ein, gera­de die inhalt­li­che Armut, die die Pira­ten­par­tei ihnen zusam­men mit poli­ti­scher Ver­krus­tung vor­wirft: Da wird der Slo­gan Poli­tik ist kein Show­bui­siness in der BUNTEN plat­ziert. Da wird von Wer­ten gespro­chen, ohne sie zu nen­nen, da wird der Pira­ten­par­tei unter­stellt, sie wür­de die Netz­ge­mein­de ver­lei­ten, und wenn nicht die gan­ze, so zumin­dest ein Teil. Und da wird von FDP-Generalsekretär Döh­ring von einem Para­do­xon gesprochen:

Ich fin­de es außer­dem para­dox, wenn eine Par­tei als Kern­bot­schaft mehr Trans­pa­renz in den poli­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen durch­set­zen will, alle Ausschuss- und Frak­ti­ons­sit­zun­gen öffent­lich über­tra­gen möch­te, gleich­zei­tig aber so beson­de­ren Wert auf die Anony­mi­tät und anony­me Debat­ten­bei­trä­ge legt.

Das ist ein Wider­spruch, den man hin­ter­fra­gen muss – ohne jetzt gleich wie­der nach neu­en Geset­zen zu verlangen.

Nein, das ist kein Wider­spruch, den man hin­ter­fra­gen muss, denn hier besteht schlicht kei­ner. Das ist eine poli­ti­sche Rheo­trik, die man hin­ter­fra­gen soll­te. Natür­lich kann man Trans­pa­renz bei gewähl­ten Volks­ver­tre­tern for­dern und zeit­gleich den Schutz von Äuße­run­gen, sofern pri­va­te Nach­tei­le für den Äußern­den zu ver­mu­ten sind. Para­dox wäre es, wenn man einem gewähl­ten Poli­ti­ker ver­bie­ten wol­le, sich anonym im Inter­net zu bewe­gen, denn dann wür­de man abstrei­ten, dass Men­schen in einer Gesell­schaft unter­schied­li­che Rol­len haben. Aber das for­dert ja niemand.

So lan­ge die eta­blier­ten Par­tei­en sich aller­dings auf die­se Art ins Knie schie­ßen, indem sie ihre Art von Par­tei­en­de­mo­kra­tie als maß­ge­bend betrach­ten, sichern sie den Pira­ten deren wesent­lichs­te Grundlage.

Die Verdrossenheit von Etablierte-Parteien-Wählern

Ich habe mich schon län­ger gefragt, was eigent­lich das Gegen­stück zur Poli­ti­ker­ver­dros­sen­heit ist. Die ger­ne so her­auf­be­schwo­re­ne Poli­tik­ver­dros­sen­heit ist ja viel­mehr eine Ver­dros­sen­heit des aktu­el­len Poli­tik­ge­ba­rens. Und so wie die Poli­tik­neu­lin­ge der Pira­ten­par­tei Erfol­ge fei­ern, so muss es auch Ver­lie­rer geben. Freiheitlich-demokratische Ver­lie­rer. Der Chef­re­dak­teur der West­fä­li­schen Nach­rich­ten, Nor­bert Tie­mann, sieht den­noch die Wich­tig­keit der FDP für das von ihm so genann­te bür­ger­li­che Lager, denn die Pira­ten könn­ten die­se Lücke nicht füllen:

Die aktu­el­len und ach so frisch anders daher­kom­men­den Senk­recht­star­ter, die Pira­ten, las­sen sich dort jeden­falls nicht ver­or­ten. Sie mögen wie der Phö­nix aus der Asche der Par­tei­ver­dros­sen­heit auf­stei­gen — Lösun­gen für die Pro­ble­me des Lan­des lie­fert die bunt gemisch­te Sponti-Truppe nicht. Pro­test statt Pro­gramm. Anders­sein statt Ant­wor­ten. Pro­kla­miert wird eine Frei­heit, die moralisch-ethische Grund­wer­te nicht kennt, die die sexu­el­le Selbst­be­stim­mung des Men­schen über das Inzest­ver­bot stel­len und den Kon­sum ille­ga­ler Dro­gen kom­plett frei­ge­ben will.

Gut, ich lese da jetzt schon aus Tie­manns eige­nen Wor­ten eine gewis­se Pro­gram­ma­tik der Pira­ten her­aus — soviel mal zum feh­len­den Pro­gramm. Und es stellt sich ja die Fra­ge, ob die SPD nicht inzwi­schen die Rol­le der FDP mehr und mehr ein­nimmt. Aber bei Tie­mann geht halt alles durch­ein­an­der: The­sen einer Arbeits­grup­pe eines ganz ande­ren Lan­des­ver­ban­des, der den Inzest­pa­ra­gra­phen über­ar­bei­tet haben möch­te, ebe­no wie die angeb­li­che For­de­rung, dass die Pira­ten­par­tei bis­her ille­ga­le Dro­gen kom­plett frei geben will — auch nicht ganz rich­tig.

Nein, nein, dass Feind­bild Tie­manns ist die Nich­t­eta­blier­te Par­tei. Alles soll bit­te wie beim Alten blei­ben: Die FDP soll bit­te­schön die Par­tei sein, die alles, was sie gut fin­det, frei nennt — egal ob sie über­haupt noch über genü­gend Rück­halt und Per­so­nal ver­fügt. Nicht irgend­wel­che Polit­neu­lin­ge, die sich den ver­krus­te­ten Struk­tu­ren ande­rer Par­tei­en nicht anschlie­ßen mögen.

Inte­res­an­ter­wei­se meint Tie­mann, dass für mehr inter­es­se an Poli­tik die inner­par­tei­li­che Intrans­pa­renz auf­ge­ho­ben wer­den müss­te — also genau das, was die Pira­ten­par­tei macht.

Was ich noch sagen wollte zu… Partyfotos

Heu­te mor­gen hat­te ich kurz das Mor­gen­ma­ga­zin ein­ge­schal­tet und blieb hän­gen, weil sie über die Facebook-Timeline etwas berich­ten wol­len. Gute zwei Wochen, nach dem das The­ma im Inter­net vol­stän­dig durch­ge­kaut wur­de. Aber gut.

Was hat­ten nun die Öffis und ins­be­son­de­re ihre “Inter­net­ex­per­ten” gegen die Time­li­ne? Par­ty­fo­tos. Auf ein­mal könn­ten irgend­wel­che Leu­te alte Par­ty­fo­tos anschau­en, die man selbst irgend­wann hoch­ge­la­den hät­te, die aber eigent­lich im Face­bookak­tua­li­täts­fluss schon unter­ge­gan­gen seien.

Was haben die Öffis eigent­lich gegen Par­ty­fo­tos? Das scheint ja bei denen die Meta­pher für Angriff auf den Daten­schutz zu sein. Ich hät­te ja ger­ne mal eine Ein­la­dung auf so eine Öffi-Party, wenn da dau­ernd Par­ty­fo­tos ent­ste­hen, die umge­hend die gesell­schaft­li­che Äch­tung nach sich zögen, wenn sie ver­öf­fent­licht werden.

In der Time­li­ne sehen der­ar­ti­ge Fotos ja nur dann Leu­te, wenn man qua­si erlaubt, dass die­se Leu­te sie sehen kön­nen. Zwar ist vor­ein­ge­stellt, dass das alle kön­nen, aber das kann man auch ein­fach in den Ein­stel­lun­gen behe­ben. Und dann soll mich keh­ren, dass Leu­te, die ich als Facebook-Freunde akzep­tiert haben(alle ande­ren kann ich ja aus­sper­ren), mei­ne Par­ty­fo­tos, die ich selbst hoch­e­ge­la­den habe (Ver­lin­kun­gen zu ande­ren kann ich ja löschen), gegen mich verwenden?

Wie sag­te es Sven Rege­ner so schön: Fin­ger weg von mei­ner Paranoia!

Ansgar Heveling allein gegen Windmühlen

Nee, die­ser Text von Ans­gar Heve­ling, der für die CDU im Bun­des­tag sitzt (Was zum Teu­fel sit­zen da für Leu­te?), ist vom Inhalt her und der Wort­wahl so strunz­däm­lich, dar­auf kann man nicht ernst­haft ant­wor­ten. Wen immer er bekämp­fen woll­te (Goog­le? Wiki­pe­dia?), es sind Geg­ner, die ihn nie­mals ernst neh­men wür­den. Zitat:

Die media­le Schlacht­ord­nung der letz­ten Tage erweckt den Ein­druck, wir sei­en im drit­ten Teil von „Der Herr der digi­ta­len Rin­ge“ ange­kom­men, und der End­kampf um Mit­tel­er­de ste­he bevor. Das ist die Gele­gen­heit, schon jetzt einen vor­ge­zo­ge­nen Nach­ruf auf die Hel­den von Bits und Bytes, die Kämp­fer für 0 und 1 zu for­mu­lie­ren. Denn, lie­be „Netz­ge­mein­de“: Ihr wer­det den Kampf ver­lie­ren. Und das ist nicht die Offen­ba­rung eines ein­sa­men Apo­ka­lyp­ti­kers, es ist die Per­spek­ti­ve eines geschichts­be­wuss­ten Poli­ti­kers. Auch die digi­ta­le Revo­lu­ti­on wird ihre Kin­der ent­las­sen. Und das Web 2.0 wird bald Geschich­te sein. Es stellt sich nur die Fra­ge, wie viel digi­ta­les Blut bis dahin ver­gos­sen wird.

Um dann mal auf Wiki­pe­dia zurück zu kom­men, dort wird festgehalten:

Am 30.01.2012 äußer­te sich der Poli­ti­ker im Han­dels­blatt kri­tisch gegen­über dem Inter­net. In der Fol­ge wur­de sei­ne Web­prä­senz zunächst mit einer Art Rick­roll gehackt, dann durch eine Deni­al of Ser­vice (DoS) vor­über­ge­hend lahm gelegt und anschlie­ßend ganz gelöscht. Der Hash­tag #heve­ling schoss auf Platz 1 der Twitter-Trends für Deutsch­land und auch der von Spie­gel Online genutz­te Begriff CDU-Hinterbänkler schaff­te es in die Top 10. 

Heve­ling hat­te vor weni­gen Tagen auf den Sei­ten der Bun­des­tags­frak­ti­on von CDU/CSU einen Text mit Gün­ter Krings ver­öf­fent­licht, in dem gemeint wird, die Vor­la­ge des SOPA (Stop-Online-Piracy-Act) sei weg­wei­send. Hier­von hat­ten sich ande­re CDU-MdBs distan­ziert.

Blogakzeptanz

Es rap­pelt wie­der im Kar­ton: Der­zeit ist es en vogue, sich auf die Kunst des Blog­gens zu besin­nen. Damit hat Cem mit der Trend.meiner-Rei­he en mal ange­fan­gen, wobei er statt auf Blogs auf sozia­le Netz­wer­ke kom­mer­zi­el­ler Natur bau­en woll­te, wäh­rend Ben die genau ent­ge­gen gesetz­te Rich­tung befür­wor­tet. Der­zeit ist John­ny bei Spree­blick auf die­ser Wel­le unter­wegs, sein Blog soll kon­zen­trier­ter, d.h. weni­ger Mehr­au­to­ren­blog wer­den. Felix Schwen­zel sieht dar­in den Kon­flikt zwi­schen Mehr­au­to­ren­blog und rein pri­va­tem Blog, wobei Schwen­zel selbst gera­de sein Blog optisch für die heu­ti­ge Zeit fit zu machen ver­sucht. Und damit sind wir bei schwupps von der inhalt­li­chen bei der opti­schen Blo­g­ak­zep­tanz gelandet.

Es ist ganz nett zu sehen, dass auch gestan­de­ne Blog­ger ab und an durch­ein­an­der kom­men bei der Fra­ge, wie ihr Blog eigent­lich funk­tio­nie­ren soll. Wenn man das erst ein­mal auf dem Schirm hat, stol­pert man eigent­lich nicht mehr dar­über. Ich für mei­nen Teil blog­ge qua­si einer­seits pri­vat in mei­nem Log­buch, und ande­rer­seits hier auf der Sei­te, wenn nicht bloß mein spe­zi­el­les Erle­ben einer Situa­ti­on im Mit­tel­punkt eines Tex­tes ste­hen soll. Da stellt sich dann noch die Fra­ge, wie­so man bei­de nicht zusam­men­schmeißt, aber ich sehe da noch einen fei­nen Unter­schied. Dane­ben könn­ten wegen mir hier ande­re Leu­te blog­gen — was der­zeit gar nicht geschieht — ohne dass der Sinn die­ses Blogs damit kon­ter­ka­riert wür­de. Mit dem einen Blog hal­te ich Kon­takt zur Blog­go­sphä­re, mit dem ande­ren pfeif­fe ich drauf — es gibt genü­gend Leu­te im Inter­net, die eh nichts mit der Blog­go­sphä­re anfan­gen können.

Bei Spree­blick krie­sel­te es mei­nes Erach­tens nicht des­we­gen, weil es ein Mehr­au­to­ren­blog war, son­dern weil es the­ma­tisch gar kei­ne Ord­nung mehr gab. Da gab es einer bestimm­ten Musik­lieb­ha­be­rei ver­ord­ne­te Arti­kel neben Gedich­ten, Gewinn­spie­len, Inter­netthe­men­dis­kus­sio­nen und Fuss­ball­be­richt­erstat­tung. Das war irgend­wann für den Leser nicht mehr über­schau­bar oder viel­leicht bes­ser: einord­bar. Zwangs­läu­fig dämmt man das Pro­blem ein, wenn man fort­an nur noch allei­ne bloggt — es gin­ge bei bes­se­rer Leit­li­ni­en­ge­bung sicher aber auch mit diver­sen Autoren.

Was die opti­sche Blo­g­ak­zep­tanz angeht: Soweit ich weiß ist mei­ne Sei­te auf allen Gerä­ten les­bar, auf einem iPho­ne viel­leicht nur mit Hil­fe des Hin-und-Herschubssens der Sei­te. Wenn ich Felix Schwen­zel recht ver­stan­den habe, wurm­te es ihn im Spe­zi­el­len, dass sei­ne Sei­te auf dem iPho­ne gar nicht ange­zeigt wer­den konn­te. Da ich nur ein wenig ein­ge­setz­tes Smart­pho­ne habe und dies kein iPho­ne ist, fuchst mich die Dar­stel­lung die­ses Blogs auf Smart­pho­nen wenig. Mich wurmt eher die Les­bar­keit an Com­pu­ter­bild­schir­men, wofür mein Blog im ers­ten Sin­ne kon­zi­piert war. Hier­bei beson­ders Schrift­ar­ten und die Worte-pro-Zeile-Einschätzung, die sich bei mir gera­de auf eine bestimm­te Fre­quenz ein­ge­pen­delt hat. Auf Felix Schwen­zels Blog scheint mir das gera­de Gedan­ken unnö­tig oft zu unter­bre­chen — sieht aber auf dem iPho­ne gut aus ;-).

Wie ist das eigentlich… heute mit Eigenständigkeit?

Für ein poli­ti­sches Wahl­recht ist bei Kant die wirt­schaft­li­che Unab­hän­gig­keit ent­schei­dend: Wer dem­nach finan­zi­ell unter der Fuch­tel eines ande­ren steht, darf nicht wäh­len, weil sei­ne Stim­me nicht mehr als unab­hän­gig gewer­tet wer­den kann. Das wird heu­te anders gese­hen, aber ich fin­de irgend­wie, dass es auch bei vie­len für das eige­ne Selbst­wert­ge­fühl wich­tig ist, ob man der­art eigen­stän­dig ist oder nicht.

Ges­tern traf ich einen Schau­spie­ler, mit dem ich, wäh­rend im Hin­ter­grund das Dschun­gel­camp lief, über die Welt der Schau­spie­le­rei, wie Schau­spie­ler auf Nicht­schau­spie­ler wir­ken und was die­ser Job für die sie Betrei­ben­den bedeu­tet, schwa­dro­nier­te. Einer­seits hält man von außen ja schon GZSZ-Darsteller für klei­ne Stars, bei denen ande­rer­seits schon wie­der irri­tiert, dass sie mit­un­ter nur an die 2000€ brut­to monat­lich ver­die­nen. Der Schau­spie­ler leg­te übri­gens Wert auf den Unter­schied zwi­schen Schau­spie­ler und Dar­stel­ler (bei GZSZ agiert man so gese­hen nur als Dar­stel­ler nicht als Schauspieler).

Über die­se Stars und Stern­chen mein­te er resümierend

Letz­ten Endes unter­ste­hen die alle aber eben nur den Regeln anderer.

Na, hof­fent­lich ver­leiht die Schau­spiel­aus­bil­dung wenigs­tens soviel Selbst­ver­trau­en, sol­che Ernüch­te­run­gen zu ertra­gen. Aber wie­viel Eigen­stän­dig bleibt einem sel­ber noch, wenn man zwar finan­zi­ell gut auf­ge­stellt und den­noch gefühlt abhän­gig ist?

Was ich noch sagen wollte … zu öffentlicher Pornografie

Ich lese gera­de den Text Zen­sur vs. Anstand: Por­no­gra­fie in der Biblio­thek von der ganz zau­ber­haf­ten Jil­li­an C. York, in dem die Geschich­te auf­ge­grif­fen wird, wie in einer Biblio­thek in Los Ange­les sich ein Obdach­lo­ser beim Anschau­en eines Por­nos, sagen wir mal: einen schö­nen Tag mach­te. Und für die Amis war jetzt anschei­nend der Umstand, dass da ein Por­no in einer Öffent­li­chen Biblio­thek lief, schlim­mer als das andere.

York fin­det es nun irgend­wie nicht gut, dass in Biblio­the­ken Por­nos lau­fen, was mir irgend­wie eher egal ist. Mir ist aber etwas ähn­li­ches pas­siert. Nicht wie Sie jetzt den­ken. Ich lief die­se Woche an einer Loka­li­tät vor­bei, in der auch das Benut­zen von Com­pu­tern mit Inter­net­zu­gang ange­bo­ten wird. Im Vor­bei­ge­hen husch­te mein Blick über den Moni­tor einer die­ser Com­pu­ter, der gera­de in Benut­zung war. Und eben da lief, tja, also das muss eine Live-Gynäkologie-Untersuchung gewe­sen sein. Der Betrach­ter mach­te sich zwar jetzt nicht so einen schö­nen Tag wie der Obdach­lo­se, aber es schien immer­hin so inter­es­sant zu sein, dass man Kopf­hö­rer dazu braucht.

Ich weiß jetzt nicht, ob ich es merk­wür­di­ger fin­den soll, dass da jemand mit der­ar­ti­gen Vor­lie­ben, so intel­li­gent ist, dass er einen PC-Sitzplatz nimmt, der von im offe­nen Blick­feld einer Fuss­gän­ger­zo­ne ist, oder dass es mir über­haupt merk­wür­dig erscheint. Rub­bel­ka­bi­nen sind wohl ein­fach nicht mehr in.

Mein Freund Kant

Bei Anne Will habe ich wohl eine intel­lek­tu­el­le Dis­kus­si­on zu Fried­rich, dem Gro­ßen, ver­passt. Richard von Weiz­sä­cker hat offen­bar die Idee, den alten Fritz als Vor­bild gel­ten zu las­sen, unter Ver­weis auf sei­nen “Freund Kant” vom Tisch gewischt:

Von Kant her gese­hen ist die höchs­te Tugend die Über­win­dung der Tugen­den zuguns­ten des Selbst­zwecks der Pflicht.

und eben nicht die Imi­ta­ti­on eines ande­ren. Das klingt zwar irgend­wie nach Preus­si­schem Pflicht­ge­hor­sam, hat aber mit Kant, so weit ich ihn gele­sen habe, nichts zu tun: Pflicht selbst ist kein Selbst­zweck. Aber es klingt eben auch so gut, dass Patrick Bahn­ers den Feder­hand­schuh auf­nimmt und das gan­ze in einem Fern­seh­kri­tiktext ver­wurs­tet, in dem er dann wie­der­um ver­sucht, Richard von Weiz­sä­cker selbst als Reinkar­na­ti­on von Fried­rich, dem Gro­ßen, darzustellen.

Es ist eben Fern­se­hen oder um es mit Richard von Weiz­sä­cker zu sagen “alles gro­ßer Blödsinn”.

Gebrochen deutsch, 23.01.2012, Düsseldorf

Ges­tern waren wir bei der zwei­ten Talk­run­de von Staf­fan Val­de­mar Holm mit Vom Rit­chie (Groß­bri­tan­ni­en, Schlag­zeu­ger (Die Toten Hosen)), Kyo­ko Jastram (Japan, Musik-Lehrerin), Fio­rel­la Fale­ro Rami­rez de Ent­ner (Peru, Studentin/Garderobenpersonal), Iraj Far­zi Kah­kash (Iran, Büdchen-Inhaber) dar­über, wie man in Düs­sel­dorf stran­det und wie­so man es inzwi­schen mag. Das For­mat ist sowas wie ein Selbst­läu­fer. Man bekommt schwe­re wie auch lus­ti­ge Geschich­ten über die Auf­brü­che in die Frem­de zu hören. Man lernt lebens­lus­ti­ge Men­schen ken­nen, an denen man sonst viel­leicht ein­fach nur vor­bei läuft. Dabei kommt die Fra­ge, was an Düs­sel­dorf so toll sein soll, schon fast zu kurz, aber was will man auch sagen? Aus dem Publi­kum kam die ver­such­te Erklä­rung: “Clau­dia Schif­fer.”, wor­auf­hin Holm mein­te: “Das kann es nicht sein.”

Viel­leicht gibt es nicht sol­che Grün­de, viel­leicht gibt es nur die geleb­ten Erfah­run­gen, die alle Gäs­te vor­zu­wei­sen haben. Denn es springt ins Auge, dass alle, die auf der Büh­ne sind, so höf­lich wie offen sind, wenn es um die Geschich­ten der ande­ren geht. Vom Rit­chie erzählt, wie er mit sei­ner Locker­heit stu­ren Münch­ner Poli­zis­ten begeg­net, die sei­ne abge­lau­fe­ne Auf­ent­halts­er­laub­nis mit “Schei­ße, Schei­ße, Schei­ße” kom­men­tie­ren. Fio­rel­la Fale­ro Rami­rez de Ent­ner beschreibt, wie sie ohne irgend­wie deutsch zu kön­nen nach Deutsch­land kommt, und dort ihr ers­tes Date mit einem Taschen­wör­ter­buch bewäl­tigt. Kyo­ko Jastram erzählt über die musi­ka­li­sche Grö­ße Deutsch­lands, die vor Ort doch etwas anders aus­sieht. Und Iraj Far­zi Kah­kash berich­tet dar­über, wie er im Iran die Revo­lu­ti­ons­be­stre­bun­gen unter­stützt hat, Krieg mit­er­lebt hat und schließ­lich in die DDR kommt, und eines Tages von einen Schleu­ser in West-Berlin aus­ge­setzt wird — ohne die Spra­che zu kön­nen oder irgend­je­man­den zu kennen.

Also ein ganz groß­ar­ti­ges For­mat, das Holm da aus dem Ärmel geschüt­telt hat, und bei dem an die­sem Abend auf­fiel, dass weder der Begriff “Die Toten Hosen”, noch der Begriff “Inte­gra­ti­on” ein ein­zi­ges Mal gefal­len ist. Wenn er es jetzt noch schafft, dem Düs­sel­dor­fer Publi­kum das Klat­schen bei­zu­brin­gen, ist ihm ein Denk­mal sicher.

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