Gute Nacht, Freunde! https://t.co/wtpCZoHLQi

Was ich noch sagen wollte zu … Facebooks Mailadressen

Vor ein paar Monaten habe ich aufgehört, Google Mail zu verwenden. Google verfolgt sicher weiterhin irgendwie, was ich ansurfe, aber ich bin das blöde Gefühl los, dass Google meine Mails mitliest und irgendwie auswertet.

Jetzt will also Facebook auf diesen Zug aufspringen und man darf getrost vermerken, dass Facebook-Chef Zuckerberg mit seiner Annahme, dass die Zeit der E-Mails abgelaufen sei, verdammt daneben lag.

Facebook-Benutzer sollen sich künftig mit Facebook-E-Mail-Adresse anmelden müssen. Damit versucht man, E-Mail-Verkehr, und das zielt vornehmlich auf die Inhalte von E-Mails. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die nach werberelevantem Inhalt durchleuchtet werden sollen. Erwarten uns künftig auch Facebook-Office und -Kalenderdienste?

Das grundsätzlich Blöde für Benutzer ist, dass der Zusatz @facebook.com doch ein sehr langer Zusatz ist. Googles Kürzel Gmail.com ist schon mal deutlich kürzer. Für den Gedanken einer kurzen Mailadresse spricht auch, dass Google sich gerade gmail.de unter den Nagel gerissen hat. Und ob Facebook bei einem E-Mail-Dienst technisch mithalten kann, bleibt abzuwarten.

Viel erwarte ich also nicht von Facebooks Maildienst. Ich wüsste nicht, was mich zu einem solchen Dienst ziehen sollte, da ich selbst Facebook nur noch sporadisch nutze. Und für viele Privatanwender besteht ein kleines Problem, das Google so nicht hat: Facebook ist von vielen Arbeitgebern auf Dienstrechnern gesperrt.

Was ich noch sagen wollte zu … politischen Pauschalisierungen

Es gibt eine einzige Art, auf die Pauschalisierungen gerechtfertigt sind: Wenn man nur dadurch ein Problem greifbar machen kann. Andererseits sind sie polemisch, wenn sie nur dazu verwendet werden, um eine andere Position schlecht zu machen, gar, wenn es durchaus möglich wäre, eine Problematik anders dar zu stellen. In der Politik hat man es größtenteils mit letzterer Verwendung zu tun. Genau damit tun sich Politiker schwer.

Die Piratenpartei surft gerade auf einer Erfolgswelle, wie sie nur die Grünen kennen, wenn auch nicht gerade in diesem Ausmaß: Drittstärkste Partei in Umfragen zu sein, ohne im Bundestag zu sitzen, das ist neu. Dabei profilieren sich die Piraten mit einer unfairen Politikart: Sie schieben dauernd vor, auf bestimmten Gebiet keine Antworten geben zu können, seien darin aber ehrlicher als andere Parteien. Na, wie will man das denn wissen, wenn man selbst keine Ahnung hat? Und da die eigenen Ansichten es nicht sind, die den Parteierfolg erklären, da ernstzunehmende Politiker dieser Partei quasi nicht bekannt sind, bleibt die Erkenntnis: Da segelt jemand unter einer Flagge, die er nicht selbst gehisst hat.

Aber dennoch hat diese Art Erfolg. Aus einem geradezu zwingenden Umstand: Die sich selbst etabliert nennenden Parteien setzen gegen die Piratenpartei eben genau die Pauschalisierungen ein, gerade die inhaltliche Armut, die die Piratenpartei ihnen zusammen mit politischer Verkrustung vorwirft: Da wird der Slogan Politik ist kein Showbuisiness in der BUNTEN platziert. Da wird von Werten gesprochen, ohne sie zu nennen, da wird der Piratenpartei unterstellt, sie würde die Netzgemeinde verleiten, und wenn nicht die ganze, so zumindest ein Teil. Und da wird von FDP-Generalsekretär Döhring von einem Paradoxon gesprochen:

Ich finde es außerdem paradox, wenn eine Partei als Kernbotschaft mehr Transparenz in den politischen Entscheidungsprozessen durchsetzen will, alle Ausschuss- und Fraktionssitzungen öffentlich übertragen möchte, gleichzeitig aber so besonderen Wert auf die Anonymität und anonyme Debattenbeiträge legt.

Das ist ein Widerspruch, den man hinterfragen muss – ohne jetzt gleich wieder nach neuen Gesetzen zu verlangen.

Nein, das ist kein Widerspruch, den man hinterfragen muss, denn hier besteht schlicht keiner. Das ist eine politische Rheotrik, die man hinterfragen sollte. Natürlich kann man Transparenz bei gewählten Volksvertretern fordern und zeitgleich den Schutz von Äußerungen, sofern private Nachteile für den Äußernden zu vermuten sind. Paradox wäre es, wenn man einem gewählten Politiker verbieten wolle, sich anonym im Internet zu bewegen, denn dann würde man abstreiten, dass Menschen in einer Gesellschaft unterschiedliche Rollen haben. Aber das fordert ja niemand.

So lange die etablierten Parteien sich allerdings auf diese Art ins Knie schießen, indem sie ihre Art von Parteiendemokratie als maßgebend betrachten, sichern sie den Piraten deren wesentlichste Grundlage.

Die Verdrossenheit von Etablierte-Parteien-Wählern

Ich habe mich schon länger gefragt, was eigentlich das Gegenstück zur Politikerverdrossenheit ist. Die gerne so heraufbeschworene Politikverdrossenheit ist ja vielmehr eine Verdrossenheit des aktuellen Politikgebarens. Und so wie die Politikneulinge der Piratenpartei Erfolge feiern, so muss es auch Verlierer geben. Freiheitlich-demokratische Verlierer. Der Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten, Norbert Tiemann, sieht dennoch die Wichtigkeit der FDP für das von ihm so genannte bürgerliche Lager, denn die Piraten könnten diese Lücke nicht füllen:

Die aktuellen und ach so frisch anders daherkommenden Senkrechtstarter, die Piraten, lassen sich dort jedenfalls nicht verorten. Sie mögen wie der Phönix aus der Asche der Parteiverdrossenheit aufsteigen – Lösungen für die Probleme des Landes liefert die bunt gemischte Sponti-Truppe nicht. Protest statt Programm. Anderssein statt Antworten. Proklamiert wird eine Freiheit, die moralisch-ethische Grundwerte nicht kennt, die die sexuelle Selbstbestimmung des Menschen über das Inzestverbot stellen und den Konsum illegaler Drogen komplett freigeben will.

Gut, ich lese da jetzt schon aus Tiemanns eigenen Worten eine gewisse Programmatik der Piraten heraus – soviel mal zum fehlenden Programm. Und es stellt sich ja die Frage, ob die SPD nicht inzwischen die Rolle der FDP mehr und mehr einnimmt. Aber bei Tiemann geht halt alles durcheinander: Thesen einer Arbeitsgruppe eines ganz anderen Landesverbandes, der den Inzestparagraphen überarbeitet haben möchte, ebeno wie die angebliche Forderung, dass die Piratenpartei bisher illegale Drogen komplett frei geben will – auch nicht ganz richtig.

Nein, nein, dass Feindbild Tiemanns ist die Nichtetablierte Partei. Alles soll bitte wie beim Alten bleiben: Die FDP soll bitteschön die Partei sein, die alles, was sie gut findet, frei nennt – egal ob sie überhaupt noch über genügend Rückhalt und Personal verfügt. Nicht irgendwelche Politneulinge, die sich den verkrusteten Strukturen anderer Parteien nicht anschließen mögen.

Interesanterweise meint Tiemann, dass für mehr interesse an Politik die innerparteiliche Intransparenz aufgehoben werden müsste – also genau das, was die Piratenpartei macht.

Was ich noch sagen wollte zu… Partyfotos

Heute morgen hatte ich kurz das Morgenmagazin eingeschaltet und blieb hängen, weil sie über die Facebook-Timeline etwas berichten wollen. Gute zwei Wochen, nach dem das Thema im Internet volständig durchgekaut wurde. Aber gut.

Was hatten nun die Öffis und insbesondere ihre „Internetexperten“ gegen die Timeline? Partyfotos. Auf einmal könnten irgendwelche Leute alte Partyfotos anschauen, die man selbst irgendwann hochgeladen hätte, die aber eigentlich im Facebookaktualitätsfluss schon untergegangen seien.

Was haben die Öffis eigentlich gegen Partyfotos? Das scheint ja bei denen die Metapher für Angriff auf den Datenschutz zu sein. Ich hätte ja gerne mal eine Einladung auf so eine Öffi-Party, wenn da dauernd Partyfotos entstehen, die umgehend die gesellschaftliche Ächtung nach sich zögen, wenn sie veröffentlicht werden.

In der Timeline sehen derartige Fotos ja nur dann Leute, wenn man quasi erlaubt, dass diese Leute sie sehen können. Zwar ist voreingestellt, dass das alle können, aber das kann man auch einfach in den Einstellungen beheben. Und dann soll mich kehren, dass Leute, die ich als Facebook-Freunde akzeptiert haben(alle anderen kann ich ja aussperren), meine Partyfotos, die ich selbst hochegeladen habe (Verlinkungen zu anderen kann ich ja löschen), gegen mich verwenden?

Wie sagte es Sven Regener so schön: Finger weg von meiner Paranoia!

Ansgar Heveling allein gegen Windmühlen

Nee, dieser Text von Ansgar Heveling, der für die CDU im Bundestag sitzt (Was zum Teufel sitzen da für Leute?), ist vom Inhalt her und der Wortwahl so strunzdämlich, darauf kann man nicht ernsthaft antworten. Wen immer er bekämpfen wollte (Google? Wikipedia?), es sind Gegner, die ihn niemals ernst nehmen würden. Zitat:

Die mediale Schlachtordnung der letzten Tage erweckt den Eindruck, wir seien im dritten Teil von „Der Herr der digitalen Ringe“ angekommen, und der Endkampf um Mittelerde stehe bevor. Das ist die Gelegenheit, schon jetzt einen vorgezogenen Nachruf auf die Helden von Bits und Bytes, die Kämpfer für 0 und 1 zu formulieren. Denn, liebe „Netzgemeinde“: Ihr werdet den Kampf verlieren. Und das ist nicht die Offenbarung eines einsamen Apokalyptikers, es ist die Perspektive eines geschichtsbewussten Politikers. Auch die digitale Revolution wird ihre Kinder entlassen. Und das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel digitales Blut bis dahin vergossen wird.

Um dann mal auf Wikipedia zurück zu kommen, dort wird festgehalten:

Am 30.01.2012 äußerte sich der Politiker im Handelsblatt kritisch gegenüber dem Internet. In der Folge wurde seine Webpräsenz zunächst mit einer Art Rickroll gehackt, dann durch eine Denial of Service (DoS) vorübergehend lahm gelegt und anschließend ganz gelöscht. Der Hashtag #heveling schoss auf Platz 1 der Twitter-Trends für Deutschland und auch der von Spiegel Online genutzte Begriff CDU-Hinterbänkler schaffte es in die Top 10.

Heveling hatte vor wenigen Tagen auf den Seiten der Bundestagsfraktion von CDU/CSU einen Text mit Günter Krings veröffentlicht, in dem gemeint wird, die Vorlage des SOPA (Stop-Online-Piracy-Act) sei wegweisend. Hiervon hatten sich andere CDU-MdBs distanziert.

Blogakzeptanz

Es rappelt wieder im Karton: Derzeit ist es en vogue, sich auf die Kunst des Bloggens zu besinnen. Damit hat Cem mit der Trend.meiner-Reihe en mal angefangen, wobei er statt auf Blogs auf soziale Netzwerke kommerzieller Natur bauen wollte, während Ben die genau entgegen gesetzte Richtung befürwortet. Derzeit ist Johnny bei Spreeblick auf dieser Welle unterwegs, sein Blog soll konzentrierter, d.h. weniger Mehrautorenblog werden. Felix Schwenzel sieht darin den Konflikt zwischen Mehrautorenblog und rein privatem Blog, wobei Schwenzel selbst gerade sein Blog optisch für die heutige Zeit fit zu machen versucht. Und damit sind wir bei schwupps von der inhaltlichen bei der optischen Blogakzeptanz gelandet.

Es ist ganz nett zu sehen, dass auch gestandene Blogger ab und an durcheinander kommen bei der Frage, wie ihr Blog eigentlich funktionieren soll. Wenn man das erst einmal auf dem Schirm hat, stolpert man eigentlich nicht mehr darüber. Ich für meinen Teil blogge quasi einerseits privat in meinem Logbuch, und andererseits hier auf der Seite, wenn nicht bloß mein spezielles Erleben einer Situation im Mittelpunkt eines Textes stehen soll. Da stellt sich dann noch die Frage, wieso man beide nicht zusammenschmeißt, aber ich sehe da noch einen feinen Unterschied. Daneben könnten wegen mir hier andere Leute bloggen – was derzeit gar nicht geschieht – ohne dass der Sinn dieses Blogs damit konterkariert würde. Mit dem einen Blog halte ich Kontakt zur Bloggosphäre, mit dem anderen pfeiffe ich drauf – es gibt genügend Leute im Internet, die eh nichts mit der Bloggosphäre anfangen können.

Bei Spreeblick krieselte es meines Erachtens nicht deswegen, weil es ein Mehrautorenblog war, sondern weil es thematisch gar keine Ordnung mehr gab. Da gab es einer bestimmten Musikliebhaberei verordnete Artikel neben Gedichten, Gewinnspielen, Internetthemendiskussionen und Fussballberichterstattung. Das war irgendwann für den Leser nicht mehr überschaubar oder vielleicht besser: einordbar. Zwangsläufig dämmt man das Problem ein, wenn man fortan nur noch alleine bloggt – es ginge bei besserer Leitliniengebung sicher aber auch mit diversen Autoren.

Was die optische Blogakzeptanz angeht: Soweit ich weiß ist meine Seite auf allen Geräten lesbar, auf einem iPhone vielleicht nur mit Hilfe des Hin-und-Herschubssens der Seite. Wenn ich Felix Schwenzel recht verstanden habe, wurmte es ihn im Speziellen, dass seine Seite auf dem iPhone gar nicht angezeigt werden konnte. Da ich nur ein wenig eingesetztes Smartphone habe und dies kein iPhone ist, fuchst mich die Darstellung dieses Blogs auf Smartphonen wenig. Mich wurmt eher die Lesbarkeit an Computerbildschirmen, wofür mein Blog im ersten Sinne konzipiert war. Hierbei besonders Schriftarten und die Worte-pro-Zeile-Einschätzung, die sich bei mir gerade auf eine bestimmte Frequenz eingependelt hat. Auf Felix Schwenzels Blog scheint mir das gerade Gedanken unnötig oft zu unterbrechen – sieht aber auf dem iPhone gut aus ;-).

Wie ist das eigentlich… heute mit Eigenständigkeit?

Für ein politisches Wahlrecht ist bei Kant die wirtschaftliche Unabhängigkeit entscheidend: Wer demnach finanziell unter der Fuchtel eines anderen steht, darf nicht wählen, weil seine Stimme nicht mehr als unabhängig gewertet werden kann. Das wird heute anders gesehen, aber ich finde irgendwie, dass es auch bei vielen für das eigene Selbstwertgefühl wichtig ist, ob man derart eigenständig ist oder nicht.

Gestern traf ich einen Schauspieler, mit dem ich, während im Hintergrund das Dschungelcamp lief, über die Welt der Schauspielerei, wie Schauspieler auf Nichtschauspieler wirken und was dieser Job für die sie Betreibenden bedeutet, schwadronierte. Einerseits hält man von außen ja schon GZSZ-Darsteller für kleine Stars, bei denen andererseits schon wieder irritiert, dass sie mitunter nur an die 2000€ brutto monatlich verdienen. Der Schauspieler legte übrigens Wert auf den Unterschied zwischen Schauspieler und Darsteller (bei GZSZ agiert man so gesehen nur als Darsteller nicht als Schauspieler).

Über diese Stars und Sternchen meinte er resümierend

Letzten Endes unterstehen die alle aber eben nur den Regeln anderer.

Na, hoffentlich verleiht die Schauspielausbildung wenigstens soviel Selbstvertrauen, solche Ernüchterungen zu ertragen. Aber wieviel Eigenständig bleibt einem selber noch, wenn man zwar finanziell gut aufgestellt und dennoch gefühlt abhängig ist?

Was ich noch sagen wollte … zu öffentlicher Pornografie

Ich lese gerade den Text Zensur vs. Anstand: Pornografie in der Bibliothek von der ganz zauberhaften Jillian C. York, in dem die Geschichte aufgegriffen wird, wie in einer Bibliothek in Los Angeles sich ein Obdachloser beim Anschauen eines Pornos, sagen wir mal: einen schönen Tag machte. Und für die Amis war jetzt anscheinend der Umstand, dass da ein Porno in einer Öffentlichen Bibliothek lief, schlimmer als das andere.

York findet es nun irgendwie nicht gut, dass in Bibliotheken Pornos laufen, was mir irgendwie eher egal ist. Mir ist aber etwas ähnliches passiert. Nicht wie Sie jetzt denken. Ich lief diese Woche an einer Lokalität vorbei, in der auch das Benutzen von Computern mit Internetzugang angeboten wird. Im Vorbeigehen huschte mein Blick über den Monitor einer dieser Computer, der gerade in Benutzung war. Und eben da lief, tja, also das muss eine Live-Gynäkologie-Untersuchung gewesen sein. Der Betrachter machte sich zwar jetzt nicht so einen schönen Tag wie der Obdachlose, aber es schien immerhin so interessant zu sein, dass man Kopfhörer dazu braucht.

Ich weiß jetzt nicht, ob ich es merkwürdiger finden soll, dass da jemand mit derartigen Vorlieben, so intelligent ist, dass er einen PC-Sitzplatz nimmt, der von im offenen Blickfeld einer Fussgängerzone ist, oder dass es mir überhaupt merkwürdig erscheint. Rubbelkabinen sind wohl einfach nicht mehr in.

Mein Freund Kant

Bei Anne Will habe ich wohl eine intellektuelle Diskussion zu Friedrich, dem Großen, verpasst. Richard von Weizsäcker hat offenbar die Idee, den alten Fritz als Vorbild gelten zu lassen, unter Verweis auf seinen „Freund Kant“ vom Tisch gewischt:

Von Kant her gesehen ist die höchste Tugend die Überwindung der Tugenden zugunsten des Selbstzwecks der Pflicht.

und eben nicht die Imitation eines anderen. Das klingt zwar irgendwie nach Preussischem Pflichtgehorsam, hat aber mit Kant, so weit ich ihn gelesen habe, nichts zu tun: Pflicht selbst ist kein Selbstzweck. Aber es klingt eben auch so gut, dass Patrick Bahners den Federhandschuh aufnimmt und das ganze in einem Fernsehkritiktext verwurstet, in dem er dann wiederum versucht, Richard von Weizsäcker selbst als Reinkarnation von Friedrich, dem Großen, darzustellen.

Es ist eben Fernsehen oder um es mit Richard von Weizsäcker zu sagen „alles großer Blödsinn“.

Gebrochen deutsch, 23.01.2012, Düsseldorf

Gestern waren wir bei der zweiten Talkrunde von Staffan Valdemar Holm mit Vom Ritchie (Großbritannien, Schlagzeuger (Die Toten Hosen)), Kyoko Jastram (Japan, Musik-Lehrerin), Fiorella Falero Ramirez de Entner (Peru, Studentin/Garderobenpersonal), Iraj Farzi Kahkash (Iran, Büdchen-Inhaber) darüber, wie man in Düsseldorf strandet und wieso man es inzwischen mag. Das Format ist sowas wie ein Selbstläufer. Man bekommt schwere wie auch lustige Geschichten über die Aufbrüche in die Fremde zu hören. Man lernt lebenslustige Menschen kennen, an denen man sonst vielleicht einfach nur vorbei läuft. Dabei kommt die Frage, was an Düsseldorf so toll sein soll, schon fast zu kurz, aber was will man auch sagen? Aus dem Publikum kam die versuchte Erklärung: „Claudia Schiffer.“, woraufhin Holm meinte: „Das kann es nicht sein.“

Vielleicht gibt es nicht solche Gründe, vielleicht gibt es nur die gelebten Erfahrungen, die alle Gäste vorzuweisen haben. Denn es springt ins Auge, dass alle, die auf der Bühne sind, so höflich wie offen sind, wenn es um die Geschichten der anderen geht. Vom Ritchie erzählt, wie er mit seiner Lockerheit sturen Münchner Polizisten begegnet, die seine abgelaufene Aufenthaltserlaubnis mit „Scheiße, Scheiße, Scheiße“ kommentieren. Fiorella Falero Ramirez de Entner beschreibt, wie sie ohne irgendwie deutsch zu können nach Deutschland kommt, und dort ihr erstes Date mit einem Taschenwörterbuch bewältigt. Kyoko Jastram erzählt über die musikalische Größe Deutschlands, die vor Ort doch etwas anders aussieht. Und Iraj Farzi Kahkash berichtet darüber, wie er im Iran die Revolutionsbestrebungen unterstützt hat, Krieg miterlebt hat und schließlich in die DDR kommt, und eines Tages von einen Schleuser in West-Berlin ausgesetzt wird – ohne die Sprache zu können oder irgendjemanden zu kennen.

Also ein ganz großartiges Format, das Holm da aus dem Ärmel geschüttelt hat, und bei dem an diesem Abend auffiel, dass weder der Begriff „Die Toten Hosen“, noch der Begriff „Integration“ ein einziges Mal gefallen ist. Wenn er es jetzt noch schafft, dem Düsseldorfer Publikum das Klatschen beizubringen, ist ihm ein Denkmal sicher.

August 2017
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