Guten Morgen, liebe Folglinge! ☕

Wir googlen heute mal nach…

… “Pilz­samm­ler fin­det”. Bei der Zeit hat man ja irgend­wie Fol­gen­des fest­ge­stellt:

Pil­ze sind für den Mit­tel­eu­ro­pä­er das, was für Japa­ner der Kugel­fisch ist, für den Ame­ri­ka­ner der Grizz­ly, für den Aus­tra­li­er der Hai: eine Pri­se Gefahr, die dem lang­wei­li­gen Sonn­tags­aus­flug einen ange­neh­men Thrill verleiht.

Das klingt nach einem gehalt­vol­len Satz, erscheint mir aber kom­plet­ter Unsinn zu sein. Denn wenn ich mal danach goog­le, was ein Pilz­samm­ler so fin­det, dann fin­det er so ziem­lich alles — außer Pil­ze. Die Ver­bre­chens­ent­de­ckun­gen durch Grizz­ly­jä­ger, Hai­fän­ger, Kugel­fisch­ang­ler, aber auch Geo­cachern sind ver­gleichs­wei­se lach­haft gering. Wahr­schein­lich gucken die eher nach dem, wes­we­gen sie suchend los­ge­zo­gen sind, und um den Rest sche­ren sie sich nicht.

Wohl daher ver­su­chen ein­zel­ne Jäger Pil­ze­samm­ler schon zu pie­sa­cken, aber nicht ohne Gegen­re­ak­ti­on.

Piratendemontage in 5, 4, 3 …

Zwar schät­ze er [Ste­fan Kör­ner, Red.] Domscheit-Bergs Ein­satz für die Pira­ten. “Gleich­zei­tig bin ich aber sehr ent­täuscht, dass sie beim Ver­las­sen der Par­tei allem Anschein nach das Bedürf­nis hat, ein mög­lichst gro­ßes Trüm­mer­feld zu hin­ter­las­sen”, sagt Kör­ner heute.de.

Was Blogs sollen

Han­nah Lüh­mann hat eine klei­ne Schimpf­ti­ra­de auf ein paar Blogs los­ge­las­sen. Mar­tin Gies­ler hat schon dar­auf geant­wor­tet, indem er ein paar Aspek­te des Tex­tes her­aus­ge­zo­gen hat und umschmeisst. Im Kern kri­ti­siert Lüh­mann an den Blogs, die ihrer Mei­nung nach Vice nachahmen:

Was fehlt, sind Bei­trä­ge mit Sub­stanz, wie sie „Vice“ doch noch hier und da unter all den Trash mischt. […] Alles wird ein­ge­mein­det in eine fröh­li­che Welt der läs­si­gen Red­un­danz, von Men­schen, die sich selbst dabei wohl ziem­lich läs­sig vorkommen.

Sub­stanz hät­te man die­sem Arti­kel jetzt auch mal gewünscht. Es ist nicht ver­bo­ten, ein Blog zu betrei­ben, in dem Trash neben erns­te­ren The­men auf­tritt. Es pas­siert, dass Blog­ar­ti­kel zu erns­ten The­men, ober­fläch­lich zu lesen sind. Es ist nicht ein­mal ver­bo­ten, Blogs zu schrei­ben, die schlecht sind. Blogs erfül­len nicht not­wen­di­ger Wei­se eine gesell­schaft­lich rele­van­te Funktion.

Lesen Sie ein­fach ande­re Blogs, Frau Lüh­mann, wenn die, die Sie lesen, Ihnen nicht gefallen.

Was ich noch sagen wollte … zu vorschneller Kritik an den Krautreportern

Ich habe bis­lang nichts Grö­ße­res zu den Kraut­re­por­tern geschrie­ben, weil sie mich bis­her inhalt­lich nicht erreicht haben. Ich fand die Vide­os und Tex­te, die ich so gese­hen habe, nicht über­zeu­gend. Des­we­gen habe ich mir auch kein Abon­ne­ment geholt, ein­fa­che Geschich­te. Dabei habe ich nichts grund­sätz­lich gegen Abon­ne­ments, ich abon­nie­re die TV Spiel­film ja auch nur wegen der Kolum­ne von Oli­ver Kalkofe.

Nur habe ich bei den Kraut­re­por­tern nicht ver­stan­den, wie­so der Online-Journalismus krank sein soll­te — für mich war er im Grun­de immer so, wie er sich gera­de auf­führt — oder wie genau die Kraut­re­por­ter etwas hei­len wol­len. Aber gut: Klap­pern gehört zum Geschäft. Viel­leicht berei­tet man so irgend­je­man­dem einen Weg, den man dann für wich­tig hält.

Den­noch hat man wenig in der Hand, wenn man jetzt schon die Kraut­re­por­ter kri­ti­sie­ren möch­te und das kann man auch an der Kri­tik von Chris­ti­an Anko­witsch [via] an Andrea Han­na Hün­ni­gers Text sehen: Es wird immer nur ein Stöck­chen kon­stru­iert, über das der Text dann fällt. Sei es, dass der Text angeb­lich falsch im Inter­net plat­ziert wor­den wäre, sei es, dass geschei­tert sei, eine kon­sis­ten­te The­se zu for­mu­lie­ren, sei es, dass Hün­ni­ger ein fal­sches Selbst­ver­ständ­nis habe.

Die gan­ze Kri­tik fällt damit, dass man ent­ge­gen­hält, es sei ein­fach nicht dar­um gegan­gen, was Anko­witsch unter­stellt: Es sei nicht um einen jour­na­lis­ti­schen Ein­trag gegan­gen, son­dern um einen per­sön­li­chen, die eige­nen Gefüh­le ange­hen­den Blog­bei­trag. Man kann an unter­schied­li­chen Stel­len im Inter­net in unter­schied­li­cher Funk­ti­on was schrei­ben, ohne dass man alles, was für die eine Stel­le rele­vant ist, für die ande­re gel­ten las­sen. Ich kann sehr aus­ge­wo­gen und bedacht in Wis­sen­schafts­fo­ren etwas hin­ter­las­sen und wenig spä­ter in Fuß­ball­fo­ren mei­nem Lieb­lings­ver­ein fröh­nen, auch wenn bei­de Bei­trä­ge unter­schied­lich for­mu­liert wer­den. Das ist über­haupt kein Pro­blem. Ich darf auch mei­ne eige­ne Leser­schaft irritieren.

Man sieht sehr ein­fach: Die Kraut­re­por­ter jetzt schon zu kri­ti­sie­ren ist in gewis­ser Wei­se vor­schnell, denn noch hat man kaum etwas in der Hand, will man sie nicht über selbst­aus­ge­dach­te Hür­den sprin­gen lassen.

Wie gesagt: Mich hat die Idee der Kraut­re­por­ter bis­lang nicht über­zeugt, die Seich­tig­keit, die in Andrea Han­na Hün­ni­gers Text zu lesen ist, führt mich auch nicht dazu, wegen ihr ein Abon­ne­ment abzu­schlie­ßen. Aber das letz­te Wort muss hier noch nicht gespro­chen sein.

Telefonat auf die Krim

Heu­te ist ein Tele­fo­nat mit dem Vater mei­ner Freun­din auf der Krim zustan­de gekom­men. Vor zwei Wochen war er noch opti­mis­tisch, dass sich die Tumul­te auf der Krim bis zum Som­mer legen, so dass wir ihn pro­blem­los besu­chen könnten.

Das Blatt hat sich gewen­det. Inzwi­schen fürch­tet er um sei­ne Exis­tenz­grund­la­ge. Er und sei­ne heu­ti­ge Frau arbei­ten für Unter­neh­men, die mit dem ukrai­ni­schen Staat in Ver­bin­dung ste­hen. Sie gehen davon aus, dass sie umge­hend Ihre Anstel­lun­gen ver­lie­ren, soll­te die Krim an Russ­land fal­len. Russ­land wür­de sämt­li­che Auf­ga­ben auf der Krim an rus­si­sche Fir­men vergeben.

Die Krim selbst, die vom Fest­land abhän­gig ist, wür­de um den wirt­schaft­li­chen Fort­schritt der letz­ten 20 Jah­re gebracht wer­den. Eine trost­lo­se Zukunft gera­de für die jün­ge­ren Bewoh­ner der Krim, von denen es jetzt schon auf Grund der wirt­schaft­li­chen Lage nicht all­zu vie­le gibt.

Bild aus glücklicheren Zeiten: Vater meiner Freundin (2.v.l.), meiner einer (4.v.l.)

Bild aus glück­li­che­ren Zei­ten: Freun­din mei­nes Vaters (2.v.l.), mei­ner einer (4.v.l.) im August 2013

Und den­noch miss­traut er den Umwäl­zun­gen in Kiew, zu vie­le Natio­na­lis­ten sei­en dort am Werk. Woher kommt die­ses tie­fe Miss­trau­en? Einer­seits wird Ukrai­nisch oft­mals als Bau­ern­spra­che ange­se­hen, die es mit dem Rus­sisch eines Pusch­kins, eines Dos­to­jew­skijs nicht auf­neh­men kann. Über­haupt wird nur an vier Schu­len auf der gan­zen Krim in ukrai­nisch unter­rich­tet. Zudem ist die rus­si­sche und frü­he­re sowje­ti­sche Pro­pa­gan­da ein unge­mein gereif­tes Mittel.

Wir erfah­ren am heu­ti­gen Mann der Mut­ter mei­ner Freun­din, der frü­her in der Sowjet­uni­on leb­te und nun schon 25 Jah­re in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten lebt, dass die­se Pro­pa­gan­da immer noch nach­hallt. Er wer­de nie­mals etwas Schlech­tes über die Sowjet­uni­on sagen, er habe es damals gut gehabt. Kein Gedan­ke dar­an, wie es ande­ren erging. Kein Gedan­ke dar­an, dass es ihm so gut ging, weil sein Vater eine bedeu­ten­de Posi­ti­on inne­hat­te. Da kann man ruhig ein­wen­den, es war kein Rechts­staat, die­ser Ein­wand ist sinn­los: Die Rede von einem Rechts­staat sagt ihm nichts. Ein Umzug von der Sowjet­uni­on in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten war für ihn in staat­li­cher Hin­sicht ledig­lich ein Wech­sel der Fahnen.

Die Krim ist nie in der Ukrai­ne ange­kom­men, hat sich immer als auto­nom betrach­tet, man fühlt sich eher Russ­land als der Ukrai­ne zuge­hö­rig. Der­zeit fühlt man sich eh schon ein­ge­nom­men mit den über­mäch­tig wir­ken­den rus­si­schen Sol­da­ten vor Ort, fühlt sich im Krieg, fühlt sich über­rum­pelt und aus­ge­lie­fert, sofern man nicht Freu­de über die schein­ba­re Zuge­hö­rig­keit zu Russ­land empfindet.

Wie es wei­ter­geht, steht in den Ster­nen. Mög­li­cher­wei­se sieht mei­ne Freun­din ihren Vater für lan­ge Zeit nicht wie­der, mög­li­cher­wei­se ihre Groß­el­tern nie. Mög­li­cher­wei­se wird sie monat­lich knap­sen, um ihren Vater vor Ort über die Run­den kom­men zu lassen.

Wir wer­den über­le­gen, falls Russ­land die Über­hand behält, ob die Fami­lie ihre Stief­schwes­ter nach Deutsch­land kom­men kann. Eine Zukunft, und das ist allen klar, wer­den ihre klei­nen Kin­der unter rus­si­scher Herr­schaft auf der Krim nicht haben.

Die Krim und das Völkerrecht

Da ich mich in mei­ner Uni-Abschlussarbeit mit dem Völ­ker­recht nach Kant beschäf­tigt habe, kann ich ja mal kurz die Lage auf der Krim in die­ser Hin­sicht erläu­tern. In phi­lo­so­phi­scher Hin­sicht müss­te grund­sätz­lich noch erklärt wer­den, wel­chen Stel­len­wert Begrün­dun­gen an sich haben, was eine Begrün­dung ist, wo und wie Begrün­dun­gen ver­an­kert wer­den usw. So weit gehe ich nicht zurück. 

Das Völ­ker­recht [hier­zu: Wiki­pe­dia] ist in phi­lo­so­phi­scher Hin­sicht — Kant ist mei­nes Erach­tens der ein­zi­ge Phi­lo­soph, der das Völ­ker­recht begrün­det dar­legt — zunächst ein­mal ein aus dem Staats­recht not­wen­dig wer­den­des, aber unver­an­ker­tes Recht. Unver­an­kert, weil es kei­ne Recht­spre­chungs­in­stanz für das Völ­ker­recht gibt. Hier­von geht Kant in Die Meta­phy­sik der Sit­ten aus. Das Völ­ker­recht ist zunächst schlicht das nach außen gewen­de­te Staats­recht, ein Staat hat die Pflicht, die recht­li­che Ord­nung nach innen zu schüt­zen und ent­spre­chend nach außen. Laut Kant erwächst hier­aus das Recht zu krie­ge­ri­schen Hand­lun­gen, falls der eige­ne Staat ange­grif­fen, die eige­ne Rechts­ord­nung somit bedroht ist. Er muss laut Kant die not­wen­di­gen Mit­tel ergrei­fen dür­fen, d.i. Bür­ger als Sol­da­ten ein­set­zen, die er zur Erfül­lung sei­ner Pflicht braucht.

Ein Staat kann sich nach Kant durch eini­ge Ereig­nis­se bedroht füh­len: Mili­tä­ri­sche Auf­rüs­tung, Kriegs­er­klä­run­gen oder Belei­di­gun­gen. Letz­te­res ist sicher­lich ein sehr dis­ku­ta­bler Punkt, aller­dings wird er als Kriegs­grund mei­nes Wis­sens sel­tenst angeführt.

Soweit die Theo­rie. Im aktu­el­len Kon­flikt um die Krim kann man fest­hal­ten: Russ­land ist nicht belei­digt wor­den, die Ukrai­ne hat nicht mili­tä­risch auf­ge­rüs­tet, sie hat nie­man­dem den Krieg erklärt und ist auch sonst außen­po­li­tisch nicht ande­re Staa­ten ange­gan­gen. Russ­lands Vor­ge­hen ist ein ein­deu­ti­ger Ver­stoß gegen das Völ­ker­recht, indem man mit Sol­da­ten in ein ande­res Land ein­ge­drun­gen ist. So ein Ver­hal­ten kann man als Kriegs­er­klä­rung werten.

Was ich noch sagen wollte… zu Edathy und der Schuldfrage

Irgend­wie geht mir das Rum­ge­eie­re der Medi­en zu aktu­el­len Affä­ren zuneh­mend auf den Zei­ger. Ges­tern sah ich die ZDF-Nachrichten und in der 19 Uhr Sen­dung und der nach­fol­gen­den Spe­zi­al­sen­dung hat man es nicht auf die Ket­te gekriegt, Ver­dachts­mo­men­te, Unschulds­ver­mu­tung und Gerüch­te aus­ein­an­der zu halten.

Auch die FAZ gibt gera­de die Mel­dung des SPIEGEL über ein Inter­view mit Eda­thy hält sich wei­ter­hin für unschul­dig wie­der, als ob das so etwas Unein­sich­ti­ges wäre — in recht­li­cher Hin­sicht gibt es ja der­zeit offen­bar über­haupt kei­nen Hin­weis einer Schuld.

Span­nend wird es bezüg­lich des Geheim­nis­ver­ra­tes: Zwar kann man Fried­rich wei­ter­hin vor­wer­fen, Geheim­nis­ver­rat began­gen zu haben, aber sofern Eda­thy nichts vor­zu­wer­fen ist, kann man wohl nie­man­dem die Ver­ei­te­lung der Straf­ver­fol­gung vorwerfen.

Einer­seits ist das Ver­hal­ten Eda­thys mora­lisch höchst dis­pu­ta­bel, aller­dings juris­tisch nicht straf­bar. Und auf die­ser Grund­la­ge dil­le­tan­tie­ren da Poli­ti­ker, Juris­ten und Jour­na­lis­ten um des­sen Kopf und Kra­gen. Unfassbar.

Lauers Lüftchen

Ich habe die­se aus Pira­ten­par­tei­rich­tung kom­men­de Lanz-Petition nicht so recht ver­stan­den. Die Peti­ti­on, soweit ich ver­stan­den habe, rich­tet sich gegen die mas­si­ve Öffent­lich­keit, die die Contra-Lanz-Petition hat, ver­weist auf angeb­lich wich­ti­ge­re Din­ge und meint, da das For­mat eine Show sei, sei nichts ande­res zu erwar­ten als Show, d.h. als so-tun-als-ob man es ernst meint.

Das glau­be ich nicht. In den Talk-Shows fin­den Gesprä­che statt, auch mit Poli­ti­kern, und hier gibt es eine berech­tig­te Erwar­tungs­hal­tung, dass man nicht rund­her­um belo­gen wird. 

Zudem schien mir auf den ers­ten Blick nahe­lie­gen­der, dass man selbst Öffent­lich­keit haben wollte:

Nun ja, bun­des­weit ist die Pira­ten­par­tei und auch Herr Lau­er kaum noch in media­ler Behand­lung, sehr wohl noch in der Ber­li­ner Pres­se, aber da sit­zen sie ja auch im Abge­ord­ne­ten­haus. Eine ande­re Sicht­wei­se prä­sen­tie­ren da Mat­thi­as Dell:

Der Ber­li­ner Pira­ten­po­li­ti­ker Chris­to­pher Lau­er star­te­te am Sams­tag im Netz eine Gegen-Petition mit dem Titel: ‘Mar­kus Lanz soll mal bit­te sei­ne Show so machen, wie er will, immer­hin ist er ja erwach­sen’, die bis Mon­tag­mit­tag ein paar hun­dert Per­so­nen unter­zeich­ne­ten. ‘Die Lanz-Debatte der ver­gan­ge­nen Tage ist doch etwas gro­tesk’, begrün­de­te Lau­er sei­ne Initiative.’”
Dass ein Pira­ten­po­li­ti­ker so pseu­do­lo­cker medi­en­kon­ser­va­tiv argu­men­tiert, könn­te man bei­na­he für eine Nach­richt halten.

In der Tat — wenn die Pira­ten­par­tei bun­des­weit gera­de noch in aller Mun­de wäre. Wobei ich es noch schlim­mer fin­de, medi­en­kon­ser­va­tiv bezeich­net zu wer­den als ten­den­ti­ell populistisch.

Ist Promitrauer um Michael Schumacher passend?

Micha­el Schu­ma­cher ist ver­un­glückt und die­se Nach­richt hat im Inter­net für eine Wel­le der Anteils­nah­me, aber auch Kri­tik an die­ser Wel­le gesorgt. Sicher­lich gibt es unkri­ti­sche Kom­men­ta­to­ren, die sich über Trau­ern­de unan­ge­mes­sen auf­re­gen, aber das bedeu­tet nicht, dass es hier kei­ne sach­lich ange­mes­se­ne Kri­tik geben kann. 

Aber zunächst: Die Rede von Stell­ver­tre­tertrau­er hal­te ich für falsch. Nie­mand trau­ert über den Unfall von Micha­el Schu­ma­cher, weil er über etwas ande­res nicht so trau­ern kann. Zumin­dest nie­mand, der nicht vor­be­las­tet ist. Jemand, der Stell­ver­tre­tertrau­er annimmt, müss­te bei die­ser Argu­men­ta­ti­ons­ak­zep­tanz bei Take-That-Konzerten auch von Stell­ver­tre­ter­freu­de aus­ge­hen, sprich: Der aus­schlag­ge­ben­de Grund für die Emo­ti­on ist egal. Hier kann man anset­zen und sagen Emo­tio­nen sind eben nicht ratio­nal ange­legt, damit zer­stört man aber auch die Rede von Stellvertretertrauer.

Der Kern des Ansto­ßes bei sol­cher Pro­mitrau­er ist nicht, dass über­haupt getrau­ert wird, son­dern dass das The­ma über­mä­ßig ange­gan­gen wird. Die Fra­ge wäre, ob eine ratio­na­le Ana­ly­se Trau­er aus guten Grün­den beein­träch­tigt. Wenn Micha­el Schu­ma­cher also ange­schos­sen wor­den wäre, erzeugt das einen ande­ren Mit­gleids­grund, als wenn er wie angeb­lich gera­de, durch Risi­ko­ver­hal­ten sein Leben aufs Spiel setzt?

Ich habe mich dazu öffent­lich nicht posi­tio­niert, weil ich allen selbst über­las­se, wie sie mit dem The­ma umge­hen möch­ten. Ich wür­de aller­dingts Leu­te aus mei­ner Time­li­ne feu­ern, wenn sie nur noch rum­heu­len wür­den. Was ich aber offen­sicht­lich fin­de, dass Medi­en wie RTL das The­ma gro­tesk ver­feh­len, wenn sie einen Groß­teil ihrer “Nach­rich­ten” mit Spe­ku­la­tio­nen um den Unfall und die Betei­lig­ten an Hand ver­wen­den und zwei Kor­re­spon­den­ten am unter­schied­li­chen Orten in Frank­reich vor die Kame­ra stel­len, die sagen, bis­her kön­ne man nichts Genau­es sagen. Da wird nicht Jour­na­lis­mus betrie­ben, son­dern es wer­den Emo­tio­nen ausgeschlachtet. 

Genau das kann man eini­gen Trau­ern­den sicher­lich auch ankrei­den. Aber ver­bo­ten ist das nicht. Und viel­leicht soll­te man sich nicht mal öffent­lich dar­über aufregen.

Zürich im Herbst

Am Wochen­en­de waren wir zu Besuch in der Schweiz. Und wie der Zufall es so will, haben wir auch in der Woche vor die­sem Kurz­ur­laub Kul­tur­zeit ange­schaut. Ange­prie­sen wur­de die Karl der Gro­ße und die Schweiz-Aus­stel­lung. Da wir zei­tig anka­men, noch ein paar Minu­ten übrig hat­ten und der Ein­tritt eh in unse­rer Fahr­kar­te mit drin war, wid­me­ten wir uns die­ser Zusam­men­stel­lung im Schwei­ze­ri­schen Lan­des­mu­se­um:

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Einen Blick auf die Aus­stel­lung darf man schon ver­schwen­den, aber oft­mals wur­de der Zusam­men­hang zwi­schen Karl dem Gro­ßen, den Aus­stel­lugns­stü­cken und der Schweiz nicht deut­lich. Irgend­was schien grö­ßer gemacht wer­den zu wol­len. Wie auch immer, wir ver­schwan­den wie­der und pro­me­nier­ten durch die Innenstadt:

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Man muss sich schon expli­zit ein­groo­ven auf Zürich. Wenn man sich so wie wir blind­links ins gemen­ge stürzt sieht man nur teue­re Ein­kaufs­lä­den und Prei­se. Und irgend­wie denkt man die gan­ze Zeit, das alles gäbe es daheim eh bil­li­ger, wie­so also den Blick ver­wei­len las­sen, wenn die beson­de­ren Hin­gu­cker in den Schau­fens­tern ausbleiben?

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Aber farb­lich ist Zürich recht hübsch in die­sem Herbst und die sich durch Zürich zie­hen­de Lim­mat har­mo­niert dazu ganz vortrefflich:

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Wir waren dann dann auch noch bereit, der Munk-Ausstellung eine Chan­ce zu geben.

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Aller­dings waren da wie­der die­se Ein­tritts­prei­se auf Züri­cher Niveau. Wir ver­scho­ben den Besuch einer Munk-Ausstellung für’s Erste.

Tags dar­auf ver­such­ten wir es noch ein­mal mit der Kunst. Die­ses Mal mit dem Muse­um Riet­berg. Aus­ge­stellt wur­den die teu­ers­ten, zeit­ge­nös­si­schen asia­ti­schen Künst­ler, die wir all­ersamt nicht kann­ten. Daher wird­me­ten wir uns zunächst der blei­ben­den Aus­stel­lung. Und dort zeig­te sich, dass man in der Schweiz wohl doch über so etwas wie Humor verfügen. 

Wie bei die­ser Zusam­men­stel­lung zum Beispiel:

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Unter die­sem Schau­kas­ten steht geschrie­ben, was wir hier sehen. Ganz rechts sehen sie die Mas­ke eines Dämons. In der Mit­te, wenn Sie ihren Blick mal dort hin rich­ten, sehen sie die Mas­ke eines Dämons. Das links da ist ein alter Mann.

Stand da so. Muss man glau­ben. Auch bei die­sen eck­bu­si­gen Tiere-auf-dem-Kopf-Trägerinnen hat­ten die Deko­ra­teu­re sohl ihren Spaß, den­ke ich. 

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Wie­so zielt sonst die link­te auf die rech­te und die rech­te sinkt getrof­fen in sich?

Ver­wirrt und belus­tigt zogen wir wie­der von Dan­nen und namen einen preis­lich akzep­ta­blen durch Mikro­wel­le auf­ge­wärm­ten Snack in der Metzger- und Wurs­te­rei Zgrag­gen zu uns:

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Der gemei­ne Züri­cher schau­te sich der­weil das Auf­ein­an­der­tref­fen von Ruder­mann­schaf­ten der Uni und der Tech­ni­schen Hoch­schu­le an.

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Oder man ver­speist mit­ge­brach­te Brot­zei­ten am Züri­see. Auch ne Möglichkeit.

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