David Baddiel — The secret purposes

David Bad­diel ist in Großbri­tan­nien bekan­nt als Come­di­an und Mitschreiber von “Football’s com­ing home”. In Deutsch­land lei­der etwas unbekan­nt ist die Tat­sache, dass Bad­diel drei ganz wun­der­volle Büch­er veröf­fentlich hat, die außer dem let­zten auch in deutsch­er Sprache erschienen sind. “The secret pur­pos­es” schildert biographisch ange­haucht das Schick­sal seines Groß­vaters, der im Drit­ten Reich mit sein­er Frau aus Deutsch­land nach Eng­land flieht und dort wegen kom­mu­nis­tis­ch­er Ansicht­en interniert wird. Das Buch ist ein­fach großar­tig. Bad­diel kann Geschicht­en erzählen und dabei kom­men in seinen Sätzen immer Knack­punk­te vor, die einen stutzen lassen. Im Gegen­satz zu den ersten bei­den Büch­ern Bad­diels kommt hier zwar Humor kaum vor, aber man ver­misst ihn auch nicht — dazu ist die Geschichte zu inter­es­sant. Der beste Bad­diel bis­lang, aber auch das sage ich nach jedem sein­er Büch­er.

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Zimmermann, Eduard — Auch ich war ein Gauner

Es ist schon ganz inter­es­sant zu lesen, wie Eduard Zim­mer­mann vor dem Zweit­en Weltkrieg lebte und nach dem zweit­en Weltkrieg ein wenig rum­gaunerte. Aber so schlimm war es dann doch nicht. Dass damals viel gehehlt wurde, machte bes­timmt viele zu Gaunern, die später davon abließen. So ganz spek­takulär will mir das nicht vorkom­men.

Dass er danach allerd­ings in hals­brecherisch­er Art und Weise in Frachträu­men von Schif­f­en als blind­er Pas­sagi­er gen Schwe­den schip­perte, beißt sich für mich fast ein wenig mit seinen späteren War­nun­gen in Akten­ze­ichen XY … ungelöst vorm Tram­p­en, was etwas bieder daherkam.

Die let­zten 35 Jahre seines Lebens kom­men vielle­icht gen Ende des Buch­es etwas kurz, aber man gewin­nt einen guten Ein­blick in seine Auf­fas­sung der Krim­i­nalsendung, die ihn so berühmt machte. Alles in allem ein unter­halt­samer Blick in eine jüngst ver­gan­gene Zeit.

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Gottschalk, Thomas — Herbstblond

Auto­bi­ogra­phien unter­liegen immer der Aus­gangss­chwierigkeit, dass der Autor die Sache gar nicht ganz oder gerecht erfasst hat, obwohl er doch selb­st meist dabei war. So ist das lei­der auch mit Thomas Gottschalk. Der Erfol­gsmod­er­a­tor von Wet­ten, dass ..? hat kaum eine Erk­lärung für den Erfolg der Sendung, seinen Anteil daran, und kann die unpassenden Ret­tungsver­suche, mit dem man das Pub­likum ver­schreck­te, nicht passend ein­schätzen. Was seine Aus­führun­gen zu Jack­ass in diesem Schmök­er zu suchen haben — ein einziges Rät­sel. Als zu lesendes Buch ist die erste Hälfte zudem von aus­ge­suchter Lang­weiligkeit: Sein Pub­likum hat ihn immer geliebt. Der Kri­tik­er­anspruch an seine Sofainter­views waren zu hoch. Dass ihm vorge­wor­fen wurde, sich nicht für das Gesagte zu inter­esseren — bei Wet­ten, dass..? wie bei Gottschalk live — das scheint er nicht erfasst zu haben.

Da ist das Hör­buch wesentlich bess­er, das legt man nicht so schnell weg. Tiefe gewin­nt das auch nicht, aber immer­hin hat man am Ende eine Kreisler-Inter­pre­ta­tion Gottschalks, die noch das beste am ganzen Hör­buch ist. Das erin­nerte mich dann auch an eine Episode in Gottschalks Leben, die er unter den Tisch fall­en lässt: Das pein­liche What hap­pened to Rock ‘n’ Roll. Das war kein Rock ‘n’ Roll, das war unge­lenk, unrock­ig und unpassend. Man merk­te damals, dass er kein Gespür hat­te, ob das, was er cool fand, in dieser Form auch cool war. Und dass er damit auch nicht überzeugte, so sehr die Fernsehna­tion ihn liebte.

Im zweit­en Teil des Buch­es kommt Gottschalk bess­er in Fahrt, wenn er Dieter Bohlen kri­tisiert. Das ist tre­f­fend und infor­ma­tiv. Dass er seine Vor­abend­show bess­er alleine hin­bekom­men hätte und dass das For­mat School’s out irgend­wie bemerkenswert wäre, das sind Gedanken, die man ihm lassen kann, sie inter­essieren son­st kaum jeman­den.

Aber wenn man Gottschalk vor­lesen hört, ist er zweifeil­sohne der sym­pa­this­che Thom­mie, da ist er nahe dran an dem Gottschalk, den Fernse­hdeutsch­land so liebte: Der­jenige, der über­raschend in irgendwelche Sit­u­a­tio­nen gewor­fen wird, aus denen er sich mit Humor, dem richti­gen Gespür für die Sit­u­a­tion, dem passenden Ton, einem Lächeln und guter Laune her­auswindet. Ist es wirk­lich so schw­er, daraus heutzu­tage eine Fernsehsendung zu machen?

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Harlan, Thomas — Veit

Vor vier Jahren ent­deck­te ich Thomas Har­lan für mich. Schon merk­würdig, wer alles so am eige­nen Radar vor­bei geht. Wenn ich mich recht erin­nere, war das auch nur beim Durchzap­pen von YouTube, den genauen Anlass kenne ich nicht mehr. Nun kam mir auf dieselbe beiläu­fige Weise sein let­ztes Buch unter die Augen: Veit. Vom Ster­be­bett aus dik­tierte der Sohn von Veit Har­lan ein let­ztes Mal seinen Kampf gegen den Vater, von dem er auf dessen Ster­be­bett noch etwas Ein­sichtsver­mö­gen wahrgenom­men hat. Er rang auch zum Schluss noch mit dem an die Nation­al­sozial­is­ten verkauften kün­st­lerischen Erbe, mit dem Unver­mö­gen des Vaters, sich der eige­nen Schuld rechtzeit­ig zu stellen. Das mag man bedauer­lich find­en oder kon­se­quent. Das Buch ist nicht ohne Tück­en, aber ger­ade ob der Sprachge­walt Thomas Har­lans beein­druck­end.

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Zuckmayer, Carl — Geheimreport

Offen ges­tanden kenne ich nur wenige der in diesem Buch beschriebe­nen Per­so­n­en. Aber das scheint mir gar nicht so wichtig, denn Zuck­may­ers mei­n­ungsstark­er, pointiert­er Stil set­zt den mir bekan­nten scharfe Kon­turen und den anderen immer­hin ein ver­ständlich­es Bild. Man hat es hier mit dem Rück­grat eines wortre­ichen Schrift­stellers zu tun, der ver­sucht, unver­logen und fair gegenüber den Rollen der anderen zu sein.

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Jensen, Caroline L. — Frau Bengtsson geht zum Teufel

Die Autorin hat wohl in Schwe­den vor diesem Mach­w­erk mit ein­er Pornobe­ichte Erfolg gehabt. Mein Inter­esse weck­te dieses Werk durch das Youtube-Video. Beim Lesen dieses Gott-Teufel-Haus­frau-Schinkens wartete ich immer irgend­wie darauf, dass der große Witz noch um die Ecke schaut — vergebens. Eine nette, kurzweilige Unter­hal­tung bietet der Schmök­er, aber wieso ich den gele­sen habe, weiß ich hin­ter­her eigentlich nicht mehr so genau.

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Kerkeling, Hape — Der Junge muss an die frische Luft

Dieses Buch ist wohl eher etwas für Fans des aktuell mit zu den bedeu­tend­sten Komik­ern zäh­len­den, gebür­ti­gen Reck­ling­hausen­ers.
Ker­kel­ing erzählt von ein­er fröh­lichen Kind­heit, die vom Tod sein­er Mut­ter über­schat­tet wird, welch­er allerd­ings auch der Fix­punkt für Ker­kel­ings spätere Kar­riere zu sein scheint. Sicher­lich ist diese Tragödie wesentlich für ein Ver­ständ­nis von Ker­kel­ings Kun­st, der Rest des Buch­es kommt allerd­ings etwas schwärmerisch-spir­ituell und banal daher. Insofern sollte man den Autor schon ken­nen, um etwas vom Buch zu haben.

Um keinen falschen Ein­druck zu hin­ter­lassen. Ich habe von der ersten Phase Ker­kel­ings Humor unge­mein gezehrt und gel­ernt, kon­nte die Aben Han­nilein & Co., Erwarn­ten se nix und Kein Par­don mit­sprechen. Allerd­ings habe ich den Schnitt danach nicht ver­standen. Hape Ker­kel­ing war in all seinen Spielfil­men, in seinen Shows und Aktio­nen weit­er­hin unge­mein sym­pa­thisch, aber eben auch so rou­tiniert, dass der spon­tane Witz ver­loren ging. Und auch sein Spiel mit der Kam­era ließ er sein. Im Buch erk­lärt er diese Verän­derung nicht. Es wun­dert mich auch, dass Ange­lo Cola­grossi mit kein­er Silbe erwäh­nt wird. Aber vielle­icht erscheint ja ein­mal eine Fort­set­zung der Biogra­phie.

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Schröder, Atze — Und dann kam Ute

Atze Schröders erster Roman . Abgepackt in kurze Episo­den erin­nert der Schmök­er etwas an Und dann kam Pol­ly und hat gefühlt densel­ben Plot: Charis­ma­tis­che Sie bringt helden­haften und ver­mö­gen­den Ihn unter ihre Fit­tiche. Span­nungsärmer wär’s wohl nicht gegan­gen. Manch­mal taucht unser Ems­det­ten­er Komik­er aus dieser selb­stver­liebten Labergeschichte auf und bringt Schmun­zel­bares wie

Als ich beim Pinkeln in den Spiegel schaute, sah ich so fer­tig aus wie Hel­mut Schmidt nach ein­er Elek­trozi­garette.

aber, das ist rar gesät, der Witz verbleibt im Metapho­rischen und wird gerne mal wieder­holt für alle, die es beim ersten Mal noch nicht ver­standen haben. Oder sollen so Run­ning Gags angeleiert wer­den?

Der Schmök­er ist wegen guter Les­barkeit, flot­tem Tem­po und den paar Witzchen ein pass­abler Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorollen:

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Dostojewskij, Fjodor Michailowitsch — Verbrechen und Strafe

Es wurde bei mir mal wieder Zeit für das Lesen eines Klas­sik­ers. Und wie schon beschrieben, bin ich bei Eulen­spiegel auf die Taschen­buchver­sion der Neuüber­set­zung von Dos­to­jew­ski­js Roman “Schuld und Sühne” gestoßen. Die Neuüber­set­zung und die damit ver­bun­dene Neu­betitelung hat Swet­lana Geier besorgt, die aus dem Rus­sis­chen auch vieles andere über­set­zt hat.
“Ver­brechen und Strafe” deckt sich daher mit dem Titel der englis­chen Über­set­zung “Crime and Pun­ish­ment”, klingt vielle­icht nicht so schön, trifft den Kern aber bess­er. Noch bess­er, so erfährt man im ange­hängten Beitrag aus Kindlers Lit­er­aturlexikon, sei die Über­set­zung “Übertre­tung und Zurechtweisung”. Aber das hätte vielle­icht zu sehr nach ein­er wis­senschaftlichen Abhand­lung gek­lun­gen.
Zum Inhalt will ich mal kaum etwas erzählen, das kriegt man anders wo. Allerd­ings scheint der Roman noch etwas behäbig zu sein, wenn man meint, nach dem Ver­brechen den Höhep­unkt des Buch­es qua­si erre­icht zu haben. Das täuscht, das was danach kommt, ist so dicht und gut erzählt, dass es ein wirk­lich­es Lesev­ergnü­gen ist.
Nein, die Auf­machung des Buch­es ist nun wirk­lich etwas für Buch­lieb­haber. Von daher mal einen schö­nen Gruß und großes Lob an den Fis­ch­er Ver­lag. Die gebun­dene Orig­i­nalaus­gabe ist mit so ca. 80€ doch nicht ger­ade was für jeden, daher ist diese 13€-Ausgabe, angere­ichert durch Erk­lärun­gen, ein­er Über­sicht der Hand­lung, sowie dem schon ange­sproch­enen Ein­trag über den Roman in Kindlers Lit­er­aturlexikon, sehr empfehlenswert. Außer­dem wurde dünnes Papi­er genom­men und ein Taschen­buch­for­mat, das etwas größer als üblich ist. Daher schauen die 720 Seit­en gar nicht so üppig aus und kom­men dem Leser nicht so über­mäßig viel vor, wie das bei anderen Aus­gaben der Fall ist. Sprich, das Buch ist schön han­dlich für unter­wegs, man schleppt keinen dick­en Schinken mit sich und die Entschei­dung, es so her­auszugeben, ist eine goldige gewe­sen. Wer derzeit diesen Roman Dos­to­jew­ski­js lesen möchte, dem sei diese Aus­gabe ans Herz gelegt.

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Bronsky, Alina — Scherbenpark

Es ist schon einiges geschrieben wor­den über das Debüt der unter Pseu­do­nym schreiben­den Ali­na Bron­sky. Ich halte mich kurz. Es ist mehr als ver­wun­der­lich, dass Tilman Ramm­st­edt den Bach­man­npreis bekom­men hat und nicht sie. Es ist mehr als ver­wun­der­lich, dass auf der deutschen Best­sellerliste derzeit andere Büch­er vor diesem hier ste­hen. Es ist das best­geschrieben­ste, ein­fall­sre­ich­ste, tre­f­fen­ste und humor­voll­ste in deutsch­er Sprache geschriebene Buch der let­zten Jahre, das mir in den Sinn kommt. LESEN! Keine Empfehlung, ein Aufruf!

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