Lesezeichen vom 2. Oktober 2015

  • Julian Hans: Meine Press­eschau — Ein guter Krieg “Das Massen­blatt Moskowskij Kom­so­molez (MK)[… :] Jet­zt geht es also los. Der Kon­flikt mit der Ukraine ist noch nicht been­det, da bekun­det Rus­s­land offiziell seine Bere­itschaft, auch noch am Bürg­erkrieg in Syrien teilzunehmen. Unser Par­la­ment, bekan­nt als das ‘unab­hängig­ste auf der ganzen Welt’, hat in weni­gen Minuten dem Präsi­den­ten die Erlaub­nis abgestem­pelt, die Stre­itkräfte im Aus­land einzuset­zen. Etwas in der Art war fast unauswe­ich­lich. Wer A sagt, muss gewöhn­lich auch B sagen. Nach­dem er der ganzen Welt erk­lärt hat, Rus­s­land sei bere­it, bei der Keil­erei im Nahen Osten als ‘mil­itärisch­er Schied­srichter’ aufzutreten, kon­nte Putin schon nicht mehr so tun, als sei nichts gewe­sen.”
  • Thomas de Maiz­ière und die Flüchtlinge — Verteilungskampf am Taxi­s­tand “Zu den Fak­ten: In den Zel­ten sitzen auf eng­stem Raum Tausende, dicht an dicht gedrängt, men­sche­nun­würdig. Täglich fluten Hun­derte weit­ere die bere­its über­füll­ten Zelte. Sie wer­den abge­tastet, nach Messern und Waf­fen durch­sucht. Nicht von der Polizei, son­dern von pri­vatem Sicher­heitsper­son­al. Der Staat hat hier längst die Kon­trolle abgegeben. Die Polizei meldet Taschendieb­stäh­le, Sachbeschädi­gun­gen, Unter­schla­gun­gen, Kör­per­ver­let­zun­gen, Sex­u­al­straftat­en, Messer­stechereien, bis hin zu einem ver­sucht­en Tötungs­de­likt. Auch in diesem Jahr wird die Polizeis­ta­tis­tik über 2.000 Ein­sätze und 400 Kör­per­ver­let­zun­gen verze­ich­nen. Und das inner­halb von nur 16 Tagen. Auf dem Okto­ber­fest.”
  • Söder schließt Zäune an deutschen Gren­zen nicht aus Bay­ern einzäunen — da werbe ich ja schon Jahre für!
  • Drei Mil­lio­nen Euro für Blendle — die Geschichte
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Lesezeichen vom 3. Oktober 2015

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Lesezeichen vom 4. Oktober 2015

  • Net­zpoli­tik — Daten­hehlerei? — Süddeutsche.de “Jus­tizmin­is­ter Heiko Maas will ein Anti-Whistle­blow­er-Gesetz durch den Bun­destag schmuggeln. Das Gesetz ist nicht nur unsin­nig; was die Regierung da plant, wäre ein Angriff auf Demokratie und Presse­frei­heit. ”
  • Alter­na­tive Ernährung: Die Langsamkeit des Tofu “Bei „Ter­ra Madre“ disku­tieren Bauern und Aktivis­ten über nach­haltige Ernährung. Und sie protestieren damit gegen die Weltausstel­lung Expo.”
  • Nick Frost: ‘When the end comes it’s hor­ri­ble’ “<br><br>
    When the end comes it’s hor­ri­ble. Every­thing my dad had worked for was tak­en. Assets and dig­ni­ty stripped away. In the garage the frames of chairs, the skele­tal remains of a dream wrapped in sheets of soft Ital­ian leather, lay wait­ing to be reclaimed by cred­i­tors. Behind closed doors voic­es are raised. Tears. Fists are pound­ed into tables. In pub­lic there is silence. Dad gazes into the gar­den. Deep sighs. Thou­sand-yard stares. Mum busies her­self around Dad, cajol­ing, gee­ing him up, try­ing to ignite some­thing in him. Every­thing is gone, and with it my father’s dig­ni­ty. He nev­er recov­ers.”
  • Wiesn an der Elster 17 Ein­wohn­er, zu klein für einen Blitzer. Aber zum Okto­ber­fest kom­men 8000 Besuch­er: Auch München in Bran­den­burg feiert, heuer zum 15. Mal.
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Homering-Elsner, Jörg und Ralf Heimann — Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst: Perlen des Lokaljournalismus

Die Face­book-Seite Perlen des Lokaljour­nal­is­mus hat mit­tler­weile über 190.000 Fans, jet­zt gibt es den Schmök­er zur Seite. Aber wer die Seite schon ken­nt, wird nicht son­der­lich begeis­tert sein: Das Buch bein­hal­tet nur Alt­bekan­ntes und die Kom­mentare zu den Zeitungss­chnipseln sind doch sehr kurz.

Dieser Schmök­er ist wohl nur was für Leute ohne Inter­ne­tan­schluss, aber wegen der guten Aus­gangsidee gibt es von fünf möglichen Klorollen:

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Botho Strauß’ Deutschlandsorge

Wer hat Botho Strauß nur so ins Hirn geschissen?

Die Sorge ist, dass die Flu­tung des Lan­des mit Frem­den eine Mehrzahl solch­er bringt, die ihr Fremd­sein auf Dauer bewahren und beschützen. [..] Dank der Ein­wan­derung der Entwurzel­ten wird endlich Schluss sein mit der Nation und ein­schließlich ein­er Nation­al­lit­er­atur. Der sie liebt und ohne sie nicht leben kann, wird fol­glich seine Hoff­nung allein auf ein wieder­erstark­tes, neu entste­hen­des „Geheimes Deutsch­land“ richt­en.”
                     Botho Strauß: Der let­zte Deutsche

Da fällt mir immer das ein:

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Lesezeichen vom 5. Oktober 2015

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Lesezeichen vom 6. Oktober 2015

  • Urteil gegen das BKA: Teil­er­folg beim Staat­stro­jan­er-Ver­trag | netzpolitik.org “Das Gericht lässt das BKA in seinem Urteil mit sein­er Ver­weigerung­shal­tung nur teil­weise durchkom­men, kri­tisiert mehrfach die „spär­lichen Infor­ma­tio­nen durch das beklagte Bun­deskrim­i­nalamt“ und ver­misst bei den behördlichen Begrün­dun­gen für Schwärzun­gen „sub­stan­ti­ierte Tiefe“. Was Fra­gen des Ver­gabev­er­fahrens ange­ht, ließ das BKA gle­ich „jegliche Infor­ma­tio­nen ver­mis­sen“.”
  • Sollen Onlineme­di­en die Kom­mentare abdrehen? › Brod­nigs Blog “Die Kom­men­tarkul­tur ist vor allem deswe­gen so mis­er­abel, weil wir Medi­en uns zu wenig darum geküm­mert haben, weil Redak­tio­nen auch zu wenig den Lesern sig­nal­isiert haben, welche Debat­te und welche Tonal­ität sie denn gut fän­den.”
  • Der Sechs-Stun­den-Tag funk­tion­iert | Good Impact In Schwe­den wird’s umge­set­zt.
  • Hier ist ben­to, das Por­tal für junge Babos — DWDL.de “Wieder ein­mal bereue ich die Entschei­dung, 18 Jahre alt zu sein und damit genau zu der Sorte Men­sch zu gehören, die „Jugen­dan­ge­bote“ wie ben­to zu begeis­tern ver­sucht. Sie mag das vielle­icht über­raschen, weil dieser Text jet­zt schon mehr als 140 Zeichen hat, aber ja, ich gehöre zu genau der Gen­er­a­tion, die Hel­mut Schmidt für einen ehe­ma­li­gen Late-Night-Talk­er und „hart aber fair“ für ein Video auf YouPorn hält. ”
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Schopenhauer über too much information

Ich nehme selb­stver­ständlich gle­ich zurück, dass sich Arthur Schopen­hauer über too much infor­ma­tion geäußert hat. Er forderte allerd­ings, dass sich ein denk­ender Geist mit guten, nicht mit bloß pop­ulären Büch­ern beschäfti­gen solle. Alles andere verderbe den Geist. Keine allzu leichte Posi­tion: Auch unter­hal­tende Lit­er­atur kann für den Geist erquick­end und — wie man so schön sagt — geistre­ich sein, auch wenn die Lehrsamkeit hin­ten anste­ht.

Ich habe too much infor­ma­tion in diesem Blog immer so aufge­fasst, als dass dem Inter­net­surfer online und über andere Medi­en immer wieder Infor­ma­tio­nen zuge­tra­gen wer­den, die streng genom­men nicht son­der­lich lehrre­ich sind, schlimm­sten­falls böswillig irreführend. Und schon bin ich nahe am Schopen­hauer­schen Gedanken: Muss ich nicht flux den Blick abwen­den, wenn ich auf schlechte Infor­ma­tion­squellen stoße? Habe ich nicht zu Fil­tern beim großen Infor­ma­tion­sange­bot, dass das Inter­net bein­hal­tet? Worauf ist zu acht­en? Lassen wir ein­mal den Philosophen selb­st sprechen:

Daher ist, in Hin­sicht auf unsere Lek­türe, die Kun­st, nicht zu lesen, höchst wichtig. Sie beste­ht darin, dass man Das, was zu jed­er Zeit so eben das größere Pub­likum beschäftigt, nicht deshalb auch in die Hand nehme, wie etwa poli­tis­che oder kirch­liche Pam­phlete, Romane, Poe­sien u. dgl. m., die ger­ade eben Lärm machen, wohl gar zu mehreren Aufla­gen in ihrem ersten und let­zten Leben­s­jahre anfan­gen: vielmehr denke man als­dann, daß wer für Nar­ren schreibt allezeit ein großes Pub­likum find­et, und wende die stets knapp gemessene, dem Lesen bes­timmte Zeit auss­chließlich den Werken der großen, die übrige Men­schheit über­ra­gen­den Geis­ter aller Zeit­en und Völk­er zu, welche die Stimme des Ruhmes als solche beze­ich­net. Nur diese bilden und belehren wirk­lich.

Vom Schlecht­en kann man nie zu wenig und das Gute nie zu oft lesen: schlechte Büch­er sind intellek­tuelles Gift, sie verder­ben den Geist. – Weil die Leute, statt des Besten aller Zeit­en, immer nur das Neueste lesen, bleiben die Schrift­steller im engen Kreise der cirkuliren­den Ideen und das Zeital­ter ver­schlammt immer tiefer in seinem eige­nen Dreck.

Es ist ganz inter­es­sant, dass in englis­chen Über­set­zun­gen frei weit­erge­spon­nen wird:

In order to read what is good one must make it a con­di­tion nev­er to read what is bad; for life is short, and both time and strength lim­it­ed.

Oder diese Über­set­zung:

schopenhauergoodbooks

Lud­wig Mar­cuse hat vor mehr als 50 Jahren aufge­fordert, sich ein­mal mit diesen Gedanken in aktu­al­isiert­er Form auseinan­der zu set­zen. Die englis­chen Zitate sind dann auch eher als eine Inter­pre­ta­tion des eigentlichen Gedankens zu sehen.

Schon am Anfang habe ich gegen Schopen­hauer eingewen­det, dass unter­halt­same, nicht lehrre­iche Lit­er­atur für den Geist sin­nvoll sein kann, ohne ihn zu verder­ben. Das wider­spricht seinem Gedanken nicht vol­lkom­men: Ich habe beispiel­sweise für ein Lokalblog im Mün­ster­land ein­mal ange­fan­gen, Mün­ster­land­krim­is zu lesen. Anfangs mit einem gewis­sen Ans­porn, irgend­wann mit stark­er Ablehnung. Und das aus unge­fähr dem, was Schopen­hauer gegen schlechte Lit­er­atur anführt: Nicht die Qual­ität des Textes ste­ht bei der Veröf­fentlichung eines Buch­es im Vorder­grund, son­dern die Geld­macherei oder das Ego des Schreibers. Das ist Schrift­stellern nicht grund­sät­zlich anzukrei­den, nur für gebildete Leser eben ein Hin­der­nis für eine weit­ere Lek­türe.

Und dieses Hin­der­nis wiederum beste­ht darin, dass die Lek­türe für den Leser nicht geistre­ich ist, sie ver­set­zt einem, psy­chol­o­gisch gesprochen, keine Kicks. Da Lesen oft­mals sowieso keine leichte Angele­gen­heit ist, wird eine Lek­türe so schnell zur Belas­tung.

Um nun aber bei Lit­er­atur zwis­chen guter und schlechter zu unter­schei­den, braucht es Lek­türe und eben auch Lek­türe schlechter Büch­er, um gute erken­nen zu kön­nen. Nur die boden­los schlechte, die man an Verkaufs­form des Medi­ums, Titel, The­ma, spätestens beim ersten Leseein­druck erken­nt, fällt meines Eracht­ens genau in Schopen­hauers zu ignori­erende Lit­er­atur.

Wobei heutzu­tage das Para­dox­on zu Tage tritt, dass es wohl kaum jemals mehr zu lesen gab und es doch so schwierig erscheint, an gute Lit­er­atur zu bekom­men. Oder ken­nen noch jemand eine ver­trauenswürdi­ge Buch­hand­lung, die von ein­er bes­timmten Lek­türe abri­ete, wo man doch ein Geschäft machen kön­nte?

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