Wie ist das eigentlich … mit Digitalinformationssüchtigen?

Es gab vor Jahren einmal einen Vorstoß, Internetsüchtige auszumachen und ihnen zu helfen. Irgendwie fand ich das komisch, schließlich saßen ungemein viele Menschen ziemlich lange vor ihren Bildschirmen und die Merkmale einer Internetsucht, was für ein komisches Wort, waren nicht sonderlich abgrenzend. Man konnte es ihnen im Sozialverhalten auch nicht ansehen und ich hatte nur einen Bekannten, der in psychischer Behandlung war und als allererstes ein Facebook-Verbot bekam.

Bei Digitalinformationssüchtigen, manchmal Handysüchtige genannt, wobei sie allerdings nicht Geräte süchtig sind, ist das anders. Man sieht dauernd Leute, die angestrengd und unerholt ausschauend auf ihr Handy schauen. Wuasi überall: Im Auto, in Straßenbahnen, in Cafés, selbst im eigenen privaten Gespächsumfeld, will sagen: Selbst im Gespräch lassen Leute nicht von ihrem Handy, müssen darauf schauen, und entschuldigen es mit „Ich hör dir zu.“ Als ob ein Gespräch nur aus Zuhören bestünde.

Weder verstehe ich, was man dauernd anlasslos auf seinem Handy zu suchen hat, noch verstehe ich, was die Leute als Belohnungskick erhalten, noch kann ich mich vom Eindruck entledigen, dass mich so ein Verhalten ziemlich abstößt.

Aber will man was sagen? Den privaten Spielverderber spielen? So ein Verhalten wird sicherlich nicht weniger in den kommenden Jahren. Übergeht man die Situation wie mit anderen, in denen Leute einem akuten Hau nachgehen? Bisher kam mir das bei anderen Macken nie so chronisch vor.

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3 Kommentare

  1. Wie das Smartphone das Belohnungssystem triggert, ist ja schon länger bekannt:
    Gespräche mit Menschen direkt vor einem sind anstregendend, der Kick, wenn jemand eine WhatsApp-Nachricht schreibt, ist (vordergründig) billig.
    Interessant bei dem Phänomen ist, dass jeder über jeden meckert: Erwachsene beschweren sich, dass ,,die Jugend“ quasi nur noch in ihr Smartphone guckt, Kinder bemängeln, dass ihre Eltern ,,wegen zu viel Handy“ keine Zeit mehr für sie haben.
    Vielleicht liegt es daran, dass man die eigene Smartphone-Nutzung häufig nicht mal bemerkt!

    Letztens war ich mit der Familie Spazieren und hätte später schwören können, mein Handy kein einziges Mal in der Hand gehabt zu haben – was aber nicht stimmte: Ich hatte zwischendurch mal ein Foto gemacht.

    Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt:
    Geht das immer so weiter oder wird sich der Umgang mit den Geräten nach einiger Zeit einpendeln? Gibt es vielleicht neue Umgangsformen in Sachen Smartphones?
    Zu Wünschen wäre es.

    1. Mich wundert auch nicht, dass das überhaupt für Leute als Leckerli-Belohnungssystem funktioniert. Sie nutzen es eben auch in Situationen, wo sie in Kontakt zu anderen Menschen stehen. Da nehme ich mein Handy nur in die Hand, wenn ich wissen will, wie’s beim Fußball steht, wann eine Bahn kommt oder sowas. Ich würde nicht auf die Idee kommen, jemanden zu besuchen, und dann ein Daddelspiel am Handy anfangen. Genau sowas passiert aber heutzutage.

      1. Ist der Belohnungs-Kick dann möglicherweise so stark, dass sich die Leute über die eigentlich normalen Umgangsformen hinwegsetzen?

        Andere Beobachtungen (gegen Laternenpfähle rennen, Mütter achten überhaupt nicht mehr auf ihre Kinder im Kinderwagen) sprechen dafür.

        Eigentlich wäre es ja so einfach:
        Handy: ,,Piep! Piep!“
        Nr. 1: ,,Oh! Ich schaue nur mal schnell nach, was ist das ist.“
        Nr. 2: ,,Kein Problem!“
        Nr. 1: ,,Das ist von meiner Mutter – ich muss ihr schnell antworten. Bin gleich fertig.“

        Nr. 1 tippt schnell die Antwort und widmet dann wieder seine gesamte Aufmerksamkeit Nr. 2.

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