Gute Nacht, Freunde! https://t.co/wtpCZoHLQi

Archiv für den 18. November 2016

Guten Morgen

Morgenkaffee

Kurz nachdem dieses Blog startete, gab es hier Lesezeichen und Guten-Morgen-Artikel. Letztere wurden erst der Form nach von einem SPIEGEL-Autor kopiert und heute gibt es einige Chefredakteuere, die das Publizieren derartiger Artikel als Königsdisziplin ansehen. Aber auch die Lesezeichen geraten unter kommerzielle Räder. Über Facebook bin ich auf pigd gestoßen, einem Lesezeichen-durch-Nutzer-Dienst, der Geld kostet, sobald man selbst dort Lesezeichen oder Kommentare hinterlassen möchte. Money for the fame, ein feuchter amerikanischer Traum und ungefähr so realistisch. Schön redundant wird es, wenn dort jemand sein Lesezeichen Mal raus aus der Filterblase betitelt – innerhalb einer Filterblase.

Und während ich mir die Frage stelle: Sollte man wieder anfangen, den Leuten zu erklären, was Blogs sind und was sie können? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

Emcke, Carolin – Gegen den Hass

Ich dachte erst, man müsste die Autorin eventuell gegen ihre Kritiker in Schutz nehmen, aber allzu schlimm fand ich die Kritik dann doch nicht.

Emcke befasst sich in ihrem aktuellen Buch mit den aufkeimenden und gediehenen nationalistischen Positionen in Deutschland und darüber hinaus, wobei sie einen Akzent setzen möchte für die Verteidigung von Minderheiten im Lichte des Populismus dieser Zeit. Sie brilliert an den Stellen, an denen sie Positionen als diskriminierend und polemisierend demaskiert, indem sie die Position unaufgeregt entschlüsselt. Weniger überzeugend ist Emcke allerdings in ihrer Einordnung von Positionen in einen historischen oder wissenschaftlichen Kontext. So bestimmt sie die „Parteilichkeit der Verstandeswaage“ aus einer Textstelle aus Kants „Träume eines Geistersehers“, d.i. ein Text vor dessen so genannter kritischen Phase, als „Voreingenommenheit durch die Hoffnung“, wobei es an der betreffenden Stelle im Kantischen Text überhaupt nicht um Hoffnung geht. Um Hoffnung geht es bei Kant in der Religionsphilosophie. So ein Namedropping ist so wenig überzeugend wie beeindruckend. Und auch wenn andere Stellen in ihrer gewollten Belehrung eher nerven als einnehmen, ist das Buch wegen der Analysefährigkeit der Autorin empfehlenswert.

Lesezeichen vom 18.11.2016

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