Guten Morgen

Morgenkaffee

Die ers­te Ernüch­te­rung hat sich bei Blend­le ein­ge­stellt, das heißt bes­ser bei mir. Und das hat weni­ger mit Blend­le zu tun als mit der Qua­li­tät der ange­bo­te­nen Tex­te. Zwar ärgert mich an Blend­le, dass ich kei­ne Arti­kel emp­feh­len kann, die ich in einer gekauf­ten Zei­tung gele­sen habe, denn ich wer­de mir den Arti­kel ja nicht extra kau­fen, nur um ihn emp­feh­len zu kön­nen (oder machen das wirk­lich Leu­te?). Aber wie­so soll­te sich sowas nicht ändern las­sen?

Viel­leicht kann man das am Arti­kel im Tages­spie­gel deut­lich machen, der von einem Flücht­ling han­delt, der das ers­te Mal das Okto­ber­fest besucht. Eine nahe­lie­gen­des Jour­na­lis­tik­stück über ein Ali­en, das auf eine ande­re Welt trifft: Bay­ern. Und dann liest man den Anfang des Tex­tes und alles klingt nach einer Scha­blo­ne, die eine Jour­na­lis­ten­a­zu­bi­ne unbe­hen­de anlegt. Das Wit­zigs­te ist noch, das unter dem Anrei­ßer ange­bo­ten wird, den Text auf Blend­le anzu­kli­cken, und wenn man gera­de bei Blend­le ein­ge­loggt ist, kauft man den auch schon direkt. Aber ansons­ten ernüch­tert sowas den Leser nur. Zumin­dest wenn ich der Leser bin.

Ich habe mal Ernst Tugend­hat getrof­fen und er erzähl­te von lang­wei­li­gen The­men, mit denen Stu­den­ten auf ihn zuka­men, wor­auf er sie frag­te, ob sie nicht etwas Inspi­ra­ti­ve­res hät­ten.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Kann man dem deut­schen Jour­na­lis­mus in sei­ner kapi­ta­lis­ti­schen Been­gung noch Leben zurück­ge­ben? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

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2 Kommentare

  1. Ja, kann man so sehen. Da stimmt etwas nicht im Preis-Leistungsverhältnis. Bezah­len pro Text ver­än­dert den Maß­stab — “was krie­ge ich dafür?” Der Preis wird zur Prü­fung. Aber ist das schlecht, wenn vie­le Tex­te durch­fal­len? Ich mei­ne, es ist so gefähr­lich für die Redak­tio­nen, dass sie dar­über nach­den­ken müss­ten, wie eigent­lich Arti­kel beschaf­fen sein soll­ten, die eine Dif­fe­renz machen zu dem, was es so alles gra­tis gibt.
    Blend­le wür­de dann zurück­wir­ken auf die Arbeit, Zug­zwang erzeu­gen. Der durchsch­schnitt­li­che Füll­ar­ti­kel wird nicht die Ware sein, die sich so ver­kau­fen lässt. Es muss mehr Sach­ge­halt in die Arti­kel. Mehr Prä­zi­si­on. Mehr gedank­li­cher Auf­wand. Mehr Rele­vanz.
    Sie­he zu die­sen Über­le­gun­gen, wie Blend­le zurück­wir­ken könn­te auf die redak­tio­nel­le Arbeit, auch hier auf medi­um https://goo.gl/i4ZGvI

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