Guten Morgen, liebe Folglinge! ☕

Archiv für Januar 2015

Die Top10-Tweets des Dezembers

Lesezeichen vom 1. Januar 2015

  • Die “ver­schol­le­ne” Präsidenten-Biographie Eine fik­ti­ve Bio­gra­phie von Hein­rich Lüb­ke stört den einen oder anderen.
  • Udo Jür­gens’ Vet­ter im stern “Ich den­ke, Udo hat die Men­schen nicht geliebt”, sagt Bockel­mann rück­bli­ckend. “Ich hat­te immer den Ein­druck, dass ihn die Men­schen, die ihm zuju­bel­ten, nicht wirk­lich inter­es­siert haben. […] Er war im klas­si­schen Sin­ne viel­leicht sogar bezie­hungs­un­fä­hig. Er hat etwas ande­res geliebt: sei­ne Musik, sei­ne Auf­trit­te. Er war ein Künst­ler mit Leib und Seele.”

Lesezeichen vom 3. Januar 2015

  • The End of Gangs: Clea­ning Up Los Ange­les, Cali­for­nia Wie­so in LA die Gangs aussterben.
  • Sozio­lo­ge Ulrich Beck ist tot
  • Pomm­dö­ner­fa­xen | Fluss­kie­sel “Er hält eine Tüte “Pomm­dö­ner” in den Hän­den, aus der er metho­disch lang­sam mit einer Plas­tik­pom­mes­ga­bel nach und nach Frit­ten her­au­spiekst und zum Mund führt. Er kaut mit bedacht, als wür­de er jede Geschmacks­nu­an­ce der Fett­stif­te her­aus­schme­cken wol­len. [..] Der Mann ist ent­spann­te Kon­zen­tra­ti­on, ein Bud­dhist auf der höchs­ten Stu­fe der Medi­ta­ti­on. Voll­kom­men im hier und jetzt und Din­ge wie Hun­ger oder Ekel hat er längst hin­ter sich gelas­sen. Oder er hat gekifft.”

Lesezeichen vom 4. Januar 2015

Lesezeichen vom 5. Januar 2015

Guten Morgen

Morgenkaffee

Die Blöd­zei­tung, die Ende ver­gan­ge­nen Jah­res noch beherzrt ins Horn der Abend­land­un­ter­ge­her­se­her gebla­sen hat, sam­melt heu­te Stim­men gegen Pegi­da. Wie schi­zo muss man eigent­lich sein, um für die­ses Drecks­blatt zu schreiben?

Wovor wohl auch Pegi­das­ten Angst hät­ten: In Frank­reich zeigt man sich ange­schla­gen, ob des neu­en Romans von Michel Hou­el­le­becq über einen mus­li­mi­schen Prä­si­dent im Nach­bar­land. Eigent­lich schon wie­der Grund genug, ihn zu lesen.

Felix Schwen­zel ver­linkt Marc Wickels Ana­ly­se der Kraut­re­por­ter und ver­misst selbst die Rosi­nen. Ich für mei­nen Teil sehe ein­fach kein For­mat, aus dem sich was Beson­de­res ent­wi­ckeln wür­de. Der Ver­gleich mit dem nie­der­län­di­schen Ori­gi­nal hinkt immer mehr.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Kön­nen die Deut­schen noch Jour­na­lis­mus? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Tütengrünkohlpfanne

Als lei­den­schaft­li­cher Koch ken­ne ich natür­lich die guten Tüten­pro­duk­te vom Dis­coun­ter um die Ecke, denn man hat ja nicht immer Zeit, stun­den­lang in der Küche zu ste­hen, um in den lee­ren Kühl­schrank zu gucken. Und so grins­te mich eines Tages mal eine Tüte Grühn­kohl­pfan­ne im Super­markt­kühl­re­gal an. Und wie wir alle wis­sen ist Grühn­kohl die Leib-und-Magenspeise des West­fa­len. Also nix wie rin in den Ein­kaufs­wa­gen für schlech­te Zeiten.

Als West­fa­lem ist Grün­kohl ja fast schon iden­ti­täts­stif­tend, da weiß man genau, wie das schme­cken soll und wann. Es ist ein Win­ter­ge­richt und muss herb schme­cken, mit ordent­lich Kar­tof­feln dabei, Rauch­fleisch und Senf, damit der Ver­kos­ter das gesam­te Pro­dukt geschmack­lich in eine eigens pas­sen­de Geschmacks­rich­tung füh­ren kann.

Die­ses Tief­kühl­ge­richt möch­te es mir also abneh­men, die simp­len Zuta­ten für’s klas­si­sche Grün­kohl­ge­richt, Kar­tof­feln und Fleisch, was sich in die­ser Ver­si­on als Mett­wurst­stück­chen dar­legt, extra zu besor­gen. Hin­zu kom­men bei die­ser Tüte Zitro­nen­säu­re, modi­fi­zier­te Mais­stär­ke. Senf ist schon mit drin. Zwie­beln auch. Wozu das denn?

Irgend­wann kommt dann der Tag, an dem einem nicht ein­fällt, was man gera­de kochen möch­te, oder kei­ne Zeit für’s Kochen fin­det, und man ist froh, dass man noch einen Vor­schlag im Kühl­schrank hat. Also raus mit der Tüte und los geht’s:

Den gesam­ten tief­ge­froh­re­nen Beu­tel­in­halt mit 4–5 EL Was­ser in einer Pfan­ne mit Deckel geben und auf hoher Stu­fe 3–4 Minu­ten erhit­zen, danach durch­ga­ren las­sen, bis sich die Grühn­kohl­pucks kom­plett auf­ge­löst haben.

Die wer? Ah, okay:

gruenkohlpucks

Viel­leicht kann man damit kurz­fris­tig Öko-Eishockey spie­len. Essen muss man das Gan­ze jeden­falls nicht unbe­dingt, wie der Geschmacks­test zeigt: Das gesam­te Gericht ist dar­auf aus­ge­legt, mög­lichst nicht herb zu schme­cken. Dazu tra­gen Zucker und Zwie­beln mit bei. Kar­tof­feln und Mett­wurst­stück­chen sind so klein­ge­schnib­belt, dass sie gera­de noch so wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen. Wozu das Gan­ze schon mit Senf abge­schmeckt wor­den ist, bleibt mir ein Rät­sel. Der obli­ga­to­ri­sche Klacks Extra­senf har­mo­niert dann auch nur bedingt mit dem Gericht, da sich beim Grün­kohl erst nach aus­gie­bi­gem Kau­fen eine her­be Note zeigt.

Man bekommt mit die­sem Gericht eine war­me Mahl­zeit vor­ge­setzt, wofür man sich aber wohl nur beim Herd bedan­ken soll­te. Es ist nicht wirk­lich schlecht, aber auch nicht ein­prä­gend gut. Nach dem Ver­zehr ver­steht man zumin­dest jene, die Grün­kohl­ge­rich­ten nichts abge­win­nen kön­nen. Wer geschmack­vol­len Grün­kohl auf­ge­tischt sehen möch­te, der muss anders an die Sache herangehen.

Lesezeichen vom 6. Januar 2015

Lesezeichen von heute

Guten Morgen

Morgenkaffee

Felix Dach­sel erzählt, wie er in sei­ner Hei­mat­stadt im Erz­ge­bier­ge im Ange­sicht von Neo­na­zis auf­ge­wach­sen ist, die meist in der Über­zahl, durch­trai­nier­ter und geis­tig oft­mals neben der Spur waren. Was ihn der­zeit aber wirk­lich ängs­tigt ist:

Mehr Angst als um mich habe ich, wenn ich sehe, wie sich Rech­te und Men­schen aus der bür­ger­li­chen Mit­te ver­bün­den. Wenn ich davon lese, wie gegen Asyl­be­wer­ber demons­triert wird. Da ist für mich nicht mehr der ein­zel­ne Nazi das Pro­blem, son­dern Tei­le der Gesell­schaft. Dage­gen kann man sich mit Pfef­fer­spray nicht wehren.

Das ist wohl mit Blick auf Dres­den geschrie­ben wor­den, in Düs­sel­dorf ist Pegi­da ja eher ein klas­si­scher Rohr­kre­pie­rer. Im Ver­hält­nis betrach­tet waren bei der Demo gegen das Rauch­ver­bot in Knei­pen deut­lich mehr Teil­neh­mer — und das waren viel­leicht Nul­pen. Von den vie­len Demos, die unter dem öffent­li­chen Radar her­zie­hen, mal ganz abgesehen.

Bei der Kri­mi­nal­ak­te bespricht man Lie­be ist das per­fek­te Ver­bre­chen, die Ver­fil­mung von Phil­ip­pe Dji­ans Die Rast­lo­sen, schreibt lei­der nur nicht, wie man das alles fand.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Wie lan­ge dau­ert es wohl noch, dass man sich medi­al an Demos gewöhnt? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Großstadttiere

Hihihi”, sag­te das Kugel­frosch­männ­chen, “ich ver­ste­cke mich ein­fach hin­ter die­ser Kis­te, dann sieht mich keiner.”

Froschkopf

Januar 2015
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