Lokführerstreik

Ich vertrete mir kurz vor dem Essen­er Haupt­bahn­hof die Füße und tre­ffe auf einen Zug­be­gleit­er, der sich ger­ade eine Zigaret­ten­pause gön­nt.

Na, mor­gen großer Streik­tag?”

- “Na, das wer­den wir mal sehen. Genau weiß noch kein­er, was mor­gen los ist. Eigentlich alles ein ganz großer Schwachsinn. Und wenn die sich mor­gen wieder wie beim let­zten Mal zum Grillen verabre­den, die Lok­führer, dann weiß ich nicht, ob das nicht noch ein­mal Ärg­er gibt.”

Der Vor­sitzende der GDL war ja früher auch Lok­führer.”

- “Der war ja schon in der DDR so ein hohes Tier. Aber den Wis­sel­s­ki oder wie der heißt, den küm­mert es doch einen Scheiss, ob die Leute hin­ter­her 3% mehr oder 5% mehr bekom­men. Sie kön­nen mor­gen aber auf jeden Fall den RE2 nehmen, die fährt.”

Aber wenn nach so ein­er Ankündi­gung nicht gestreikt wird, macht man sich auch irgend­wie unglaub­würdig.”

- “Ich muss ja sowieso mor­gen antreten, ich darf nicht streiken. Sie kön­nen auch über Biele­feld fahren. Der RE6 fährt auch. Je nach­dem, wohin Sie wollen.”

Nanu? Wieso dür­fen sie nicht streiken?”

- “Ich bin beim Sub­un­ternehmen angestellt. Wir kom­men mor­gen hier zum Bahn­steig, und dann wird uns gesagt, wo wir fahren. Oder wir rauchen uns stun­den­lang eine. Das wird eine Scheisse. In Deutsch­land müssen Sie Mil­lio­nen auf der hohen Kante haben oder sie haben die Arschkarte.”

Ein Sub­un­ternehmen, das ihren Angestell­ten Namenss­childer der Deutschen Bahn zur Ver­fü­gung stellt?”

- “Gut, ne?”

Ganz großes Kino.”

- “Ja, die Bahn ist halt inzwis­chen ein wirtschaft­sori­en­tiertes, nee, warten Sie, wie heißt das noch? Ein kostenop­ti­mieren­des Unternehmen. Ich muss jet­zt wieder rein. Schö­nen Abend noch!”

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