Guten Morgen, liebe Folglinge! ☕

Archiv für März 2014

Die Top10-Tweets des Februars

Mehr wie immer bei Anne Schüß­ler.

Lesezeichen vom 3. März 2014

Russia Today anchor Abby Martin speaks out against Russian invasion of Crimea

O Cap­tain my Captain!

Für Arbeitsplätze einfach mal ein Auge zudrücken

… wenn es um rus­si­sche Ver­stö­ße gegen das Völ­ker­recht geht:

Der Geschäfts­füh­rer des Ost-Ausschusses der Deut­schen Wirt­schaft, Rai­ner Lind­ner, warn­te davor, wirt­schaft­li­che Sank­tio­nen gegen Russ­land zu ver­hän­gen: “Wir müs­sen auch die Fol­gen sehen, die dar­in bestehen, dass womög­lich Gegen­sank­tio­nen erfol­gen könn­ten, etwa im Bereich der Roh­stoff­lie­fe­run­gen”, sag­te er am Diens­tag in einem Inter­view der Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters. “Wir spre­chen von etwa 200.000 Arbeits­plät­zen in Deutsch­land, die am Russland-Geschäft hängen.”

Die Krim und das Völkerrecht

Da ich mich in mei­ner Uni-Abschlussarbeit mit dem Völ­ker­recht nach Kant beschäf­tigt habe, kann ich ja mal kurz die Lage auf der Krim in die­ser Hin­sicht erläu­tern. In phi­lo­so­phi­scher Hin­sicht müss­te grund­sätz­lich noch erklärt wer­den, wel­chen Stel­len­wert Begrün­dun­gen an sich haben, was eine Begrün­dung ist, wo und wie Begrün­dun­gen ver­an­kert wer­den usw. So weit gehe ich nicht zurück. 

Das Völ­ker­recht [hier­zu: Wiki­pe­dia] ist in phi­lo­so­phi­scher Hin­sicht — Kant ist mei­nes Erach­tens der ein­zi­ge Phi­lo­soph, der das Völ­ker­recht begrün­det dar­legt — zunächst ein­mal ein aus dem Staats­recht not­wen­dig wer­den­des, aber unver­an­ker­tes Recht. Unver­an­kert, weil es kei­ne Recht­spre­chungs­in­stanz für das Völ­ker­recht gibt. Hier­von geht Kant in Die Meta­phy­sik der Sit­ten aus. Das Völ­ker­recht ist zunächst schlicht das nach außen gewen­de­te Staats­recht, ein Staat hat die Pflicht, die recht­li­che Ord­nung nach innen zu schüt­zen und ent­spre­chend nach außen. Laut Kant erwächst hier­aus das Recht zu krie­ge­ri­schen Hand­lun­gen, falls der eige­ne Staat ange­grif­fen, die eige­ne Rechts­ord­nung somit bedroht ist. Er muss laut Kant die not­wen­di­gen Mit­tel ergrei­fen dür­fen, d.i. Bür­ger als Sol­da­ten ein­set­zen, die er zur Erfül­lung sei­ner Pflicht braucht.

Ein Staat kann sich nach Kant durch eini­ge Ereig­nis­se bedroht füh­len: Mili­tä­ri­sche Auf­rüs­tung, Kriegs­er­klä­run­gen oder Belei­di­gun­gen. Letz­te­res ist sicher­lich ein sehr dis­ku­ta­bler Punkt, aller­dings wird er als Kriegs­grund mei­nes Wis­sens sel­tenst angeführt.

Soweit die Theo­rie. Im aktu­el­len Kon­flikt um die Krim kann man fest­hal­ten: Russ­land ist nicht belei­digt wor­den, die Ukrai­ne hat nicht mili­tä­risch auf­ge­rüs­tet, sie hat nie­man­dem den Krieg erklärt und ist auch sonst außen­po­li­tisch nicht ande­re Staa­ten ange­gan­gen. Russ­lands Vor­ge­hen ist ein ein­deu­ti­ger Ver­stoß gegen das Völ­ker­recht, indem man mit Sol­da­ten in ein ande­res Land ein­ge­drun­gen ist. So ein Ver­hal­ten kann man als Kriegs­er­klä­rung werten.

Lesezeichen vom 5. März 2014

Lesezeichen von heute

Guten Morgen

Morgenkaffee

So viel Wir­kung haben Blog­ger immer­hin noch: Ges­tern wies Ste­fan Nig­ge­mei­er auf die aus­blei­ben­de Empö­rung über die son­der­ba­ren Äuße­run­gen von Sibyl­le Lewit­schar­off hin und sofort sprin­gen die Zei­tun­gen an, so dass Lewit­schar­off sich inzwi­schen ent­schul­digt hat — aller­dings nur für einen Satz der Rede.

Eben­falls ges­tern trat ja der KAB-Vorsitzende Hupfau­er zurück, weil er auf Sei­ten rum­ge­surft ist, auf denen auch kin­der­por­no­gra­phi­sches Mate­ri­al zu sehen war. Mich wun­dert irgend­wie, dass die KAB nicht mit­be­kom­men hat, dass es in die­sem Fall vor einem Jahr eine Haus­durch­su­chung bei Hupfau­er gege­ben hat.

Zum Schluss noch was Lehrsames:

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Tritt so lang­sam eine Gewöh­nung an Kin­der­por­no­gra­phie­vor­wür­fe ein? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Lesezeichen vom 7. März 2014

Beckmann: Der Kampf um die Krim

Die­ser Tage ist der Kon­flikt auf der Krim Gegen­stand diver­ser Talk-Shows. Lei­der tau­chen als Gäs­te vie­le Leu­te auf, die rus­si­sche Pro­pa­gan­da nach­be­ten, sich, nur weil sie in Kiew gebo­ren wur­den, als Ukraine-Experten aus­ge­ben oder anders­wie sinn­los Rede­zeit ver­schwen­den. Eine Aus­nah­me bil­det die gest­ri­ge Aus­ga­be von Beck­mann. Wer mal was sinn­vol­les zum The­ma sehen möch­te, bitte:

Telefonat auf die Krim

Heu­te ist ein Tele­fo­nat mit dem Vater mei­ner Freun­din auf der Krim zustan­de gekom­men. Vor zwei Wochen war er noch opti­mis­tisch, dass sich die Tumul­te auf der Krim bis zum Som­mer legen, so dass wir ihn pro­blem­los besu­chen könnten.

Das Blatt hat sich gewen­det. Inzwi­schen fürch­tet er um sei­ne Exis­tenz­grund­la­ge. Er und sei­ne heu­ti­ge Frau arbei­ten für Unter­neh­men, die mit dem ukrai­ni­schen Staat in Ver­bin­dung ste­hen. Sie gehen davon aus, dass sie umge­hend Ihre Anstel­lun­gen ver­lie­ren, soll­te die Krim an Russ­land fal­len. Russ­land wür­de sämt­li­che Auf­ga­ben auf der Krim an rus­si­sche Fir­men vergeben.

Die Krim selbst, die vom Fest­land abhän­gig ist, wür­de um den wirt­schaft­li­chen Fort­schritt der letz­ten 20 Jah­re gebracht wer­den. Eine trost­lo­se Zukunft gera­de für die jün­ge­ren Bewoh­ner der Krim, von denen es jetzt schon auf Grund der wirt­schaft­li­chen Lage nicht all­zu vie­le gibt.

Bild aus glücklicheren Zeiten: Vater meiner Freundin (2.v.l.), meiner einer (4.v.l.)

Bild aus glück­li­che­ren Zei­ten: Freun­din mei­nes Vaters (2.v.l.), mei­ner einer (4.v.l.) im August 2013

Und den­noch miss­traut er den Umwäl­zun­gen in Kiew, zu vie­le Natio­na­lis­ten sei­en dort am Werk. Woher kommt die­ses tie­fe Miss­trau­en? Einer­seits wird Ukrai­nisch oft­mals als Bau­ern­spra­che ange­se­hen, die es mit dem Rus­sisch eines Pusch­kins, eines Dos­to­jew­skijs nicht auf­neh­men kann. Über­haupt wird nur an vier Schu­len auf der gan­zen Krim in ukrai­nisch unter­rich­tet. Zudem ist die rus­si­sche und frü­he­re sowje­ti­sche Pro­pa­gan­da ein unge­mein gereif­tes Mittel.

Wir erfah­ren am heu­ti­gen Mann der Mut­ter mei­ner Freun­din, der frü­her in der Sowjet­uni­on leb­te und nun schon 25 Jah­re in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten lebt, dass die­se Pro­pa­gan­da immer noch nach­hallt. Er wer­de nie­mals etwas Schlech­tes über die Sowjet­uni­on sagen, er habe es damals gut gehabt. Kein Gedan­ke dar­an, wie es ande­ren erging. Kein Gedan­ke dar­an, dass es ihm so gut ging, weil sein Vater eine bedeu­ten­de Posi­ti­on inne­hat­te. Da kann man ruhig ein­wen­den, es war kein Rechts­staat, die­ser Ein­wand ist sinn­los: Die Rede von einem Rechts­staat sagt ihm nichts. Ein Umzug von der Sowjet­uni­on in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten war für ihn in staat­li­cher Hin­sicht ledig­lich ein Wech­sel der Fahnen.

Die Krim ist nie in der Ukrai­ne ange­kom­men, hat sich immer als auto­nom betrach­tet, man fühlt sich eher Russ­land als der Ukrai­ne zuge­hö­rig. Der­zeit fühlt man sich eh schon ein­ge­nom­men mit den über­mäch­tig wir­ken­den rus­si­schen Sol­da­ten vor Ort, fühlt sich im Krieg, fühlt sich über­rum­pelt und aus­ge­lie­fert, sofern man nicht Freu­de über die schein­ba­re Zuge­hö­rig­keit zu Russ­land empfindet.

Wie es wei­ter­geht, steht in den Ster­nen. Mög­li­cher­wei­se sieht mei­ne Freun­din ihren Vater für lan­ge Zeit nicht wie­der, mög­li­cher­wei­se ihre Groß­el­tern nie. Mög­li­cher­wei­se wird sie monat­lich knap­sen, um ihren Vater vor Ort über die Run­den kom­men zu lassen.

Wir wer­den über­le­gen, falls Russ­land die Über­hand behält, ob die Fami­lie ihre Stief­schwes­ter nach Deutsch­land kom­men kann. Eine Zukunft, und das ist allen klar, wer­den ihre klei­nen Kin­der unter rus­si­scher Herr­schaft auf der Krim nicht haben.

März 2014
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