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Archiv für den 26. Juni 2013

Guten Morgen

Morgenkaffee

Victoria Schwartz schreibt runter, wie sie sich in einen Liebesvortäuscher im Internet verliebte. Spooooooooky.

In Lengerich gibt es Streit um den Namen der Martin-Luther-Straße wegen Luthers Antisemitismus.

Malte Spitz erklärt, weswegen er Edward Snowden dankbar ist.

Ja, der Grund, aus dem Hongkong das Auslieferungsersuchen von Snowden seitens der USA zurückgewiesen hat, ist schon geil:

Und während ich mir die Frage stelle: Kratzt man bei Kritik an Luther schon an der gefühlten Religionsfreiheit einiger? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

Wie man aus Kant einen Antisemiten macht

zeigt der Religionsstudent Markus Voss-Göschel und bekommt dafür den Franz-Delitzsch-Förderpreis für christlich-jüdische Verständigung. Dabei ist die Grundlage seiner Behauptungen mehr als dürftig.

Zum einen verweist er auf das Zitat „Jetzo sind sie die Vampyre der Gesellschaft“, das allerdings nicht in Kants Schriften auftaucht, soweit ich weiß, sondern bei J.F.A. Abbeg, der es Kant zuschreibt. Streng genommen ist es nur Hörensagen und entzieht sich so einer ernsthaften wissenschaftlichen Erörterung. Für Voss-Göschel ist dies in öffentlichen Äußerungen der erste Beleg für Kants Antisemitismus: Getratsche.

Der zweite Beleg ist ein Lesefehler Voss-Göschels

„Kant bezeichnet die Juden als ‚Vampyre der Gesellschaft‘ und fordert ‚die Euthanasie des Judentums‘!“, nennt Markus Voss-Göschel zwei Beispiele für die zum Teil extremen antisemitischen Äußerungen in Kants Schriften.

Kant fordert nichts dergleichen. Allerding meint er, ein Übergang zur „reinen moralischen Religion“ aus dem Jugendtum heraus, sei die Euthanasie, d.i. der sanfte Tod, des Jugendtums:

Die Euthanasie des Judenthums ist die reine moralische Religion mit Verlassung aller alten Satzungslehren, deren einige doch im Christenthum (als messianischen Glauben) noch zurück behalten bleiben müssen: welcher Sectenunterschied endlich doch auch verschwinden muß und so das, was man als den Beschluß des großen Drama des Religionswechsels auf Erden nennt, (die Wiederbringung aller Dinge) wenigstens im Geiste herbeiführt, da nur ein Hirt und eine Heerde Statt findet.

Voss-Göschel bringt Antisimitismus in diesen Kontext, nicht Kant. Es wird halt das gefunden, was man finden will. Wenn diese Erörterungen stellvertretend sind für die Wissenschaftlichkeit der Erörterung, dann bleibt da nicht viel. Aber hören wir dem Nachwuchs weiter zu:

Über Kant gibt es so viele Abhandlungen, doch bisher gab es keine klaren Antworten darauf, wie genau er Religion definiert

sagt Voss-Göschel.

Das bezweifle ich, und vielleicht hätte er da lieber Kant selbst gelesen als Abhandlungen, denn bei Kant findet sich z.B. diese Definition:

Religion ist (subjectiv betrachtet) das Erkenntniß aller unserer Pflichten als göttlicher Gebote *)[Fußnote ausgelassen]. Diejenige, in welcher ich vorher wissen muß, daß etwas ein göttliches Gebot sei, um es als meine Pflicht anzuerkennen, ist die geoffenbarte (oder einer Offenbarung benöthigte) Religion: dagegen diejenige, in der ich zuvor wissen muß, daß etwas Pflicht sei, ehe ich es für ein göttliches Gebot anerkennen kann, ist die natürliche Religion.

Und weil Voss-Göschel wohl Kants Religionsbegriff nicht geläufig ist, versteigt er sich laut israelogie.de zu dieser Äußerung

Für Kant ist das Judentum ein absurdes und sinnloses Gesetzeswerk ohne moralischen Bezug und daher eigentlich keine Religion

und folgender gänzlich aus den Fingern gezogenen Behauptung

Er [Kant] habe sich nicht die Mühe gemacht, seine jüdischen Freunde zu fragen, worum es im Judentum geht, sondern auf eklatanten Falschinformationen aufgebaut.

Eine Behauptung ohne Beleg, einfach mal so rausspekuliert. Die Aussage, Kant hat heimlich bis ins hohe Alter am Daumen genuckelt, besitzt in etwa denselben Wahrheitswert. Ernsthafte Wissenschaft ist etwas ganz anderes.

Lesezeichen vom 26. Juni 2013

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