Guten Morgen

Morgenkaffee

Der Dok­torver­lust von Bun­des­bil­dungsmin­is­terin Anette Scha­van zieht sich wohl noch etwas: Die Uni­ver­sität Düs­sel­dorf leit­et offiziell ein Ver­fahren zur Aberken­nung ihres akademis­chen Grades ein, was für sich genom­men schon Grund genug für einen Rück­tritt ist. Zwar sei es ein ergeb­nisof­fenes Ver­fahren, so ein Uni­ver­sitätssprech­er, allerd­ings sprechen eine über­lange Auseinan­der­set­zung gestern und die Veröf­fentlichung des 14:1-Stimmenverhältnisses bezüglich der Ein­leitung des Ver­fahrens, eine andere Sprache, als dass bish­er nicht inhaltlich bew­ertet wor­den wäre.

Na sowas: Twit­tern macht schlank.

Der Guardian titelt, der Vatikan habe dank Mus­soli­ni gebäude­tech­nisch expandiert.

Und während ich mir die Frage stelle: Auf was für Schul­tern ste­ht eigentlich die katholis­che Kirche? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

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Wie Jörges Kubicki entzauberte

Die gestrige Folge von Markus Lanz war über­raschend gut. Und nein, das hat­te nichts mit dem Mod­er­a­tor zu tun, der hat das warschein­lich gar nicht gemerkt. Wenn die Sendung passend nach dem Mod­er­a­tor ben­nant wor­den wäre, würde sie auch Voll daneben heißen oder sowas. In der Sendung trat­en der Jour­nal­ist Hans-Ulrich Jörges und der FDP-Poli­tik­er Wolf­gang Kubic­ki auf und Lanz stand immer­hin nicht im Weg – ver­mochte es aber auch nicht, den Knack­punkt der Sendung zu erken­nen und in den Fokus zu stellen. Für den Zuschauer ist die Aus­gangslage ein­er so beset­zten Sendung schon mal schwierig: Das sich immer wieder­holende Fernse­hen wartet mit wieder­holt auftre­tenden Gästen auf, Jörges und Kubic­ki sind da Parade­beispiele. Den­noch war es dieses Mal anders.

Hans-Ulrich Jörges ist nicht grundsym­pa­th­sisch. Dafür ist er zu hek­tisch, dafür ist er von sich selb­st zu begeis­tert, dafür trifft er manch­mal nicht den Punkt genau genug, dafür ist seine Art zu kauzig.

Der #Jörges ist aber auch schw­er zu ertra­gen #Lanz

— Sven Hen­nig ✈ (@svhennig) Jan­u­ar 22, 2013

Das muss aber nicht bedeuten, dass er immer unbe­d­ingt falsch liegt. Manch­mal ist auch er auf der richti­gen Spur. Gestern nagelte er ohne Hil­fe des Mod­er­a­tors oder anderen Anwe­senden Wolf­gang Kubic­ki fest und wirk­te dabei unsym­pa­thisch wie eh und je. Wer nimmt schon den lusti­gen Wolf­gang Kubic­ki in den Schwitzkas­ten? Ja, wer eigentlich – außer Hans-Ulrich Jörges?

Die Argu­men­ta­tion­slage zwis­chen Jörges und Kubic­ki war ger­adezu klas­sisch: Drän­gen Sie jeman­den in die Ecke und ver­suchen Sie ihm das Stand­bein wegzuhauen. Wenn das klappt, haben Sie die Argu­men­ta­tion gewon­nen. Wolf­gang Kubic­ki stellte sich gestern auf sein symp­taschies, qua humor­volles Rhetorik-Stand­bein, mit dem er sym­pa­tis­ch­er rüberkommt als Jörges. Aber genau das ent­larvt ihn.

Aber worum ging es über­haupt? Die Diskus­sion rank­te um den Zus­tand der FDP rund um die Nei­der­sach­sen-Wahl. Kubic­ki stellte es so dar, als gäbe es keine Über­raschun­gen, als wäre die Rösler-Brüder­le-Cha­rade seit Wochen abge­sprochen und geplant. Die FDP als über­legene Wise-Men-Frak­tion. Was für ein schönes Bild. Jörges hob als einziger in die Kerbe, dass diese Darstel­lung nicht überzeu­gend sei, genauer: Das diese Darstel­lung nicht wahrheits­gemäß sei.

Wie auch? Bei der Nieder­sach­sen­wahl ging es medi­al darum, ob Philip Rösler gestürzt werde. Den Ein­druck, dass dieser wack­ele, erweck­ten Poli­tik­er wie Rain­er Brüder­le und Dirk Niebel. Das war keine medi­ale Erfind­ung. Dass es Quere­len um die per­son­elle Auf­stel­lung gab, bezeu­gen FDP-Poli­tik­er. Dass Philipp Rösler im Zuge der Auf­stel­lung Brüder­les zum Spitzenkan­di­dat – eine Posi­tion, die es für Zip­pert in der FDP gar nicht gibt – seinen Parteivor­sitz zur Ver­fü­gung stellte, bezeu­gen ange­bliche innere Kreise der FDP. Solche unbe­nan­nten Per­so­n­en sind natür­lich leichte Angriff­sziele.

Und genau auf diese Infor­ma­tion­squelle schoss sich Kubic­ki ein. Man solle doch eher ihm glauben als Infor­ma­tion­squellen, die genau­sogut erfun­den sein kön­nten und nicht alle Darstel­lun­gen von FDP-Poli­tik­ern seien kon­form. Deswe­gen solle man ihm, den wahrhaftig dort Sitzen­den, glauben. Dass es ihm allerd­ings näher ste­hen dürfte, seine Partei in schönem Licht darzustellen, als kri­tisch zu beleucht­en, kann sich jed­er aus­rech­nen.

Kubick­is Darstel­lung des inner­nen Kreis­es der FDP als medi­ale Spin doc­tors ist so reizend wie unglaub­würdig. Nie­mand Promi­nentes außer ihm in der FDP hat der Darstel­lung wider­sprochen, Rösler habe nicht seinen Führungsposten zur Ver­fü­gung gestellt. Jörges haute genau in diese Kerbe: Wenn die Cha­rade aus­gemacht gewe­sen wäre, hätte Rösler nicht sein Amt zur Ver­fü­gung stellen müssen. Tre­f­fer, versenkt.

Kubic­ki ver­suchte noch ad audi­tores, Jörges als spekulieren­den Kaf­feesat­zleser darzustellen, der ohne dabei gewe­sen zu sein bess­er Bescheid zu wis­sen glaubte, als Per­so­n­en, die dabei waren. Das machte Jörges zwar noch hand­kne­tend nervös, überzeugte allerd­ings höch­stens noch Markus Lanz. Sach­lich hat­te Kubic­ki da schon längst ver­loren.

Der Auftritt der FDP in let­zter Zeit, der mit seinen Quere­len und Führungs­de­bat­ten ungeschlossen wirk­te, zeugte eher von Ungeschlossen­heit als von medi­alem Spin­dok­toren­tum. Bliebe die Frage, ob es schw­er­er wiegt, wenn die FDP sich selb­st täuscht oder das Pub­likum. Über­lassen wir das doch ein­fach mal den spin­nen­den Dok­toren der FDP.

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