Guten Morgen, liebe Folglinge! ☕

Archiv für Januar 2013

Intimtrends

Das Jahr fängt ja gut an. da wird der Neu­jahrstat­ort damit bewor­ben, dass Haupt­ak­teu­rin Jea­net­te Hain die Kla­mot­ten fal­len lässt und eini­ge schau­en da aber mal ganz genau hin:

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Kom­men wir mal zu den Alt­las­ten des ver­gan­ge­nen Jah­res: Ber­mer­kens­wert ist, das Denis Scheck, des­sen Lite­ra­tur­tipps ich noch nie befolgt habe, bis auf Joan­ne K- Row­ling die gesam­te SPIEGEL-Bestsellerliste ver­reißt. Und Row­ling wer­de ich auch nicht lesen.

Da hat die öffentlich.rechtliche Gehirn­wä­sche aber gut funk­tio­niert: WDR-Chefredakteur Jörg Schö­ne­born nennt die Rund­funkt­ge­bühr (“GEZ”) eine “Demokratie-Abgabe. Das ist auch so zíem­lich der mie­ses­te Neu­sprech, den ich mir für die­se Steu­er vor­stel­len kann.

Zum Gru­seln: Die Neu­jahrs­an­spra­che an die bay­ri­sche Pira­ten­par­tei.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Wie kam es eigent­lich dazu, dass die Öffis, die für öffent­li­che Kri­tik da sein sol­len, sich selbst aller Kri­tik ent­le­digt sehen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Die Top10-Tweets des Dezembers


https://twitter.com/ellyteration/status/281362138415640576

Der Bibliomat

Seit ein paar Wochen lei­te ich ja mei­ne Spat­zier­gän­ge an öffent­li­chen Bücher­schrän­ken vor­bei und hin­ter­las­se wie heu­te wirk­lich Lesens­wer­tes und sowas, was ver­ständ­nis­vol­le­re Hän­de errei­chen könn­te, in die­sen Glas­käs­ten. In Kana­da geht das gan­ze auch über einen Auto­ma­ten, der gegen 2€ ein gebrauch­tes Buch sprin­gen lässt:


[via]

Ja, glei­ches Prin­zip irgend­wie, gebrauch­te Bücher als Über­ra­schungs­ef­fekt, den­noch gefal­len mir die öffent­li­chen Bücher­schrän­ke eben doch bes­ser, weil man viel leich­ter an einem nicht ganz so gewöhn­li­chen Ort mit ande­ren Men­schen in Gesprä­che über Bücher kommt.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Bei der NOZ ver­schanzt man sich ange­sichts des neu­en RTL-Bachelors hin­ter Kalk­o­fe.

Irgend­wo ist die Zahl der toten durch Schuss­waf­fen­ge­brauch seit New­town (14. Dezem­ber) beein­dru­ckend: 409.

Boris Becker gibt Bezie­hungs­tipps in Rich­tung van der Vaarts.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Wann kriegt Bob­be­le end­lich mal ne Kup­pel­show? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

The simple truth about porn

Ever­y­thing you always should remind yours­elf of con­cer­ning porn:

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Die vorzeitige Adelung von Jakob Augstein

Jakob Aug­stein scheint seit Jah­ren das Ziel zu ver­fol­gen, bedeut­sa­me jour­na­lis­ti­sche Stim­me in Deutsch­land zu wer­den. Und dafür bringt er gute Vorraus­set­zun­gen mit: Ele­gan­tes Auf­tre­ten, einen küh­len Kopf, eine gute ver­ständ­li­che Aus­drucks­wei­se, eine schnel­le Auf­fas­sungs­ga­be, ein pas­sen­des Selbst­be­wußt­sein, ein gro­ßer Nach­na­me. Er kann sich schnell assi­mi­lie­ren, scheut sich aber auch nicht, sich sofort aus­zu­gren­zen, wenn er sich sei­nem Rück­rat ver­pflich­tet sieht. Ein Mann mit For­mat, kei­ne Fra­ge. Er hat nur eine Archil­les­fer­se: Er schreibt kei­ne gro­ßen Texte.

Den letz­ten Satz muss man gleich auf­neh­men: 1. Bis­her waren die Tex­te nicht groß, viel­leicht ändert sich das. 2. Was heißt über­haupt, er schrie­be kei­ne gro­ßen Tex­te? Nun, Aug­stein nimmt immer staats­tra­gen­de Tex­te ins Visier, ohne einen eige­nen, tie­fe­ren Gedan­ken, der so woan­ders nicht vor­kommt und sach­lich über­zeugt, in sei­nen Tex­ten instal­lie­ren zu kön­nen. Einen Satz wie die­sen könn­te Aug­stein ärgern, wie es jeden Jour­na­lis­ten mit Anspruch ärgert. Schlimm ist er aller­dings nicht, denn Aug­stein spielt mit sei­nen Tex­ten immer noch in einer hohen Liga, weit ent­fernt von anderen.

Jakob Aug­stein – ein Antisemit ?

Ich wür­de zunächst ein­mal Salo­mon Korn zustim­men: Ich habe in Aug­steins Tex­ten auch nichts anti­se­mi­ti­sches gele­sen und ich wür­de auch bei Hen­ryk M. Bro­ders Ana­ly­sen vor­sich­tig sein. Um hier bei der Stan­ge zu blei­ben: Bro­der hat recht, wenn er hier ein Zitat Aug­steins her­vor­hebt und kri­ti­siert. Argu­men­ta­tiv ist die Qui-bono-Variation, die Aug­stein anschlägt, nicht über­zeu­gend, weil aus einem Qui-bono-Gedanken, wie ihn Aug­stein anstellt, allen­falls eine Wahr­schein­lich­keits­an­nah­me, aber eben kei­ne kau­sa­li­tä­re her­aus­kommt. In sei­nem Text – so fin­de ich – erweckt Aug­stein aber genau die­sen Ein­druck einer Kau­sa­li­tät. Bro­ders Schluss aus die­sem Zitat ist, dass, wer so argu­men­tiert wie ein Anti­se­mit, selbst ein Anti­se­mit ist. Die­se Schluss­fol­ge­rung ist aller­dings genau­so pau­schal wie die kri­ti­sier­te Argu­men­ta­ti­on Aug­steins. Ob Aug­stein Anti­se­mit ist oder nicht, lässt sich dar­aus nicht schlie­ßen. Weil das Simon-Wiesenthal-Zentrum ohne eine ade­qua­te Ana­ly­se der Tex­te Aug­steins ver­fährt, ist eben auch die Auf­nah­me Aug­steins in eine Top-10 von anti­se­mi­ti­schen Ver­un­glimp­fern eine Dumm­heit. Rab­bi Abra­ham Cooper ver­weist auf die­sen Text Aug­steins, aber sei­ne Kri­tik ist pau­scha­li­sie­rend und lässt sich so im Text Aug­steins, der für sich genom­men kein Glanz­licht an argu­men­ta­ti­ver Klar­heit ist, nicht wie­der­fin­den. Er recht­fer­tigt zudem nicht, was der Name Aug­stein in die­ser Lis­te zu suchen hat.

Das Abschüt­teln eines Schattens

Was aber in die­ser Ange­le­gen­heit pas­siert ist fol­gen­des: Jakob Aug­stein ist dank des media­len Inter­es­ses und der Ver­tei­di­gung Aug­steins durch Bun­des­po­li­ti­ker zu einer bun­des­weit beacht­sa­men jour­na­lis­ti­schen Stim­me auf­ge­stie­gen. Das Auf­tau­chen in die­ser Lis­te scha­det Aug­stein nicht im min­des­ten. Was immer die­se Lis­te bezwe­cken soll­te, der Zweck wur­de ver­fehlt. Aug­stein selbst hat eine solch her­aus­ge­ho­be­ne Posi­ti­on noch nicht ganz ver­dient. Er hät­te in der Ange­le­gen­heit bes­ser auf sei­ne eige­nen, kri­ti­sier­ten Tex­te ein­ge­hen sol­len, – die er aber nur als all­ge­mei­nes Tages­ge­schäft umreißt – und nicht auf Kon­tro­ver­sen um Judith But­ler, wor­aus her­vor­ge­hen soll, dass Israel­kri­ti­kern all­ge­mein Unrecht wider­fährt – so auch ihm. Er liegt auch falsch dar­in, dass es in die­ser Ange­le­gen­heit dar­um gin­ge, Israel­kri­ti­ker mund­tot zu machen. Sei­ne Kri­ti­ker ver­wei­sen schon auf Pas­sa­gen in sei­nen Tex­ten, die argu­men­ta­tiv schlecht aus­ge­ar­bei­tet sind, wor­aus sie aller­dings dann einen Anti­se­mi­tis­mus­vor­wurf ableigen.

Ich bin opti­mis­tisch, dass Aug­stein der her­vor­ge­ho­be­nen Stel­lung, die ihm so wider­fährt, gerecht wer­den kann, wenn er sei­ne Argu­men­ta­tio­nen kla­rer dar­legt. Das täte allen Sei­ten gut.

mehr

ZEIT.de: Rab­bi Abra­ham Cooper: “Aug­stein soll­te sich bei den Lesern und dem jüdi­schen Volk ent­schul­di­gen” (auch hier beschränkt sich der Rab­bi auf ein ein­zi­ges Zitat, dass nur unter sei­ner Inter­pre­ta­ti­on als anti­se­mi­tisch gedeu­tet wird. Das ist zu wenig in einer auf­ge­klär­ten Gesellschaft.)
Salo­mon Korn: Das Wiesenthal-Zentrum kennt die deut­schen Ver­hält­nis­se nicht
— Salonom Korn bezieht sich auf die­sen Arti­kel von Chris­ti­an Bommarius.

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