Guten Morgen

Morgenkaffee

Kommen wir mal zu den Altlasten des vergangenen Jahres: Bermerkenswert ist, das Denis Scheck, dessen Literaturtipps ich noch nie befolgt habe, bis auf Joanne K- Rowling die gesamte SPIEGEL-Bestsellerliste verreißt. Und Rowling werde ich auch nicht lesen.

Da hat die öffentlich.rechtliche Gehirnwäsche aber gut funktioniert: WDR-Chefredakteur Jörg Schöneborn nennt die Rundfunktgebühr („GEZ“) eine „Demokratie-Abgabe. Das ist auch so zíemlich der mieseste Neusprech, den ich mir für diese Steuer vorstellen kann.

Zum Gruseln: Die Neujahrsansprache an die bayrische Piratenpartei.

Und während ich mir die Frage stelle: Wie kam es eigentlich dazu, dass die Öffis, die für öffentliche Kritik da sein sollen, sich selbst aller Kritik entledigt sehen? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

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Fischer, Marc – Die Sache mit dem ich

Marc Fischer nahm sich 2011 das Leben. Zudem verlor er sich in seiner selbst so genannten “Fischerwelt”, dass jede nähere Befassung mit ihm und diesem Buch nicht unbedingt zu guter Laune führt. Dem Leser bleibt bei all den in diesem Buch versammelten Reportagen Fischers die Frage, was schief gelaufen ist. Und die Frage, warum einen diese Frage umtreiben sollte. Ich vermag weder die eine, noch die andere gut zu beantworten. Der Popjournalismus, den er hier vertritt, hat durchaus Ansätze von Haltung (wie im bestechenden Text über Katja Riemann), aber eine zufriedenstellende Aussage finde ich nirgends.

Peter Lau schreibt:

T. glaubt ebenfalls, dass Berlin Fischer nicht gutgetan hat. „Wer zieht denn hier hin? Die Männer, die sich um ihre Frauen und ihre Kinder kümmern, die bleiben in Solingen oder in Nürnberg. Nach Berlin gehen die, die etwas erleben wollen und sich für großartig halten. Und das sind dann die Leute, die in den Medien unser Bild von der Welt prägen. Marc hatte oft Freun dinnen mit Kindern, er mochte Kinder. Aber er hielt sich trotzdem alles offen. Er hatte, glaube ich, dieses Gefühl: Wenn ich mal groß bin, habe ich auch Kinder. Als er merkte, dass er schon groß war, war das für ihn ein Schock. Marc war letztlich ein sehr einsamer Mensch. Und er ist gestorben, weil keiner auf ihn aufgepasst hat. Das kann auch kein Arzt. Das müssen Freunde machen, dafür sind Freunde da.“

Ich weiß nicht, was man außerhalb der Berlin-Blase mit Fischers Erbe anfangen kann.

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Cornelius Wüllenkemper: Zwischen Weltbeobachtung und Projektion
Peter Lau: Woran starb Marc Fischer? in: brand eins. Heft 2/2012, S. 152–162 (Versuch einer journalistischen Würdigung und Erklärung Fischers)

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Neu im Bücherschrank(14): A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada – Bhakti Yoga

Tja, man soll halt nicht immer alles glauben, was die Leute auf der Straße so von sich geben. Beim anderen Bücherschrank Düsseldorfs schnappte ich ja auf, dass der am Friedensplätzchen nur Schrott enthalte. Weit gefehlt. Auch diesem Bücherschrank sieht man an, das belesene Menschen ihn bevölkern: Meinem Blick entgingen nicht Bruno Apitz‘ Nackt unter Wölfen, Antal Szerbs Reise im Mondlicht, André Glucksmanns Der Stachel der Liebe sowie Fjodor Dostojewskijs Der Spieler.

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Weil ich aber doch unter dem Eindruck stand, bei einem abgelegenen Bücherschrank könnte auch eher Schrott erwartet werden, brachte ich etwas Friedvolles, aber Belangloses zum Friedensplätzchen: A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada – Bhakti-Yoga. Ein doch eher merkwürdig zerfaselter Schinken mit Weisheiten wie:

Die Seele ist ein winziges, unsichtbares Teilchen des Körpers.

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Neu im Bücherschrank(15): Isabel Allende – Fortunas Tochter

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So, nun mal wieder was in den Ibbenbürener Bücherschrank und mal wieder ein schönes, gebundenes Buch: Fortunas Tochter von Isabel Allende, der Urgeschichte zum Geisterhaus. Eine Frauengeschichte „über eine junge Chilenin, die im „Wilden Westen“ auf der Suche nach ihrem Geliebten zu sich selbst findet“. Wer also etwas Ausdauer und Lust auf etwas Kitsch mit sich bringt, der greife schnell zu. Wer es anspruchsvoller mag: Ich habe auch Javier Marias Mein Herz so weiß als Taschenbuchdort liegen sehen. Ansonsten eher eine maue Woche.

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Die vorzeitige Adelung von Jakob Augstein

Jakob Augstein scheint seit Jahren das Ziel zu verfolgen, bedeutsame journalistische Stimme in Deutschland zu werden. Und dafür bringt er gute Vorraussetzungen mit: Elegantes Auftreten, einen kühlen Kopf, eine gute verständliche Ausdrucksweise, eine schnelle Auffassungsgabe, ein passendes Selbstbewußtsein, ein großer Nachname. Er kann sich schnell assimilieren, scheut sich aber auch nicht, sich sofort auszugrenzen, wenn er sich seinem Rückrat verpflichtet sieht. Ein Mann mit Format, keine Frage. Er hat nur eine Archillesferse: Er schreibt keine großen Texte.

Den letzten Satz muss man gleich aufnehmen: 1. Bisher waren die Texte nicht groß, vielleicht ändert sich das. 2. Was heißt überhaupt, er schriebe keine großen Texte? Nun, Augstein nimmt immer staatstragende Texte ins Visier, ohne einen eigenen, tieferen Gedanken, der so woanders nicht vorkommt und sachlich überzeugt, in seinen Texten installieren zu können. Einen Satz wie diesen könnte Augstein ärgern, wie es jeden Journalisten mit Anspruch ärgert. Schlimm ist er allerdings nicht, denn Augstein spielt mit seinen Texten immer noch in einer hohen Liga, weit entfernt von anderen.

Jakob Augstein – ein Antisemit ?

Ich würde zunächst einmal Salomon Korn zustimmen: Ich habe in Augsteins Texten auch nichts antisemitisches gelesen und ich würde auch bei Henryk M. Broders Analysen vorsichtig sein. Um hier bei der Stange zu bleiben: Broder hat recht, wenn er hier ein Zitat Augsteins hervorhebt und kritisiert. Argumentativ ist die Qui-bono-Variation, die Augstein anschlägt, nicht überzeugend, weil aus einem Qui-bono-Gedanken, wie ihn Augstein anstellt, allenfalls eine Wahrscheinlichkeitsannahme, aber eben keine kausalitäre herauskommt. In seinem Text – so finde ich – erweckt Augstein aber genau diesen Eindruck einer Kausalität. Broders Schluss aus diesem Zitat ist, dass, wer so argumentiert wie ein Antisemit, selbst ein Antisemit ist. Diese Schlussfolgerung ist allerdings genauso pauschal wie die kritisierte Argumentation Augsteins. Ob Augstein Antisemit ist oder nicht, lässt sich daraus nicht schließen. Weil das Simon-Wiesenthal-Zentrum ohne eine adequate Analyse der Texte Augsteins verfährt, ist eben auch die Aufnahme Augsteins in eine Top-10 von antisemitischen Verunglimpfern eine Dummheit. Rabbi Abraham Cooper verweist auf diesen Text Augsteins, aber seine Kritik ist pauschalisierend und lässt sich so im Text Augsteins, der für sich genommen kein Glanzlicht an argumentativer Klarheit ist, nicht wiederfinden. Er rechtfertigt zudem nicht, was der Name Augstein in dieser Liste zu suchen hat.

Das Abschütteln eines Schattens

Was aber in dieser Angelegenheit passiert ist folgendes: Jakob Augstein ist dank des medialen Interesses und der Verteidigung Augsteins durch Bundespolitiker zu einer bundesweit beachtsamen journalistischen Stimme aufgestiegen. Das Auftauchen in dieser Liste schadet Augstein nicht im mindesten. Was immer diese Liste bezwecken sollte, der Zweck wurde verfehlt. Augstein selbst hat eine solch herausgehobene Position noch nicht ganz verdient. Er hätte in der Angelegenheit besser auf seine eigenen, kritisierten Texte eingehen sollen, – die er aber nur als allgemeines Tagesgeschäft umreißt – und nicht auf Kontroversen um Judith Butler, woraus hervorgehen soll, dass Israelkritikern allgemein Unrecht widerfährt – so auch ihm. Er liegt auch falsch darin, dass es in dieser Angelegenheit darum ginge, Israelkritiker mundtot zu machen. Seine Kritiker verweisen schon auf Passagen in seinen Texten, die argumentativ schlecht ausgearbeitet sind, woraus sie allerdings dann einen Antisemitismusvorwurf ableigen.

Ich bin optimistisch, dass Augstein der hervorgehobenen Stellung, die ihm so widerfährt, gerecht werden kann, wenn er seine Argumentationen klarer darlegt. Das täte allen Seiten gut.

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ZEIT.de: Rabbi Abraham Cooper: “Augstein sollte sich bei den Lesern und dem jüdischen Volk entschuldigen” (auch hier beschränkt sich der Rabbi auf ein einziges Zitat, dass nur unter seiner Interpretation als antisemitisch gedeutet wird. Das ist zu wenig in einer aufgeklärten Gesellschaft.)
Salomon Korn: Das Wiesenthal-Zentrum kennt die deutschen Verhältnisse nicht
– Salonom Korn bezieht sich auf diesen Artikel von Christian Bommarius.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Der STERN verbietet der FDP die Veröffentlichung eines Fragenkataloges.

Andrew Sullivan hat in den ersten 24 Stunden seines durch Privatspenden finanzierten Blogs 333.000$ eingenommen.

Nordkorea holt sich für den Wandel im eigenen Land Hilfe aus Deutschland.

Die Süddeutsche zum Tode des früheren baden-württembergischen Innenministers Thomas Schäuble.

Bei Facebook-Vorschaublidern sollten man vorsichtig sein – am besten unter Anonym seine meisten Spielereien verrichten, wer mich fragt.

Und während ich mir die Frage stelle: Wann stellt wohl der erste deutsche Blogger auf Privatfinanzierung um? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

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Neu im Bücherschrank(16): Helen Fiedling – Bridget Jones & Schokolade zum Frühstück

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Bridget Jones ist eine übertieben tolpatschig dargestellte Engländerin, die selbst mit Anfang dreißig durch ihre Unbeholfenheit jede 17jähirge erblassen lässt. Das Lesen der Schmöker ist eine Mischung aus Mitleid und Fremdschämen, aber dennoch unterhaltsam.Wer sich da versucht wieder zu finden, der tut mir leid.

Das Buch ist leider etwas in Verruf geraden, als es 2001 verfilmt wurde. Während ich mir beim Lesen die Hauptfigur als eine durchschnittliche Frau, die sich von einer Pralinen und 100 Zigaretten am Tag ernährt und dabei trotzdem ständig über ihr Gewicht jammer,t vorstellte, wurde die Hauptdarstellerin nicht müde stets zu erwähnen, wie schwierig die Rolle doch war, da sich dafür soooooooo viel zunehmen musste. Zu allem Überfluss wurde sie für ihre Tapferkeit von den Medien gelobt. Da wird mal wieder die Kluft zwischen Realität und Fiktion bewusst, als normale Frau ist man nur fett und lächerlich.

Wer nach anspruchsvoller Literatur sucht, ist hier eindeutig falsch. Wer allerdings einfach nur unterhalten werden und einfach nur lachen will, dem kann ich die Schmöker empfehlen.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Tja, das zumindest sprachlich schönste Fallbeil bekommt Philipp Rösler vom Münchner Merkur:

Mit ärmlicher Rhetorik und frei von jedem Charisma vertritt Rösler eine liberale Agenda, die intellektuell im Gestern verharrt.

Der ehemalige Schatzmeister der NPD, Erwin Kemna, darf sich schon wieder vor einem Gericht für NPD-Rechenschaftsberichte verantworten .

Tanja Dückers schreibt in Die falsche Rückkehr zur Relgion darüber, dass Agnostiker zugeben, nicht allwissend zu sein und dass das eh besser sein, da dem Menschen

die Nähe zu einem sogenannten Absoluten

nicht gut täte. Toller Satz für jemanden, der nicht allwissend ist, und unterm Strich ein herrlich selbstimplodierender Text. (Abgesehen davon hat Kant nichts von dem gesagt, was Dückers ihm unterstellt.)

Und während ich mir die Frage stelle: Warum ruft die FDP eigentlich nicht mal die Religion an? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Gero von Randow erklärt im Zuge der Depardieu-Pass-Posse, wie Frankreichs Wirtschaft schädlich für das französische Kinoist.

Piratenparteimitglied und Vorsitzender des Flughafen-Untersuchungsausschusses Martin Delius bemängelt die Transparanz im Verfahren um den Bau des Berliner Flughafens BER. Inzwischen spekulieren andere offen über einen Rücktritt Klaus Wowereits.

Happy Birthday: Die Sesamstraße wird 40.

Thomas Kuban in der taz darüber, was ein NPD-Verbot brächte.

Und während ich mir die Frage stelle: Entschuldigit sich die Presse eigentlich noch mal für die Wulff-Belagerungen? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

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