Guten Morgen, liebe Folglinge! ☕

Archiv für September 2012

Aussitzen statt Aufklärung – zum Bundestagsrückzug von Dieter Jasper

Tja, schein­bar ist er doch fer­tig: Die­ter Jas­per, der dreis­tes­te unter den aka­de­mi­schen Schön­fär­bern im Bun­des­tag (Süd­deut­sche Zei­tung) tritt bei der kom­men­den Wahl nicht mehr für die CDU als Bun­des­tags­kan­di­dat an. Und für eine halb­her­zi­ge Dolch­stoß­le­gen­de sorgt er selbst: Der poli­ti­sche Geg­ner will ihm nicht verzeihen:

Es gibt vie­le Grün­de. Der ent­schei­den­de ist, dass ich befürch­ten muss, dass im Wahl­kampf mein Feh­ler mit dem Doktor-Titel die Sach­the­men domi­niert. Und ich muss befürch­ten, dass der poli­ti­sche Geg­ner die­sen Feh­ler aus­schlach­ten wird. Das möch­te ich mir und ins­be­son­de­re mei­ner Fami­lie nicht antun. Die Fami­lie steht bei mir an ers­ter Stelle.

Gut, dass die Wahr­heit nicht an ers­ter Stel­le steht, konn­te man hin­läng­lich bei Jas­per fest­stel­len. Wie schon bei der Pla­gi­ats­af­fä­re von Gut­ten­berg sieht Jas­per den schwar­zen Peter vor­ran­gig bei der Oppo­si­ti­on. Und in der CDU jeden­falls ist man bereit, auf die­sen Zug aufzuspringen:

Chris­toph Bor­gert (Vor­sit­zen­der CDU Ibben­bü­ren): „Ich respek­tie­re die­se Ent­schei­dung. Ich glau­be, der Wahl­kampf wäre eine gro­ße Belas­tung gewe­sen, es wäre wie­der auf alten The­men rum­ge­rit­ten wor­den.“ Rai­ner Drop­pel­mann (CDU Hörs­tel): „Die­ter Jas­per hat gute Arbeit gemacht, er hät­te es sicher­lich ver­dient, noch­mal anzu­tre­ten. Auch sein Feh­ler hat sich eigent­lich längst erle­digt. Aber die Chan­cen auf eine Wie­der­wahl bei die­sen Vor­aus­set­zun­gen sind schwierig.“

Tja, eigent­lich hat sich Jas­pers Feh­ler, das alte The­ma erkauf­ter Dok­tor­grad längst erle­digt. Und unei­gent­lich stand immer im Raum, dass Jas­per öffent­lich nie den Weg zur War­heit bei die­sem The­ma fand. Aber in der CDU wird das Recht auf Aus­sit­zen – zumin­dest in ihren öffent­li­chen Äuße­run­gen – höher als die Wahr­heit gewer­tet. Denn alles ande­re als die Wahr­heit ist, was Jas­per der IVZ als letz­tes öffent­li­ches, inhalt­li­ches State­ment zu sei­ner Doktor-Affäre gesagt hat:

Die Über­prü­fung [eines von ihm beauf­trag­ten Anwalts­bü­ros] hat erge­ben, dass der an der Frei­en Uni­ver­si­tät Teu­fen erlang­te Dok­tor­grad auf­grund des ‚Deutsch-Schweizerischen Abkom­mens über die Gleich­wer­tig­keit im Hoch­schul­be­reich‘ in Deutsch­land nicht aner­kannt wird.

Das ist blan­ker Unsinn. Hier wird von einem in der Schweiz recht­mä­ßi­gen Dok­tor­grad gespro­chen, der lächer­li­che Ver­such, die Ange­le­gen­heit wie einen Ver­fah­rens­feh­ler aus­se­hen zu las­sen. Und ab da wur­de das The­ma von Jas­per, den sei­ne Bun­des­tags­frak­ti­on links lie­gen ließ, nur noch aus­ge­ses­sen. Die­se Falsch­dar­stel­lung wur­de nie zurückgenommen.

Die­ter jas­per hät­te bei der kom­men­den, für die CDU schwie­ri­gen Bun­des­tags­wahl nichts mehr rei­ßen kön­nen, weil er das benö­tig­te Ver­trau­en in sei­ner Par­tei sowie beim beim Wäh­ler ver­zockt hat. Der Rück­zug zeigt aber das Gute der gan­zen Ange­le­gen­heit: Das Aus­sit­zen von Unwahr­hei­ten funk­tio­niert im poli­ti­schen Bereich nicht mehr so ein­fach wie früher.

Guten Morgen

Morgenkaffee

So, unser­eins ist aus dem Krim-Urlaub wie­der da, den ich in 1, 2, 3, 4, 5 Tei­len bis­lang fest­ge­hal­ten habe. Der Blick in mei­ne Nach­rich­ten­quel­len zeigt mir aber, dass ich so viel nicht ver­passt habe.

Wet­ten, dass das nicht der letz­te Pat­zer die­ser Art war? Beim ZDF hat man deut­li­che Pro­ble­me mit der Aus­sa­ge ver­nein­ter Sät­ze.

Vol­ker Pis­pers über die von Rot-Grün bescher­te Altersarmut:

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Ist das schon der gol­de­ne Herbst da drau­ßen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Die Top10-Tweets des Augusts

Lesezeichen

Lesezeichen von heute

  • Lan­ce Arm­strong total­ly doped | kottke.org – With his con­nec­tions to Miche­le Fer­ra­ri, the best disho­nest doc­tor in the busi­ness, Arm­strong was always “two years ahead of what ever­y­bo­dy else was doing,”

Lesezeichen

Lesezeichen von heute

Guten Morgen

Jetzt dür­fen end­lich ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter von Gott­schalk über ihn in der Zei­tung herziehen.

Dorin Popa über die umständ­li­che Ver­ball­hor­nung Mar­kus Söders durch die Süd­deut­sche Zei­tung.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Was darf den Gott­schlaks Nach­fol­ger hin­ter­her ver­lan­zen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Lesezeichen

  • Das Super-Talent Tho­mas Gott­schalk: 62, blond, sucht … – Tages­spie­gel – Weni­ge Minu­ten spä­ter sitzt Franz Tro­jan vor dem Sei­ten­ein­gang des Ber­li­ner Tem­po­droms. Er hat sich gera­de eine Ziga­ret­te gedreht. In sei­nem Gesicht, das sei­ne Geschich­te nur schwer ver­ber­gen kann, liegt die Ohn­macht eines ange­zähl­ten Boxers: „Ich wuss­te lei­der nicht, wor­auf ich mich da ein­las­se.“ Hek­ti­sches Inha­lie­ren, glit­zern­der Schweiß auf der Stirn. Und eine Bit­te: „Schrei­ben Sie, ich lie­be den Tho­mas.“ Das ist ihm wich­tig. Das muss­te erst mal geklärt wer­den. Denn: „Als wir uns vor der Show getrof­fen haben, da hat er mich umarmt, da war alles nett und lieb. Völ­lig läs­sig. Wie frü­her.“ Kur­zes Inne­hal­ten. „Nur unten in der Sen­dung war alles anders.“ Tro­jan, das spürt man deut­lich, wun­dert sich: „Ich woll­te ihn fra­gen, war­um er das hier macht. Was hat er hier verloren?“
  • Im Kampf für die Ver­la­ge und gegen die Wahr­heit « Ste­fan Nig­ge­mei­er – Ent­we­der hat Chris­toph Kee­se, Kon­zern­ge­schäfts­füh­rer »Public Affairs« der Axel-Springer-AG, kei­ne Ahnung, wie die VG Wort funk­tio­niert. Oder er schreckt nicht davor zurück, die Unwahr­heit zu ver­brei­ten, wenn sie der Sache sei­nes Ver­la­ges und der Ver­la­ge ins­ge­samt dient.

Lesezeichen

Lesezeichen

Lesezeichen von heute

Guten Morgen

Morgenkaffee

Bet­ti­na Wulff geht gegen Gerüch­te im Inter­net vor, die über Blogs, aber auch über Zei­tun­gen ver­brei­tet wor­den sind. Und die Zei­tun­gen ler­nen dar­aus und the­ma­ti­sie­ren nun die Gerüch­te, die besa­gen, wo die Gerüch­te über Bet­ti­na Wulff her­ka­men und wozu sie die­nen soll­ten.

Die FAZ hat ja eine Frühkritik-Rubrik für Besab­be­lun­gen der Fern­seh­sen­dun­gen, die man am Abend zuvor gese­hen hat. Wenn deren Inhalt aber der gese­he­nen Lan­ge­wei­le in nichts nach­steht, wie­so nicht Schluss machen?

Dage­gen unheim­lich lesens­wert: Feri­dun Zai­mo­g­lu über Iden­ti­tät.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Seit wann den­ken gestan­de­ne Journ­lis­ten, sie könn­ten im Fern­se­hen tie­fe­re Gedan­ken fin­den? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

September 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
« Aug   Okt »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
Pinnwand
Schriftgröße
Seite 1 von 41234