Beschneidungsüberlegungen

In ande­ren Blogs, oft­mals Blogs jüdi­scher Auto­ren, habe ich mich in letz­ter Zeit ein­ge­hend mit der Beschnei­dungs­pro­ble­ma­tik aus­ein­an­der gesetzt, nur in mei­nem eige­nen eigent­lich nicht. Des­we­gen hin­ter­las­se ich mal Dort­ge­schrie­be­nes hier:

1. Deut­sche Gerich­te, und das ist ja die Instanz, um die es gera­de geht, sind nun mal stark der Auf­klä­rung ver­pflich­tet. Da wür­de ich nicht erwar­ten, dass man sich für das Juden­tum stär­ker aus dem Fens­ter lehnt, als man es für ande­re tut (Was bei den Katho­li­ken z.B. schlicht damit zu tun hat, dass es bei ihnen kei­ne ver­gleich­ba­ren Prak­ti­ken gibt, die sich wider­sprüch­lich auf die seku­la­re Welt aus­wir­ken.) .

2. Was CDU, FDP, Grü­ne und SPD ver­laut­ba­ren haben las­sen, war ziem­li­cher Oppor­tu­nis­mus, dar­an kön­nen sich Gerich­te inhalt­lich nicht ori­en­tie­ren. Die Bun­des­re­gie­rung kann aber ein Gesetz erlas­sen, gegen das über­haupt erst ein­mal von jeman­dem, der berech­tigt ist, geklagt wer­den müss­te. Das Kind kann es nicht sein, viel­leicht ein Eltern­teil.

3. Die zusätz­li­che Pro­ble­ma­tik im Deut­schen Recht ist der fest­ge­schrie­be­ne Kin­der­schutz. Wenn durch das Gesetz zur kör­per­li­chen Unver­sehrt­heit – salopp gesagt – jeden Popo­klat­scher straf­bar macht, dann ist Beschnei­dung ein stär­ke­res Ein­grei­fen und man müss­te erklä­ren, wie­so das weni­ger bestraft wird. Dies ist der Punkt, den Prantl schlicht nicht in sei­nem Text berück­sich­tigt. Dass ande­re Län­der, in denen kein so stark ver­an­ker­ter Kin­der­schutz besteht, in Gerichts­ur­tei­len zu ande­ren Ergeb­nis­sen kom­men, das ist qua­si logisch.

Das ist zwar ein aus dem Zusam­men­hang geris­se­ner Kom­men­tar, aber er beinhal­tet doch kom­pri­miert mei­ne Hal­tung.

Bei Kom­men­ta­to­ren, die der konservativ-jüdischen Hal­tung zur Beschnei­dung nahe ste­hen, las ich zu mei­nen Äuße­run­gen oft per­sön­li­che Angrif­fe, Kri­tik an mei­nem angeb­li­chen Cha­rak­ter, oft­mals das Kla­gen über den angeb­li­chen Angriff auf die eige­ne Reli­gi­on, das Kla­gen über die angeb­lich deut­sche Ver­lo­gen­heit, jüdi­sches Leben in Deutsch­land zu wol­len, aber nur durch Auf­ga­be von Glau­bens­grund­sät­zen zu ermög­li­chen, und eigent­lich nie eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Sache unab­hän­gig von Glau­bens­an­sich­ten. Wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns – Der Inbe­griff einer fun­da­men­ta­lis­ti­schen Hal­tung.

Das sind Kri­ti­ken, die nicht in Fra­ge gestellt wer­den und auto­ma­ti­siert erschei­nen. Jeder Popu­lis­mus für die eige­ne Sache wird als ver­nünf­tig dekla­riert, jeder Popu­lis­mus gegen die eige­ne Sache als welt­fremd. Die eige­ne angeb­li­che Opfer­po­si­ti­on wird roman­tisch ver­klärt. So ein­fach ist das.

Mich stört, dass so schnell auf die Opfer­po­si­ti­on hin­ge­wie­sen wird, dass so schnell gemeint wird, man wür­de aus der deut­schen Gesell­schaft ver­drängt. Man trifft sehr schnell auf eine ver­här­te­te Front, ohne dass die Sach­la­ge vor­ur­teils­frei dar­ge­legt wor­den wäre. Scha­de eigent­lich.

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