Gute Nacht, Freunde! https://t.co/wtpCZoHLQi

Archiv für den 4. Mai 2012

Guten Morgen

Morgenkaffee

Sah­ra Wagen­knecht hat einen ganz inter­es­san­ten Arti­kel zur euro­päi­schen Finanz­la­ge geschrie­ben. Die Quint­essenz ist, dass die Euro­päi­sche Zen­tral­bank ein­fach allen Staa­ten benö­tig­te Kre­di­te gewäh­ren soll. Das klingt so wie die For­de­rung der Lin­ken in NRW nach einem 10€-Stundenlohn-für alle: Wie das finan­ziert wer­den soll, prü­fen wir spä­ter. In phi­lo­so­phi­scher Hin­sicht ist ihre Hegel-Affinität auf­fal­lend: Ich habe mal mit einem Phi­lo­so­phen gespro­chen, der mein­te, man kön­ne nur Hege­lia­ner oder Kan­tia­ner sein. Man kriegt wohl nicht bei­des auf den Schirm, was ich bezwei­feln wür­de. Aber gut, von Hegel ist mei­nes Erach­tens auch nur geblie­ben, dass CDU und CSU so am tra­di­tio­nel­len Fami­li­en­bild fest­hal­ten: Hegel meint, die Fami­lie sei Quel­le allen mora­li­schen Ver­hal­tens. Das behaup­tet nicht mal der Papst. Bei Wagen­knecht nun merkt man, dass sie Kant nicht genau kennt: Hegels Völ­ker­recht ist nur ein lau­er Abklatsch des Kan­ti­schen und in letz­te­rem wird argu­men­tiert, dass Staa­ten ihre recht­li­che Auto­no­mie nicht abge­ben dür­fen. Auch nicht finanz­po­li­tisch, was Wagen­knecht für wün­schens­wert erach­tet. Kants eige­ner Schluss zur Finanz­po­li­tik ist so sinn­voll wie es heu­te ver­rückt klingt: Das Ver­bot von Staatsschulden.

Auch außer halb von Deutsch­land wird man inzwi­schen mit fal­schen Aus­bil­dungs­zu­schrei­bun­gen sen­si­bel: Yahoo fürch­tet Kon­se­quen­zen dar­aus, dass sein Chef im Lebens­lauf angab, aus­ge­bil­de­ter Com­pu­ter­wis­sen­schaft­ler zu sein anstatt ledig­lich Buchhalter.

Bei n24 (und der dpa) erzählt man gelang­weilt die letz­te Sen­dung Harald Schmidts auf Sat1 nach. Aber erzäh­len muss man es wohl. Ich ver­ste­he eh gera­de nicht, wie­so Schmidt als letz­tes Zei­chen von Geist im Fern­se­hen gehan­delt wird.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Ist der All­tag von Leu­ten, die Schmidt nach­trau­ern, so witz­arm oder wie­so trau­ern sie? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Warum man die Piraten nicht zu wählen braucht

… erklärt Julia Schramm, Vor­stands­mit­glied der Pira­ten­par­tei, jetzt mal in aller Kür­ze:

Wir sind nicht ange­tre­ten, um zu sagen: “Wir haben die Ant­wor­ten.” Wir sind ange­tre­ten und sagen: “Wir haben die Fra­gen und ihr habt die Antworten.”

Aja. Wenn grund­sätz­lich im Gegen­satz zu den Pira­ten die ande­ren die Ant­wor­ten haben, ja, dann wäh­le ich bes­ser die ande­ren. Nein, man muss sich nicht wun­dern, dass intel­li­gen­te Köp­fe über die­se Par­tei ihre sel­bi­gen schüt­teln, wenn der­ar­ti­ge Anti-Intellektuelle in den Vor­stand gewählt wer­den. Nur weil ande­re Par­tei­en zuge­ge­be­ner­ma­ßen mit­un­ter über­hol­te Struk­tu­ren und anti­quier­te Ansich­ten ver­tre­ten, ist das doch noch kein Frei­brief, sinn­be­frei­te Flos­ken zum Poli­tik­stan­dard zu erhe­ben, die ledig­lich nicht anti­quiert sind.

Wiedergekäutes

In Ber­lin geht heu­te die 12. re-publica zuen­de. Und wie­der geht das aus den vor­an­ge­gan­ge­ne Jah­ren abge­schrie­be­ne Gebrab­bel los, es sei ein Blog­ger­tref­fen, oder für wirk­lich Gläu­bi­ge die Leit­ver­an­stal­tung von Netz­kul­tur und Inter­net­po­li­tik. Klei­ner geht’s für man­che nicht. Eigent­lich wird dort nur Wie­der­ge­käu­tes vor­ge­tra­gen, was wohl die pas­sends­te Über­set­zung des Titels der Ver­an­stal­tung über­haupt ist: Dut­zen­de Vor­trä­ge, die es von den glei­chen Leu­ten schon gab oder inhalts­glei­che von ande­ren Per­so­nen. Und dann sit­zen vor Ort PR-linge, die irgend­was von Frei­heit im Netz in Apple-Produkte tip­pen. Ein Katho­li­ken­tag für Com­pu­ter­über­stra­pa­zie­rer. 4000 Gäs­te soll­ten nicht davon ablen­ken, dass — was heu­te ger­ne geglaubt wird — Mas­se eben nicht gleich Qua­li­tät ist.

Nur manch­mal scheint auch re-publikaniern ein Licht­lein auf­zu­ge­hen. Nach­dem sich Jacob Aug­stein wäh­rend der letzt­jäh­ri­gen Twitkrit-Lesung auf der Büh­ne über das Niveau lus­tig gemacht hat, fehlt die­se Ver­an­stal­tung nun:

Also obwohl die Ver­an­stal­tung beim letz­ten Mal gut besucht war, wur­de sie — ich wür­de schät­zen aus Qua­li­täts­grün­den — nicht neu auf­ge­legt. Und das ist dann doch irgend­wie neu, zumin­dest dort.

Warum es höchste Zeit war, Harald Schmidt abzusetzen

Weil er schei­ßen­lang­wei­lig war.

Das muss jetzt mal raus: Die Sen­dung von Harald Schmidt ist seit Jah­ren auf dem brä­si­gen Niveau, dass man gemein­hin 3sat nach­sagt. Erst kommt eine 5-minütige Stand-up-Nummer, deren Witz­art sich seit 15 Jah­ren nicht ver­än­dert hat. Immer die­se Ödnis­se der Form “Has­se nicht gese­hen ist das-und-das-und-das. Man nennt ihn jetzt schon Rums-di-bums.” Und dann kom­men Gesin­nungs­la­cher. Auch die Inter­views sind zu 90% öde Zeit­tot­schla­ge­rei, dürf­ti­ges Satz­ping­pong mit Leu­ten, die Harald Schmidt nicht die Boh­ne inter­es­siert, die aber ob ihres aktu­el­len Bekannt­heits­gra­des oder angeb­li­chen Zuschau­er­ge­mo­ches auf dem Hart­stuhl platz neh­men dürfen.

Ein geist­rei­cher Zuschau­er hof­fe also auf die Lücke zwi­schen Stand-up und Gäs­te­be­grü­ßung und da war seit Jah­ren auch nur ein unin­spi­rier­tes Weiß­haupt zu sehen, das einen ent­fernt an einen spitz­zün­gi­gen Mode­ra­tor der 90er erin­nert hat. Was ist aus dem eigent­lich geworden?

Die Harald-Schmidt-Show, ob bei ARD oder Sat1, war immer nur ein nicht ein­ge­hal­te­nes Versprechen.

Es ist schon irri­tie­rend, wie so eine schlech­te Sen­dung, der immer wie­der Geist­reich­heit unter­stellt wird, nur weil es dar­an den Haupt­sen­dern erman­gelt, zum Zei­chen des Todes der Iro­nie hoch­ge­ju­belt wird. Ihre Ver­blen­dung wird der Auto­rin gar nicht mehr bewußt. Da wird jeder Wort­witz gleich zur Iro­nie umge­deu­tet. Wie fürch­ter­lich. Ande­rer­seits dis­kre­di­tiert man dadurch iro­nierei­che, aber nicht so maß­los über­trie­ben hoch­ge­hyp­te Pro­gram­me wie quer.

Sicher­lich ist das Rest­pro­gramm von Sat1, das Schmidt hin­ter­lässt, noch unter­ir­di­scher — aber zum gro­ßen Teil auch bil­li­ger. Und wer unbe­dingt ein­mal die Woche Iro­nie im Fern­se­hen möch­te, der schaue quer. Oder die Mit­ter­nachts­spit­zen. Oder die Kaba­rett­pro­gram­me auf 3sat.

So wenig wie Schmidt hin­ter­läßt Gott­schalk mit sei­ner Vor­abend­sen­dung eine Lücke. Sie hin­ter­las­sen Platz.

Lesezeichen vom 4. Mai 2012

Die Nachtgeschichten von heute

Mai 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
« Apr   Jun »
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031  
Pinnwand
Schriftgröße
Vor 5 Jahren