Mir schavant nichts Gutes…

Ja, ups­al­la: Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin Annet­te Scha­vans Dis­ser­ta­ti­on steht unter Pla­gi­ats­ver­dacht. Und wenn man zur Maß­stab nimmt, dass eine ein­zi­ge Stel­le zur Aberken­nung des Titels reicht, wür­de ich die­se Bedin­gung hier­durch schon als gege­ben anse­hen. Der anony­me Ver­fas­ser der Pla­gi­ats­ver­dachts­sei­te:

Die Ver­fas­se­rin über­nimmt von Stadter (1970) […] ohne Stadter in der Arbeit zu erwäh­nen.

Sie selbst habe nur Ori­gi­nal­quel­len ver­wen­det, äußer­te sich die Minis­te­rin. Und hey, da wird die ers­te Nebel­ker­ze gewor­fen:

Mit anony­men Vor­wür­fen kann man schwer­lich umge­hen

sagt Scha­van. Äh, doch, man muss nur lesen. Der Fall ist so gut wie durch.

Aktua­li­sie­rung

14:55 Uhr — Das geht aber schnell heut­zu­ta­ge: Die Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf kün­digt für den Nach­mit­tag eine Erklä­rung an.

Beim Spie­gel hat man die Vor­wür­fe noch nicht ganz ver­stan­den.

Der Tages­spie­gel ver­steht die Cau­sa bes­ser und ver­weist dar­auf, dass die Dis­ser­ta­ti­on von Gewis­sens­bil­dung han­delt. Muha­h­a­h­a­ha.

16:31 Uhr — Auch N24 über­nimmt von der dpa das Miss­ver­ständ­nis: “Anders als bei frü­he­ren Pla­gi­ats­vor­wür­fen gegen Poli­ti­ker — etwa im Fall des zurück­ge­tre­te­nen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters Karl-Theodor zu Gut­ten­berg (CSU) — geht es bei den anony­men Vor­hal­tun­gen gegen Scha­van nicht um die Über­nah­me kom­plet­ter Text­stel­len aus ande­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen.” Doch, dar­um geht es auch. Aber immer­hin haben sie einen O-Ton des Dok­tor­va­ters:

Solan­ge ich nicht durch äuße­re Umstän­de dazu ver­an­lasst wer­de, auf die Arbeit zu schau­en, wer­de ich das nicht tun.

20:23 Uhr — Nebel­ker­ze Nr. 2 bei der Süd­deut­schen Zei­tung:

Man kön­ne nie ganz aus­schlie­ßen, dass ähn­li­che Gedan­ken oder For­mu­lie­run­gen auch in ande­ren Wer­ken stün­den.

Naja, wir reden hier immer noch über iden­ti­sche, auf ein­an­der fol­gen­de Sät­ze aus einer nicht­ge­nann­ten Quel­le.

22:13 Uhr — Das heute-journal bringt die Mel­dung. So schnell war ein WordPress.com-Blog wohl noch nie bei den Mei­nungs­ma­chern.
Auf Vro­ni­plag fin­det sich die ver­mut­lich vor­her­ge­hen­de Stel­len­samm­lung.

3. Mai 10:30 Uhr — Die NOZ bringt eine Mel­dung der dpa über die NOZ, die den Vroniplag-Gründer inter­viewt hat. Die­ser hält eini­ge Stel­len in Scha­vans Dis­ser­ta­ti­on für kla­re Pla­gia­te, es sei aber kein zwei­ter Fall Gut­ten­berg. Das geht ja auch schon rein sub­stan­ti­ell nicht: Bei Gut­ten­berg wur­den auf mehr Sei­ten Pla­gia­te gefun­den als Scha­vans Dis­ser­ta­ti­on über­haupt umfasst.

Inter­es­sant ist ein Hin­weis auf die Ver­hand­lung um den Dok­tor­grad von Jor­go Chat­zi­marka­kis: In einer Ver­öf­fent­li­chung des Ver­wal­tungs­ge­richts wird fest­ge­hal­ten, dass der Zweit­gut­ach­ter betont, dass jedes wört­li­che Zitat ein­zeln aus­ge­wie­sen sein muss.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Ach, wie schön: Weil der Wahl­kampf ja so lang­wei­lig ist, hat der WDR die Wahl­pla­ka­te mal aus ästhe­ti­schen Gesichts­punk­ten her­aus ana­ly­siert. (Laut­spre­cher an!)

Springer-Chef Mathi­as Döpf­ner ver­sucht im Inter­view Mar­tin Wal­ser zur Kom­men­tie­rung von Grass’ Gedicht zu ver­lei­ten.

Harald Schmidt wech­selt zu SKY.

Denis emp­fiehlt ein PodCast-Radio: Radio like you want.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Wie­so lässt sich jetzt Wal­ser von Sprin­ger par­tei­isch inter­view­en, wenn er unpo­li­ti­scher Schrift­stel­ler ist? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

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