Die Facebookisierung der Gesellschaft

Neulich sprach ich mit ein­er Mut­ter. Sie sagte, sie habe eigentlich noch einen guten Draht zu ihrer Tochter. Aber es gäbe da Sachen, die ver­stünde sie nicht.

Let­ztens habe ihre Tochter Geburt­stag gehabt. Da habe sie alle paar Minuten ihr Handy raus­ge­holt, etwas drauf rumgewis­cht und wieder eingesteckt. Den ganzen Tag lang. Wieso? Es kamen dauernd Glück­wün­sche über Face­book rein. Kein Anruf, aber 27 Einzelkom­mentare auf ihrem Pro­fil. Sie fand das gut. Abends traf sie sich mit ihren Fre­undin­nen zum Raclette-Essen. Da hat­ten von 9 Mäd­chen 7 dauernd ihr Handy in der Hand und kom­mu­nizierten — mit jew­eils anderen Mäd­chen am Tisch.

Vielle­icht wird der Nicht­nerd ger­ade der Aus­nah­me­fall. Der­jenige, der sich von Tech­nik vere­in­nehmen lässt, hier­für ein­er­seits tech­nisch gut ori­en­tiert ist, dafür im zwis­chen­men­schlichen Ver­hal­ten gehemmt, zurück­hal­tend, unsich­er und unzugänglich.

Ver­gan­ge­nes Woch­enende traf ich auf ein­er Par­ty eine junge Frau, die sich stark über ihre Schwägerin echauffierte. Alle Infor­ma­tio­nen über die Fam­i­lie, Verabre­dun­gen, kleinere Neuigkeit­en und so würde näm­lich größ­ten­teils inzwis­chen über Face­book laufen. Und die Schwägerin sei nicht bei Face­book angemeldet. Diese könne ja nun nicht erwarten, dass man sie anruft, um ihr die Neuigkeit­en, die es auf Face­book zu lesen gibt, extra mitzuteilen.

Das, was eine Mehrheit macht, ist nor­mal, auch wenn die Mehrheit plöt­zlich das Gegen­teil von dem macht, was sie früher gemacht hat. Und plöt­zlich etwas nor­mal, was der Sache nach völ­lig bek­nackt ist.

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