Wie die Medien Christian Wulff absägen wollen

Viel­leicht hat es die soge­nann­ten Qua­li­täts­me­di­en gewurmt, dass gen Jah­res­rück­blick der Rück­tritt Gut­ten­bergs dem Inter­net ange­krei­det wird und die tra­di­tio­nel­len Medi­en dies nur kom­men­tie­ren durf­ten. Bezüg­lich der Kre­ditaf­fä­re von Chris­ti­an Wulff sind die Blog­ger etc. deut­lich ruhi­ger. Mit Recht. Denn Chris­ti­an Wulff hat schlicht recht, wenn er meint, nicht gegen das Minis­ter­ge­setz des Lan­des Nie­der­sach­sen ver­sto­ßen zu haben. Und dies ist nicht bloß juri­disch so.

Dies scheint aber nicht all zu leicht ein­ge­se­hen zu wer­den, weder bei tra­di­tio­nel­len Medi­en noch bei der Poli­tik:

https://twitter.com/#!/EvaHoegl/status/148506731088068608

Und so ein Satz von einer Juris­tin aus Osna­brück. Viel­leicht stützt sich die­se Aus­sa­ge auf Hans Her­bert von Arnim, der in der taz mein­te, Wulff habe gegen das soge­nann­te Minis­ter­ge­setz Nie­der­sach­sen ver­sto­ßen, dass Dar­le­hen, die in Bezug auf ein Amt eines Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten ste­hen, ver­bie­tet. Für Arnim ist der Bezug auf ein Amt durch die Beglei­tun­gen des Kre­dit­ge­bers auf Rei­sen Wulffs gege­ben. Dabei darf sich ein Minis­ter­prä­si­dent bera­ten las­sen, von wem er will.

Wulff und sein Kre­dit­ge­ber ken­nen sich schon seit vor sei­ner Zeit als Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter. Es besteht dem­nach kei­ne Vor­teils­nah­me durch sein Amt als Minis­ter­prä­si­dent. Es besteht auch kei­ne geschäfts­mä­ßi­ge Bezie­hung, da der Kre­diet nichts mit Wulffs Beruf als Rechts­an­walt zu tun hat und auch der Kre­dit­ge­ber nicht haupt­be­ruf­lich Kre­di­te ver­gibt. Und somit ist die Sach­la­ge ein­deu­tig: Es gibt kei­nen juris­ti­schen Ver­stoß.

Wol­len die tra­di­tio­nel­len Medi­en nun ernst­haft aus dem nicht-juristischen einen mora­li­schen Ver­stoß machen, indem sie behaup­ten, ein Poli­ti­ker dür­fe sich pri­vat kein Geld von Freun­den lei­hen?

Wie­so die taz dar­auf kommt, Wulffs Haus sei dubi­os finan­ziert, wie­so der SPIEGEL meint, Wulff habe mora­lisch Kre­dit ver­spielt, wie­so Heri­bert Prantl glaubt, das Kre­dit­ver­hal­ten Wulffs sei falsch gewe­sen — das alles bleibt unklar und wirft die Fra­ge auf, ob die tra­di­tio­nel­len Medi­en nichts bes­se­res zu tun haben, als die­ses Bla­bla zu skan­da­li­sie­ren.

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2 Kommentare

  1. Die per­sön­li­che Vor­teils­nah­me in Form einer offen­bar durch ein nie­der­säch­si­sches Unter­neh­men finan­zier­ten pri­va­ten Urlaubs­rei­se wäre mit dem Amt des Minis­ter­prä­si­den­ten nicht vereinbar.Herr Glo­gow­ski ver­liert sei­ne Unab­hän­gig­keit und damit sei­ne poli­ti­sche Hand­lungs­fä­hig­keit”

    Was pri­vat ist, muss pri­vat gezahlt wer­den.”

    Ich lei­de phy­sisch dar­un­ter, dass wir kei­nen unbe­fan­ge­nen Bun­des­prä­si­den­ten haben”
    (Anm.: Pri­vat­flü­ge von Joh. Rau in sei­ner Zeit als Minis­ter­prä­si­dent)

    O-Ton Chr. Wulff

    Noch Fra­gen?

    1. Ja, natür­lich noch Fra­gen: Was soll das in Beu­zug auf Wulff irgend­wie bedeu­ten? Weder die Cau­sa Glo­gow­ski noch die Cau­sa Rau sind in ihrem Aus­maß mit Wulffs Kre­dit, der rein pri­vat gewe­sen ist, ver­gleich­bar. Auch war die­ser Kre­dit eine Win-Win-Situation, weil Kapi­tal­an­la­gen damals wein­ger ein­brach­ten als Wulffs Zin­sen. Es riecht nicht gut, was Wulff da macht (bewegt sich aller­dings völ­lig im recht­li­chen Rah­men), aber was die Medi­en da zusam­men­kre­den­zen stinkt zum Him­mel.

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