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Gröner, Anke — Nudeldicke Deern

buchleserAnke Grö­ner hat sich als Blog­ge­rin sicher­lich ver­dient gemacht: So sym­pa­thisch wie sie schreibt, steht sie ein für kla­re, unauf­ge­reg­te Spra­che, Offen­heit für die Genuss­sei­te des Lebens, für Lesen, für Bestän­dig­keit. Sie zählt auch zu den weni­gen deut­schen Blog­ge­rin­nen, denen gro­ße Ach­tung inner­halb der Blog­go­sphä­re zukommt.

Nur: War­um hat nie­mand ver­sucht zu ver­hin­dern, dass sie so ein Buch schreibt?

Das Buch ist ein Ich-bin-okay-du-bist-okay-Durchhalteparolen-Lebensratgeber (Und das mit dem Ich bin okay, du bist okay kommt im Buch tat­säch­lich vor). Es ist nicht so ver­lo­gen wie die fröh­li­che Mop­pel­li­te­ra­tur, denn da ist die prä­sen­tie­ren­de Auto­rin ja immer um eini­ges mop­pe­li­ger als auf dem Buch­um­schlag, aber es ist lei­der auch ver­lo­gen: Es geht im Buch um die Auf­ga­be von Abnehm­vor­ha­ben zur ver­meint­li­chen Ret­tung der eige­ne Psy­che, nicht um’s Abneh­men oder Dick­sein. Ich hal­te es für pro­ble­ma­tisch, sich für die­se Auf­ga­be Applaus zu holen.

Natür­lich darf und soll­te jeder sei­nen eige­nen psy­cho­lo­gi­schen Haus­halt so arran­gie­ren, dass man gefeit ist gegen Angrif­fe von außen. Das zählt für Dicke so wie für Dün­ne. Ich weiß auch nicht, wer das ange­zwei­felt haben soll­te. Wer aber zu viel wiegt und wem das Zuviel auf die Psy­che schlägt, der soll­te abneh­men, wenn er das Pro­blem lösen will. Das bedeu­tet auch, dass man gegen den eige­nen inne­ren Schwei­ne­hund ankämpft. Wer nun meint, die­ser Kampf sei schon gewon­nen, weil man nach einer Diät weni­ger wiegt, täuscht sich einfach.

Anke Grö­ner schreibt nun in ihrem Buch, man kön­ne die­sen Kampf auf­ge­ben, solan­ge nur die eige­ne Psy­che okay ist. Mit ande­ren Wor­ten: Ver­drän­gung. Kann man. Muss man aber nicht. Gera­de wenn die Kör­per­fül­le am eige­nen Selbst­be­wusst­sein nagt, ist ein gelun­ge­ner Abnehm­ver­such ja ein Erfolg. Der Schlüs­sel lau­tet nicht, wie das Buch weis machen will: Free your mind, and your fat ass will fol­low im Sin­ne von: Ent­las­te dei­ne Psy­che, son­dern Free your mind, and the rest will fol­low im Sin­ne von: Regel dein Ver­hal­ten nach nicht bloß momen­ta­nen Gesichts­punk­ten (wor­un­ter auch eine Kan­ti­sche Inter­pre­ta­ti­on des Wor­tes frei fal­len könnte).

Wer ver­drängt, ver­drängt mit dem Pro­blem eben auch die Pro­blem­lö­sung. Das ist die unan­ge­neh­me Wahr­heit, die man im Buch nicht zu lesen bekommt.

2 Kommentare zu „Gröner, Anke — Nudeldicke Deern“

  • Ich den­ke es ist sehr pro­ble­ma­tisch, den Weg einer Ein­zel­per­son als Wun­der­mit­tel für alle ande­ren Leu­te zu ver­mark­ten, die sich mit ihrer Selbst- und Fremd­wahr­neh­mung unwohl fühlen.

    Wür­de aber auch Grö­ner auch nicht Ver­drän­gung unter­stel­len — ich bin ja (glück­li­cher­wei­se) auch nicht ihr The­ra­peut. Wenn sie sich selbst posi­ti­ver sieht und das für sie wirkt, dann ist das für sie eine ganz legi­ti­me Metho­de, die sie (mei­ner Ansicht nach) auch durch­aus beschrei­ben darf.

    Bedenk­li­cher als die­ses Buches fin­de ich die andern­orts gern ver­tre­te­ne Idee, allein über Gewichts­ver­lust Selbst­be­wusst­sein zu gewinnen.

    Wha­te­ver. Wir sind nicht alle Grö­ner. Das ist ver­mut­lich auch gut so.

    Denis - 06.11.2011 um 18:14 Uhr Uhr - Antworten
    • Ich wür­de nicht unter­stel­len, dass Grö­ner einen The­ra­peu­ten hat ;-). Sie schreibt nur ab und an in sehr ver­all­ge­mei­nern­der Form über ihre Ansich­ten , und das hal­te ich, wenn sie sich an Per­seo­nen rich­tet, die ein Pro­blem haben, doch für zweischneidig.

      Carsten - 06.11.2011 um 20:18 Uhr Uhr - Antworten

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